HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

200 Jahre seit der Geburt von

Michael Gottlieb Schuller

Beliebter Gymnasiallehrer und Rektor, fast 40 Jahre Stadtpfarrer von Schäßburg

Zum 100. Jahrestag der Geburt von Michael Gottlieb Schuller wurde am 28. September 1902 in Klosdorf eine Gedenktafel enthüllt:

Geburtshaus
des Schäßburger Stadtpfarrers
Michael Gottlieb Schuller
1802-1882

An der Feier nahm auch eine Abordnung des Presbyteriums der evangelischen Kirche Schäßburg teil. Die "Schäßburger Zeitung" widmete dem Ereignis einen längeren Gedenkartikel über die Persönlichkeit Michael Gottlieb Schullers mit der Begründung: "Wir kommen sicherlich einem Herzenswunsche zahlreicher Gemeindeglieder entgegen, indem wir an dieser Stelle in dankbarer Erinnerung das reiche Leben des vortreff-lichen Mannes wenigstens in seinen Hauptzügen vorführen."

Michael Gottlieb Schuller - Archivbild

Michael G. Schuller wurde am 4. September 1802 in Klosdorf, wo sein Vater Pfarrer war, geboren. 1821 absolvierte er das Gymnasium in Schäßburg, war dann zwei Jahre Lehrer in einem "magyarischen Adelshaus in Klausenburg", besuchte Vorlesungen über Mathematik, Physik, Rechtswissenschaft und studierte schließlich an der evangelischen Fakultät in Wien Theologie. Am 19. September 1825 erhielt er die erste Anstellung als "Lector Tertius" am Schäßburger Gymnasium unter Rektor Dr. Georg Paul Binder. Von 1840 bis 1842 leitete er dieses selbst als Rektor. Über diese Zeit heißt es in einem Nachruf: "In dem immer wachsenden Kreis der von allen Seiten zuströmenden Schüler war der junge Lector M. Schuller bald neben dem würdigen Rector G. Binder der geliebteste Lehrer. Seine geschichtlichen Unterrichtsstunden insbesondere - er war auch darin ein Schüler und Nachfolger Binders - waren, wiewohl alle Hülfsmittel, die jetzt den Unterricht beleben und fördern können, durchaus fehlten, stets von außerordentlichem Eindruck und tiefster, nachhaltiger Wirkung. Wenn in der Abendstunde von 4 bis 5 Uhr in dem großen Hörsaal, wo nach der damaligen Schulordnung zu diesem den Tag abschließenden Unterricht immer der ganze ‚Coetus' versammelt war, der jugendschöne Mann den Lehrstuhl bestieg und, den leuchtenden Blick des großen blauen Auges über den in erwartungsvoller Stille harrenden Kreis der jungen Hörer erhebend, in freiem Vortrag die großen Entwicklungen der Völker und Staaten in sprechendsten Gestalten zur Anschauung brachte, da schlug die Stunde jedem immer zu schnell und spürten alle, die jenes Glückes teilhaftig waren, im innersten Herzen was erziehender und begeisternder Unterricht sei."

1842 ging Michael Schuller als Pfarrer nach Denndorf, 1845 wurde er Stadtpfarrer von Schäßburg - und blieb es fast 37 Jahre lang. Stadtpfarrer Michael G. Schuller, der schon durch seine "würdige äußere Erscheinung" einen starken Eindruck machte, hat in Schäßburg "ein Menschenalter lang die segensreiche Thätigkeit entfaltet. Bei seiner tiefen Religiosität zugleich ein ausgezeichneter Kanzelredner erfreute Schuller sich allsonntäglich der zahlreichen Gemeinde in der vollen Kirche".
Michael G. Schuller bekleidete als Stadtpfarrer von Schäßburg auch mehrere Ehrenämter: Er stand dem Keisder Kapitel und dem Schäßburger Kirchenbezirk vor, 1861 wurde er ins Landeskonsistorium berufen, von 1865 bis 1870 war er "Superintendentialvikar"; Schuller war ferner langjähriges Mitglied im Ausschuss des Vereins für siebenbürgische Landeskunde, Abgeordneter auf dem Hermannstädter Landtag 1863/1864, Mitglied des Wiener Reichstags.
Am 14. Januar 1882, kurz vor seinem Tod, "vollzog der hochwürdige Bischof, nachdem schweres körperliches und seelisches Leiden die Kraft des Hochbejahrten gebrochen, dessen Emeritierung in ehrendster Weise". Am 14. Februar desselben Jahres starb Michael G. Schuller. "Bei der Beerdigungsfeier des verewigten Lehrers und Seelsorgers am 18. Februar 1882 hielt der unvergessliche Pfarrer von Schaas Josef Haltrich die Leichenrede über Johannis 21, 23: ‚Dieser Jünger stirbt nicht', und in der Tat - sein Andenken lebt in Segen fort inmitten seiner dankbaren Gemeinde und seines Volkes."
(Zitate aus der "Schäßburger Zeitung" Nr. 40 vom 28. September 1902)

Horst Breihofer (Nürnberg)



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