HOG-Schäßburg / Siebenbürgen


Victoria Schäßburg
1946 & 1948 Rumänischer Landesmaeister
Schäßburg - einst Handballhochburg Rumäniens

Die Stadt Schäßburg, auch "Perle Siebenbürgens" oder "Das Rothenburg Siebenbürgens" genannt, war nicht nur bekannt durch seine Schönheit und Lage, sondern hat auch durch seine sportlichen Leistungen landesweit auf sich aufmerksam gemacht.

Besonders der Handball hatte in Schäßburg immer einen traditionell hohen Stellenwert und rangierte auf der Beliebtheitsskala der Mannschaftssportarten noch vor dem Fußball, auf Platz Eins. Einige Tausend Zuschauer waren daher bei wichtigen Meisterschaftsspielen keine Seltenheit.


Handball Landesmeister Rumäniens 1946, stehend von links: Walter Lingner, Horst Müller, Hans Theil, Walter Schmidt, Hans Maurer, Hans Wulkesch, Rudolf Eder, Richard Löw, Kniend. Hermann Kamilli, Hans Lehni, Heinz Kartmann. Archivbild

 

Die Blütezeit des Schäßburger Handballs war unumstritten in den Jahren 1946-1950, in denen die Herren-Mannschaft 1946 und 1948 Rumänischer Landesmeister und 1949 Vize-Meister wurde. Das Bild der Schäßburger Handballhochburg vervollständigte die Damenmannschaft, als sie zusammen mit den Herren 1948 den Meistertitel nach Schäßburg holte. Das war eine sportliche Leistung, die in die Geschichte der Stadt Schäßburg eingegangen ist. Inzwischen sind 52 Jahre vergangen und es ist noch keiner Generation gelungen diesen einmaligen Rekord zu unterbieten und einen neuen Landesmeistertitel nach Schäßburg zu holen (Ausnahme war die Schülermannschaft der ,,Bergschule'', die 1961 Vize-Meister und 1963 Rumänischer Schülermeister wurde.)



Obere Reihe stehend v.l.n.r.: H. Kamilli, O. Schuster, H. Zultner, W. Schmidt, W. Lingner, R. Eder, R. Löw, M. Balasz, K. Adleff, H. Theil. Mittlere Reihe stehend: G. Turjan, Trainer H. Kraus, M. Weiß, G. Hayn, G. Sancu, I. Wonnerth, Obmann C. Popa, M. Sigmund, L. Roth, F. Herberth, Vorstand Bock, Mehler, Grünspan. Kniend: W.Wagner, A. Sancu, V. Stoian, E. Deppner, H. Lehni, A. Theil, H.Ehrmann. Archivbild

 

Voraussichtlich werden wir es nicht mehr erleben, dass Schäßburg in den nächsten Jahren noch einmal Rumänischer Handballmeister wird. Schäßburg, die einstige Handballhochburg besitzt zur Zeit - zum Bedauern der Handballbegeisterten Schäßburger - keine A-Liga taugliche Mannschaft, weder bei den Herren, noch bei den Frauen.

Die angesprochenen Titelgewinne - dies muss auch gesagt werden -, sind den Schässburgern nicht zufällig in den Schoss gefallen, sondern sind das Ergebnis knochenharter Trainingsarbeit, den die Spielerinnen und Spieler unter ihren damaligen Trainern Hans Kraus, Eder Rudi, Walter (Butzi) Schmidt und dem Spieler Hans Maurer bereit waren zu leisten .
Unvorstellbar für heutige Sportlergenerationen mussten Trainingseinheiten in der Früh um 6.00 - 7.30 Uhr angesetzt werden, damit alle Spieler anwesend sein konnten. Danach ging es zur Arbeit oder zur Schule. Konditionsläufe im Gelände - bergauf und bergab - im "Tannenwald" mussten absolviert werden. Waschen in der Kokel, nach dem Training - weil es noch keine Duschen gab -, und Fahrten mit dem Lastwagen zu Handballspielen waren an der Tagesordnung. All diese Strapazen haben die Spieler damals auf sich genommen und trotzdem sehr guten Handball gespielt.




Generationswechsel im Schäßburger Handball 1958. Obere Rheihe v.l.n.r. stehend: Walter Lingner, Walter Schmidt, Heinrich Sperber, Hans Krauss, Hans Wulkesch, Hans Maurer, Hans Theil, Horst Müller, Hans Zultner, Wilhelm Zay, Heinz Kartmann, Otto Schuster, Richard Löw. Mittlere Reihe kniend: Dieter Martini, Stefan Bocor, Fritz Breihofer, Karl Tontsch, Wilhelm Theiß, Horst Pakscha, Moise Balasz, Hermann Kamilli. Untere Reihe sitzend: Kurt Kamilli, Fritz Schuller, Willi Roth, Vasile Chelemen, Rudolf Eder, Aurel Bulgaru, Lucian Florea, Albert Lingner. Archivbild

 

Nicht geschätzt und auch nicht gewürdigt haben die damaligen kommunistischen Behörden die außergewöhnliche Leistung dieser Handballergeneration. Nach den Titelgewinnen gab es zu der Zeit seitens der Behörden kein Lob und keine Empfänge beim Bürgermeister oder Stadtrat. Das alles hat uns aber nicht entmutigt weiter zu machen, sondern noch mehr zusammengeschweißt, und um so besser war die Kameradschaft innerhalb der Mannschaft, die uns auch heute noch zusammenhält und uns zu unseren Handballertreffen zusammenführt.

Einen großen Verdienst um die Mannschaft und Anerkennung für Ihren Mut muss den damaligen Vereinspräsidenten Dr. Olimpiu Munteanu und anschließend Cornel Popa gezollt werden.
Dr. Olimpiu Munteanu, angesehener Rechtsanwalt, war der Gründungsvater des Vereins "Victoria" und uneingeschränkter Verfechter sportlichen Geistes; und Cornel Popa, der in der Eigenschaft als Polizeikommissar - der Zeit ungewöhnlich deutschfreundlich, menschlich und sportbesessen - seine schützende Hand über die Mannschaft hielt und allen Anfeindungen der Behörden Paroli bot. Trotz seiner relativ mächtigen Position, die er damals inne hatte, konnte er es nicht verhindern, daß drei wichtige Leistungsträger, Rudi Eder, Hermann Kamilli und Karl Adleff, von der Staatssicherheit 1950 verhaftet, unschuldig und rechtlos zu Zwangsarbeit an den Donau-Schwarzmeerkanal deportiert wurden. Beide Vereinspräsidenten hat später dasselbe Schicksal ereilt, sie mussten von der kommunistischen Willkür eingekerkert, an verschiedenen Orten ebenso Zwangsarbeit leisten.

Mit der Verhaftung dreier wichtiger Leistungsträger sowie dem Verlust vier weiterer, durch Einberufung zum Militärdienst (Moise Balazs (Dinamo), Walter Lingner, Heinz Kartmann und Hans Zultner (CCA) begann der Abwärtstrend der Leistungsfähigkeit des Schäßburger Handballs. Ein großer Aderlass für die Mannschaft war auch der Weggang der Spieler Hans Maurer, Heinz Kartmann und Wilhelm (Butzo) Zay, nach dem Gewinn der Meisterschaft 1946 nach Oderhelen.

An dieser Stelle sei erwähnt:Hans Maurer war eine der markantesten Spielerpersönlichkeit der Zeit, als wurfgewaltiger Stürmer und Torschützenkönig konnte er logischerweise auch nicht von heute auf morgen ersetzt werden.

Allen Schwierigkeiten zum Trotz hat Schäßburg im Laufe der Jahrzehnte hochkarätige Spieler hervorgebracht die weit über die Grenzen der Stadt Schäßburg bekannt wurden. Viele haben in Spitzenmannschaften der Rumänischen Liga, ja sogar in der Nationalmannschaft gespielt und einige Schäßburger sind mit der Rumänischen Nationalmannschaft im Kleinfeldhandball Weltmeister geworden, was nicht so selbstverständlich sein muss, (Rumänien wurde 3 Mal Weltmeister einmal Olympia- Zweiter in Montreal 1976 und einmal 1972 Olympiade-Dritter in München). Darum kann Schäßburg, mit Recht als eine Hochburg des Rumänischen Handballs bezeichnet werden.

Um diese Behauptung zu untermauern möchte ich auch einige Namen nennen. In den Nachkriegsjahren waren es Hans Lehni, Walter Lingner, Balazs Moise, die in die Nationalmannschaft berufen wurden. In den späteren Jahren waren es Bulgaru Aurel, Bogalea Nelu, Gunesch Roland, Radu Voinea. Die letzten vier gehörten zu der WELTMEISTER-Mannschaft.

Roland Gunesch wird mit zwei Weltmeister-Titeln 1970 und 1974 sowie mit seinen bei den Olympischen Spielen in München 1972 und Montreal1976 gewonnenen Bronze- und Silbermedaillen, erfolgreichster Rumäniendeutscher Handballer.
Nicht vergessen sollte man auch den Beitrag der SchäßburgerNationalspielerinnen Martha Siegmund (Löw), Liane Roth (Schmidt), Luci Dobre und Adele Theil (Novak) (ein Bericht über den Schäßburger Frauenhandball wäre für den Schäßburger und Rumänischen Handball wünschenswert).

Unzählige Schäßburger Handballer spielten in den 50er und 60er Jahren in verschiedenen Spitzenvereinen der Rumänischen A-Liga: Bogolea Nelu, Martini Johann, Schneider Michael, Pakscha Horst, Kamilli Kurt, P. Grabowski bei Dinamo Bukarest, Balazs Moise, Theis Willi, Breihofer Fritz, Hitsch Walter, Florea Lucian, Martini Dieter bei Dinamo Kronstadt, Walter Lingner, Heinz Kartmann (Die ersten Schäßburger, die den Titel "Meister des Sports" erhielten), Hans Zultner, Aurel Bulgaru, Radu Voinea, Pereteatcu Gheorghe bei CCA Bukarest, Hans Flechtenmacher, Pantiru Constantin bei Universitatea-Klausenburg, die Brüder Hurubeanu Puiu und Milu, Ivanescu Sebastian, Schaas Hans, Bürger Martin, Navrotescu V., bei Universitatea - Jasi, Kamilli Hermann, Schuster Otto, Hans Zultner, bei Santierul Kronstadt, Reich Rainer bei Universitatea Bukarest, Albert Lingner, Gronnerth Michael (Butz), Hans (Aka) Flechtenmacher bei Textila Heltau, Hans Maurer, Heinz Kartmann, Wilhelm (Butzo) Zay bei Autosport Oderhelen, Keul Peter bei Stiinta Petrosan. (Sollte der eine oder andere hier nicht genannt worden sein so bitte ich um Nachsicht und Korrektur). Viele junge talentierte Spieler rückten in die erste Liga-Mannschaft der Schässburger nach, wie z.B. Bulgaru Aurel, Albert Lingner, Kurt Bartmus, Roth Heinz, Kamilli Kurt, Pakscha Werner, Kristoff Rudi, Hetrea Virgil, Roth Willi, Czika Adolf, Geiswinkler Hans, Wagner Dietrich (Tschipp), Streitfeld Erwin u.v.a.m.

Mit der Umstellung von Groß- auf Kleinfeldhandball, vollzieht sich ein Wandel. Schäßburg hat den Nachteil, keine handballgerechte Sporthalle zu besitzen, keine Universität oder Politechnikum zu haben, die Anziehungspunkte für Spitzensportler sind. So war die Abwanderung der jungen talentierten Spieler in die Hochschulzentren und in andere Ligamannschaften vorprogrammiert.

Titelkämpfe haben sich inzwischen in andere Städte des Landes verlagert.
Traditionelle ehemalige Handballhochburgen wie Hermannstadt, Mediasch, Schäßburg, Kronstadt, Heltau, Agnetheln, drohen von der Bildfläche zu verschwinden oder haben im Rumänischen Handball kaum noch etwas zu melden. Durch den Exodus der deutschen Bevölkerung aus Siebenbürgen und dem Banat ist auch das Spielerreservoir und die Talentförderung an der Basis stark geschrumpft. Es ist unumstritten, dass gerade Spieler und Trainer deutscher Herkunft viel zum Ruhme des rumänischen Handballs beigetragen haben. Einen wichtigen Beitrag zum internationalen Niveau des rumänischen Handballs haben die Sachsen und Schwaben vor allem an der Basis durch ihre Spieler, Sportlehrer, Trainer und Schiedsrichter geleistet. Als Beweis siehe das gegenwärtige internationale Niveau des Rumänischen Handballs, keine Weltmeister-, Olympische- oder Vereinstitel sind in letzter Zeit nach Rumänien vergeben worden. Vielleicht trauert mit Wehmut der eine oder andere Schäßburger heute, der sich noch an die Blütezeit des Schäßburger Handballs erinnert und über den Tellerrand hinaus blicken kann, dem nach, was ehemals deutsche Spieler und Trainer für den Rumänischen Handball geleistet haben. Denn wo sind die Zeiten, wo tausende Zuschauer Ihre Schäßburger Mannschaft bejubelten ,die zu der Zeit als die Besten im Lande galten.

Hans Zultner (Schäßburg/Heilbronn)



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