HOG-Schäßburg / Siebenbürgen


Schäßburg nahm uns erneut herzlich auf!

Jubiläumsfeier "100 Jahre neue Bergschule" und das 3. Treffen der Schäßburger in Schäßburg waren der Anlass unseres Besuches

Es ist immer wieder schön, wenn es in Schäßburg, in unserer alten Heimatstadt, einen Anlass gibt, der uns zu einem Treffen zusammen ruft, um das Ereignis gemeinsam, mit den Schäßburgern da wie dort, begehen zu können.

Sammelstelle Nürnberg                                                        Foto: Lukas Geddert

 

Dieses mal riefen uns die beiden Bergschulvereine, aus Deutschland (Vorsitzender Günter Czernetzky) sowie aus Schäßburg (Vorsitzender Dr. Ovidiu Capatina) zum Treffen in die Kokelstadt. Der Grund: vor hundert Jahren wurde die alte, etwas zu klein gewordene Schulanstalt auf dem Berg, mit einem weiteren Stockwerk versehen bzw. wurde im Jahre 1901 der, in neugotischem Habitus aufgestockte Bau feierlich seiner Bestimmung übergeben.

Empfang mit Blumen in Schäßburg                                              Foto: Hedwig Deppner

 

Und die beiden Bergschulvereine begingen ihr zehnjähriges Bestehen.

Also wurde unter anderem auch in den "Schäßburger Nachrichten" für eine Busreise "nach Unten" geworben, mit Erfolg. Denn am 18. Oktober 2001, dem Tag unserer Abreise aus Deutschland, waren es 53 Schäßburger, die von dem Doppelstockbus des Reiseunternehmens Schinker aus Gummersbach, von  insgesamt neun Zusteigestellen an Bahnhöfen oder Autobahnraststätten, "aufgelesen" wurden.

Ausstellung "Geschichte der Bergschule".                                                    Foto: Walter Lingner

 

Es wurde  dann durchgefahren und nur kurze Pausen, gewissermaßen zum Vertreten der Beine, eingelegt. Wer im Bus keinen Schlaf fand, konnte Videofilme von und über Schäßburg sehen, die unser  HOG-Vorsitzender Walter Lingner vorsorglich schon mal mitgenommen hatte. Ansonsten verlief die Fahrt recht ruhig und an Gesprächsstoff  fehlte es den Reisenden auch nicht. Die Stimmung "an Bord" war die beste.

Eröffnung der Jubiläumsfeier durch Direktor 
M. Maier                                   Foto: Liviu Rachita

 

Eine viertel Stunde vor 17 Uhr trafen wir in Schäßburg ein, wo Vertreter von Forum und Kirche, aber auch Freunde, Anverwandte und Bekannte, mit einem Blumensträußchen für jeden einzelnen, auf uns warteten. Nach einer ersten stürmischen Begrüßung und dem Familienfoto wurden wir in die einzelnen Fahrzeuge, wie PKWs und Kleinbusse verfrachtet und zu den Hotels oder privaten Unterkünften gebracht.

Im Auditorium während der Jubiläumsfeier, Schäßburger von nah und Fern. 
                                                                                                                                 Foto: Liviu Rachita

 

Den Samstag Vormittag nutzten viele unserer Landsleute für einen Besuch auf dem Bergfriedhof, denn der Beginn der Feierlichkeiten in der Bergschule war für 13 Uhr angesetzt worden. Bis 14 Uhr, dem Beginn des eigentlichen Festaktes in der Aula der Bergschule, konnten die sehr zahlreich erschienenen Gäste von nah und fern eine fantastische Ausstellung mit Bilddokumenten aus der vielhundertjährigen  Geschichte der Bergschule, dem "Bischof-Teutsch-Gymnasium", der Deutschen Pädagogischen Schule, dem "Joseph-Haltrich-Lyzeum", eingerichtet von den Lehrerinnen Marianne Cojocaru und Erika Lang, besichtigen.

Bergschüler stellen sich vor.                                                Foto: Liviu Rachita

 

Um 14 Uhr war es dann so weit. Gut beraten war derjenige, der sich rechtzeitig in der Aula  einen Sitzplatz sichern konnte.

Begrüßt wurden die Anwesenden vom derzeitigen Schuldirektor Prof. Mircea Maier. Grußworte vom rumänischen Staatspräsidenten, bzw. vom Unterrichtsministerium wurden vom stellvertretenden Schuldirektor Prof. Stefan Ilie vorgelesen. Weitere Grußworte an die Anwesenden gab es vom Bürgermeister der Stadt Ioan Dorin Danesan, sowie der Vertreterin des Schulinspektorates Neumarkt, Cornelia Ciubotea.

