HOG-Schäßburg / Siebenbürgen |
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BuchrezensionEva Donga-Sylvester, Günter Czernetzky, Hildegard Toma (Hrsg.), Ihr verreckt hier bei ehrlicher Arbeit. Deutsche im Gulag 1936-1956. Anthologie des Erinnerns. 368 S. Leopold Stocker Verlag, Graz - Stuttgart, 2000. ISBN 3-70-20-0896-9. DM 49,80. Die Herausgeber dieser "Anthologie des Erinnerns" sind durch Filmdokumentationen zu zeitgeschichtlichen Themen bekannt geworden. Günter Czernetzkys Dokumentarstreifen, die im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurden, wie "Donbass Sklaven", "Workuta 1953", "Stalingrad an der Donau" u.a. wurden von Publikum und Fachkritik sehr gut bewertet. Nun liegt ein Buch, eine narrative Dokumentation vor: Eine Auswahl von Erfahrungsberichten im Stil journalistischer Reportage 50 ehemaliger Häftlinge des stalinistischen GULAG, also von Menschen, die "Geschichte" am eigenen Leib erfahren und erlitten haben. Im dichten Netz der sowjetischen Zwangsarbeitslager spielte der GULAG (= Glawnoje uprawlenie lagerie = Hauptverwaltung der Lager) eine besondere Rolle.
Es waren Straflager für verurteilte politische und kriminelle Häftlinge mit unterschiedlichen Formen der Hafthaltung und verschiedenen Graden verschärften Regimes. Besonders gefürchtet war das Straflager Workuta im Hohen Norden (hier waren auch mehrere Befragte, die im vorliegenden Band zu Wort kommen, inhaftiert; hier starb unter ungeklärten Umständen der ehemalige Volksgruppenführer der "Deutschen Volksgruppe in Rumänien", Andreas Schmidt). Zu den deutschen Häftlingen gehörten viele emigrierte Kommunisten und Linksintellektuelle, wegen echter oder angeblicher Kriegsverbrechen verurteilte Kriegsgefangene, Spione, Diplomaten, in der sowjetischen Einflusszone aus politischen Gründen verurteilte Personen. Unter den befragten Zeitzeugen befinden sich auch einige Siebenbürger Sachsen (ein Arzt - Dr. Hans-Julius Balthes; ein Politiker - Friedrich Sigmund Cloos; eine Lehrerin - Albertine Hönig; ein Grafiker und Illustrator - Viktor Stürmer). Die Anthologie enthält Fragmente von Interviews, unveröffentlichten bzw. publizierten Manuskripten, Memoiren, die von den Herausgebern ausgewählt und geordnet wurden. Kommentiert werden weder die befragten Zeitzeugen noch ihre Aussagen. Es fehlt, sozusagen als "Gegenstück", jedwede Anspielung auf das System und die Zustände in Arbeitslagern des nationalsozialistischen Deutschland. Das Buch geht auf folgende Themen ein:
Zum wissenschaftlichen Rahmen gehören: eine Darstellung des GULAG-Systems, zahlreiche Illustrationen, ein Literaturverzeichnis, die Biographien der Zeitzeugen (einige bleiben anonym, einige sind mittlerweile verstorben). Der Leser erhält ein aufrührendes Bild der conditio humana im Ausnahmezustand der Gefangenschaft, von Menschen im Überlebenskampf bei Schwerstarbeit, Hunger und grausamer Willkür. In dieser langen Kette von Leidensgeschichten gibt es trotz allem auch Lichtblicke von Hoffnung, Solidarität und echter Menschlichkeit. Walter Roth (Dortmund)
Letztes Update: 03. März 2002 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de / http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg |
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