Gedenkfeier
auf dem Friedhof der Gefallenen
des II. Weltkrieges
am Sonntag, den 3. November 2002 im Anschluß an den Hauptgottesdienst
Die Gedenkfeier eröffnet der Kirchenchor unter der Leitung des Organisten
Theo Halmen mit dem Lied "Ich bin ein Gast auf Erden"
Stadtpfarrer Fröhlich hält mit folgenden Worten die Andacht:
Wir wollen und dürfen nicht richten!
ABER: Wir sollen und können nicht vergessen!

Es hat sich seit den Zeiten Kain und Abels in dem Verhaltensmuster des
Menschen NICHTS geändert. Immer wieder ist der Mensch bereit, Gewalt
anzuwenden, wenn es sich um die Wahrung eigener Interessen handelt; ohne
Rücksicht auf Verluste. Und auch dann, wenn der Mensch hernach seine
Taten bereut, so kann er sie nicht ungeschehen machen und vor allem deren
Konsequenzen nicht aufhalten. Denn zugefügtes Leid und Schmerz reproduzieren
sich und führen zu einem Teufelskreis.
Wir haben uns heute hier versammelt, um über einen Krieg nachzudenken,
der zeitlich schon längst den Geschichtsbüchern angehören
müsste; aus der Perspektive meiner Generation zumindest. Und doch
läßt er uns nicht los, der II. Weltkrieg mit seinen verheerenden
Folgen für unser Volk und unser Land. ...
Wenn wir heute diese Gedenkstätte einweihen, dann tun wir das in
der Hoffnung, daß sie uns und den kommenden Generationen die Geschehnisse
von damals dokumentiert; so wie es war, ohne Ressentiments. Im Gedenken
an jene Menschen,welche hier ihr Leben lassen mußten, setzen wir
uns mit unserer eigenen Vergangenheit und der unseres Volkes, zugleich
aber auch mit unserer Vergänglichkeit auseinander. Es wird immer
wieder gesagt, daß dieselben Fehler nicht wiederholt werden dürfen;
daß man eigentlich aus der Geschichte nützliche Lehren ziehen
könnte und müsste. Die Erfahrung der Menschheitsgeschichte zeigt
aber, daß dies in den meisten Fällen nur reine Theorie bleibt.
Denn immer wieder geschehen Dinge, die nicht geschehen dürften; wir
brauchen nur die Abendnachrichten einzuschalten und schon haben wir eine
bittere Kostprobe davon; und das täglich. ...
Zugleich aber müssen wir Gott dankbar sein, daß wir hier und
heute UNS nicht in der Situation befinden, wie diese Opfer. Dass wir zumindest
in unserem kleinen Umkreis friedliche Zeiten erleben, das ist nicht selbstverständlich,
sondern einfach nur Gottes Gnade.
Zum Gedenkstein selbst, bzw. zu seiner Geschichte sollten noch einige
Erläuterungen gegeben werden. Schon seit längerer Zeit kümmert
sich die HOG Schäßburg in rührender Weise um unsere Friedhöfe
und leistet dabei der Kirchengemeinde eine große Hilfe. ... Vor
einigen Jahren stand zunächst die Idee im Raum, einen zentralen Friedhof
der Gefallenen des II. Weltkriegs für ganz Siebenbürgen (oder
Rumänien) einzurichten. Dann hätten die sterblichen Überreste
von hier exhumiert und an dem betreffenden Ort wieder bestattet werden
müssen. Nach einem Besuch des Vorsitzenden der Deutschen Kriegsgräberfürsorge
(Herrn Kroll) wurde davon abgesehen und entschieden, daß die Kirchengemeinde
den Friedhof weiterhin betreut; dazu wurde materielle Hilfe angeboten.
Mit Hilfe der HOG und der Kriegsgräberfürsorge konnte das Presbyterium
die nötigen Schritte unternehmen. Nachdem der Ort mit neuen Platten
versehen und mit Rasen bepflanzt wurde, kam dann der Gedanke, einen Gedenkstein
zu errichten, dessen Finanzierung der VBDKFS und die HOG Schäßburg
bereitstellte. Herr Fabini erarbeitete das Projekt, Herr Polder übernahm
die Arbeiten. Zur Form selbst ist zu sagen: sie verdankt sich der Lage
dieses Ortes. Man kann sich nur von der Seitenfront her nähern; die
Hauptfront sieht man erst wenn man davor steht. Das ist der Grund, weshalb
diese Viereck - Form gewählt wurde; es soll von allen 4 Seiten als
Gedenk-Kreuz der deutschen Soldaten (Balkenkreuz) erkennbar sein. Wir
wollen nun einige Momente innehalten im Gedenken an die Toten.
Es folgten nachher:
- 2 Schriftlesungen .....
- Weihegebet und Vaterunser;
- Einweihung;
- Kranzniederlegung mit Trompetensolo "Ich hat` einen Kameraden".
Ansprache: Erwin Hellmann,
Volksbund Deutscher Kriegs-gräberfürsorge Rumänien
Liebe Schwestern und Brüder,
erlaubt mir diese Anrede. Denn am Grabe werden wir, genau wie vor dem
Altar, von dem wir kommen, alle Kinder Gottes, Geschwister im Geiste Jesu
Christi.
Selig sind, die da geistlich arm sind;
denn ihrer ist das Himmelreich.
Selig sind, die da Leid tragen;
denn sie sollen getröstet werden.
Selig sind die Sanftmütigen;
denn sie werden das Erdreich besitzen.
Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit;
denn sie sollen satt werden.
Selig sind die Barmherzigen;
denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Selig sind, die reinen Herzens sind;
denn sie werden Gott schauen.
Selig sind die Friedfertigen;
denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden;
denn ihrer ist das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen
schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch,
wenn sie damit lügen.
Kann man eine Besinnung für Kriegstote mit einer Seligpreisung beginnen?
Schließt das eine nicht das andere aus? Ist es vertretbar, hier
an den Gräbern der fern der Heimat gestorbenen von selig sein zu
sprechen? ...
Deshalb ist auch dieser Friedhof, dieses Denkmal, das Kreuz, das Schandmal,
an dem nur Sklaven hingerichtet wurden, zum Zeichen des ewigen Lebens
geworden. Jesus hat versprochen, als er selbst in höchster Not am
Kreuze hing, dass auch wir aus dem Tode errettet werden und mit ihm den
Platz am Tische unseres Vaters finden werden. Deshalb sind die Friedfertigen
selig, denn kann es etwas höheres geben als Gottes Kind sein?
Und als letztes, selig sind die um der Gerechtigkeit verfolgt werden
und wurden. Haben wir das nicht alles selbst durchstehen müssen?
Und nicht nur in den letzten 50 Jahren.
Jedes dieser Gräber, das von Euch gepflegt wird, ist stellvertretend
für das Grab Eueres Vaters oder Bruders, des Onkels oder des Gatten,
der in fremder Erde ruht. Wenn wir nicht sein Grab pflegen können,
dann das eines Leidensgenossen. ...
Deshalb sollen und müssen die vielen Millionen Kriegsgräber
ein Mahnmal werden, ein Zeichen, dass sich eine solche Barbarei nicht
mehr wiederholen darf. Und es gibt dafür Zeichen. Eines davon steht
hier am Bergfriedhof. Das Denkmal, dessen massive Blockhaftigkeit ausgehöhlt
wird durch die von allen Seiten sichtbare Kreuzform. Das Kreuz, das uns
mahnt.
Ein anderes Zeichen: Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge,
der unter der Devise: "Arbeit für den Frieden" und "Versöhnung
über Gräber" dient, organisiert auch in Rumänien Arbeitslager.
Wie auch in diesem Sommer in Buza?u, wo Bundeswehrsoldaten Seite an Seite
mit rumänischen Soldaten einen Soldatenfriedhof des 1. Weltkrieges
herrichten. Oder Jugendlager, die den Jugendlichen den Schrecken und das
Grauen des Krieges vor Augen führen, wenn sie sehen wie altersgleiche
Soldaten da zu Hunderten und Tausenden in fremder Erde ruhen.
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge dankt allen denen,
die auch hier in Schäßburg tatkräftig geholfen haben,
dieser Gedenkstätte ein so würdiges Aussehen zu geben. Unser
Dank gilt allen denen die schon meine Vorredner genannt haben, im besondern
Maße aber der HOG Schäßburg und deren Vertreter, Herrn
Lingner. Ohne die Hilfe, ohne das Engagement dieser treuen Helfer, wäre
diese Feier nicht möglich gewesen. Nicht vergessen seien die, die
durch die musikalische Untermalung die Feierlichkeit dieses Augenblickes
mitgestaltet haben.
Herzlichen Dank.
Ansprache Walter Lingner,
Heimatortsgemeinschaft - Schäßburg, Deutschland
Meine Sehr verehrten Damen und Herren, liebe Landsleute,
Als Vertreter der Heimatortsgemeinschaft der Schäßburger in
Deutschland ist es für mich ein besondere Ehre, heute dieser Feierstunde
zur Einweihung des Gedenksteines des Soldatenfriedhofs des 2.WK auf dem
Bergfriedhof, dieser ehrwürdigen Ruhestätte meiner Vorfahren,
beiwohnen zu dürfen. Ich bin dankbar dafür!

Einweihung Soldatenfriedhof 2. WK 3.11.2002 auf dem Bergfriedhof
-
Foto: Vasile Muntean
Diese mit 37 Grabstellen verhältnismäßig kleine Gedenkstätte
reiht sich als kleiner Mosaikstein in die unzähligen Gedenkstätten
unserer Welt ein.
Die Bilanz zweier weltweiter Vernichtungskriege im vergangenen Jahrhundert
übersteigen alles was Menschen denken können. Für den ersten
Weltkrieg lautete sie: über 9 Millionen Tote. Der zweite Weltkrieg
hinterließ 55 Millionen Tote. Wenn wir uns diesen millionenfachen
Sterbens erinnern, sollten wir bedenken, dass jeder Tote ein Mitmensch
war, mit Hoffnungen und Plänen und mit dem gleichen Recht auf Leben,
Glück und Heimat, wie wir es heute für uns in Anspruch nehmen.
...
Das Gedenken und die Erinnerung an die Kriegstoten baut auch Brücken
über Grenzen hinweg. ... Das ist die Botschaft, das ist das Vermächtnis,
das von diesen Gräbern ausgeht.
Sie alle wissen, dass diese einmalig schöne Stadt und Burg in der
sich diese Ruhestätte befindet, vor geraumer Zeit von der UNESCO
zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt wurde. Dieses bedeutet
für die Schäßburger vor Ort und für diejenigen verstreut
in der Welt, eine besondere Ehrung, aber auch eine besondere Verpflichtung.
Unser Anliegen ist es, dieser Verpflichtung nachzukommen, und wir versprechen
den hier Verantwortlichen, aktiv zum Erhalt des Kulturerbes beizutragen.
Am heutigen Tag der Einweihung des Gedenksteines des Soldatenfriedhofes
hier in Schäßburg verneigen wir uns vor den Opfern des Zweiten
Weltkrieges und vor dem Schmerz der Betroffenen.
In unser Gedenken schließen wir alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft
ein.
Wir versprechen den hier ruhenden Soldaten, mit aller Kraft für Versöhnung
und Frieden in der Welt zu arbeiten.
Im Namen der Heimatortsgemeinschaft Schäßburg, unserer Schäßburger
Landsleute die heute im Ausland leben, danke ich herzlich allen, die diesen
Soldatenfriedhof gehegt, gepflegt und wieder instand gesetzt haben, Herrn
Wilhelm Fabini, der dem Gedenkstein Form und Gestalt gab, Herrn Helmuth
Polder der seine Erstellung ermöglichte und all denjenigen, die diese
Einweihungsfeier vorbereitet haben und zur würdigen Ausgestaltung
dieser Feierstunde beitrugen.
Ich danke insbesondere dem Kirchenchor unter der Leitung von Theo Halmen,
Herrn Stadtpfarrer Hans Bruno Fröhlich und den Vertretern des Volksbundes
Deutscher Kriegsgräberfürsorge Herrn Erwin Hellmann und Herrn
Hartmut Kroll.
Möge diese Gedenkstätte auf dem Bergfriedhof zu Schäßburg
in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zur Verständigung und zur
Versöhnung in der Welt beitragen.

Letztes Update: 2003-03-01
- Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de
/ http://www.schaessburg-net.de
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