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HOG-Schäßburg / Siebenbürgen |
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Poesie aus Geist und Erde
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Wilhelm Fabini |
Aus diesem Anlass wollen wir auch einen kurzen Blick auf sein Leben und Werk wagen, so gut uns das aus der Ferne möglich ist, auch wenn das vielleicht nicht ganz im Sinne des bescheidenen Künstlers sein sollte.
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Don Quijote |
Auch wollen wir dadurch einem späteren kompetenterenBiographen nicht
vorgreifen, dem aufschlussreichere Quellen zur Verfügung stehen,
der genaue Lebensdaten, ein chronologisches Werkverzeichnis , Gespräche
mit dem Künstler, Briefe oder Aufzeichnungen, Vorträge oder
Sekundärliteratur auswerten kann und dadurch dem Betrachter ein tieferes
Verständnis dieses nicht so ganz einfach zugänglichen Werkes
zu erleichtern.
Schon die Lehrjahre waren für den jungen Schüler Wander-jahre:
von Busteni nach Schäßburg, dann in das Kronstädter Honterusgymnasium,
das er mit dem Abitur beendete. Nach einem kleinen "Umweg" über
das Kronstädter Metallurgie-Institut kam er an das Klausenburger
Institut für BildendeKünste "Ion Andreescu" zu den
Professoren Virgil Fulicea und Romulus Ladea, und wurde Bildhauer.
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Phönix |
Seine erste Arbeitsstelle fand er in Schäßburg in der Fayence-Fabrik als Entwerfer für Gebrauchsgeschirr. In dieser Zeitlernte er die keramischen Materialien und Techniken genau kennen und anwenden, fühlte aber wohl seine kreativen Möglichkeiten durch den industriellen Betrieb mit verordneten"Normen" und "Sitzungen" eingeschränkt und übernahm 1969 die Leitung des Keramik-Zirkels am Schäßburger Pionierhaus. Die Erfahrung dieser Arbeit mit den kleinen Künstlern fand ihren Niederschlag in einem systematischen Lehrbuch für Keramiker. Durch die geduldigen Hände dieses Kunst-Erziehers sind viele Jahrgänge von Keramikern gegangen, und manche davon haben ihre spätere Anstellung im Schäßburger Kombinat der "Faianta" unter seiner Anleitung vorbereitet. Die Weitergabe seines Könnens an die folgende Generation praktiziert er auch heute noch weiter in Keramik-Arbeitskreisen, auch wenn das Pionierhaus nicht mehr besteht.
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Berge und Seen |
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Komposition o.T. |
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Zerrissenheit und Einheit |
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Torso |
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Karyatide |
Inzwischen hatte er die im Fayence-Kombinat arbeitende Chemie-Ingenieurin
Ortrun Roth geheiratet, die junge Familie vergrößerte sich
um zwei Söhne und wohnte zusammen mit der Mutter und der Familie
des jüngeren Bruders, dem Graphiker und Kunsterzieher an der Bergschule
Hellmut, in dem noch vom Vater erbauten Haus in der Hüllgasse. In
diesem Hof konnte der Künstler 1976 eine eigene Werkstatt bauen und
einrichten, wo er seine Entwürfe und kleineren Arbeiten auch selbst
brennen konnte. Hier wohnt und arbeitet Wilhelm Fabini auch heute. Und
- geht unser Wunsch in Erfüllung - so erfolgreich wie bisher noch
viele Jahre!
Von hier aus ging und geht er in die weite Welt - auf Wanderschaft. Und
kann er selbst nicht überall hinfahren, lässt er seine Arbeiten
wandern. Es würde diesen Rahmen sprengen, wollte man die vielen Orte
aufzählen, an denen er eigene Ausstellungen hatte, an Gruppenausstellungen
beteiligt war, an internationalen Symposien und Wettbewerben teilnahm,
Orte, an denen seine Werke öffentlich zu betrachten sind oder inprivaten
Sammlungen den Kenner erfreuen, Bücher und Zeitschriften, in denen
seine Arbeiten besprochen und abgebildet wurden, Orte, an denen er Prämien
und Belobigungen, Ehrendiplome oder Goldmedaillen als Anerkennung seines
Könnens empfangen hat. Die Liste
von Nagoya in Japan bis Vallauris
in Frankreich, von Moskau und Riga bis Athen, Faenza und Florenz
wäre zu lang, würde aber ein Beweis für den Fleiß
und das Können des Künstlers sein. Auch für das rege natio-nale
und internationale Interesse an diesem vielseitigen und qualitätsvollen
Oeuvre der künstlerischen Keramik, der dekorativen, der angewandten
Kunst, der Bildhauerei und Plastik. Das beweist auch, dass der Künstler
nicht im berühmten "Elfenbeinturm" sitzt, sondern das öffentliche
Fachgespräch nicht scheut, bei dem auch verletzende Kritik recht
weh tut, man andrerseits Erfahrungs- und Gedankenaustausch als Anregung
und Bereicherung in der eigenen geistigen Entwicklung erleben kann. Seine
Arbeiten in Hermannstadt (der Altar in der Andachtskapelle in der Hippodrom-Siedlung)
und in Schäßburg (die Gedenktafel und Pietá in der Klosterkirche,
die Hermann-Oberth-Büste auf der oberen Marktzeile und das Mahnmal
für die Kriegstoten auf dem Friedhof) sowie sein Engagement für
den Erhalt des authentischen Stadtcharakters von Schäßburg,
des anerkannten Weltkulturerbes der Menschheit ("Sighisoara durabila")
und sein Einsatz bei der Ausstattung des Museums im Kreuzgang der Klosterkirche
zeigen deutlich, wie sehr ihm seine Mitmenschen und seine Vaterstadt am
Herzen liegen.
Wilhelm Fabini ist kein Freund großer Worte, er gestaltet seine Werke nicht für den lauten Applaus, sie reifen langsam in der stillen Konzentration. "Ich kann nicht verlangen, dass z.B. bei Ausstellungen ein flüchtiger Besucher in Sekunden nachvollzieht, wofür ich viele Stunden der Konzentration gebraucht habe. Das Kunstwerk gleicht einer Muschel, das leere Ge-häuse reizt zum Anfassen, zum Sammeln, weckt Erinnerungen oder Vorstellungen in uns, doch weiß man schon wie viel Leben diese Form gekostet hat?" sagt der Künstler über seinen Schaffensprozess. Und ein anderes Mal erklärt er: "Zwischen der Form und dem Ausdruck der Materie muß ein Zusammenspiel, eine perfekte Harmonie bestehen: die innerliche Absicht muß vornehmlich veranschaulicht werden; hinzu kommt noch alles Gesehene und Gelesene damit wird nicht etwa gemeint, dass ein Künstler gleich einem guten Techniker alle Stadien des Schaffensprozesses einer Komposition im Vorhinein wissen muss. Wüsste man das, so würde die Faszination, das Geheimnis der Kunst überhaupt verschwinden. Kunst ist gerade das Unberechenbare, das man nicht immer in Worten fassen kann!" Aber der verständnisvolle Lehrer lässt den Betrachter nicht unbarmherzig allein mit seinen Assoziationen: durch die Namen und Titel, die er seinen Arbeiten gibt ( z.B. "Don Quijote", "Daphne", "Ikarus", "Karyatide", "Phönix", "Landschaft" o.ä.), durch die formalen Anspielungen auf Gesehenes oder Bekanntes hilft er ihm, hinter dem Zeichenhaften eigene Vorstellungen zu entwickeln, die mit denen des Künstlers wahrscheinlich, wenigstens teilweise, übereinstimmen. So weckt er im Betrachter dessen Sensibilität, sich nachträglich in den Entstehungsprozess einzufühlen und seine eigene Beziehung zum Kunstwerk und dadurch zum Künstler und seinen Vorstellungen herzustellen .Auf die Frage, ob das abstrakte oder konkrete Kunst sei, antwortet der Künstler (der Jurnalistin Nora Iuga 1983 in "Volk und Kultur"): "Ja, ganz abstrakt ist sie zwar nicht, aber sie ist auch keine nachahmende Kunst - ich würde sie eher schaffende Kunst nennen. Um deutlicher zu sein: das, was der Künstler schafft, kann manchmal von dem Modell, von dem er ausgeht, sehr weit entfernt sein; es gibt Fälle, wo man sogar ein Portrait für abstrakte Kunst halten kann." So kann ein Schwamm, in Schlicker getaucht, richtig geschnürt und gebunden, glasiert und gebrannt, zu einem kraftstrotzenden "Torso" oder zu einer schwer tragenden "Karyatide" werden. Das ist übrigens ein vom Künstler erfundenes Verfahren, mit dem er u.a. auch eine Pyramide von Schmetterlingen "fliegen" lassen konnte.
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Entwurf Brunnen für den Marktplatz |
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Joseph-Haltrich-Relief |
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Hermann-Oberth-Büste |
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Gedenkstein Soldatenfriedhof 2. Weltkrieg |
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Relief Gedenktafel Klosterkirche |
Eine Serie von Reliefs in glasierter Fayence oder Porzellan gehört wohl zu den feinsinnigsten, poetischsten Arbeiten des Künstlers. Auf einer Grundplatte stützen rhythmisch interessant angeordnete Stege eine zart modellierte darüber gelegte "Haut", die häufig durch Einschnitte oder Risse gegliedert wird und den Blick in das "Innere" zulässt, manchmal Kugeln oder die stützenden Stege erkennen läßt. In diese Reihe gehören auch die im "Internationalen Keramik-Wettbewerb" von Faenza 1976 mit der Goldmedaille prämiierten drei Re-liefs "Hommage á Paul Celan", zu denen der Künstler sagte: "Den Anstoß zu diesen Kleinplastiken und somit zur Entdeckung einer neuen Ausdrucksform überhaupt, verdanke ich dem Gedicht "Die Halde" von Paul Celan, einem Dichter, der mich übrigens besonders anspricht. Von den Versen:
"Von Rinnsal zu Rinnsal,
Runder von Mal zu Mal.
Ähnlicher. Fremder
"
ausgehend, kam ich allmählich zur bildnerischen Ausformung des lyrischen Gedankens. Wie Kugeln rollen die Menschen durch das Leben und können ihrer runden, vollständigen Form wegen nie total ineinander verschmelzen."
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Komposition o.T. |
Und in dem gleichen Interview (s.o.) sagt der Künstler auch, wie er die Rolle des Künstlers versteht:"Kunst bedeutet nicht Aufopferung des Künstlers für die Erziehung der Menschheit; sie ist eher ein Mittel, wodurch sich dieser mit seinen eigenen Problemen auseinandersetzt, um mit sich selber darüber ins Klare zu kommen. Es ist wie in dem bekannten Satz. Die Hand hat den Menschen geformt und zugleich hat der Mensch die Hand geformt. Das Kunstwerk entsteht aus Stimmungen und Gemütsregungen, die man in sich verborgen hält. Man weiß nie im Vorhinein, was daraus wird. Es ist eine Art Selbstverwirklichung, eine Vervollkommnung. Zweifellos gibt es auch eine Einstellung des Künstlers zur sozialen Struktur. Die Kunst versucht vorzüglich Symbole zu gestalten, denen Ideen entsprechen, die im Kommen sind. Diesbezüglich ist die Kunst ein Barometer, das sehr präzis funktioniert. Ein Beispiel ist unter anderem auch die Polyphonie der modernen Musik, die auf der Idee beruht, dass jeder Mensch sich als selbständiges Individuum entwickelt - Hauptsache ist, daß das Orchester, d.h. die Menschheit, schön zusammenklingt".
Hans Orendi (Mülheim)
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