HOG-Schäßburg / Siebenbürgen


Die HOG-Schäßburg e.V. und das Projekt "Dracula Park bei Schäßburg

 

Stellungnahme

Es liegt nicht in unserer Absicht, mit einer ablehnenden Haltung zum Thema "Dracula Park" bei Schäßburg Fronten zu verhärten, sondern durch gezielte Aufklärung unsere Landsleute zu sensibilisieren und ihnen in einem konstruktiven Dialog zu einer kritischen Betrachtungsweise des geplanten Projektes zu verhelfen. Wir sind - obwohl ausgewandert - nach wie vor unserer alten Heimat sehr verbunden. Deshalb hat ihr wirtschaftlicher Aufschwung sowie die Schaffung eines modernen, in die europäische Gemeinschaft integrierten Rumäniens, für uns höchste Priorität. Wir haben nach wie vor viele und sehr gute Freunde in Rumänien und sind uns uneingeschränkt unserer Aufgabe als Brückenbauer bewusst.
Wir können uns aber nicht damit abfinden, dass Schäßburg, eine mittelalterliche Burg, von friedlichen deutschen Siedlern erbaut, als eine der schönsten Städte Siebenbürgens und zum Kulturerbe der Menschheit erhoben, eine seit Jahrhunderten multiethnisch, multikulturell und christlich gewachsene Kulturlandschaft, geschichtlich verfälscht und als Aushängeschild für ein Land der Vampire als "Dracula Park" auf der Breite bei Schäßburg genutzt werden soll, dass "die Breite", in Rumänien selbst als Naturschutzgebiet verankert, für diesen Irrsinn geopfert wird.
All dieses soll aufgrund einer vollkommen unrealistischen Kosten- und Erfolgsanalyse geschehen, die im Endergebnis unweigerlich zu einer Ruine führen wird.

Unsere Absicht ist, diesen Irrsinn zu verhindern und Schäßburg durch Gründung einer Stiftung "Rettet Schäßburg" zu wirtschaftlichem Aufschwung, zur Motivation der eigenen Bevölkerung und zu einem moderaten, angemessenen kulturhistorischen Tourismus zu verhelfen.

Allgemeines
Bei der Entscheidung, dem Standort Schäßburg den Zuschlag zu erteilen, haben die Initiatoren des Projektes auf die deutsch geprägte Vergangenheit der Stadt (!), auf die Unterstützung durch die deutsche Minderheit in Rumänien sowie auf das Interesse bundesdeutscher Investoren und Touristen gesetzt. Das zeugt von einem merkwürdigen Geschichtsverständnis und mangelnder Sensibilität für siebenbürgische Zusammenhänge. Unabhängig vom Standort beweist die Initiative den importierten Dracula-Mythos zu vermarkten, die Bereitschaft, dem erhofften Devisenstrom die nationale Würde zu opfern und nicht zuletzt, Unkenntnis des Touristikmarktes mit verheerenden Folgen für die Rentabilität dieser Investition.

Stoßgebet gen Himmel einer
1000-jährigen Eiche auf der Breite
Foto: V. Muntean

 

Das Demokratische Forum der Deutschen in Siebenbürgen ist nicht konsultiert worden, die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien wie auch der Deutsche Kulturverein e.V. in Rumänien der sich aktiv für die Erhaltung Siebenbürgisch - Sächsischen Kulturgutes einsetzt, der Siebenbürgisch-Sächsische Kulturrat in Deutschland, zahlreiche Persönlichkeiten und Institutionen aus dem In- und Ausland, haben sich eindeutig gegen das Projekt in Schäßburg ausgesprochen. Der Bericht der UNESCO-Kommission wird am 25.06. 2002 erwartet.

