HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

Auf den Tag genau nach 17 Jahren...

feierte die Schäßburger Nachbarschaft Heilbronn einen schönen und besinnlichen Adventsnachmittag, wo Pfarrer Peter Madler sein Wort aus dem Monatsspruch Dezember ableitete: Sagt den verzagten Herzen: "Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott!" Jes. 35,4

Am 30. November diesen Jahres hatten sich im Ev. Gemeindezentrum "Heinrich Pfeiffer-Haus" in Heilbronn-Frankenbach weit über 60 Schäßburger eingefunden, denn wie immer, war die Einladung zu diesem vorweihnachtlichen "Sich Wiedersehen, miteinander reden und gemeinsamem Singen" zu verlockend ... und daher kamen sie früh, um einen guten Platz in dem schön renovierten Gemeindesaal zu besetzen. Fleißige Hände hatten zwischenzeitlich die gedeckten Tischreihen in Weihnachtsstimmung verzaubert, und es roch nach Kaffee, Gebäck, Baumstritzel (von Marga Zikeli gespendet) und Glühwein. Heimatliche Atmosphäre, mit vertrauten Gesichtern und einem Schäßburger Flair, allerdings weder in einer Bayer- noch Schasergässer Nachbarschaft geschehen, sondern weit weg im Westen, ... in der Schäßburger Nachbarschaft Heilbronn, die auf den Tag und Stunde genau vor 17 Jahren von dem Arbeitskreis "Schäßburger Treffen" gegründet wurde.

Und genau um soviel Jahre - man will es nicht wahrhaben, denn es war ja bloß gestern! -, sind wir alle, die bei der Gründung der Nachbarschaft dabei waren und auf den Bildern zu erkennen sind, älter geworden gemäß Costaches (Prof. Hans Theil) Zitat in den Lateinstunden: "Ea est natura hominum" (das ist der Welten Lauf), um im Jargon des Schäßburger Nachrichtenblattes zu bleiben.
Nicht viel älter, nur etwas kräftiger, scheint unser Nachbarvater Fritz Breihofer, alias Jisch, geworden zu sein, übrigens der dienstälteste Schäßburger Nachbarvater, den es überhaupt jemals gegeben hat. Alle konnten feststellen, mit wieviel Engagement, persönlichem Einsatz, Begeisterung und praktischem "Handanlegen" er das Geschehen steuerte und folglich vorerst nicht zu ersetzen ist. Da sind auch die Kritiker neidisch und werden eines Besseren belehrt. Solche Idealisten braucht eine Gemeinschaft, um bestehen zu können.

Nachbarschaft gestern

Die Gründung der Nachbarschaft am 30. November 1985 in Heilbronn war zwangsläufig notwendig geworden und eher eine spontane Aktion, um Hilfsmaßnahmen nach Schäßburg geordnet abwickeln zu können und gleichzeitig den verstreut lebenden Schäßburgern in und um Heilbronn einen nachbarschaftlichen Halt anzubieten. Daher war auch die erste Zusammenkunft, nach einer damals noch handschriftlichen Einladung mit einer nostalgischen Skizze des Pfarrgässchens, sehr gut besucht, und ich erkenne auf den Bildern Personen, die damals von weither angereist waren, denn Schäßburg war für sie zu dem Zeitpunkt noch seelische Heimat.

Der erste Vorstand der neugewählten Schäßburger Nachbarschaft
in Heilbronn.

Auch der Schäßburger Gruß, von Horst Schiroki in Noten gesetzt, durfte beim ersten Treffen in Plakatform als "Zusammengehörigkeitsgruß" nicht fehlen, denn viele suchten damals neben dem erdrückenden "Neuen" das "Alte" geborgene, vertraute und die "Nestwärme" der Schäßburger Gemeinschaft.

Gerhild Feder schrieb damals in der S.Z. u. a.: "Über Heilbronn und die Bauernhochzeit in Siebenbürgen wurde in letzter Zeit oft berichtet. Heute soll von den in Heilbronn lebenden Schäßburgern die Rede sein, den "echten Schäßburgern" und den "Kolonisten", wie es Helmut Müller formulierte" und daher für das Amt eines Nachbarvaters nicht zur Verfügung stand. Walter Lingner, Düsseldorf, brachte mit Dias von Schäßburg diese Stadt in unmittelbare Nähe, und alle lauschten gebannt seinen Ausführungen. Dann wurde Fritz Breihofer, der Sohn vom alten Breihofer Pitz, wie er sich selber vorstellte, zum Nachbarvater gewählt. ... Zweck der Nachbarschaft soll es sein, unser Zusammengehörigkeitsgefühl zu pflegen , unsere in Schäßburg lebenden Landsleute zu unterstützten, u.a.m. - Aser Hergott hälf es!" Soweit Gerhild Feder.

Nachbarschaft heute und morgen

Mit nur zehnminütiger Schäßburger Verspätung konnte Jisch den Saal zur Ruhe bringen und die Anwesenden mit einem gewohnten: "Läiv Neberänen, läiv Neber..." begrüßen und willkommen heißen. In einigen Worten erklärte er den Ablauf des Festes, und dann stieg der Schallpegel im Saal wieder auf Schäßburger Lautstärke an. Auch verständlich, denn jeder wollte in den wenigen Stunden mit jedem ein paar Worte tauschen. Zwischen Kaffeeduft und vielfältigen "Bäckereien" hörte man hier und dort eine Stimme: "Na, nem der uch vun mir, et es en Rezept vun mengjer Grismotter...".
Nach einem Glas heißen Glühweins stellte Helmut Müller mit DIA's die HOG Zuckmantel vor, die nach Umfriedung des Friedhofes und einer gesamten Kirchenreparatur ein beeindruckendes Wiedereinweihungsfest mit Bischof D. Dr. Christoph Klein feierte. Es ertönten die Glocken und die Orgel von Zuckmantel, und anschließend hörte man die unverkennbare Bergglocke von Schäßburg mit markanten Bildern aus unserer Stadt auf der Leinwand. Abgerundet wurde der Nachmittag durch besinnliche Worte von Pf. Peter Madler und schönen Liedern zur Adventszeit. Auf dem Klavier begleitete gekonnt Martha Löw.

Ich glaube, alle Anwesenden haben von dieser Adventsfeier ein Stück alte Heimat mit nach Hause genommen als Andenken für besinnliche Stunden. Mer woren weder derhim! Danke Jisch, danke Nobermotter Lisi Folbert, danke Gerda Jakobi, Mani uch Breader und danke allen, die mithalfen, den Saal zu gestalten und nachher wieder zu "entrümpeln".

Erfreulicherweise war diesmal auch die jüngere Generation vertreten. Das lässt hoffen und macht Mut, denn einmal wird der Staffelstab doch übergeben werden müssen, so dass eine Lehrzeit durchaus beizeiten notwendig ist.

17 Jahre Schäßburger Nachbarschaft Heilbronn hat viele positive Spuren hinterlassen, und wir können nur hoffen, dass diese Nachbarschaft noch vielen Menschen Freude macht und unsere sächsische Tradition nicht untergehen lässt.

Helmut Müller (Heilbronn)

 

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