Podiumsgespräch, Leitung Hermann Baier.                       Foto: Liviu Rachita

 

Die Festrede hielt Prof. Dorina Hirtoaga. Weitere Redner waren die Schüler Georgia Baltag und Claudiu Dudas, ferner Dipl.-Ing. Walter Lingner, Vorsitzender der HOG Schäßburg aus Deutschland und Prof. Postoiu T. Es fehlten nicht die Referate der beiden Vorsitzenden der Bergschulvereine Dr. Ovidiu Capatina (Schäßburg) und Günter Csernetzky (München).

Dr. Daniel Zikeli und Dr. A. Gota, Teilnehmer am Podiumsgespräch.          Foto: Liviu Rachita

 

Zur Sprache kamen unter anderem Aspekte der kulturellen und geschichtlichen Entwicklung dieser ehrwürdigen deutschen Lehranstalt, die auch gegenwärtig, neben der rumänischen eine Abteilung mit deutscher Unterrichtssprache hat. Es wurde ferner über namhafte Persönlichkeiten, die die Bergschule besucht und absolviert oder dieser als Rektoren vorgestanden haben, referiert.

Unterschrift: Protest "Dracula Land".                               Foto: Liviu Rachita

 

Die Vorsitzenden der beiden Bergschulvereine sprachen über die gegenwärtige Problematik, bzw. was in den verflossenen zehn Jahren an und in der Schule gemacht wurde, aber auch was noch zu tun geblieben ist.

Bergschulabsolventen Dr. Gerhard Schullerus, Dr. Julius Sass und Dipl.-Ing. Alfred Leonhardt beim gemütlichen Beisammensein. 
                                                                                                  Foto: Liviu Rachita

 

Einen nicht endenden Applaus gab es, als Frau Gertrude Schuller aus Wien verkündete, dass für die Sanierung der "vorsintflutlichen" sanitären Anlagen in der Schule ein fünfstelliger DM-Spendenbetrag bereitgestellt und mit den Bauarbeiten spätestens im kommenden Frühjahr begonnen werden soll. Die Kanalisation, sowie der Anschluss an das Stadtnetz wird von den lokalen Stadtbetrieben  durchgeführt.

Nicht vergessen werden sollen die sehr gelungenen musikalischen, instrumentalen und lyrischen Darbietungen von Schülern der Bergschule, in deutscher und rumänischer Sprache unter der Leitung der Lehrerinnen Celita Sechel und Katharina Schaaser.

Bei dem anschließenden Podiumsgespräch, das von Prof. Hermann Baier geleitet wurde,  wurden in den zahlreichen Wortmeldungen (K.G. Reich, Dr. O. Capatina, G. Czernetzky, H.B. Fröhlich, Gertraud Schuller, Constantin Stefanescu, Rudolf Kartmann, Dr. G. Schullerus, Helmut Müller, Dr. Alexandru Gota, Johannes Halmen, Sanda Jäger (Capatina), A. Mausholf, Siegmar Schmidt, Dr. Daniel Zikeli und Ruthtraut Markeli), weitere Aspekte und Probleme, die Gegenwart und Zukunft der Lehranstalt betreffend, erörtert. Zu einer Protestkundgebung wurden die Diskussionen, als die Rede auf den auf der "Breite" zu errichtenden "Dracula-Park" zu sprechen kam.

An anderer Stelle mehr zu diesem hochbrisanten Thema.

In der "PARAT"-Kantine fanden sich, zum Ausklang der Bergschulfeier, anschließend am Abend rund 170 Gäste von nah und fern, zu einem gemütlichen Beisammensein ein. Die Vertreter der "PARAT"-WERKE, Harald O. Gitschner und Olimpiu Langa, sowie der Bergschulverein durch Kurt Müller, hatten alles hervorragend vorbereitet und organisiert.

 

Treffen der Schäßburger in der Parat-Gaststätte während der Tombola.
                                                                                                 
Foto: Liviu Rachita

 

Am Sonntag, dem Tag des 3. Schäßburger Treffens in Schäßburg, wurde zum Gottesdienst in die Bergkirche gegangen. über 300 Teilnehmer lauschten den Worten von Pfarrer H. Bruno Fröhlich. Wundervoll klangen die Darbietungen des von Theo Halmen geleiteten Kirchenchors.

Schäßburger aus nah und fern unter sich.                    Foto: Liviu Rachita

 

Nach dem Gottesdienst wurde von den meisten Kirchgängern dem Bergfriedhof ein Besuch abgestattet.

Pünktlich um 14 Uhr traf man sich wieder in der "PARAT"-Kantine, dieses mal etwa 240 Gäste, darunter knapp 100 Gäste aus Deutschland und …Österreich. Begrüßt wurden die Anwesenden vom Generalmanager der PARAT-Werke, Herrn Harald Otmar Gitschner. Eine kurze Ansprache hielt Walter Lingner, der Vorsitzende der HOG Schäßburg, unter anderem mit Dankesworten an den Bürgermeister der Stadt Ioan Dorin Danesan, an den Generalmanager der Firma PARAT, Harald Otmar Gitschner, sowie an den Forumsvertreter und Mitorganisator des Treffens, Heinz Wolff. Ihnen allen wurden kleine Geschenke seitens der HOG überreicht.

 

Harald Otmar Gitschner erläutert seinen Gästen den Produktions- ablauf.                                                                               Foto: Walter Lingner

 

Vorzüglich war das Mittagessen und einmalig das Abendessen. Dazwischen, bei Kaffee und Kuchen, fand eine angeregte Unterhaltung mit Verwandten, Freunden und Bekannten statt. Schließlich hatte man sich ja sehr viel zu erzählen.

 

Olimpiu Langa führt das Produkt des Parat-Werkes  Schäßburg vor. 
                                                                                             Foto: Walter Lingner

 

Zwei Personengruppen besichtigten die "PARAT"-Werke und erfuhren dabei unter anderem, dass die Firma zur Zeit rund 140 Menschen beschäftigt. Ein größeres Investitionsvolumen, das die Erweiterung des Werkes vorsieht, soll schon in den nächsten Jahren die Anzahl der Arbeitsplätze auf  rund 400 hinaufschrauben.

Die kulturellen Darbietungen fehlten auch dieses mal nicht. Großartig war die von Nora Ivanovici geleitete und preisgekrönte Schüler-Tanzgruppe mit modernen Tänzen, die so viel Beifall ernteten, dass die Tänze wiederholt werden mussten. Gesponsert wird auch diese Formation von den "PARAT" - Werken. Groß war die Freude, als wir die von Wiltrud Baier geleiteten "Burgspatzen" mit Gedicht- und Liedervorträgen wieder auf der "Bühne" sehen konnten. Eine Tombola sorgte für Spannung und viel Hallo. Der Erlös daraus soll einem guten Zweck zugeführt werden, und zwar wird das Geld für Außenrenovierungsarbeiten an der Klosterkirche verwendet.

übrigens ein großes Dankeschön an dieser Stelle den vielen Helfern und Mitgestaltern des Treffens, unter ihnen Heinz Wolff, Hilde Martini, Meta Kovacs, Marianne Cojocaru und Wilhelm Fabini.

Bürgermeister Dorin Danesan verlas einen Brief des Herrn Touristikministers Dan Matei Agathon geschrieben an die Veranstaltungen der deutschstämmigen Schäßburger als Erläuterung und Präzisierung zum "Dracula Park" und gab seine eigene positive Stellungnahme dazu ab.

 

Bürgermeister J.D. Danasan und Walter Lingner, Pro und Contra "Dracula-Land", trotz alledem im Gespräch zur Gründung einer Stiftung "Rettet Schäßburg".                                                             Foto: Nineta König

 

Es entwickelte sich ein offene Diskussion, nach ein paar Wortmeldungen wurde sie aber unterbrochen und W. Lingner versprach den Anwesenden, im Namen der Heimatortsgemeinschaft auf diesen Brief zu antworten, was auch zwischenzeitlich geschehen und in diesem Heimatblatt zu lesen ist. 

Bis Mitternacht wurde dann bei guter Musik getanzt und in froher Runde beisammen gesessen.

Am Montag fuhr eine kleine Gruppe von Schäßburgern per Bus nach Mediasch und Birthälm.

 

Harald Otmar Gitschner mit Mutter und Vater in der fröhlichen Runde der Schäßburger.                                                                       Foto: Walter Lingner

 

In Mediasch wurde die Stadtpfarrkirche, unter der kompetenten Führung von Frau Ingeborg Jikeli, besichtigt. Besucht wurden ferner das hervorragend von der Fliegerschule Mediasch verwaltete und gestaltete Hermann-Oberth-Museum, das Stefan Ludwig Roth-Museum und das Schullerhaus. Wir bekamen einen guten Einblick in die einmalige Leistung der heute noch in Mediasch lebenden (ca. 1000) sächsischen Landsleute.

 

Die Schüler-Tanzgruppe der Parat-Werke.                         Foto: Liviu Rachita

 

In Birthälm, leider bei Regen, dafür aber unter der Führung einer sehr engagierten, bodenständigen Christa Richter, erhielten wir eine einmalige Geschichtelektion, die unser Wissen in Sachen Sachsengeschichte bereichern sollte.

 

Die Burgspatzen der Wulletante.                                        Foto: Liviu Rachita

 

Dieser dritte Tag in Schäßburg klang für rund 60 Unentwegte auf der "Villa Franka" aus, bei "mici" und Riesling aus Seiden.

Am letzten Tag unseres Aufenthaltes in Schäßburg waren es abermals knapp 40 Teilnehmer, die mit dem Bus zunächst nach Trappold und dann nach Schaas fuhren.

 

Christa Richter auch hier, wie immer in Aktion.              Foto: Walter Lingner

 

In Trappold besuchten wir die Kirchenburg. Das Geburtshaus von Michael Albert fanden wir nach kurzem Suchen, frisch gestrichen und von einer rumänischen Familie bewohnt, die uns die Anbringung einer Gedenktafel an der Hausfassade zusagte. Ist das nicht ein weiterer Grund schon im nächsten Jahr wieder nach Schäßburg zu fahren, um unserem sächsischen Heimatdichter, Michael Albert, die Ehre zu erweisen?

Emmy Machat hatte einen Gedichtband von Michael Albert mitgebracht, aus dem uns Walter Lingner folgendes, zu unserem Besuch zutreffendes Gedicht vorlas:

 

Sonnenregen

Vorüber das Gewitter,
der Himmel glanzerhellt!
Seht wie im Strahl der Sonne
Der letzte Tropfen fällt.
es lächeln nach dem Sturme
Schon wieder Wald und Flur,
Indes noch Tränen hängen
Am Antlitz der Natur.

Vor dem Geburtshaus von Michaele Albert.                     Foto: Liviu Rachita

 

Auf dem Rückweg, in Schaas, machten wir abermals einen Halt und wanderten auf den nahe gelegenen Hügel, den wunderschön angelegten Schaaser Friedhof, zu der Grabstätte von Joseph Haltrich. Es wurde ein Blumenstrauß aufs Grab gelegt und mit einem Gebet, gesprochen von Stadtpfarrer Hans Bruno Fröhlich und einer Schweigeminute des Namensgebers unserer Bergschule gedacht.

 

Bei Josef Haltrich's Grab in Schaas.                               Foto: Walter Lingner

 

Wieder zurück in Schäßburg, ging es gleich weiter in die Fayence- und Glasfabrik, gewissermaßen zu einer Werksbesichtigung, um alte Arbeitsplätze aufzusuchen. Die zum Teil privatisierten  Betriebe arbeiten heute mit Aktienkapital, wobei sich etwa ein Viertel der Aktien im Besitze der Belegschaft befindet. Wir konnten uns, geführt durch Direktor Nicolaie Titeiu und Liviu Rachita in der Glasfabrik, sowie durch Frau Ciota Aurica im Fayancewerk einen Eindruck der veränderten Verhältnisse in der rumänischen Industrie holen.

 

Einkauf unterwegs mit den letzten Lei's.                       Foto: Walter Lingner

 

Ja und dann kam der Tag des Abschiednehmens. Am Mittwoch, dem 24.Oktober, früh morgens um 9 Uhr, trafen wir uns wieder beim Autobus. Bis unser Gepäck in den Bus verstaut wurde, konnte man sich noch einmal von den Gastgebern verabschieden. Danksagungen auf beiden Seiten, und Versprechungen: Wir kommen wieder! Wir sehen uns wieder! Auf  bald, liebes Schäßburg!!  Tschüß!!

 

Unsere Reisefamilie. Foto:                                                                                                 Martin Stirner

 

Dem Reiseunternehmen Schinker, mit seinen Fahrern Hans Schinker und Martin Stirner wollen wir auf diesem Wege auch danken, sie haben uns wieder gut nach Hause gebracht.

Helwig Schumann (Untergruppenbach)     

 

 

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