Aufgaben und Aktionen der HOG
Geleitet von dem in unserer Satzung verankerten Auftrag zur Sicherung des Schäßburger Kulturgutes, Unterstützung der kirchlichen, sozialen und kulturellen Einrichtungen in Schäßburg zur Sicherung der materiellen und immateriellen Werte unserer Gemeinschaft sowie zur Pflege der Kontakte und Zusammenarbeit mit Schäßburger Behörden hat die HOG durch ihre Vertreter dem Treiben nicht tatenlos zugeschaut.
So unterstützt die HOG den mutigen Widerstand der Schäßburger Ev. Kirchengemeinde, der Bürgerinitiative "Sighisoara Durabila - Nachhaltiges Schäßburg", der Stiftungen "Pro Patrimoniu", "Liga Pro Europa", "Veritas", u.a. vom Tourismusminister als "finstere Mächte" diskriminierte Gegner seines Irrsinnsprojekts.
Deren Widerstand ist kein leichtes Unterfangen, ist doch die Bevölkerung Schäßburgs gespalten: einerseits, die auf Arbeitsplätze hoffende Stadtverwaltung, Tausende am Existenzminimum darbender Sozialhilfeempfänger sowie Geschäftsleute und Bodenspekulanten, und andererseits die vom Gewissen, Würde und nüchternen Kalkül getragenen und zur Vernunft aufrufenden Bürger und Intellektuellen.
In mehreren Briefen (vgl. auch SN 16 vom 1.Dez. 2001) an den Bürgermeister Schäßburgs Joan Dorin Danesan, Tourismusminister Dan Matei Agathon, Premierminister Adrian Nastase haben wir auf die unheilvolle Auswirkungen auf die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erhobenen Heimatstadt und auf das Naturschutzgebiet Breite hingewiesen und deutliche Vorschläge zu einem angemessenen touristischen Unterfangen unterbreitet.
Angesichts der Ereignisse vom 11. September 2001 und des Massakers von Erfurt ist die Realisierung des "ersten Terrorparks der Welt" mit "senzatii tari" (Agathon) im geplanten Gruselschloß erneut in Frage zu stellen.
Der Stadtverwaltung haben wir Alternativen für eine nachhaltige Entwicklung der Stadt aufgezeigt. Für die Zeit "nach Dracula" haben wir Vorschläge für eine konkrete Unterstützung im Stadtmarketing unterbreitet, die zum Wohle unserer Landsleute und derer, die das Erbe unserer Vorfahren weiter pflegen werden zugute kommen sollen. In diesem Zusammenhang ist auch die von uns organisierte und getragene Deutschlandreise eines Vertreters der "Sighisoara Durabila" zu verstehen. (Siehe HOG - Nachrichten).
Die HOG wurde zur Teilnahme an der Tagung "SOS Sighisoara" am 21. März 2002 nach Schäßburg eingeladen. Organisatoren der im Rahmen der "Woche der Toleranz und des interkulturellen Dialogs" stattfindenden Tagung waren die "Liga Pro Europa" und "Asociatia Sighisoara Durabila", unterstützt von der deutschen Heinrich-Böll-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Messerschmitt-Stiftung München und der amerikanischen Stiftung "Veritas".
Zur Vorbereitung unserer Teilnahme, Erarbeitung eines Grundsatzpapiers und Vorbereitung von weiteren Aktionen konstituierte sich unter Leitung von Walter Lingner eine Arbeitsgruppe "DP" : Günther Jacobi (Recht), Arpad Bako (Wirtschaft), Dr. Erika Schneider (Umwelt), Julia Prejmerean-Aston (Kultur, Öffentlichkeit) und Hermann Theil (Investitionen, Politik).
Als Vertreter der HOG wurde Arpad Bako zur Teilnahme an der Schäßburger Tagung entsandt (siehe Bericht).
Im Rahmen des Rumänien gewidmeten Weltgebetstages Anfang diesen Jahres sammelte Astrid Bernek bei mehreren Veranstaltungen in und um Bremen, auf 47 ausgelegten Listen 681 Unterschriften gegen das Dracula Projekt bei Schäßburg.
Günter Czernetzky stellte in einem sehr ausführlichen und gut geführten Fernsehinterview in München Minister Agathon Fragen die uns Siebenbürger Sachsen im Zusammenhang mit Dracula Park in Schäßburg bewegen. Die von Geldgier geprägten Antworten waren unbefriedigend, wurde doch wieder die Mär von den 3000 Arbeitsplätzen erzählt, trotz schriftlicher Bestätigung seiner Fachleute über maximal 300 Stellen ! Zum bessern Verständnis des Weltkulturerbes "Schäßburg" überreichte G. Czernetzky, im Namen der HOG, dem Herrn Minister das Buch "Schäßburg, Bild einer siebenbürgischen Stadt".
Auf dem Gebiet des Naturschutzes richteten sich :
Hedwig Deppner (Capesius) an die Schutzgemeinschaft "Deutscher Wald" Bonn und die Stiftung Europäisches Kulturerbe, in Radolfzell sowie an die Societatea ornitologic?a Romana, Klausenburg und bat um Unterstützung.
Erika Schneider an den World Wild life Fund for Nature (WWF) und ist in der WWF-International Donau-Karpaten- Programm/Rumänien aktiv geworden.
Julia Prejmerean-Aston wandte sich an die Fernsehanstalten : WDR, Wilfried Spitra, das ZDF- Auslandsjournal mit einer umfangreichen Dokumentation und bat um Aufnahme des Themas "Dracula Park bei Schäßburg" in das Programm, und zur Berliner Messe mit einem Rundschreiben; an OB Wowereit , Institutionen und an alle großen Tageszeitungen Deutschlands um auf das Irrsinnsprojekt aufmerksam zu machen.
In Schreiben und persönlichen Kontakten wurde betroffenen Firmen und Institutionen aufklärende Hintergrundinformationen über ethisch-moralische, religiöse, kulturhistorische, soziale, ökologische und wirtschaftliche Aspekte im Zusammenhang mit dem geplanten Vergnügungspark im Naturschutzgebiet Breite in unmittelbarer Nähe zur historischen Altstadt von Schäßburg vermittelt.
Es waren dies u.a. die Firmen: Westernstadt Pullman (D), "Explore Erlebnisproduktion" Wien und Brau Union Linz (A), sowie Institutionen: dem Stabilitätspakt für Südosteuropa EU (B).; der Ethikkommission der Österreichischen Bundesregierung Wien (A), dem Wiener Landtag (A); Bundesvorstand der LM. d. Sieb. Sachsen (D)
Seit Anfang d.J. pflegen wir einen intensiven Kontakt zu dem "Eminescu Trust" London, (dessen Schirmherr Prince Charles ist), der sich konkret und sehr bewusst für das Kulturerbe Siebenbürgens einsetzt und sich mit deutlichen Worten gegen den Irrsinn bei Schäßburg wendet.(s.a. Stimmen und Meldungen).

Walter Lingner (Düsseldorf) und Hermann Theil (Weinsberg)


 

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Letztes Update: 26. Juli 2002 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg