HOG-Schäßburg / Siebenbürgen


Berichte aus der Schäßburger Wochenzeitung "Jurnalul Sighisoara Reporter"

Wie in unserer vorigen Folge haben wir auch diesmal aus der Schäßburger Wochenzeitung "Jurnalul Sighisoara Reporter" (JS) Nachrichten ausgewählt, die uns interessant schienen. Leider konnten wir die letzten uns per Post zugeschickten Zeitungen wegen der Termine der Druckerei nicht auswerten.

 

Junge Handwerker sammelten Erfahrungen in Deutschland

Eine Gruppe junger Schäßburger Handwerker weilte im Mai drei Wochen zu einem Erfahrungsaustausch in Deutschland. Die Aktion war von den Rotary-Klubs Detmold-Blomberg und Schäßburg gemeinsam geplant und organisiert worden. Die sieben Handwerker hatten die Gelegenheit, in deutschen Betrieben neue Kenntnisse zu erwerben, berichtete "JS" in ihrer Ausgabe Nr. 184 (20.-26. Juni). Sprachschwierigkeiten habe es keine gegeben, denn sie hatten vor ihrer Abreise im interethnischen Bildungszentrum für Jugendliche in Schäßburg einen intensiven Deutsch-Sprachkurs besucht. Während ihres Praktikums in Deutschland seien sie zur Überzeugung gekommen, dass sie mit ihrem handwerklichen Können auch im Ausland ihren Mann stellen, hätten aber gleichzeitig erkannt, dass es zu Hause im Vergleich zu den deutschen Betrieben an einer entsprechenden Organisation mangele, dass das entsprechende Werkzeug und Material fehle.

 

Archäologische Ausgrabungen beendet

Die archäologischen Ausgrabungen in der Bergkirche und entlang ihrer Außenwände, die 1998 während der Restauration der Kirche begonnen hatten, wurden im Juni d.J. beendet. Ioan F. Pascu, der zusammen mit Dr. Daniela Marcu die Ausgrabungen geleitet hatte, berichtet in der Zeitung "JS" Nr. 184 über den Verlauf der Forschungen und erste Erkenntnisse.

 

Mehr als 2 Milliarden Lei für den Stundturm

Der Stundturm war dringend reparaturbedürftig. Insgesamt 104 000 Euro  wurden in diesem Jahr für folgende Arbeiten zur Verfügung gestellt: EinfÜhrung von Zentralheizung, Erneuerung der Stiegen, Reparatur der Uhr und Restauration der

Figuren, Verlegung neuer Fußböden, Reparatur des Dachstuhls, Außen- und weitere Innenreparaturen... ("JS" Nr. 185, 27.6.-3.7.)

 

Symposium zum Thema Keramik

Am 28. Juni fand in Schäßburg ein Symposium zum Thema Keramik mit zahlreicher Beteiligung aus dem In- und Ausland statt. Gastgeber war die Schäßburger Firma CESIRO, organisiert wurde das Treffen vom Vertreter einiger deutscher Firmen in Rumänien, Herrn Herbert Andre. Zu den Teilnehmern zählten Delegierte von vier deutschen Firmen, mit denen der Schäßburger Betrieb zusammenarbeitet, Fachleute von den rumänischen Keramik-Fabriken in Klausenburg, Alba Iulia, Oradea, Bukarest u.a. sowie Universitätsprofessoren aus Bukarest, Temeswar, Klausenburg. Alle äußerten sich positiv über das Niveau der Referate und Aussprachen. ("JS" Nr. 186, 4.-10.7.)

 

Erholungspark im Scherkes

Die Stadt Schäßburg und der Verband der Angler und Jäger sind Übereingekommen, rings um den kleinen See im Scherkes (toter Kokelarm) einen Erholungspark anzulegen. Der See soll wieder mit Fischen besetzt werden ("JS" Nr. 188, 18.-24.7.)

 

Theater im Schmiedeturm

Der Schmiedeturm, der seit 1997 für Theatervorstellungen, Gedichtvorträge, kleine Konzerte und Ausstellungen genutzt wird, soll in diesem Jahr für 40 000 Euro (etwa 1 Milliarde Lei) restauriert und für Theatervorführungen entsprechend ausgestattet werden. Das Projekt sieht im Erdgeschoss Künstlerkabinen und sanitäre Einrichtungen, im ersten Obergeschoss den Vorstellungssaal, im Geschoss darüber das Foyer vor. Im ersten Dachgeschoss soll ein Ausstellungsraum eingerichtet werden, das zweite ist für die Klimaanlage bestimmt. ("JS" Nr. 188, 18.-24. Juli)

 

Ein heißer Sommer

Über Langeweile konnten sich die Schäßburger in diesem Sommer wirklich nicht beklagen. Es gab mehrere Großveranstaltungen, die sehr viel Publikum anzogen. Vom 27-29. Juli fand das berühmt-berüchtigte "Festival mittelalterlicher Kunst" auf der Burg statt. Die Zeitung "JS" (Nr. 189) brauchte für das sehr umfangreiche Programm eine ganze Seite: Ausstellungen, Theater, Tänze (Säbeltanz, mittelalterliche Tänze), Turniere, jede Menge Musikdarbietungen, Umzug, Feuerwerk Ð drei Tage lang, von frÜh Morgens bis nach Mitternacht. Das Motto: "Das Mittelalter ist nicht Vergangenheit, es lebt". Die Darsteller kamen aus vielen Städten des Landes, aber auch aus dem Ausland, das Publikum von nah und fern stürmte zu Tausenden die Burg. Zu viel für die Burg und deren Bewohner. "JS" Nr. 190 (1.-7. August) veröffentlichte Eindrücke aus mehreren rumänischen Tageszeitungen. Z.B.: "Am vergangenen Wochenende kamen sehr viele Ausländer nach Schäßburg, vor allem aus Deutschland, Spanien, Frankreich, Ungarn, der Türkei und sogar aus Asien. Ihre Verwunderung war groß beim Anblick der Jugendlichen in mittelalterlicher Rüstung und mit Schwert, sie erreichte ihren Höhepunkt, als sie den Müll erblickten, der überall über die Ränder der speziell aufgestellten Behälter quoll". Die Müllabfuhr war überfordert, die Polizei hatte viel zu tun, und die Meinung vieler Schäßburger: „Das ist doch ein Sauffestival!"

Im Herbst 1992 hatten sich der Schweizer Violonist Alexandru Gavrilovici, gebürtiger Rumäne, Professor für Violine an der Akademie Yehudi Menuhin in Gstaad, und ein Bukarester Ehepaar (Luminita und Valentin Tcacenco) in Schäßburg getroffen und besprochen, dem Musikleben Schäßburgs einen neuen Impuls zu geben. Alexandru Gavrilovici konnte Frau Heidi Indermühle, Professorin für Flöte an der Musikakademie in Bern, für die Idee, in Schäßburg Sommerkurse für junge Musiker zu organisieren, begeistern. Und so finden nun schon seit acht Jahren Musikkurse in den Bereichen Violine, Flöte, Klavier und Oboe und parallel dazu seit 1997 ein internationales Festival akademischer Musik statt, an dem sich bekannte Musiker aus der ganzen Welt beteiligen. In diesem Jahr wurde das Festival mit einem „Konzert der Meister" - Heidi Indermühle (Flöte), Hans Elhorst aus Freiburg (Oboe), Alexandru Gavrilovici (Violine), Gerardo Vila aus Buenos Aires (Klavier) - eröffnet. Die Kurse und Konzerte erfreuen sich großer Beliebtheit.

Das Festival „Pro Etnica 2001", Tage der nationalen Minderheiten in Rumänien, fand zum ersten Mal in diesem Jahr zwischen dem 29. August und 2. September statt. „JS" berichtete in mehreren Ausgaben (Nr. 191, 193, 194) darüber. Das Festival wurde vom interethnischen Bildungszentrum für Jugendliche (IBZ) in Schäßburg zusammen mit den Organisationen der Minderheiten in Rumänien und jenen der Rumänen in Bulgarien und Jugoslawien ausgerichtet. Die Veranstaltungen waren vier Bereichen zugeordnet: Kultur, Soziales, Politik, Religion. Auf dem Kulturprogramm standen Theatervorführungen, musikalische Darbietungen, Volkstänze... Deutsche Programmpunkte: Volkstänze (z.B. Burgspatzen, Burzenländer Tanzgruppe, Billeder Heiderose, Zeidner Jugendverein, „Sachsesch Dinz"), Theater („Wir"). Das Niveau der Veranstaltungen und die Organisation wurden im Allgemeinen positiv bewertet; Kritik geübt wurde an der mangelhaften Werbung für das Festival: Man hätte sich mehr Publikum von auswärts gewünscht.

Wie „Pro Etnica" fand auch ein Blasmusikfestival (2. September) heuer zum ersten Mal statt. Die Idee hatte das städtische Kulturhaus. Für das erste Treffen waren Blaskapellen aus der Stadt und der näheren Umgebung eingeladen worden, in den nächsten Jahren soll die Teilnehmerliste länger sein.

Schäßburg hat anscheinend mit diesen vier Festivals noch nicht genug. Man beabsichtigt, in Zukunft noch ein Folklorefestival, ein Festival für alte Musik und ein Poesiefestival zu organisieren. Viel Glück!

 

“Sterben wir vor Hunger oder vor Kälte?"

Unter diesem Titel veröffentlichte der Chefredakteur der Zeitung „JS", Ioan F. Pascu, in der Ausgabe Nr. 195 (5.-11.9.) einen Kommentar Über die Armut der rumänischen Bevölkerung und ihre Ängste vor diesem Winter. Im September wurde der Preis für thermische Energie um 57% erhöht; am 10. August war der Preis des Erdgases um 90% gestiegen. Die Gehälter und Renten sind in diesem Jahr aber um bloß 10-15 Prozent angehoben worden. Die Bewohner einer Zwei-Zimmer-Wohnug in Schäßburg werden im Monat etwa 900 000 Lei für den Gasverbrauch in der Küche und - wenn sie ans Fernheiznetz angeschlossen sind - noch mal rund 900 000 Lei Heizungs- und Warmwasserkosten zahlen. Diese Kosten liegen um 63% höher als im vergangenen Winter.

 

Der Orient-Express auf der Durchfahrt

Der legendäre „Orient-Express" (Istanbul - Bukarest - Sinaia - Budapest - Wien - Venedig) hielt im September zweimal im Bahnhof Schäßburg: Auf der Fahrt nach Istanbul am 3. September zwei Minuten, auf der Rückfahrt am 8. September neun Minuten. Die Türen des Zuges blieben geschlossen. Die Touristen, die für eine Reise mit diesem Luxuszug vier, fünf tausend Dollar bezahlen, hatten in Rumänien nur in Sinaia und Bukarest einen etwas längeren Aufenthalt mit Empfang. (“JS" Nr. 196, 12.-18. September)

 

„House On The Rock"

Am 15. September wurde auf dem Burgplatz (Ecke Schanzgasse) „House On The Rock" (das Haus auf dem Felsen), ein Bildungszentrum, das einen regen Kulturaustausch zwischen amerikanischen Studenten und einheimischen Jugendlichen pflegen will, eröffnet. Das Zentrum wird von der im Januar 2001 ins Leben gerufenen Stiftung „Veritas" und von „Eastern Nazarene College", einer amerikanischen Hochschule, betreut. Der Name „House On The Rock" ist einem biblischen Gleichnis entliehen. Bei der Eröffnungsfeier stellte die Direktorin der Stiftung, Frau Dorothy Tarrant, Professorin für Deutsch an der Fakultät Mount Vernon Nazarene, das Bildungszentrum vor. Schäßburg sei als Standort gewählt worden, sagte sie, nachdem sie bei einem Besuch 1995 von der Stadt und dem Zusammenleben von Rumänen und Deutschen beeindruckt gewesen sei. Das Bildungszentrum verfügt Über zwei Gebäude: das „House Of The Rock" am Burgplatz, das erworben und restauriert worden ist, und das „Family Center" in der Unterstadt. Das Programm sieht vor, dass amerikanische Studenten in Schäßburg das Leben hier zu Lande kennen lernen, Rumänisch lernen sowie im Kinderspital, im Seniorenklub und im „Family Center" aushelfen. Es werden außerdem Computer- und Englischkurse, verschiedene Seminare und Erfahrungsaustausche angeboten. („JS" Nr. 196 und 198)

 

Zwei neue Partnerschaften

Eine Delegation der Stadt Schäßburg, bestehend aus dem Bürgermeister Ioan Dorin Danesan, Vizebürgermeister Radu Moldovan und zwei Ratsmitgliedern, waren am 20. September Gäste der Stadt Citta di Castello in Italien, wo die Bürgermeister der beiden Städte ein Protokoll Über die Partnerschaft der Stadt Schäßburg mit Citta di Castello unterzeichneten.

Fünf Wochen später kam eine 12-käpfige Delegation der ungarischen Stadt Kiskunfelegyhaza nach Schäßburg. Am 29. Oktober fand im Festsaal des Rathauses (Präfektur-Gebäude) die feierliche Unterzeichnung eines Protokolls statt - damit sind Schäßburg und die ungarische Stadt nun auch Partnerstädte. Beide wurden in den vergangenen zwei Jahren mit der Ehrenfahne des Europarates ausgezeichnet.

Schäßburgs Partnerstädte sind zurzeit: Blois (Frankreich), Citta di Castello (Italien) und Kiskunfelegyhaza  (Ungarn). Außerdem pflegt Schäßburg gute Beziehungen zu Dinkelsbühl (könnte die nächste Partnerstadt sein), Neu Isenburg und Würzburg in Deutschland, Castel Viscardo in Italien und Baden in der Schweiz. („JS" Nr. 197, 19.-25.10, und Nr. 203, 31.10.-6.11.)

 

Kirchenkonzerte

Anfang September ging die musikalische Sommersaison zu Ende, die von den beiden evangelischen Kirchen Schäßburg und Fogarasch organisiert worden war. Die beiden letzten Konzerte bestritten deutsche Künstler: ein Chor aus Chemnitz und die Cellistin Christine Meissner. Die Konzerte fanden abwechselnd in der Klosterkirche und in der Bergkirche statt. („JS" Nr. 197)

 

Neues Gymnasium

Die Allgemeinschule Nr. 5, die nun seit 50 Jahren besteht, wurde zu Schulbeginn am 15. September Gymnasium und erhielt den Namen „Octavian Goga". („JS" Nr. 198, 26.9.-2.10)

 

370 Millionen Lei für Häuserfassaden

Im Frühjahr wurde ein Programm zur Erneuerung der Häuserfassaden im Zentrum gestartet. Für 370 Millionen Lei wurden in diesem Jahr sieben Gebäude verschönt: die Dächer und Dachrinnen wurden erneuert, die Fassaden frisch angestrichen; die Tore kamen zuletzt im Herbst dran. Es wäre nur richtig, mit dieser Aktion fortzufahren, meint Chefredakteur Ioan F. Pascu. („JS" Nr. 200, 10.-16.10)

 

Schulfeier und Dracula-Land

Die Schäßburger rumänische Wochenzeitung berichtete Über die Hundertjahrfeier des Neubaus unseres Gymnasiums, Über das kleine Schäßburger Treffen und laufend Über die hitzigen Diskussionen zum Vorhaben „Dracula-Land". In einem Bericht Über die Schulfeier, in dem auch eine kurze Geschichte der deutschen Schule enthalten ist, wünschte die Zeitung allen Gästen auf dem Schulberg ein herzliches Willkommen zu Hause: „Bine ati venit acasa!" („JS" Nr. 200, 10.-16.10.)

 

Redakteur der Rubrik: Horst Breihofer (Nürnberg)

 

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