|
Zum Geleit
Eine Vision für Schäßburg
"VISIONEN SIND STRATEGIEN DES HANDELNS,
DAS UNTERSCHEIDET SIE VON UTOPIEN.
ZUR VISION GEHÖRT MUT, KRAFT UND DIE BEREITSCHAFT,
SIE ZU VERWIRKLICHEN."
ROMAN HERZOG (1997)
Die Vision ist eine Sinngebung der Zukunft, sie beantwortet Fragen
nach dem "Warum" und "Wozu".
In einer Welt, in der keine zuverlässigen Prognosen möglich
sind, in der es keine sicheren Orientierungspunkte gibt, müssen wir
zunehmend darauf vorbereitet sein, unvorhergesehene Möglichkeiten
zu nutzen. Dafür brauchen wir Leitbilder und Visionen, die unserem
Tun Sinn und Zielrichtung geben.
|

Blick aus dem Türmchen der Bergkirche auf
die verschneite Burg
|
|
Das Wesen der Vision liegt mehr in der Richtung, die sie weist, und weniger
in den Grenzen, die sie sich setzt; sie liegt mehr in dem, was sie ins
Leben ruft, als in dem was sie abschließt; mehr in den Fragen die
sie aufwirft, als in den Antworten, die sie für diese findet: Jede
Vision weist in eine offene Richtung und schließt nichts aus: sie
ist unberührt und unbeengt durch die Grenzen, die wir uns üblicherweise
auferlegen - es war schon immer so; - da kann man ohnehin nichts machen;
- das ist nicht zu schaffen; - es hat sowieso alles keinen Sinn; - wir
sind machtlos; etc.
An jedem Tag wird Zukunft neu erschaffen: Durch das, was wir tun , durch
das was wir bleiben lassen, und ganz besonders dadurch wie wir es tun.
Wer seine Zukunft nur durch logisches Erschließen der Vergangenheit
entwickelt, wird auch in Zukunft immer nur Vergangenheit erleben. Wirklich
neues entsteht zuallererst durch die Kraft der Phantasie: Durch das Ausmalen
eines positiven Bildes, durch die Idee einer intelligenten Problemlösung
oder durch die beflügelnde Vorstellung neuer Möglichkeiten.
Aber: das Umsetzen von Visionen erfordert Kraft, Mut und die Bereitschaft
zur Verwirklichung.
Es erfordert politischen Willen zur Veränderung, um im Sinne und
zum Wohle der Gemeinschaft zu handeln, von Politikern, Interessensverbänden,
der Wirtschaft und von allen anderen Beteiligten, z.B. den Bürger
der Stadt, gleichermaßen. Um Visionen umzusetzen muss man ein Wagnis
eingehen, denn: billig und kurzfristig ist die Realisierung von Visionen
nicht zu haben.
Als erster Schritt steht eine schonungslose Bestandsanalyse an. Das "Wahr-Nehmen"
dessen was ist. Was kennzeichnet Schäßburg? Worin unterscheidet
sich diese Stadt von allen anderen Siebenbürgens? Wo sind die Stärken
der Stadt und der Menschen die sie bewohnen? Aber auch die ehrliche Beantwortung
der Frage: Wo sind die Schwachstellen Schäßburgs? - ist unumgänglich.
Ist dieser erste schwierige Schritt vollzogen, weiß man um das,
was man ist und kennt seine Schwächen, kann man beginnen Gewohnheiten
zu "Ent-Machten" sich von dem Ballast zu trennen, der Umsetzungen
von Visionen verhindert. Was ist den Bewohnern Schäßburgs wirklich
wichtig? Welche Trends und Entwicklungen gibt es im Umfeld Schäßburgs?
Was kann der Stadt wirklichen Erfolg bringen? Was will Schäßburg
hinter sich lassen? Was soll erhalten bleiben?
Ab nun kann man sich von der Zukunft und den Möglichkeiten der ihr
innewohnen "Be-Flügeln" lassen. Was erscheint den Bewohnern
Schäßburgs als lohnenswerte Zukunft? Wie soll die Stadt in
5, 10, 20 Jahren aussehen? Welche kurzfristigen Ziele will sich Schäßburg
setzen? Woran erkennen die Bewohner, dass sie sich den wünschenswerten
Zielen nähern und kurz davor sind sie zu erreichen ?
Von nun an ist die "Ver-Wirklichung" der Vision nicht mehr fern.
Welche Potentiale liegen in der Stadt und in ihren Bewohnern verborgen?
Was ist notwendig um die volle Entfaltung dieser Potentiale zu bewirken?
Was ist der Einzelne bereit zu leisten, damit die Stadt und die Gemeinschaft
ihre Ziele erreicht?
Unmöglich?
Wer soll all diese Fragen beantworten? Und dann, wenn die Antworten gefunden
sind, was dann? Ein Frage-Antwort-Spiel alleine reicht nicht aus, um die
Probleme Schäßburgs zu lösen!
Natürlich reicht die Beantwortung all dieser Fragen nicht, aber sie
würde vielleicht einen Bewusstseinszustand verändern, würde
vielleicht helfen Lethargien zu besiegen und bewirken an die Kraft von
Träumen zu glauben. Am Anfang vieler großer, bedeutsamer Ereignisse
der Menschheit stand ein Traum oder eine Vision. Was wären Mahatma
Ghandi, Nelson Mandela, Albert Schweitzer oder John F. Kennedy ohne ihre
Visionen gewesen? Was hätten sie erreicht, ohne den Glauben an das
schier Unmögliche?
Warum braucht Schäßburg eine Vision?
Um Kraft zu haben den Blick in eine erstrebenswerte Zukunft zu richten.
Um Motivation und Kraft zu sammeln für all die kleinen, unbequemen
Schritte, die unumgänglich sind, um dieser Stadt mit glänzender
Vergangenheit, und einer begnadeten Natur, eine ebensolche Zukunft zu
bescheren.
Was ist der Sinn einer Vision für Schäßburg?
Den Bewohnern dieser Stadt ein lebenswertes Umfeld zu schaffen, eine Heimat
in der sie gerne leben, auf die sie stolz sind, mit der sie sich identifizieren.
Schäßburg soll ein Ort sein an dem man gerne verweilt, an den
man gerne wiederkehrt und an dem man sich zu Hause fühlt. Wo man
Geschichte, Kultur, Natur aber auch Arbeit und Alltag gleichermaßen
genießen kann.
Welchen langfristigen Nutzen hätte Schäßburg von dem
Entwickeln einer Vision?
Es wäre ein Anfang, um Bereitschaft und Verantwortung zu signalisieren,
das Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen, um aktiv die eigene
Zukunft mitzugestalten.
Es wäre ein Nein zu Passivität, auf das Warten dass etwas passiert
oder andere das Nötige tun, etwas kommt und ein "deus ex machina"
alles zum Guten wendet.
Es wäre eine Absage an den Glauben, dass Gelder einfach aus irgendwelchen
Quellen sprudeln, oder an Versprechungen die das Papier nicht wert sind
auf dem sie gedruckt wurden.
Das Signal, das von tragfähigen Konzepten und Ideen ausgeht, setzt
sich langsam durch, wirkt aber nachhaltig. Es wird Interessenten anziehen
und Schäßburg das bringen, was es sich so sehr wünscht:
materiellen Wohlstand, Investoren und Besucher. Der Weg dahin ist lang,
steinig und mitnichten einfach.
Die Verantwortlichen in Schäßburg sind also gefordert Konzepte
zu entwickeln, diesen Form und Gestalt in konkreten Projekten zu geben,
erst dann werden sich unweigerlich auch die notwendigen Hilfen von außen
einstellen.
Dürften wir eine Vision für Schäßburg formulieren
wäre es diese:
EINE STADT, DIE NICHT NUR TRADITION, SCHÖNHEIT, KULTUR, NATUR UND
LEBENSQUALITÄT BIETET, SONDERN IHREN BEWOHNERN ATTRAKTIVE ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN
ERÖFFNET.
"Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen,
um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten und Aufgaben zu vergeben,
sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem endlosen Meer."
Antoine de Saint-Exupéry
Mit Saint-Exupéry gesprochen, steht es uns nicht zu, eine Vision
für Schäßburg zu formulieren. Die Bewohner Schäßburgs
würden uns zu recht Arroganz vorwerfen, da wir weder in dieser Stadt
leben, noch Betroffene sind, sondern lediglich ihre Entwicklung aus der
Ferne beobachten und nur in bescheidener Form, als Heimatortsgemeinschaft
der Schäßburger in Deutschland, Hilfe zur Selbsthilfe bieten
können.
Der Anfang einer Vision wäre, wenn es gelingt die heute vor Ort
Lebenden sich mit den Begebenheiten zu identifizieren und eine tiefe Sehnsucht
der Schäßburger nach einer möglichen, wünschenswerten
und erstrebenswerten Zukunft zu wecken.
Astrid Bernek (Bremen)

Letztes Update: 2003-01-25
- Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de
/ http://www.schaessburg-net.de
© 2000 by kdg
|