HOG-Schäßburg / Siebenbürgen


Betrachtungen zur Wirtschaftlichkeit und Finanzierung des" Dracula Park " bei Schäßburg

Allgemeine Anmerkungen

1.) Investitionen und Beteiligungen

Die Gesamtinvestition beträgt US$ 31 Millionen.

Beteiligungen:
39,1 % FDTS (Fondul de Dezvoltare Turistica Sighisoara) als Betreiber
7,0 % Stadt Schäßburg, Kreisamt Neumarkt und Ministerium für Tourismus
6,0 % Ministerium für Öffentliche Arbeiten, Transport und Wohnungswesen
47,3 % private Geldgeber (Aktien, ausländische Investoren, etc.)

Unter dem Betreiber FDTS verbirgt sich die Stadt Schäßburg. Wie eine solche kleine staatliche Behörde fast 46 % der Finanzmittel aufbringen will, wird nicht gesagt. Knapp 50 % des Kapitals soll über private Geldquellen eingenommen werden. Bisher ist lediglich 25 % des Aktienpaketes platziert worden. Der Aktienkauf läuft sehr schleppend und ist bis zum 19.02.01 terminiert. Es ist jedoch zu befürchten, dass die Arbeiten selbst dann beginnen werden, wenn das Finanzierungsvolumen nicht gesichert ist. Schon die Abholzung der alten Eichen " auf der Breite " bedeutet einen irreparablen Schaden für die Umwelt.

2.) Wirtschaftlichkeit

Der Dracula Park soll ab 2004 betrieben werden.


a.) Analyse der Besucherströme

- Entfernung bis 80 Km 75 %
- Entfernung > 80 Km 25 %


- Alter bis 25 Jahren 52 %
- Alter 25 - 60 Jahre 39 %
- Alter > 60 Jahre 9 %

Der Lebensstandard in Rumänien ist sehr niedrig, es besteht daher im Inland keine reale Kaufkraft. Ca. 80 % der Bevölkerung haben ein Familieneinkommen von < 50,00 EUR/Monat und implizit andere Prioritäten als einen Vergnügungspark zu besuchen. Die Machbarkeitsstudie des Ministeriums für Tourismus basiert auf westeuropäische Lebensgewohnheiten, die in Rumänien jedoch nicht praktikabel sind. Die Mehrheit der Bevölkerung ist mit dem täglichen Überlebenskampf beschäftigt.
Der überwiegende Teil der Besucher soll aus der näheren Umgebung kommen und den Park mehrmals im Jahr besuchen. Selbst eine Person einer mehrköpfigen Familie ist nicht in der Lage mit seinem Einkommen sich einen Besuchstag im Park zu leisten. In der Betrachtung der umliegenden Städte bis 80 Km wird auch Kronstadt einbezogen. Tatsächlich liegt diese größte Stadt der Umgebung jedoch 120 Km von Schäßburg entfernt und verfälscht die Statistik. Aufgrund der großen Entfernung scheidet sie aus der Betrachtung < 80 Km aus. Gleiches gilt auch wegen der zu hohen Anfahrtskosten. Damit hinkt schon die Entfernungsstatistik als Basis für die Gesamtkalkulation.
52 % der Besucher sind bis 25 Jahre alt und haben in der Regel noch kein Einkommen bzw. keine Ersparnisse, scheiden daher als potentielle Besucher größtenteils aus. Die < 60-jährigen mit 9 % veranschlagt, kommen primär als Begleiter ihrer Enkel in Frage und haben als Rentner ein minimales Monatseinkommen, das unter den Ausgaben für einen Tagesbesuch von zwei Personen liegt. Die 25 bis 60-jährigen die am ehesten in Frage kommen, reichen mit einer Partizipation von 39 % nicht aus, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Auch ihr Einkommen passt sich dem allgemeinen Niveau des Landes an und reicht nicht aus um den Park zu besuchen, geschweige denn mehrmals im Jahr, wie die Studie vorsieht.

b.) Besucherzahlen

2004 : 400.000
2005 : 650.000
2006 : 860.000
ab 2007 : 1.100.000 konstant

80 % d.h. 880.000 Innlandsbesucher
20 % d.h. 220.000 Auslandsbesucher

z. Zt. 10.000 Besucher/Anno in Schäßburg

Unter Berücksichtigung der angestrebten Zahlen von 1,1 Millionen pro Jahr beträgt die monatliche Durchschnittsbesucherzahl ca. 92.000. Es gibt bekanntlich auch Fluktuationen abhängig von der jeweiligen Jahreszeit, was dadurch weitere Schwierigkeiten bei der Logistik und damit implizit bei der Bewältigung dieser Besuchermassen mit sich bringt. Die ausländischen Touristen, die wegen ihrer finanziellen Möglichkeiten primär für den Besuch des Parks geeignet sind, sind mit einer Beteiligung von 25 % deutlich unterrepräsentiert.
Es bestehen keine geeigneten Infrastrukturen wie mehrspurige Straßen, Autobahnen, Flughäfen, Unterkünfte, E-Werk, Kläranlagen, etc. weder in der näheren Umgebung noch im gesamten Land überhaupt. In der Studie des Betreibers wird hierzu nichts gesagt. Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass der hierfür notwendige Strom unter den jetzigen Bedingungen nur dann ausreicht, wenn die lokale Industrie darauf gänzlich verzichtet. Die Investitionen zum Aufbau dieser Strukturen bedürfen eines Vielfachen an Finanzmitteln im Vergleich zu den eigentlichen Mitteln, die für die Errichtung des Parks veranschlagt werden. Rumänien hat diese finanziellen Mittel nicht. Eine Grundvoraussetzung sowohl für die Realisierung als auch für das Betreiben dieses Vorhabens fehlt also.
80 % der Einnahmen des Parks sollen von den inländischen Besuchern stammen. Diesen fehlen hierfür bekanntlich die finanziellen Möglichkeiten. Die umliegenden Städte und Gemeinden von Kronstadt, Hermannstadt, Neumarkt und Schäßburg haben laut Angaben der Betreiber 1,6 Millionen Einwohner und sollen 580.000 potentielle Besucher stellen. Diese machen 75 % der Gesamtbesucherzahl aus. 65 % der Jahresbesucher sollen treue Besucher sein und jährlich mindestens einmal pro Jahr den Park besuchen, davon 250.000 sollen sogar 2-3 Mal im Jahr anwesend sein. So kommt man insgesamt auf eine Zahl von 740.000 Besucher/Jahr. Diese Zahl soll mit Hilfe von Werbemaßnahmen auf 840 - 900.000 erhöht werden. Daher wird im Inland durchschnittlich mit 880.000 Besuchern kalkuliert. Die ausländischen Touristen die erst ein solches Investment praktikabel machen, sind mit 210 - 230.000 veranschlagt (in der Studie mit 220.000 per Anno = 18.000 im Monat genannt) und damit deutlich unterrepräsentiert. Selbst um diese Zahlen zu erreichen, benötigt man optimale Konditionen, d.h. eine moderne sowie optimal funktionierende Infrastruktur die jedoch auch annähernd nicht vorhanden ist. Dieser Personenkreis wird nicht wiederkommen, neue ausländische Touristen werden mit angrenzender Wahrscheinlichkeit ausbleiben (die schlechten Konditionen werden sich im Markt schnell herumsprechen). Insgesamt gibt es auch keine Garantie, dass selbst die niedrig veranschlagten ausländischen Touristenzahlen überhaupt realisiert werden können bzw. selbst die Gesamtzahl überhaupt erreicht werden kann. Rumänien besitzt im Ausland kein gutes Image, wird es also sehr schwer haben adäquate Touristen ins Land zu locken, geschweige denn diese zu behalten.

c.) Preise und Gewinne

Der Eintrittspreis in den Dracula Park soll US$ 5,00/pro Person betragen. Dieser Tarif berechtigt lediglich zum Eintritt in den Park, d.h. alle anderen Angebote und Einrichtungen wie z.B. Besuch des Schlosses, diverse Aufführungen, Fahrten mit der Schmalspurbahn, Hotelunterkunft, Verpflegung sowie Parkgebühren etc. ist darin nicht eingeschlossen. Eine vierköpfige Familie müsste US$ 20,00 allein an Eintrittskosten aufbringen, damit jedoch an keinerlei Unterhaltung teilhaben. Unter Berücksichtigung von 1,1 Millionen Besuchern im Jahr rechnet man mit insgesamt US$ 10,2 Millionen Einnahmen/Anno, d.h. nebst Eintrittgeldern von US$ 5,5 Millionen sollen weitere US$ 4,7 Millionen aus den zusätzlichen Einnahmequellen im Park fließen. Nebst dem Eintritt von US$ 5,00 müsste jede Person noch einmal knapp weitere US$ 5,00 ausgeben, damit sich das Geschäft lohnt. Das ist absolut nicht realistisch. Eine vierköpfige Familie müsste dementsprechend ca. US$ 40,00 ausgeben, was in etwa einem Monatseinkommen pro Familie entspricht, vorausgesetzt der/die Ernährer sind in einem Beschäftigungsverhältnis. Problematisch wird die Situation bereits schon in den Jahren 2002 - 2005. Hier wird mit erheblich niedrigeren Besucherzahlen gerechnet. Erst ab 2006 soll der Park die erforderliche Besucherzahl von 1,1 Millionen erreichen. Die Rentabilität, basierend auf der hohen Besucherzahl soll 22 % erst ab 2006 erreichen. Wer garantiert jedoch, das diese Zahlen realisiert werden können? Es wird hierzu nichts gesagt. Es gibt auch keine Notlösungen, Alternativvorschläge etc.

3.) Allgemeine Betrachtungen

Das Vorhaben basiert nicht wie üblich auf einem Umweltgutachten. Es werden sogar die Gesetzte und Verordnungen des eigenen Landes auf dem Gebiet des Umweltschutzes ignoriert. Die UNESCO als Kulturarm der UNO wurde pflichtgemäß im Vorfeld nicht benachrichtigt. Es gibt scharfe Kritik seitens dieser Organisation, von Umweltorganisationen aus dem In- und Ausland, von sonstigen Organisationen und Gruppierungen. Rumänien geht das Risiko ein, von ausländischen Organisationen als nicht qualifiziert und vertragsbrüchig zu gelten. Internationale Verträge und Geflogenheit werden ignoriert. Dies könnte für die weitere Entwicklung des Landes schädlich sein.
Die Assoziation der sächsischen Kultur mit dem Dracula Mythos und dem zu errichtenden Park, die in der Broschüre des Ministeriums für Tourismus mit Bildern der Schäßburger Burg verdeutlicht wird, und als Werbung für einen Kitschpark herhalten soll, ist nicht nur geschmacklos sondern auch skandalös. Dass Vlad Tepes tendenziös auch noch als "Schäßburger Bürger" genannt wird, ist ein unakzeptables Beispiel der Geschichtsverdrehung. Selbst die Tonhalle wird zu Werbezwecken missbraucht. Die sächsische Kultur soll als Initialzündung für einen neuen Tourismus und implizit für eine makroökonomische Aufbruchstimmung im Lande mit der Realisierung des Dracula Parks als auch für die Unzulänglichkeit von über 55 Jahre wirtschaftlicher Fehlentwicklung herhalten. Dies ist für uns Schäßburger nicht akzeptabel. Unsere Vorfahren haben uns dieses "Weltkulturerbe" zur Verfügung gestellt um es zu bewahren, zu schützen und zu ehren, und nicht damit es zum Streben nach Macht und Einfluss einzelner Kräfte dienen; geschweige denn der kulturellen Degradierung preisgegeben werden soll.
Man geht davon aus, dass die Deutschen in Schäßburg zu den tragenden Besuchern des Parks zählen werden (damit sind primär die in Westeuropa lebenden Sachsen gemeint). Im Klartext heißt es:
" Implicarea pozitiva a comunitatii germane sunt doar citiva dintre factorii care au indicat Sighisoara ca locatie optima pentru Dracula Park". Es wird auch der Eindruck vermittelt, die deutsche Bevölkerung sei mehrheitlich mit diesem Park einverstanden. Genau das Gegenteil ist der Fall.

4.) Resümee und Fazit

Die Studie des Ministeriums für Tourismus basiert auf falschen Voraussetzungen. Die erwarteten Besucherzahlen sind auch annähernd nicht zu realisieren. Es fehlen Infrastruktur und ein geeignetes Landesimage. Rumänien ist für einen Tourismus dieser Region nicht geeignet und nicht attraktiv genug. Für die inländischen Besucher die mit 80% an der Gesamtbesucherzahl partizipieren, sind die Preise für den Eintritt sowie für die Benutzung der Einrichtungen unerschwinglich. Es gibt keine Kaufkraft im Land. Rumänien gehört unter Berücksichtigung des pro Kopf Einkommens zu den ärmsten Ländern Europas. Man ist primär mit dem täglichen Überlebenskampf beschäftigt, hat daher andere Prioritäten als einen Unterhaltungspark zu besuchen.
Darüber hinaus soll ein Areal von mehr als 120 ha in einem für Europa einmaligem Ökosystem geopfert werden. Der Schaden an Mensch und Natur ist nicht vertretbar um lediglich 300 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Diese Beschäftigungszahl haben Recherchen von Experten sowie des von der Regierung beauftragten Architekten ergeben. Die von den Betreibern zugesagten 3000 neuen Arbeitsplätze können auch annähernd nicht erreicht werden und gelten lediglich "als taktisches Manöver". Die in der unmittelbaren Umgebung befindliche Altstadt von Schäßburg wird von einem Kitschtourismus invadiert werden. Die hohen Besucherzahlen werden der Bausubstanz einen erheblichen Schaden zufügen. Eine mittelalterliche einmalige Kultur wird dem Einflussbereich von Kitsch und Vampirismus ausgeliefert werden. Der kulturelle Charakter der Stadt wird verblassen.
Schäßburg benötigt einen sanften, behüteten Tourismus, der den Charakter der Stadt respektiert. Der Staat sollte in Zusammenarbeit mit allen interessierten Kräften nach Wegen zum Erhalt der Altstadt und für eine entsprechende Entwicklung des lokalen Tourismus sorgen. Hierfür stehen viele Kulturinteressierte, inklusive der im Ausland lebenden Schäßburger mit Rat und Tat zur Verfügung. Der Anfang könnte im Rahmen einer in Rumänien und Deutschland zu errichtender Kulturstiftung zu Gunsten der Schäßburger Altstadt sein. Für diesen Zweck wird versucht auch die deutsche Wirtschaft zu gewinnen. Auch die im Ausland lebenden Schäßburger sind bereit, einen größeren materiellen Beitrag zu leisten, wenn das Projekt "Dracula Park" in Schäßburg nicht zur Realisierung kommt. Dies könnte der Anfang einer erfolgreichen Partnerschaft mit dem rumänischen Staat werden und die Integration Rumäniens in die EU vorantreiben. Rumänien benötigt die Siebenbürger Sachsen als Bindeglied zwischen Deutschland und dem Heimatland.
Die Errichtung des geplanten Parks wird eine Protestwelle der westlichen Welt mit sich bringen und den lebensnotwendigen Eintritt Rumäniens in die EU unnötig erschweren, eventuell sogar verhindern. Insgesamt sind die in Deutschland lebenden Schäßburger nicht gegen die Errichtung eines Vergnügungsparks, jedoch sollte dieser wie schon früher ins Auge gefasst in der Region von Kronstadt (Törzburg) errichtet werden. Hier ist eine bessere Infrastruktur vorhanden und auch die geschichtliche Assoziation zu dem Dracula Mythos ist gegeben. Ideal wäre jedoch als Standort die Schwarzmeerküste oder die nähere Umgebung, zumal hier sowohl die geeignete Infrastruktur als auch das erforderliche touristische Potential vorhanden ist.

Arpad Bako Lohmar, den 29.01.01
Dipl. Betriebswirt
Zeisigweg 11a
53797 Lohmar

 

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Letztes Update: 08. März 2002 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg