HOG-Schäßburg / Siebenbürgen


Buchrezensionen

Zwei schulgeschichtlich wertvolle "Klassenbücher"

Unsere siebenbürgisch-sächsischen Erinnerungsschriften sind durch eine große Vielfalt gekennzeichnet. Viele Landsleute unterschiedlicher Berufe und sozialer Schichten veröffentlichen ihre Lebenserinnerungen. "Kränzchen" und Schulklassen feiern ihre Jubiläen und publizieren aus diesem Anlass ihre Erinnerungen. Die Heimatsortsgemeinschaften erarbeiten umfangreiche Ortsmonographien oder Heimatbücher. Der bekannte Wissenschaftler Karl Kurt Klein scheint seine Schüler nicht vergebens gemahnt zu haben: "Quod non in actibus, non est in mundo" (frei übersetzt: "Was nicht schriftlich niedergelegt ist, existiert nicht in der Welt."). Kürzlich erschienen anlässlich der 50-jährigen Maturafeiern ehemaliger Schüler der Pädagogischen Schule von Schäßburg 2 umfangreiche und aufwendig gestaltete Erinnerungsbände.

"50 Jahre. Rückblicke und Erinnerungen".
Zusammengestellt anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Absolventen 1951 der Deutschen Pädagogischen Schule aus Schäßburg von Hans-Georg Dengel unter Mitarbeit der ganzen Klasse. 2001, 280 Seiten.

Format 15 x 21, 280 Seiten, 105 Bilder

 


Ein Bild von Schäßburg nach einem Stich von Hans Hermann ziert diesen schmucken Erinnerungsband, dieses "Klassenbuch", das jedem Teilnehmer am Treffen vom 22. Juni 2001 überreicht wurde. Wie pflegt es bei einem Klassentreffen zuzugehn? Jeder Beteiligte kommt zu Wort und erzählt aus seinen Erinnerungen von damals, als man Schüler war, und schildert seinen späteren Werdegang. Man erinnert sich seiner Lehrer in Liebe, vielleicht auch noch mit einem kleinen Rest von Furcht (aus Respekt). Kleine heitere und auch ernsthaftere Begebenheiten werden erzählt und wieder aufgewärmt. Fotos werden herumgereicht. Der toten Lehrer und Mitschüler gedenkt man in einer Schweigeminute. All das findet man auch in diesem Buch schriftlich festgehalten, gedruckt und für die Zukunft aufbewahrt: "Ein Denkanstoß für unsere Kinder und Enkel" - wie es bereits auf dem Titelblatt heißt. Altersmäßig homogen war diese Klasse nicht, denn zu den Kollegen zählten auch Russlandheimkehrer, die einen Schulabschluss nachholen wollten.
Es ist erstaunlich, wie in der schweren Nachkriegszeit und während des politischen Umbruchs in dieser Schule ein heiler Geist herrschte, ernste Erziehungsarbeit geleistet und eine reiche Kulturarbeit entfaltet wurde. Das wird auch durch das Bildmaterial deutlich widergespiegelt. Wie ein Motto eröffnet das Gedicht "Abschiede von der Schule auf dem Berg" von Eckard Hügel (aus seinen Gedichten "Das Hohelied des Lebens") stilvoll den Band.
Die Rahmenkapitel geben dem Buch gleichzeitig historisches Gewicht und machen es auch über den unmittelbaren Anlass hinaus zu einem schulgeschichtlich wertvollen Beitrag: "Die Lehrerbildung der Siebenbürger Sachsen" (H.-G. Dengel); "Schäßburg, die malerische Stadt an der Kokel" (H. Heltmann). Zeittafel von Schäßburg. "Zur Geschichte der Bergschule von Schäßburg" (Schriftstück aus dem Turmknopf). Die Direktoren der Bergschule.

"Treppe und Umweg".
Klassenbuch 2002. Zum 50. Maturajubiläum des Seminaristenjahrganges 1948-1952. Pädagogische Schule Schäßburg. Gemeinschaftsarbeit der Klassen A und B. Hrsg. Wilfried Bielz und Simon Weber. Eigenverlag, 2001. 361 Seiten.

Format 17,5 x 25, 361 Seiten, 28 Bilder.

 


Unter dem symbolischen Titel "Treppe und Umweg" - es ist ein bekanntes Schäßburger Motiv, das auch bei der künstlerischen Gestaltung des Bandes von Sieglinde Bottesch verwendet wurde - erschien ein neues inhaltsreiches und sehr schönes Klassenbuch. Es steht unter dem Motto: "Ungeschriebene Dinge und Taten versinken im Dunkel und fallen dem Vergessen anheim, geschriebene aber werden beseelt" (Iwan Bunin). Dieses Zitat erinnert an die weiter oben zitierte Mahnung von K. K. Klein, so wie vieles zum ersten Klassenbuch Gesagte auch für dieses zweite gültig bleibt. Nach einem schulgeschichtlich-kulturgeschichtlichen Rahmen: "480 Jahre Bergschule in Schäßburg" (Johann Grau) und "Zur Lage der Bergschule heute" (Anneliese Roth) sowie der Vorstellung der Lehrer dieser Bildungs- und Erziehungsanstalt - es ist eine wahre Laudatio auf den humanistischen Geist der Bergschule ("Unsere Lehrer" und "Pädagogisches Spektrum") kommen die 95 ehemaligen Schüler, die ihr Klassentreffen feiern, zu Wort und berichten aus ihren Schulerinnerungen und aus dem späteren Leben, das die meisten als Lehrer in Siebenbürgen und später in Deutschland, verbrachten. Dabei ist das Bestreben zu erkennen, mit den persönlichen Lebensläufen auch den zeitgeschichtlichen Hintergrund zu erhellen. Dazu tragen ebenso die zahlreichen Fotos bei, die den Schulalltag und die rege außerschulische Sport- und Kulturtätigkeit der Schüler veranschaulichen. Damit erstreckt sich die Reichweite des Buches weit über die eines Berichtes über ein Klassentreffen hinaus und erhält eine kulturgeschichtliche Bedeutung.

Beide hier besprochenen Bücher lesen sich mit Gewinn und seien hiermit einer größeren heimatkundlich interessierten Leserschaft empfohlen. Einzusehen in der Siebenbürgischen Bibliothek Gundelsheim.

W. R. (Dortmund)


 

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Letztes Update: 05. August 2002 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg