Anno Domini 1903
Daniel Höhr - 25 Jahre Gymnasialdirektor
Die ersten Telefonbesitzer von Schäßburg
Der "Groß-Kokler Bote" begrüßte das neue
Jahr 1903 und stellte die Frage: "Was werden uns wohl die kommenden
Tage Gutes bringen? Werden wir wohl heute über ein Jahr bessere Nachrichten
über dieses neue Jahr geben, als wir sie heute hier über das
alte Jahr niedergeschrieben haben?"

Das abgelaufene Jahr 1902 sei ein "Missjahr" gewesen sowohl
für den Landmann als auch für den Fabrikarbeiter, Handwerker
und Kaufmann. Hunderte Menschen verließen die Heimat und suchten
im Ausland "eine Erleichterung von ihrer großen Schuldenlast".
Der "Bote" gab die Losung des neuen Jahres aus: "Vorwärts
immer! Rückwärts nimmer!" Und die "Schäßburger
Zeitung" forderte ihre Leser auf, Mut zu zeigen, und gab zu bedenken:
"Mut kann uns nur machen der Rückblick auf überstandene
Gefahren, auf das Geleistete, und die klare Erkenntnis: Du musst, du sollst,
du kannst!"
Ging der Wunsch der beiden Zeitungen, bessere Nachrichten veröffentlichen
zu können, in Erfüllung? Sehen wir mal!
"Die neuen Tausend-Kronennoten. Am 2. Januar hat die Österreichisch-Ungarische
Bank mit der Ausgabe der neuen Tausend-Kronennoten und mit der Einziehung
der Tausend-Guldennoten vom Jahre 1880 begonnen. Die neuen Tausend-Kronennoten
haben (...) ein Format von 192 Millimeter Breite und 128 Millimeter Höhe
und zeigen auf dem ohne Wasserzeichen hergestellten Papier einen Doppeldruck,
einerseits mit ungarischem, andererseits mit deutschem Texte ..."
(Gr.-K. Bote, 1.1.1903)
Am Anfang des Schuljahres 1902/1903 hatte das Hermannstädter
Gymnasium 282 "inscribierte" Schüler, das Kronstädter
Gymnasium 187, das Mediascher Gymnasium 157, das Schäßburger
Gymnasium 237, das Bistritzer Gymnasium 243, das Mühlbacher 4-klassige
Gymnasium 146, das Sächsisch-Regener 4-klassige Gymnasium 158. Diese
Zahlen hatte die Zeitung den "Kirchlichen Blättern" entnommen.
(Schbg. Z., 4.1.1903)
"Überbrettl" im Musikverein. Das Publikum rätselte,
was unter diesem mit Verspätung aus Deutschland importierten Wort
zu verstehen sei. Die "Schäßburger Zeitung" erklärte
es so: "... ein buntes Theater, darin vieles aufgeführt wird
und noch einiges dazu, das alles, was nur irgendwie auf die Bühne
gebracht werden kann, in buntem Wechsel neben einander stellt und vorführt".
Auf dem Programm des Bunten Abends (heute würde man statt Überbrettl
so sagen), das der Musikverein am 6. Januar bot, standen Gedichtvorträge,
Lieder, eine Tragikomödie, Klaviervorträge. Die Mitwirkenden
(Josef Teutsch, Elise Theil, Elise Höchsmann, Elise Zimmermann, Dr.
W. Theil, Dr. Julius Jacobi, Dr. Julius Stenzel, Mathilde Groß,
Otto Wohl, Heinrich Gutt, Alfred Manchen und Musikdirektor G. Fleischer)
wurden mit "frenetischem Beifall" belohnt. (Schbg. Z. und Gr.-K.
Bote vom 11.1.1903)
Ein Ball nach dem anderen. Mit dem Ball der Obergymnasiasten am
10. Januar im Stern-Saal wurde der Fasching eröffnet. Die Zeitung
kündigte in derselben Ausgabe vier weitere Ballveranstaltungen an:
Gewerbevereinsball, Feuerwehrball, Ball und Konzert des Jugendbundes,
Richttag-Ball der unteren Marktnachbarschaft. (Schbg. Z., 18.1.1903)
"Lebensmüde. Am 15. d. M. mittags wurde der 75-jährige
Weber Georg Fritsch auf dem Aufboden seiner Wohnung erhängt aufgefunden.
Längere Krankheit und seine Notlage haben den Ärmsten in den
erlösenden Tod getrieben." (Gr.-K. Bote, 18.1.1903)
Rund 50 Telefonabonnenten hatte die Stadt Ende Januar 1903. Die
beiden Schäßburger Zeitungen veröffentlichten am 25. Januar
die Liste. Die Telefon-Nummer 1 hatte der Obergespan im Komitatsgebäude.
Einige Abonnenten der ersten Stunde: Kaufmann Josef B. Teutsch, Kaufmann
J. B. Misselbacher, Fabrikant Wilhelm Löw, Albert Lingner (Holzmarkt),
Albert Lingner (Baiergasse), Dr. Friedrich Melzer, Kaufmann Josef Leonhardt,
Fabrikant Josef B. Zimmermann, Kaffeehaus Eduard Martini, Tabakgroßtrafik
Franz Vandory, Spiritusfabrik Johann Brooser, Primararzt Dr. Julius Oberth,
Advokat Dr. A. Leonhardt.
"Städtisches Wasserwerk. Wie wir zu unserer Freude erfahren,
wird Anfang März l. J. mit dem Bau des hiesigen Wasserwerkes, welches
bekanntlich die bestrenommierte Firma J. Keller Budapest ausführen
wird, begonnen." (Schbg. Z., 1.2.1903)

"Der Schäßburger Fleisch-Konsum-Verein, der sich
schon vor Monaten konstituierte und beim königl. Gerichtshof als
Aktiengesellschaft angemeldet ist, hat mit den hiesigen Fleischhauermeistern
Michael Fabritius, Johann Knall und Hans Hügel einen Vertrag abgeschlossen,
demzufolge die genannten Fleischhauer verpflichtet sind, den Mitgliedern
des Fleischkonsum-Vereins das Rind-, Kalb- und Schweinefleisch bester
Qualität per Kilogramm um 4 Heller und die minderen Qualitäten
auch um je 4 Heller unter ihrem jeweiligen Verkaufspreis zu verkaufen
..." Die Zeitung veröffentlichte weitere Vorgaben des Vertrags,
der am 1. Februar 1903 in Kraft trat und vorläufig auf ein Jahr befristet
war. (Gr.-K. Bote, 1.2.1903)
Kuriosa. Der "Groß-Kokler Bote" hatte regelmäßig
hauptsächlich zwei Nachrichtenrubriken: Lokal- und Tagesnachrichten,
Allgemeine Nachrichten. In der letzteren standen oft auch Kuriositäten
aus aller Welt. Zum Beispiel war am 1. Februar unter dem Titel "Was
der Mensch isst" folgendes zu lesen: "Ein Statistiker hat sich
das Vergnügen gemacht, zu berechnen, was ein Mann von mittlerer Größe
und mittlerem Appetit, der mit einem guten Magen ausgerüstet ist
und ein Alter von 70 Jahren erreicht, im Laufe seines Lebens im Ganzen
isst. Er kann sich rühmen, 25000 Kilogramm Brot, 18000 Kilogramm
Fleisch, 40000 Kilogramm Gemüse, 3000 bis 4000 Dutzend Eier gegessen
und etwa 500 Hektoliter Flüssigkeiten verschiedener Art getrunken
zu haben. Die Gesamtrechnung für diese Speisen und Getränke,
die dieser Mensch allein zu sich genommen hat, erreicht die stattliche
Summe von etwa 40000 M."
Einen Vortrag, "die vierte Vorlesung der beiden ev. Frauenvereine",
hielt am 11. Februar im Zeichensaal der Mädchenschule Prof. Karl
Seraphin, u. zw. zum Thema "Aus dem Leben des vorgeschichtlichen
Menschen". (Schbg. Z., 15.2.1903)
Falsche Zehn-Kronennoten im Umlauf - warnte die Staatskasse. Die
"Falsifikate" hatten auf der deutschen Textseite "im Wort
Bank anstatt des Buchstabens k ein f", und "in der unteren rechten
Ecke" fehlten aus dem Text die Wörter "der Banknoten".
(Gr.-K. Bote, 15.2.1903)
In einem Artikel unter dem Titel "Unser Wasserwerk"
wurden die Bürger über die Vorteile des Anschlusses ihrer Haushalte
ans städtische Wasserleitungsnetz aufgeklärt. Der Baubeginn
für Wasserwerk und Elektrizitätswerk war angekündigt, in
Kürze sollte auch mit der Verlegung der Hauptleitungen für das
Wasserwerk begonnen werden. "Um zu ermessen, welchen Vorteil die
Einführung der Wasserleitung in die Häuser bietet, vergegenwärtige
man sich, welchen Arbeitskraft- und Zeitaufwand die Beschaffung des für
die Haushaltung nötigen Trink- und Nutzwassers derzeit hier erfordert
..." Die Zeitung machte ihre Leser darauf aufmerksam, dass bei rechtzeitigem
Antrag eine Anschlussleitung bis zu einer Länge von 75 Meter für
den Hauseigentümer kostenlos sei; später würden die Kosten
erheblich steigen. (Schbg. Z., 1.3.1903)
"Beamtenwahlen. In der gestern stattgefundenen Kommunitätssitzung
wurde zum ersten Polizeikommissär Viktor Kremer (...) acclamiert.
Zum II. Polizeikommissär wurde Joh. Ackesmann (...) und zum Polizeiamtskanzlisten
Heinrich Kraft (...) mit Stimmenmehrheit gewählt." Die Wahlen
waren nach dem Tod des ersten Polizeikommissärs Friedrich Weber am
27. Januar 1903 notwendig geworden. (Gr.-K. Bote, 1.3.1903)

Die Arbeitsvermittlungsstelle in Schäßburg - heute
würden wir Arbeitsamt sagen - gab regelmäßig Stellenangebote
und Gesuche in der Presse bekannt. Am 8. März z. B. wurden für
Schäßburg gesucht: "Gehilfen: Ein Schmied und ein Schlosser,
selbständige Arbeiter; ein Schneiderlehrling und für Sz. Udvarhely
ein Zuckerbäckerlehrling". Einen Arbeitsplatz suchten: "Ein
Kommis der Spezereibranche, ein Bau- und Möbeltischler, ein Weber".
(Schbg. Z., 8.3.1903)
Ein unentgeltlicher Korbflechtkurs hatte vom 16. Februar bis 7.
März 1903 in Schäßburg stattgefunden. "Denselben
leitete der von der löblichen Oberverwaltung des siebenbürgisch-sächsischen
Landwirtschaftsvereins hierher entsendete Flechtmeister J. Burzenländer
aus Marktschelken. Es waren 18 Teilnehmer (17 vorstädtische sächs.
Burschen und ein verh. Mann)." Die Ausstellung zum Abschluss des
Kurses, in der "viel über 100 Gegenstände" - Körbe
in den unterschiedlichsten Größen und für verschiedene
Zwecke - zu sehen waren, besuchten ca. 300 Personen. (Gr.-K. Bote, 15.3.1903)
Der Verein für Frauenbildung hielt am 8. März seine
Generalversammlung ab. Aus dem vorgelegten Geschäftsbericht ging
hervor, dass der Verein 200 "einheimische Mitglieder" zählt,
die 236 Kronen Jahresbeitrag zahlen. Zusammen mit dem evangelischen Frauenverein
wurden im "abgelaufenen Geschäftsjahr" ein Ball, drei Theaterabende,
ein gemütlicher Abend und sieben Vortragsabende veranstaltet. Es
wurde beschlossen, "im Falle das Lehrerinnenseminar in Schäßburg
errichtet werden sollte, zu diesem Zwecke eine jährliche Dotation
von 500 K dem evang. Presbyterium zur Verfügung zu stellen".
(Gr.-K. Bote, 15.3.1903)
Berufsschauspieler auf Tournee. Leo Bauers bekanntes Schauspielerensemble,
das von 1893 bis 1921 in Kronstadt und Hermannstadt auftrat, war im Frühjahr
1903 zweimal in Schäßburg zu Gast. Im März führte
die "Bauersche Operettengesellschaft" an sechs Abenden im Stadthaussaal
fünf Operetten und eine Oper auf, darunter "Hoffmanns Erzählungen"
von Jaques Offenbach, "Der arme Jonathan" von Millöcker,
"Der Opernball" von Heuberger, "Der schöne Rigo"
von Ziehrer. Die Vorstellungen hatten einen so großen Erfolg, dass
die Direktion des Hermannstädter städtischen Theaters beschloss,
auch ihr "Schau- und Lustspielensemble" nach Schäßburg
zu schicken, u. zw. mit drei Stücken. (Schbg. Z. und Gr.-K. Bote,
März 1903)
Mit den Vorbereitungsarbeiten für den Bau des städtischen
Elektrizitätswerkes begann die Baufirma Gebrüder Letz Ende
März 1903, u. zw. wurden die "Reste von der städt. 8-gängigen
Mahlmühle" abgetragen und "Erdaushebungen für die
Turbinenkammer, die Regulierung und Tieferlegung des Mühlenkanals"
vorgenommen. (Gr.-K. Bote, 5.4.1903)

Das 1903 erbaute Elektrizitätswerk
- Archivbild
Sein 25-jähriges Amtsjubiläum feierte Gymnasialdirektor
Daniel Höhr am 5. April 1903. Beide Zeitungen würdigten die
Leistungen des Gefeierten. Daniel Höhr war 1878 die Nachfolge von
Johann Ziegler, den die Gemeinde Arkeden zu ihrem Pfarrer gewählt
hatte, als Direktor des Schäßburger Gymnasiums angetreten.
Vorher war er schon 19 Jahre an diesem Gymnasium Professor gewesen. "Die
Geschichte unseres Gymnasiums erzählt wohl, daß um die Wende
des 17. Jahrhunderts ein Präfekt der Studenten fünf Rektoren
erlebt habe, aber die Amtsdauer von 25 Jahren hat keiner der 97 bekannten
Vorgänger Höhrs im Rektorat des Gymnasiums erreicht." Während
der Amtszeit von Direktor Höhr wurden das Bürgerschulgebäude
und das Michael-Albert-Haus (Internat) gebaut sowie das Bischof-Teutsch-Gymnasium
umgebaut (Gr.-K. Bote, 5.4. u. 19.4.1903)
Über die Brukenthal-Feier in Hermannstadt berichtete der
"Groß-Kokler Bote". Die Feier anlässlich des 100.
Todestages Samuel von Brukenthals, Gouverneur des Großfürstentums
Siebenbürgen von 1777 bis 1787, fand am 9. April in der Stadtpfarrkirche
statt. Die Predigt hielt Superintendentialvikar D. Fr. Teutsch. "Das
Gotteshaus war feierlich geschmückt und das Bild Brukenthals vor
dem Altar aufgestellt. Ein lebender Verwandter Brukenthals, Baron Mylius,
wohnte der Feier bei." (Gr.-K. Bote, 12.4.1903)
"Verbot. Es wird hiemit zur allgemeinen Kenntnis gebracht,
daß in öffentlichen Lokalen Hazard-Kartenspiele wie Färbel,
Makau, Naschsi-vaschi, Einundzwanzig und alle diejenigen Spiele, wo Gewinn
und Verlust ausschließlich vom Zufall abhängt, strengstens
verboten sind. Erwähnte Glücksspiele in ihrem Lokale Zulassende
sowie auch die Spieler selbst werden auf Grund der bestehenden Gesetze
bestraft." (Schbg. Z. 12.4.1903)
Die große kirchliche Gemeindevertretung diskutierte am 13.
April 1903 über die Anfrage des Landeskonsistoriums der evangelischen
Kirche in Siebenbürgen, wie sie sich "zu der eventuellen Errichtung
eines Mädchenseminars hierorts" stelle. Mit einer neuen Schule
war man grundsätzlich einverstanden, aber dann ging es um ihre Unterbringung:
"Bezüglich der Unterbringung der neuen Anstalt sind zwei Projekte
ins Auge gefasst" worden, berichtete die Zeitung. Das Seminar könnte
vorläufig "im Erdgeschoss des neu gebauten Flügels der
Mädchenschule" untergebracht werden, oder man könnte dafür
"die Kaserne am Wiesenberge" (!) verwenden. (Schbg. Z., 19.4.1903)
An Michael Alberts Todestag (21. April 1893), der sich zum zehnten
Mal jährte, erinnerte die "Schäßburger Zeitung"
in ihrer Ausgabe vom 26. April 1903. An den Anfang einer Auswahl von Alberts
Gedichten stellte sie die Verse:
Was schön ist und erhebt
Und alle Welt erfreut,
Ist würdig, daß es lebt
Und wirkt für alle Zeit.
"Obstgartenbesitzer, versäumt ja nicht, in diesen Tagen
eure Obstbäume spritzen zu lassen, denn dadurch erhaltet ihr ihnen
gesundes Laub und setzet sie in den Stand, auch gesunde Früchte tragen
zu können ..." (Gr.-K. Bote, 26.4.1903)
"Loreley", eine "lyrisch romantische Oper",
führte der Schäßburger Jugendbund unter der musikalischen
Leitung von Fr. Viktor Raupenstrauch am Ostermontag (13. April) im Stadthaussaaal
auf. Die Hauptdarsteller waren: Karl Tichy, Josef Bittner, Josef Zey,
Hans Polder, Mathilde Groß. (Schbg. Z. u. Gr.-K. Bote, 26.4.1903)

Im Obstgarten / Baumgarten, vor dem Landhaus im Mühlenham,
Samuel Adleff (Gerbermeister) mit Familie
(1903) - Archivbild
Den Gartenrhabarber, "eine bei uns noch ganz unbekannte, außerordentlich
schmackhafte Speise, welche in Deutschland und England bis in die untersten
Schichten der Arbeiterbevölkerung gedrungen", empfiehlt die
"Schäßburger Zeitung" aufgrund eines Berichtes im
"Praktischen Ratgeber für den Obst- und Gemüsebau"
ihren Leserinnen. Im "Groß-Kokler Boten" ist zu lesen,
dass auf den guten Geschmack dieses Gemüses "schon seit Jahren
auch einige unserer Hausfrauen gekommen und lassen dieses köstliche
Gericht von Anfang Mai an nicht auf dem Familientisch fehlen". (Schbg.
Z. u. Gr.-K. Bote, 3.5.1903)
"Das Scopationsfest der hiesigen ev. Schulanstalten am 16.
d. M. hat leider durch die Ungunst der Witterung nicht den üblichen
Verlauf genommen. Wohl fand morgens 8 Uhr der imposante Aufmarsch der
Schuljugend statt und bot in seinem reichen Fahnen- und Blumenschmuck
dem zahlreichen Zuschauerpublikum einen herzerfreuenden Anblick, auch
wurde in üblicher Weise vor dem Stadtpfarrhof und auf dem Marktplatze
Aufstellung genommen, doch kaum als die ersten Teilnehmer und die ersten
Wägen die Breite erreicht hatten, begann es zu regnen und zwang Alles
zur schleunigen Umkehr. Als Entschädigung für das verregnete
Waldfest wurde am Nachmittag für die Schuljugend im Stadthaussaale
eine Tanzunterhaltung improvisiert, während der Jugendbund im Winterschen
Pavillon und die vorstädtische Jugend im Gewerbevereinssaale dem
Tanzvergnügen huldigten." (Schbg. Z., 24.5.1903)
Ein Referat über den Schülerstand im Schuljahr 1901/1902
wurde auf der Sitzung des evangelischen Presbyteriums A. B. am 21. Mai
vorgelegt. Daraus wurde ersichtlich, "daß die Schulanstalten
der Kirchengemeinde von 1024 Schülern und Schülerinnen besucht
wurden; im Laufe des Jahres traten 48 aus, 10 starben, so dass bis zum
Schluss 966 verblieben; diese verteilten sich auf die einzelnen Anstalten:
Gymnasium 216, davon 49 im Internat unterbracht, Knabenbürgerschule
93, Knabenelementarschule 275, Mädchenbürgerschule 126, Mädchenelementarschule
256. Die größte Klasse war die erste Mädchenelementarklasse
mit 77 Schülerinnen. Die kleinste die fünfte Bürgerschulklasse
für Knaben mit 3 Schülern, die sechste Klasse derselben Anstalt
war wegen Mangel an Schülern nicht eröffnet worden. ..."
(Gr.-K. Bote, 31..5.1903)
"Die öffentliche Prüfung am ev. Gymnasium A. B.
(Bischof-Teutsch-Gymnasium) in Schäßburg findet am 22. und
23. Juni l. J. statt ... Die Prüfung der Gewerbelehrlingsschule wird
im Zeichensaal der Bürgerschule am 14. d. M. abgehalten." (Schbg.
Z., 14.6.1903)
Konfirmation. "Bei der am verflossenen Sonntag in der hiesigen
evang. Pfarrkirche stattgefundenen Konfirmations- und Abendmahlsfeier
wurden insgesamt konfirmiert 122, u. zw. 73 Knaben und 49 Mädchen,
am heiligen Abendmahle nahmen 594 Glaubensangehörige teil."
(Gr.-K. Bote, 31.5.1903)
Schon vor 100 Jahren gab es Spaziergänger, auch in Schäßburg,
denen die Reinlichkeit ihrer Stadt nicht sehr am Herzen lag. Der Schäßburger
Stadtverschönerungsverein beklagte das Aussehen der Promenaden und
Parkanlagen: "Es ist Gewohnheit geworden, für die Kinder eine
Jause u. dgl. mitzunehmen, nun werden in der Regel die Speisenüberreste
sowie die Papierstücke, welche zum Einpacken der Speisen dienten,
einfach in die Wege oder auf die Rasenbeete geworfen. Die Unreinlichkeit
macht einen sehr schlechten Eindruck und da der Verschönerungsverein
nicht in der Lage ist, täglich die Anlagen reinigen zu lassen, ergeht
hiemit an das Publikum die höfliche Bitte, dafür zu sorgen,
daß solche Speisenüberreste und Fettpapiere in den Körbchen,
in welchen sie gebracht wurden, auch wieder aus den Anlagen hinauswandern."
(Gr.-K. Bote, 7.6.1903)
"Zum Schutze unserer lieben Nachtigallen und der übrigen
der Landwirtschaft nützlichen Vögel auf dem Schäßburger
Hattert setzt die Leitung der Gesellschaft für Vogelschutz in Schäßburg
auf die Ergreifung von Vogelfängern, Nestzerstörern, Eier- und
Brutaushebern sowie von Exporteuren ... eine Prämie von 2 - 10 Kronen
aus." Dr. Kraus Heinrich (Schbg. Z., 14.6.1903)
Auswanderung von Sachsen nach Rumänien. Viele Siebenbürger
Sachsen wanderten nicht nur nach Amerika aus, um ihrer wirtschaftlichen
Not und der heimatlichen Enge zu entfliehen, sondern auch nach Rumänien.
Der "Groß-Kokler Bote" zitierte aus den "Kirchlichen
Blättern", die die Auswanderungszahlen aus allen Kirchenbezirken
veröffentlicht hatten. Aus dem Schäßburger Kirchenbezirk
waren 150 Männer, 163 Frauen und 36 Kinder nach Rumänien ausgewandert,
insgesamt aus Siebenbürgen 1388 Männer, 1338 Frauen, 542 Kinder.
Aus dem Text geht nicht hervor, auf welchen Zeitraum sich diese Zahlen
beziehen. (Groß-Kokler Bote, 7.6.1903)
Interessantes aus der zweiten Jahreshälfte 1903 erfahren Sie in
unserer nächsten Folge.
Ausgewählt und zusammengestellt von:
Horst Breihofer (Nürnberg)

Letztes Update: 2003-08-01
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