HOG-Schäßburg / Siebenbürgen |
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Der Schäßburger Uhrmacher Reinhold Schneider erinnert sich Der technisch begabte Uhrmachermeister und Werkzeugmacher Reinhold Schneider, der aus einer alteingesessenen siebenbürgischen Bürgerfamilie stammte und 1912 in Schäßburg geboren wurde, ist noch vielen unserer Leser als Uhrmacher und zeitweiliger Inhaber eines Geschäftes für Uhren, Schmuck und Optik im Gebäude des Hesshaimerhauses, Marktplatz 25, oder als selbstständiger Uhrmacher in der Hintergasse 24, später als Mitglied einer Berufsgenossenschaft in Erinnerung. Er verbrachte seine letzten Lebensjahre nach der Aussiedlung in die Bundesrepublik Deutschland in Schorndorf/Baden-Württemberg, wo er 1991 fast 80-jährig starb. Wenigen jedoch ist bekannt, dass R. Schneider im Alter, kurz vor seinem Tod, Erinnerungen aufzeichnete, die von seinem Sohn Dr. Rolf Schneider und dessen Ehegattin Barbo Schneider zu einem stattlichen, reich illustrierten Typoskript von rund 230 Seiten, mit dem Titel "Nur die Erinnerung bleibt zurück" zusammengefasst wurden. Es ist eine lesenswerte Sammlung von Erinnerungen aus verschiedenen Zeitabschnitten und Bereichen. Es geht vorerst natürlich um viel Autobiographisches und um Familiengeschichte und -geschichten, um die eigene Kindheit und den eigenen Lebenslauf, dann um die Eltern, Großeltern und die Vorfahren. Zahlreiche heute kulturgeschichlich interessante Begebenheiten und Anekdoten von Schäßburg werden erzählt, Wissenswertes wird vor dem Vergessen gerettet; so wird z. B. ausführlich der traditionelle Jahrmarkt von Schäßburg beschrieben, oder es werden seltene, ausgefallene oder ausgestorbene Berufe aus der Vergangenheit der Stadt dargestellt.
Als Uhrmacher ist Schneider besonders kompetent, wenn er nach eigenem
Erleben und nach Überlieferungen über Schäßburger
Uhrmacher der Vergangenheit und bis hin in unsere Tage erzählt. Daraus
sei im folgenden einiges mitgeteilt: Die Uhr ging später in den Besitz der Bürgermeister-Witwe,
Frau Marie Leonhardt, über, die die pflegebedürftige Grune Mill
unterstützt hatte. Später gehörte diese besondere Uhr ihrer
Tochter, Frau Lang.
Ein anderer hervorragender Uhrmacher war Friedrich Mild, wohnhaft in
der Schulgasse. Die Stelle seiner ehemaligen Werkstatt erkennt man auch
heute noch an einem großen Bogenfenster seines Hauses. Er fertigte
1870-74 ein Chronometer mit elektrischem Aufzug, damals eine technische
Neuheit. Seinen Vorsatz, die Erfindung auf der Pariser Weltausstellung
zu zeigen, konnte er wegen Erkrankung nicht ausführen. Er befasste
sich auch mit einer Verbesserung der Zahnform-Wälzmaschine, mit der
drahtlosen Telegrafie u. a. Mild lebte seinen Erfindungen, insbesondere
nachdem er von seinem Bruder (dem Erbauer der Mammut-Brücke) ein
ansehnliches Vermögen geerbt hatte. Er galt als kautzig: so durfte
man bei Uhrreparaturen nie nach Preis und Termin der Fertigstellung fragen,
sonst wurde er böse. Einer seiner beiden Söhne, der Jurist Dr.
Fritz Mild, der in der Gartengasse wohnte, war ein bekannter Sammler von
sächsischen Antiquitäten und guter Kenner der Stadtgeschichte.
Er veröffentlichte 1929 in der Markus-Druckerei das Buch "Zu
Schäßburg Anno 1848". Als Kunde von R. Schneider erzählte
er diesem gerne aus der Vergangenheit von Schäßburg oder über
Erfindungen seines Vaters und schenkte ihm das wertvolle Fachbuch "Die
Uhrmacher Kunst" von Bayfuß. Alle Uhren und Apparate des 1920
verstorbenen Friedrich Mild erbte sein zweiter Sohn, der Ingenieur war
und im Elternhaus, in der Schulgasse, später in Neumarkt wohnte.
Seine Frau verkaufte heimlich im Laufe der Jahre viele wertvolle Stücke.
So kaufte auch Schneider einen von Mild gebauten Chronometer, der dann
später auf Umwegen über Uhrmacher Welzer in den Familienbesitz
Mild zurück gelangte. Brezina war der Lehrmeister, bei dem Josef Bazant ausgebildet wurde - Schneider wiederum war Bazants Schüler. Dieser befasste sich ausschließlich mit Verkauf und Reparatur von Uhren. Als Lehrmeister war das Technische Zeichnen sein Lieblingsfach. So hat er auch lange Zeit in der Gewerbeschule für Lehrlinge verschiedener Berufe Zeichenunterricht erteilt. Einer der letzten, die noch mit überliefertem Werkzeug Uhren herstellte,
war Reinhold Schneider selbst. Erst als selbstständiger Uhrmachermeister,
dann als Werkzeugschlosser-Meister tätig, pflegte er diesen Beruf
bis zum Eintritt ins Rentenalter.
Letztes Update: 30. Juli 2002 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de / http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg |
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