HOG-Schäßburg / Siebenbürgen


Ansprache des Vorsitzenden des Vereins "Bergschule Schäßburg"

Dr. med. Ovidiu Capatina

Sehr geehrte Damen und Herren - liebe Gäste!

Im Namen des Bergschulvereins Schäßburg danke ich Ihnen für Ihre Teilnahme an unserer Jubiläumsveranstaltung! Wir begehen heute 100 Jahre seit dem Umbau der Bergschule, die anno 1901 ihr heutiges Aussehen erhielt, aber auch 10 Jahre seit der Gründung unseres Vereins (dessen Vorsitz ich zur Zeit inne habe) sowie des gleichnamigen Vereins aus Deutschland.

Der hauptsächliche Zweck unseres Vereins ist die Unterstützung der Bergschule, im besonderen deren deutschen Abteilung. Unser Partner dabei ist der Verein aus Deutschland, der von Herrn Günter Czernetzky vertreten ist.

Unsere Tätigkeit in diesen 10 Jahren stützte sich auf Geld- und Sachspenden aus dem Ausland (Österreich, Deutschland, Schweiz) sowie aus dem Inland. Die Liste der Spender und Sponsoren ist sehr lang. Sie enthält ...zig Namen und Benennungen, von einfachen Privatpersonen bis hin zu Vereinen, kulturellen und sonstigen Verbänden, Firmen und sogar Landesregierungen. Wir können aus Zeitmangel diese Liste jetzt nicht einzeln durchgehen, danken aber nochmals allen, die uns unterstützt haben. Dennoch wollen wir einige der Spender nennen, diejenigen, die uns seit vielen Jahren besonders viel geholfen haben, und zwar:

  • Dem Allgemeinen Deutschen Kulturverband Wien unter der Leitung von Frau Gertraud Schuller, hier anwesend, dessen Hilfe die meisten unserer Aktivitäten ermöglicht hat.

  • Herrn Heinz Schönenbach, Inhaber der Firma Parat Automotive aus Remscheid, vertreten durch Herrn Dipl.-Ing. Harald Gitschner, Generalmanager der Firma Parat in Schäßburg, welcher die Renovierung der 100 Jahre alten Fassade unserer Schule sponsert.

  • Dem Stadtrat und dem Bürgermeisteramt des Munizipiums Sighisoara/Schäßburg, die in diesem Jahr zwei sehr wichtige Instandhaltungs- und Modernisierungsarbeiten für unsere Schule finanzieren:

    • die Reparatur der Dachdeckung

    • den Bau einer Gebrauchtwasserkanalisation, die die langerwartete Erneuerung der sanitären Innenanlagen ermöglichen wird.

Wir möchten darauf hinweisen, dass die Landesregierung von Südtirol (infolge der Vermittlung der Österreichischen Landsmannschaft) über den Südtiroler Hilfs- und Schulverein Bozen diese Arbeiten zur Hälfte mitfinanzieren wird. Wir danken hiermit allen Beteiligten, die uns bei dieser überaus wichtigen Aktion unterstützt haben!

  • Dem Verein "NotNagel" aus Metzingen und seinen Vertreter, Herrn Dr. Otto Oertel. Wir danken ihnen für die Hilfeleistungen!

  • Auch von den Tätigkeiten, die unser Verein im Lauf der Jahre organisiert, koordiniert oder ausgeführt hat, wollen wir nur einige nennen:

  • Ausstattung der Bergschule mit acht hochwertigen Computern und einem Farbdrucker für das Informatik-Laboratorium (1997); mit Mobiliar für das Chemie-Laboratorium sowie mit je einem Farbfernseher und Videorecorder für den allgemeinen Unterricht.

  • Zusätzlicher Deutsch-Unterricht - zur gezielten Ergänzung und Verbesserung der deutschen Sprachkenntnisse unserer Schüler/innen und zwar: Wortschatz, Aussprache und Sprachgebrauch. Der ZDU wird in allen Klassen der Unterstufe (1-4), in einigen der Mittelstufe (5-8) und während der täglichen gemeinsamen Lernstunden abgehalten. Das Projekt läuft seit 1994/95 und wird vom ADKV finanziert.

