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HOG-Schäßburg / Siebenbürgen |
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Schäßburgs BaumgärtenWie es einst war ....(Die richtige Bezeichnung wäre Obstbaumgärten. Die Schäßburger sagten zu dem Baumgarten - Bangert - und verstanden darunter kleinere bis größere Gärten, bis hin zu kleineren Landwirtschaften, Meierhöfen - versehen auch mit Obstbäumen.)1. Allgemeiner Überblick Wer sich die Mühe nahm, im Frühjahr den Stundturm der Stadt zu besteigen, wurde dafür reichlich belohnt. Ein Blick in die Runde: vom Siechhofberg, über die Weisskircher Aue, zum Baiergässer-Wald, dem Knopf, Eichrücken, Schaaser Tal, der Breite, zeigte eine Vielfalt des Frühjahrskolorits. Ein Kranz von blühenden Obstbäumen, eingefasst vom frischen Grün der Laubwälder. Durch die Einpassung in die landschaftliche Umgebung der Berge, Hänge, Täler und Wasserläufe, gaben die Baumgärten der Stadt einen besonderen landschaftlichen Reiz. So präsentierte sich Schäßburg - wie wir es noch bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts kannten! Schon unsere Vorfahren schätzten die Obstbäume. Eine Schäßburger Satzung aus dem 17. Jahrhundert setzte eine Strafe von einem Gulden für das Abhauen eines Obstbaumes fest. So haben sie, durch Strafen, die damals noch "wilden" Apfel- und Birnenbäume, die meist als markante Bilder auf den Feldfluren standen, geschützt. Bis 1855 galt die aus der alten Heimat mitbegrachte Dreifelderwirtschaft. Ein Bild einer solchen Besitzung vermittelt uns die Schenkung des Schäßburger
Bürgermeisters Anton Polner aus dem Jahre 1505 an das Dominikanerkloster:
"
ein Allodium mit Anfang am Abstieg der Burg, nahe der Kokelbrücke
gelegen, vom Volke "Polners Hak" genannt
" So entstand schon um 1528 in Schäßburg "ein blütenreicher
Kranz von duftender Gärten um die Stadt". Die mittelalterliche Landwirtschaft wurde bald reformbedürftig,
da sie den Anschluss an die neuen intensiveren Landbaumethoden der westeuropäischen
Länder verloren hatte. So begann um 1850 unter Anleitung des "Siebenbürgisch-Säch-sischen
Landwirtschaftsvereins" (gegründet 1840) die Auflassung der
Dreifelderwirtschaft. Im November 1855 beschloss die Schäßburger
Kommunität offiziell deren Auflösung. Es dauerte aber noch 40
Jahre, bis die schwerste Aufgabe dieser Umstellung, die Kommassation (Flurbereinigung)
der kleinen, verteilt liegenden Flächen eingeleitet werden konnte,
in Schäßburg 1895 begonnen, wurde das Verfahren erst 1903 abgeschlossen.
Dort wo ein entsprechendes, wenn auch nur einfaches, Sommerhaus vorhanden
war, zogen die Mütter mit ihren Kindern ab dem ersten Sommerferientag
gegen Ende Juni jeden Jahres hin, um bis zum neuerlichen Schulanfang Mitte
September dort zu wohnen; ein Eldorado für die Kinder, für die
Mütter auch mit genügend Arbeit verbunden. Die berufstätigen
Väter kamen, wo es leichter erreichbar war, an den Abenden dazu,
in den andern Fällen an den Wochenenden. Da diese Sommerhäuser
meist nur mit einfachem Mobiliar ausgestattet waren, auch wegen Mäusegefahr
über die Wintermonate nichts Wertvolleres dort gelassen werden durfte,
so wurde der Umzug für die Sommermonate mit Hilfe eines Ochsen- oder
Pferdeleiterwagens vollzogen, wohin Bettzeug, Kleider, Kochgeschirr, Essbesteck,
Lebensmittel und anderweitig Nötiges verladen wurden. Mit "Hoi
und Tscha" folgte man dem Wagen, der bergan oft auch seine Schwierigkeiten
hatte. An den Wochenenden kam oft Besuch des Freundeskreises der Familie mit dem ganzen Familienanhang; die Kinder spielten, die Mädchen pflückten Blumen, die sie zu Kränzen banden und sich damit schmückten, die Jungen veranstalteten Ballspiele. Die Männer saßen bei einem guten Kokeltaler "Tropfen" im Schatten der Obstbäume, sprachen über das Tages- und Weltgeschehen, über berufliche Erfolge und Schwierigkeiten, die Frauen bereiteten das Mittagessen zu, welches in Gottes freier Natur immer noch besser schmeckte. Es gab meist eine Fleischtokane (Gulaschart) mit Beilage Kartoffel- und Gurkensalat. Am Nachmittag erfolgte ein Spaziergang durch die Obstanlagen, der Stand
des Ertrages wurde begutachtet, die Pflege der Obstbäume angesprochen,
so wie ein Austausch über die Erfahrungen mit den verschiedenen Obstsorten
durchgeführt. Solch ein Tag klang oft mit einem gemeinsamen Liedgesang
aus, bis sich die Gäste, hochzufrieden, wenn auch das Wetter bis
abends mitgemacht hatte, zu Fuß auf den Heimweg machten. Größere Feste dieser Art veranstalteten in den Sommermonaten in den Baumgärten Vereine der Stadt, wie auch kleinere Betriebe, wozu die Betriebsinhaber die Belegschaft in ihre Baumgärten einluden und für die Gaumenfreuden der Teilnehmer sorgten, meist auch ein Fässchen Bier angezapft wurde. Insgesamt wurde der deutschen Bevölkerung Schäßburgs 1.985 ha landwirtschaftliche Flächen enteignet, darunter auch die annähernd 200 Baumgärten. 2. Obst- und Beerensorten und deren Verarbeitung: Die Baumgärten befanden sich in Hanglage (zwischen Wald- und Feldflur), die im Vergleich zur Ebene bewirtschaftungstechnische Erschwernisse bedingt, dafür sind lokalklimatische Bedingungen des öfteren aber besonders günstig. Die Bäume standen auch in Obstwiesen (d.h. Baumobst mit Grasnutzung) und als Sttreuobstbau entlang der Wege, Raine, an den Grenzen und neben den Gebäuden.
Einen besonderen Aufschwung erhielt der Obstbau durch den aus Schäßburg
stammenden Pfarrer D. Gebel, der als erster heimatlicher "Pomologe"
bezeichnet werden kann. In Schäßburg wirkten insbesondere der
Lehrer Wilh. Weber und sein Nachfolger in dieser Tätigkeit, Dr. H.
Krauss. Ab 1902 wurden in Schäßburg Obstbaukurse abgehalten.
Nach einer im Jahre 1907 vom Landwirtschaftlichen Verein geführten
Obstbaumzählung in Siebenbürgen zählte der Schäßburger
Bezirk mit 168.000 Bäumen, nach Bistritz und Schenker Bezirk zu den
Obstbaumreichsten. Weitere Sorten waren: Weißer Klarapfel, Weißer und Roter Astrachan, Charlamovsky, Sommereisapfel, Gravensteiner, Süßapfel als Sommersorten; Szekler Gravensteiner, Prinzenapel, Roter Herbstkalwill, Blauapfel, Landsberger Reinette als Herbstsorten und Jonathan, Goldparmäne, Coxorange Reinette, Baumann Reinette, London Pepping, Goldreinette von Blenheim, Roter Stettiner, Lederapfel, Belle de Boscop, Poinik (Boiken), Winterkalwill und Doften als Wintersorten. Die häufgisten Birnensorten waren: Diels Butterbirne, Maria-Luisen-Birne, Williams Christ-Birne, Muskatellerbirne und als Erstreifste die Akewitze (Nägelwitzbirne). Einen größeren Raum nahmen auch die Beerensträucher ein, wie: Johannisbeere, Ribisel genannt (nach dem Lateinischen Ribes), und Stachelbeere, Ägrisch genannt (nach dem Ungarischen Egres). Die Übernahme dieser Bezeichnungen erfolgte, weil diese zur Einwanderungszeit im Moselgebiet noch nicht angebaut wurden. Dann noch Himbeeren und Brombeeren. Zu den Beerensträuchern gehört auch der sogenannte "Schäßburger Ägrisch", eine Berberitzenart mit einer länglich roten Beerenfrucht, die einen kleineren Kern enthält als andere Arten und somit mehr nutzbares Fruchtfleisch enthält. Die Beeren sind essbar, schmecken aber in rohem Zustand sehr sauer, weshalb die Berberitze auch Sauerdorn genannt wird. "Mit Zucker gekocht, geben die Beeren wohlschmeckende Gelees und Marmeladen", steht in Urgroßmutters Kochbüchlein. Dank ihres Säuregehaltes fanden diese Beeren auch Verwendung beim Würzen von Soßen und Suppen, zu erwähnen dafür die "Krinekächen", eine Krensuppe (Meerrettich). Nachdem festgestellt wurde, dass die Berberitze ein Zwischenwirt bei der Verbreitung des sehr schädlichen Getreiderostpilzes ist, wurde eine Ausrottung dieses Strauches in der Nähe von Getreifefeldern betrieben. Die Baumgärten mit ihren Obstbäumen mussten auch schwere Unwetter überstehen. So, wenn das große Meer der fruchtversprechenden Blüten in wenigen Stunden einer einzigen Nacht im Frost erstarrten, oder die reifende Frucht an den Bäumen noch durch Hagelschlag, anhaltende Dürre oder zuviel Feuchtigkeit negativ beeinflusst wurde. Ein kleiner Auszug aus der Schäßburger Stadtchronik (Fritz
Mild 1965) mit Berichten von landwirtschaftlich guten und schlechten Jahren
besagt: Aus dem Fallobst wurde Apfelsaft gepresst, der als frischer Fruchtsacht
in einigen Tagen zu konsumieren war. Ein Teil wurde auch als Most, leicht
gegoren (tschirpsig), als junger Obstwein, auch "Murzi" genannt,
getrunken. Für die Küche wurde Most auch zu Obstessig verarbeitet,
wofür die Familien besonders große Essiggläser besaßen,
die noch "Essigmutter" (Essigbakterien) aus dem Vorjahr für
die neue Essiggärung enthielten. Apfelwein wurde seltener erzeugt,
obwohl gesagt wurde "der Wenj äs gårz, awer a schmåkt
geat." Als Wein trank man lieber den "Kokeltaler" Traubenwein. Der Garten mit dem Gemüse, den Heil- und Gewürzkräutern,
war eine Domäne der Hausfrau. Was nicht im kleinen Gärtchen
neben dem Wohnhaus Platz fand, wurde im Baumgarten in besonders gepflegen
Beeten gezogen. Es waren vor allem: Bohnen, Erbsen, Gurken, Kohl, Kohlrabi,
Linsen, Möhren, Petersilie, Rettich, Rote Rüben, Rhabarber,
Salat, Sauerampfer, Spargel, Sellerie, Spinat, Tomaten, Zwiebel u.a.
Vor der Zuckerrübe war Honig neben einigen süßen Pflanzensäften
das einzige Süßmittel. Wachs wurde vor allem für die großen
Altarkerzen in den Kirchen wie auch im Haushalt benötigt.
Seit 1870 gab es einen Imkerverein; Vorsitzende waren u.a. Pfarrer Lander
(1910-1913) und Dr. H. Krauss (1914-1920). Als es im Jahre 1936 galt,
die Tätigkeit des Imkervereins zu aktivieren, waren die Schäßburger
als erste dabei. Paul Abraham (Freiburg)
Nachwort:
Letztes Update: 2003-01-26 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de / http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg |
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