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Aus dem Wochenblatt "Jurnalul Sighisoara
Reporter
Januar bis Mai 2002
Wie auch in den vorigen Folgen unserer Zeitung wollten wir für
unsere Leser nicht nur in alten Schäßburger Zeitungen blättern,
sondern auch in der einzigen jetzt in Rumänisch erscheinenden Zeitung,
"Jurnalul Sighioara Reporter", und uns wichtig vorkommende Meldungen
übernehmen. Die heutige Zeitung, die von einem Verlag in Neumarkt
herausgegeben wird und im Februar vier Jahre ihres Bestehens feierte,
machen eine kleine Gruppe von Leuten in Schäßburg. Die Redaktion
befindet sich im ehemaligen Gewerbevereinshaus, Hermann-Oberth-Straße
15.
Mehr Jungen als Mädchen
Im vergangenen Jahr wurden dem Standesamt 251 Geburten gemeldet: 131 Jungen
und 120 Mädchen kamen 2001 in Schäßburg auf die Welt.
Im selben Jahr verstarben 250 Personen, 242 Paare haben geheiratet.
Anliegen: Bau eines Tierheims
Ende Januar trafen die Mitglieder des Schäßburger Tierschutzvereins
zu ihrer ersten Besprechung in diesem Jahr zusammen. Ein Hauptthema war
die Einrichtung eines Tierheims für herrenlose Hunde. Wie kann dieses
lobenswerte Anliegen finanziert werden? Auf diese Frage hatten die Tierschützer
keine eindeutige Antwort bereit. Sie hoffen auf Spenden.
Prompte Feuerwehr
Stadtpfarrer Hans Bruno Fröhlich bedankte sich in einem offenen Brief
bei der Feuerwehr für ihren prompten Einsatz: Am 23. Januar hatte
es im Haus Muzeului-Str. 6 (Bischof-Teutsch-Platz), das der evangelischen
Kirche gehört, gebrannt. Das Feuer zerstörte ein Zimmer, Personen
kamen nicht zu Schaden. Zehn Tage später brannte es in der katholischen
Kirche: Von einer brennenden Kerze hatten ein Teppich und ein Schrank
Feuer gefangen. Als die Feuerwehr eintraf, war der Brand schon gelöscht,
die Aufregung aber war groß.
Ein ehrgeiziges Wohnbauprogramm
An der Weißkircher Straße, hinter dem Fernsprechamt, ist mit
dem Bau von 64 Wohnungen begonnen worden. Finanziert wird das "ehrgeizigste
und größte Wohnbauprogramm in Schäßburg nach 1989"
von der Nationalagentur für Wohnungen innerhalb des Ministeriums
für Transport, öffentliche Arbeiten und Wohnungen. Das Projekt
sieht acht zweistöckige Häuser mit Mansarde vor.
Zusammen mit dem Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland will die Stadt Schäßburg
ein zehn Hektar großes Gelände im Mühlenham für Wohnungen
erschließen.
87. Kleintierausstellung
Im Foyer des Stadthaussaales fand im Februar die 87. Kleintierausstellung
statt, an der Züchter aus Kronstadt, Mediasch und Schäßburg
sowie zahlreiche "Amateure" aus Hermannstadt, Klausenburg, Neumarkt
und Braila teilnahmen. Im Bericht über die Ausstellung wird daran
erinnert, dass der Kleintierzuchtverein in Schäßburg 1896 gegründet
wurde und auf eine ruhmreiche Tradition zurückblicken kann; das Siebenbürgische
Nackthalshuhn, von Schäßburgern gezüchtet, sei die einzige
international anerkannte rumänische Rasse, wird im Bericht betont.
"Verschwundene" Lokomotive aufgetaucht
Vor einigen Jahren war die vor dem Dampfbad ausgestellte Lokomotive, die
an die Schmalspurbahn Schäßburg-Agnetheln, von 1898 bis 1965
in Betrieb, erinnerte, spurlos verschwunden. Und sie blieb es auch bis
vor kurzem, als sie im Museum für Dampflokomotiven in Hermannstadt
entdeckt wurde; sie ist in einem viersprachigen Album des Museums abgebildet.
Jetzt beabsichtigt man, die Lokomotive zurückzubringen.
Bald Studenten auch in Schäßburg
Die Klausenburger Universität für Kunst und Design wird in Schäßburg
ein "Kolleg für plastische und dekorative Kunst" als Filiale
einrichten. In einem Gespräch mit Dozent Dorel Moise erfuhr die Zeitung,
dass hier Studenten auf vier Gebieten ausgebildet werden sollen: Malerei,
Keramik-Skulptur, Grafik-Design, Textil-Design. Schäßburg hat
schon immer Maler angezogen, die in der Stadt selbst und auch in der Umgebung
so viele Motive finden.
Auch für den Tourismus ist unsere Heimatstadt interessant: Die Geographie-Fakultät
der Klausenburger Babe-Bolyai-Universität richtet als Außenstelle
ein Tourismus-Kolleg in Schäßburg ein. Vorgesehen sind 50 Studienplätze,
die aufgrund einer Aufnahmeprüfung in diesem Sommer vergeben werden
sollen.
Bei Tourismus-Messen in Budapestund Bukarest
Anfang März war die Schäßburger Reiseagentur (Agentia
de turism Sighisoara Tour) auf einer internationalen Tourismus-Messe in
Budapest vertreten. Es war ein Treffen von so genannten "Tour-Operators"
aus Ungarn, Deutschland, Griechenland und Rumänien. Die Schäßburger
hoffen, in Zukunft mehr Touristen anzulocken - mit bedeutend mehr und
besseren Unterkunftsmöglichkeiten (in Kürze soll es 629 Plätze
in Hotels, Pensionen und Campings geben) sowie zahlreichen Ausflügen
zu den Kirchenburgen der Umgebung; mit attraktiven Angeboten sollen Gäste
zu einem längeren Aufenthalt in der Stadt bewogen werden.
Zwischen dem 25. und 28. April d. J. hatte Schäßburg zum ersten
Mal einen Stand auf der Tourismus-Messe in Bukarest, an der außer
rumänischen auch "Tour-Operators" aus 12 anderen Ländern
teilnahmen. Die Schäßburger konnten zahlreiche Verträge
abschließen und erwarten nun eine starke Zunahme der Zahl ausländischer
Gäste; im vergangenen Jahr wurden offiziell 68 000 Übernachtungen
registriert.
Gaststätten im "Stern" wieder geöffnet
Nach dreimonatigen Reparaturarbeiten sind die Gaststätten (Bar und
Bierlokal) im Erd- und Zwischengeschoss des Hotels "Stern" Ende
März wieder geöffnet worden. Sie waren nach 1990 zusehends vergammelt
und schließlich in einem ärmlichen, für ausländische
Gäste unzumutbaren Zustand gewesen. Der Hotel- und Gaststättenkomplex
gehört seit einigen Monaten der Gesellschaft "Romburg",
die viel Geld in Modernisierungsarbeiten investiert.
Schüleraustausch mit der Schweiz
20 Schüler aus Schaffhausen waren zusammen mit zwei Lehrern und den
Ehrenbürgern der Stadt Manuela Pigagnelli und Kurt Bruckner einige
Tage Gäste Schäßburger Familien. Sie besichtigten die
Stadt und ihre Umgebung. Im vergangenen Jahr hatten Schüler der Bergschule
einige Tage in Schaffhausen verbracht.
80 Oldtimer auf dem Burgplatz
Auf dem Programm eines Automobil-Marathons, "Trial to the Nile",
stand auch Schäßburg. Auf ihrer 8000 km langen Fahrt von Mainz
nach Kairo machten die Fahrer der alle vor 1967 gebauten Autos - darunter
die Marken Triumph, Austin, Healey, Jaguar, Porsche, Rolls Royce, Rover
- am 17. April hier Mittagspause.
Prinz Charles im Haus mit dem Hirschgeweih
Während seines zweiten Siebenbürgen-Besuchs Anfang Mai hatte
der britische Thronfolger, Prinz Charles, drei Tage im Haus mit dem Hirschgeweih
sein Hauptquartier. Die Schäßburger Zeitung bedauerte die strengen
Sicherheitsmaßnahmen: Der gesamte Burgplatz war abgeriegelt, und
auch den Journalisten war es verwehrt, sich dem hohen Gast zu nähern.
Aus der "Hermannstädter Zeitung" (Nr. 1777 vom 10.5.2002)
war dann doch mehr zu erfahren. Prinz Charles, Schirmherr der Londoner
Mihai-Eminescu-Stiftung, der sich besonders für die sächsischen
Kirchenburgen interessiert und für deren Erhalt einsetzt, war kurz
in Hermannstadt und kam per Auto oder zu Fuß durch Klosdorf, Radeln,
Deutschweißkirch, Meschendorf, Deutschkreuz, Birthälm, Großkopisch,
Neudorf, Malmkrog, Felsendorf. Zum Abschluss seines Besuchs hat er durch
eine Pressemitteilung der o. g. Stiftung wissen lassen, "dass er
besorgt sei über die Pläne der rumänischen Regierung, auf
der Breite bei Schäßburg, einem Hochplateau mit jahrhundertealtem,
naturgeschütztem Eichenbestand, den umstrittenen Draculapark einzurichten".
Traum von einem neuen Krankenhaus
Auf einer Pressekonferenz am 29. April, bei der auch Bürgermeister
Dorin Da?nes¸an anwesend war, erläuterte der neue Direktor
des Spitals, Dr. Florin Buicu (32), warum Schäßburg unbedingt
ein neues Krankenhaus braucht, und erklärte auch, wie es dazu kommen
könnte. Ein Neubau sei notwendig, weil einige der 13 Gebäude,
die jetzt das Spital der Stadt bilden, in schlechtem Zustand sind und
ihre Instandsetzung und Modernisierung sehr teuer kämen; außerdem
sei der Unterhalt so vieler Gebäude kostspieliger als der Unterhalt
eines einzigen größeren Baus. Die Bettenkapazität (440)
reiche für eine Bevölkerung von 80 000 (Schäßburg
und Umgebung) nicht aus; es würden mindestens 500 Betten gebraucht.
Außerdem fehlen einige heute unbedingt notwendige Fachbereiche wie
Orthopädie und Onkologie. Platz für einen Neubau ist auf dem
Gelände des Spitals in der Albert-Straße (Zaharia Boiu) vorhanden,
aber woher das Geld - etwa 2 Millionen Dollar? Vom Staat ist wenig zu
erwarten, also erwägen die Stadtväter die Möglichkeit,
den Bau durch die Gründung einer Stiftung, durch die Unterstützung
der Betriebe und Hilfe von Sponsoren zu finanzieren.
Gymnasium "Miron Neagu"
Die Schulen erhalten statt ihrer bisherigen Nummern nun Namen von Persönlichkeiten.
Am 11. Mai wurde die Allgemeinschule Nr. 3 zum Staatsgymnasium "Miron
Neagu". Wer war der Namengeber? Miron Neagu (1889-1973) stammte aus
Loamne¸s und war viele Jahre in Schäßburg erfolgreich:
Er gründete hier 1928 eine Buchhandlung und eine Druckerei und 1938
den Verlag, der seinen Namen trug und bis 1943 bedeutende Werke in hervorragender
grafischer und drucktechnischer Aufmachung herausgab. An der Feier anlässlich
der Namengebung nahmen Martha Neagu und die Söhne Miron Neagus sowie
sein Neffe Miron Mitrea, Minister für öffentliche Arbeiten,
Verkehr und Wohnungen, teil.
Gäste aus Baden (Schweiz)
Vertreter der Stadt Baden und des Rotary-Klubs Baden (Schweiz) trafen
am 8. Mai in Schäßburg ein; sie brachten 20 PC für die
Bergschule und Alkomaten für die Polizei als Geschenke mit. Am 11.
Mai übergab der Bürgermeister von Baden, Herr Josef Buerge,
eine Schenkung seiner Stadt und des Rotary-Klubs: einen vollständig
ausgerüsteten Rettungswagen. Vor zwei Jahren hatte die Stadt Baden
ein Drittel der Kosten für die Modernisierung der Abwässer-Kläranlage
in Schäßburg übernommen.
Zusammengestellt von Horst Breihofer (Nürnberg)

Letztes Update:
05. August 2002
- Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de
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