  • Unterstützung von Gruppenarbeit der Bergschüler/innen - Blockflötengruppe, Gesellschaftstänze, Kunstunterricht (Zeichnen, Malen und Modellieren, Theater - und der Kindergruppe, den "Burgspatzen".

  • Ausarbeitung von Projekten für Reparatur- und Bauarbeiten, von Förderanträgen, Fachberatung bei der Ausführung, Vermittlung bei den Behörden u.a.m.

Der Kleinbus unseres Vereins (ein Geschenk des Rotary-Clubs aus Baden/Schweiz) wurde zwecks Erleichterung der Reisemöglichkeiten im In- und Ausland der Schulleitung zur Verfügung gestellt. Er wurde auch dementsprechend für Reisen von Lehrer- und Schülergruppen benützt, als Antwort auf ebensolche Besuche aus Deutschland, Österreich, der Schweiz. Diese Reisen üben erwiesenermaßen eine sehr günstige Wirkung auf unsere Schüler/innen aus.

Leider härt man in letzter Zeit von Verantwortungsträgern (besonders aus Deutschland), dass angesichts der momentan immer kleiner werdenden Anzahl der deutschen Bevölkerung bzw. Schulkinder es nicht angebracht sei, eine deutsche Abteilung weiterhin an unserer Schule zu unterhalten, dass mithin auch unser Verein überflüssig sei. Ich finde, das ist ein großer Fehler.

Selbst wenn man mir Nostalgie nachsagt, meine Meinung als (jetziger) Vorsitzender des Bergschulvereins und als Rumäne - der hier in Schäßburg geboren wurde, aufgewachsen ist, 40 Jahre als Arzt gearbeitet hat und dazu der Sohn eines der ersten rumänischen Absolventen des ehemaligen Bischof-Teutsch-Gymnasiums ist - ich wiederhole: Meine feste Meinung ist, dass wir verpflichtet sind, uns mit allen Kräften einzusetzen, damit diese alte Stadt erhalten bleibt, damit die deutsche Sprache, Kultur und Tradition weiter leben, mithin auch die charakteristischen Eigenschaften der sächsischen Bevölkerung: Ehrlichkeit, Fleiß, Vertrauenswürdigkeit und Pflichtgefühl.

Die Erinnerung an die Bevölkerung, die diese Stadt gegründet, diese Jahrhunderte überdauernde Burg gebaut hat, an diejenigen, die die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung dieser Gemeinschaft gefördert haben, die unter dem kommunistischen Regime deportiert, erniedrigt und enteignet wurden - diese Erinnerung, aber auch Menschlichkeit und Anstand begründen jene Pflicht.

Wir dürfen keinen Augenblick lang den nutzbringenden Einfluss vergessen, den die sächsische Bevölkerung auf Geist und Mentalität der rumänischen Bevölkerung ausgeübt hat. Wir müssen aber auch die Einflusswerte anerkennen, die die rumänische der sächsischen Bevölkerung übermittelt hat: Toleranz, gutes Einverständnis, Gastfreundlichkeit.

Mein Plädoyer schließt auch die - hoffentlich baldige - Perspektive eines vereinten Europas mit ein, das die Multikulturalität begünstigt. Wir Rumänen, als mehrheitliche Bevölkerung, sind moralisch verpflichtet, den mit uns lebenden Minderheiten die Erhaltung ihrer Sprache, Kultur und Eigenschaften zu sichern. Die Anzahl der minderheitlichen Bevölkerung spielt dabei keine Rolle.

Ich bin fest davon überzeugt, dass die Erziehung unserer Jugendlichen in diesem Sinne der Multikulturalität, Toleranz, des Einverständnisses und der Offenheit für die kulturellen Werte Europas von großem Nutzen für unsere Integrierung in die Gesellschaft des III. Jahrtausends ist.

Abschließend möchte ich den vorgehenden und jetzigen Vorstandsmitgliedern - insbesondere den Herren Kurt Müller und Michael Meyndt - für ihre nutzbringende Tätigkeit im Rahmen unseres Vereins danken.

Ich hoffe, nicht vergebens plädiert zu haben und danke Ihnen für Ihre wohlwollende Aufmerksamkeit.

 

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Letztes Update: 02. März 2002 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg