HOG-Schäßburg / Siebenbürgen |
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Die Breite eine einmalige Landschaft
"Seit lange hatte ich keine so liebliche Landschaft gesehen, von so eigenthümlichem Charakter, gehoben durch jene mächtigen Thore, Thürme und Pförtchen, mit den vielen mittelalterlichen Gebäuden... Nie gedenke ich dieses Ortes, ohne dabei im Geiste Schäßburg "die malerische Stadt" zu nennen". Diese Worte des Engländers Charles Boner, der 1863/1864 Siebenbürgen bereiste, sind eine Liebeserklärung an Schäßburg und seine Umgebung, die bis zum heutigen Tage nichts an ihrem Gehalt eingebüßt haben. Eine mittelalterliche Stadt, jüngst zum Kulturerbe der UNESCO erklärt, eingebettet in eine malerische Landschaft, die wohl die Prägung menschlichen Wirkens trägt, jedoch harmonisch mit ihr verbunden und gewachsen ist und auch weite Bereiche unversehrter Natur einschließt.
Zum mittelalterlichen Erbe der Stadt gehört zweifellos auch die unweit der Stadt liegende Breite, "de Bried", mit ihrem Hochplateau, den steilabfallenden Hängen und Schluchten, die allesamt manche bemerkenswerte Naturschätze bergen. Mit ihren jahrhundertealten, ja teils sogar fast tausendjährigen Eichen (400-900 Jahre) auf noch relativ großer Fläche, ist die Breite nicht nur landes-, sondern auch europaweit eine einmalige Kulturlandschaft. Die etwa hundert übriggebliebenen Exemplare dieser uralten Eichen, von denen jede einzelne ein lebendes Naturdenkmal darstellt, sind nicht nur wertvolles Naturerbe, sondern Teil des kulturhistorischen Erbes der Stadt Schäßburg, da sie einschließlich ihres gesamten Lebensraumes "Kahle Breite" letzte Belege für mittelalterliche Nutzungsweisen von Land- und Forstwirtschaft (Hutwald und Mittelwaldwirtschaft) verdeutlichen. Im Wissen um die Einmaligkeit dieses Landstriches, hatte es bereits in den siebziger Jahren durch Professor Eckhard Hügel Bemühungen zum Schutz der Breite gegeben, die jedoch nicht auf fruchtbaren Boden fielen. Eher rückte man der Breite zu Leibe durch intensive Viehzucht, der so manche uralte Eiche im Wege stand und dadurch der Säge, aber auch dem Feuer sowie Sprengungen mit Dynamit zum Opfer fiel. Doch das Interesse an dem Gebiet war nicht erloschen, flammte wieder auf und nahm 1998 in den Bemühungen der Forstverwaltung und des Naturschutzes konkrete Formen an. Die angestrebte Unterschutzstellung sollte diese Kulturlandschaft vor allen schädigenden Einflüssen durch Menschenhand schützen und jeder Zerstörung Einhalt gebieten. Die Ausweisung eines besonders wertvollen Teils der Breite (70 ha) als Naturschutzgebiet wurde mit der Verabschiedung des Gesetzes Nr. 5 vom 6. März 2000 besiegelt, in der 152. Ausgabe des öffentlichen Amtsblattes der Regierung "Monitorul oficial" veröffentlicht und in die Kategorie der Naturschutzgebiete und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung eingestuft. Die gesamte Breite und die angrenzenden Gebiete sind auch der Lebensraum geschützter Arten wie Frauenschuh, eine seltene Orchidee, Trollblume, aber auch vieler besonderer an alte Eichen gebundener Käferarten wie Hirschkäfer, Eichenbock, Schmetterlinge und vieler, teils seltener Vogelarten. Die hochbetagten Eichen selbst stellen ein wertvolles, für die Forstwirtschaft bedeutendes genetisches Material dar. Sie gehören einer besonderen Unterart der Stieleiche an, deren Verjüngung auf der Breite sich gut entwickelt, nachdem die übermäßige Beweidung wieder eingestellt wurde. Mit ihren tiefgehenden Wurzeln, die wie Pumpen funktionieren, dringen die Eichen in das Grundwassernetz und ziehen aus diesem ihren Wasserbedarf. Zusätzlich sichern die strahlenförmig unter der Bodenoberfläche weit streichenden Wurzeln den Wasserbedarf dieser Bäume.
Durch die Eingriffe in die Landschaft der Breite und ihren Wasserhaushalt würden die natürlichen Funktionsmechanismen dieser hochbetagten Eichen, eingebettet in die Weiten der offenen Graslandschaft stark gestört und unwiederbringlich verloren gehen. Den gut funktionierenden "Pumpsystemen", d.h. den Wurzeln der Eichen würde buchstäblich das Wasser abgegraben, wenn man daran ginge Leitungen zu legen, um für den geplanten Dracula-Vergnügungspark eine Infrastruktur zu schaffen. Da helfen auch die um Einzelstämme geplanten Zäunchen nichts, wenn der Boden- und sein Wasserhaushalt gestört wird, was bei den baulichen Maßnahmen für den Park unumgänglich wäre. Hinzu käme der beachtliche Flächenverbrauch durch Bebauung und Bodenverdichtung sowie Abgase und Lärm. Die geplanten Maßnahmen würden jeder Naturidylle ein drastisches Ende bereiten und das, was an Lebewesen hier vorkommt, zerstören oder endgültig verscheuchen. Es kann im Falle der Breite nicht um den Erhalt von Einzelbäumen in einem Vergnügungspark gehen - das ist sehr, sehr kurzsichtig gedacht - , sondern um Bäume in einer mit ihnen gewachsenen Landschaft, die als Ganzes untrennbar zusammengehören und bewahrt werden müssen. Für ein derartiges Mammutvorhaben, wie der Dracula-Park es darstellt, aber auch alle anderen Vorhaben, die mit Eingriffen in Natur- und Landschaft verbunden sind, ist laut Gesetz eine Umweltverträglichkeitsstudie erforderlich. Würde diese mit ökologischem Sachverstand, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit durchgeführt werden, käme der Dracula-Park auf der Breite nie zustande. Sollten die Pläne aber Wirklichkeit werden, würde die Landschaft der Breite mit ihren lebendigen Zeugen einer mittelalterlichen Kulturlandschaft endgültig der Vergangenheit angehören. Auch die Möglichkeit Natur- und Landschaft mit ihrer Schönheit und Weite in Ruhe zu genießen, so wie es im Falle eines sanften, gepflegten Kulturtourismus auch auf der Breite möglich wäre, könnte dann in diesem Gebiet endgültig abgeschrieben werden. Gerade diese Art von Tourismus, die Bewahrung der Natur und nachhaltige Nutzung einschließt ist jedoch Teil eines Abkommens, das auf Initiative des World Wide Fund for Nature WWF am 30. April 2001 in Bukarest unterzeichnet wurde. Damit verpflichten sich die Donau- und Karpatenländer für Naturschutz, Berücksichtigung ökologischer Belange und nachhaltige Entwicklung im Donau-Karpatenraum. Das auch von Rumänien unterzeichnete Abkommen gibt genügend Spielraum für eine sanfte, nachhaltige Entwicklung von Tourismus auch in und um Schäßburg. Mit Verzicht auf einen Dracula-Vergnügungspark könnte ein Kulturtourismus entwickelt werden, der dem harmonischen Bild der Stadt Schäßburg und der sie umgebenden Landschaft Rechnung tragen würde. Erika Schneider (Rastatt)
Letztes Update: 10. Februar 2002 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de / http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg |
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