HOG-Schäßburg / Siebenbürgen |
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Liebe Trudchen, ich weiß, dass der Postbote dir diesen Brief nie überbringen wird. Aber ich weiß auch, dass dieses Schreiben dich doch erreicht und du sollst Freude am Lesen dieser Zeilen haben, so wie du uns viele Jahre durch dein ausgeglichenes, freundliches Wesen Freude am Alltag und vor allem an deinen Unterrichtsstunden bereitet hast. Selbst wenn einige wenige Schülerinnen sich vor der körperlichen Betätigung durch fadenscheinige Ausreden, wie Menstruationsbeschwerden, Kopfweh, Magenschmerzen usw., usw. drücken wollten oder die Turnsachen zu Hause vergessen hatten, hast du für sie immer volles Verständnis gehabt. Dafür danken wir dir. Ach, wie oft ist es vorgekommen, dass du, liebe Trudchen, sagtest: "Mädel, seht, wie es die Hiltrud macht, macht es auch so", dich dann mit fein säuberlich in Serviettchen verpackten Apfelstücken zurückzogst und ich, böses Teenagerkind, nur Dummheiten im Kopf hatte und die ganze Gruppe viel Spaß, da wir nur mit dem, was jede einzelne wollte, die Zeit ausfüllten. Und das "Völkerballspiel"! Unwahrscheinliche Kämpfe! Die Schlacht am Isonzo kann nicht viel aufregender gewesen sein. Aber herrlich war es! Als es dann darum ging, für verschiedene Wettkämpfe zu trainieren, mahntest du zu Disziplin und eisernem Mitarbeiten. Du hast uns in einer sanften Art den gesunden Ehrgeiz zum Siegen gegeben und wir haben immer gut abgeschnitten.
Ich erinnere mich, dass wir dich oft im Winter ganz rasch den Galtberg runter eilen sahen, das schwarze pelzverbrämte Käppchen auf dem Kopf, die Schultern leicht hochgezogen, den Weg zum Eisplatz einschlagend, um die eineinhalb Stunden Mittagspause sinnvoll auszufüllen. Und da konnte man deine wunderschönen "8-er Schwünge" oder "Schwalben" oder die Bögen, die du in einer graziösen, perfekten Art auf Strauß' "Geschichten aus dem Wienerwald" liefst, bewundern. Und dann die Proben im Kulturhaus, sprich: beim Sander. Herta Höhr saß am Flügel und spielte unentwegt und du bemühtest dich, der Gruppe eine Ballet-Choreographie beizubringen: "Schöpfen und Streuen und rechtsherum, 1-2-3, Schöpfen und Streuen und linksherum, 1-2-3". Ach und das "Zueinander-Voneinander" in den sächsischen, tiroler und russischen Volkstänzen, es ließ unsere Herzen höher schlagen. Un-ver-gesslich! Später, als ich selbst Turnlehrerin wurde und durch meine Heirat in irgendein entferntes Verwandtschaftsverhältnis zu dir trat, hast du mir bei einem Familienfest das "DU" angetragen. Ich solle dir Buba-Tante sagen. Doch im Verlauf des heiteren Beisammenseins meintest du: "Sag' einfach Trudchen zu mir". Typisch für dich: freundlich, unkompliziert, menschlich. Ich erinnere mich, wie du in mütterlicher Art darauf achtetest, dass wir immer zweckentsprechend, dem Sportunterricht oder der Kälte angepasst angezogen waren. Deine Mahnung: "Mädel, zieht euch warme Überhosen an" ist für all deine Schülerinnen unvergesslich geblieben. Auch das warst du, liebe Trudchen. Und dieser saubere Lavendelduft. Oder war es "Toska"? In meinem Beruf habe ich versucht, nach deinem Leitmotiv den Sportunterricht zu gestalten: Sport und Spiel, Gymnastik, Turnen und Tanz in der Schule müssen nicht zu olympischer Reife führen, vielmehr soll der Unterricht Freude machen und zur Gesundheit beitragen. Ich danke dir für alles. Wir werden dich in bester Erinnerung behalten. Hiltud Florescu (München)
Letztes Update: 30. Juli 2002 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de / http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg |
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