HOG-Schäßburg / Siebenbürgen |
Von Richard Ackner Für siebenbürgische Familienforscher ist der Griff nach Kirchenbüchern oder den Daten aus alten Matrikelbänden immer sehr schnell aktuell. Mindestens, wenn man weiter zurück will, als bis zu den Urgroßeltern. Ein „Was – wo?“ wäre in Anlehnung an „Who’s Who“ sehr zu begrüßen. Sozusagen der moderne „Arz“ – gemeint ist das Buch von Gustav Arz mit dem Stand und dem Vorhandensein von Matrikeln in den evangelischen Kirchgemeinden Siebenbürgens von 1938. Auch damals hat schon allerhand gefehlt - und wie ist der Stand heute nach all den fundamentalen Veränderungen der letzten sechs Jahrzehnte? An dieser Stelle soll die Rede von Schäßburg sein, nachdem in den letzten Ausgaben dieser Zeitschrift die Situation einiger anderer Orte genannt wurde. Am besten ist Kronstadt dran. Dort gibt es seit kurzem eine CD-ROM mit Daten zurück bis 1684. Die Digitalisierer-Gruppe unter Leitung von Dr. Zaminer konnte sich u.a. auf eine Jahrzehnte zurückliegende und auch Jahre gedauerte Arbeit in Karteiform stützen. Etwas Ähnliches ist jetzt mit Mediasch in Arbeit. In Hermannstadt wird daran gedacht, immerhin sind Tausende oder Zehntausende von Karteikarten vorhanden. Matrikelbände von Bistritz und anderen Gemeinden Nordsiebenbürgens befinden sich in Gundelsheim, die Birthälmer Matrikel sind verfilmt und können z.B. in Mormonen-Forschungsstellen eingesehen werden. Das sind nur einige Beispiele. Und nun Schäßburg. Zunächst noch zur Matrikelgeschichte allgemein. 1617 hatte die Synode die Führung von Taufmatrikeln beschlossen, aber nur die wenigsten Pfarrer haben gleich damit begonnen. Das Jahrhundert war auch nicht unbedingt danach. Gustav Arz sagt folgendes zu Schäßburg: Taufen 1614, Trauungen 1617 und Tote 1607. Die Schäßburger müssen also Vorreiter gewesen sein, auch wenn die ältesten Matrikelbände lückenhaft sind. Und der Stand 2000? Auf Initiative der HOG Schäßburg und unter Leitung ihres Vorsitzenden Walter Lingner sind in den Jahren 1996-99 alle in Schäßburg vorhandenen Matrikelbände kopiert und und die Kopien nach Deutschland gebracht worden. In Drabenderhöhe hat der verdienstvolle Genealoge Ernst Graef es übernommen, sie binden zu lassen und betreut sie seitdem. Die mit dieser Aktion verbunden gewesene Arbeit, aufwendig und auch kostspielig, kann nicht hoch genug gewürdigt werden. Als Benutzer (der auch im Schäßburger Stadtpfarramt geforscht hat) kann ich nur sagen: Es liest sich leichter und besser darin, als in den Originalen. Band I Taufen von 1607 bis 1647, Heiraten von 1617 bis 1648 und Tote von 1607 bis 1648. So, wie bei Arz angegeben! Wenn man die Zeit bis etwa 1900 nimmt, sind es 9 bzw. 10 Bände. Dazu Familienbögen von Abraham bis Zultner. Leider gibt es auch Lücken. Nicht nur aus der Anfangszeit und aus den Pestjahren des 17. und 18. Jahrhunderts. So fehlen Bände mit den Trauungen von 1849 bis1907, Taufen 1880 bis 1894, Heiraten und Tote ab 1914. Dafür gibt es Verlobungen 1836 – 1886. Auch die Originale sind in Schäßburg nicht vorhanden, sollen sich in irgendeinem Staatsarchiv befinden. Aber alles Bemühen der HOG bis hin nach Bukarest war bisher vergeblich. Die Suche ist aber nicht aufgegeben, es wird weiter geforscht. Weitere Bände enthalten gemischte Ehen und dann vor allem als besondere Feinheit die Indexbände Taufen, Heiraten und Tote bis 1800. Zusammengestellt von Dr. Viktor von Sachsenheim. Sie sind ein Musterbeispiel für Indexbücher und eine Freude für jeden Familienforscher. Dafür sind die Indexbücher von 1800 bis 1880 sehr mangelhaft geführt. Ernst Graef, der im Oktober 2001 seinen 90. Geburtstag feierte, etliche Familienstammbäume zusammenstellte, u.a. die Vorfahrenreihe Teutsch präzisieren konnte und bereits vielen Schäßburgern geholfen hat, mit ihrer Familienforschung voranzukommen, ist jetzt verständlicherweise daran interessiert, einen Nachfolger zu bekommen, der die Matrikelsammlung übernimmt und seine Arbeit fortsetzt. Die HOG ist bemüht, seinem Wunsch nachzukommen und hat bereits einen Interessenten dafür gefunden. Im April diesen Jahres wird die Übergabe/Übernahme in Drabenderhöhe stattfinden, übernommen wird der gesamte Matrikelbestand von Ingeborg und Alexander Peter aus Weinsberg. Ein anderes, wesentlich schwierigere Problem ist das der Digitalisierung. Matrikelseiten im Original zu lesen, besser gesagt zu entziffern und dann als Datei zu verarbeiten ist etwas ganz anderes, als die Daten von Karteikarten zu übertragen. Hier ist es zweifellos noch ein langer Weg. Angefangen werden könnte aber mit den drei bereits erwähnten Indexbänden. Die HOG ist dabei zu beraten, welche Schritte als nächstes gegangen werden können, um den an Schäßburg interessierten Familienforschern entgegenzukommen. Auch hier aber sind die Schäßburger zuversichtlich in Kürze einen Mitarbeiterstab aufbauen zu können und mit den Arbeiten der Digitalisierung zu beginnen.
Letztes Update: 08. März 2002 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de / http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg |