HOG-Schäßburg / Siebenbürgen |
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Gedanken zur Städtepartnerschaft mit Schäßburg"Grenzen überwinden - Brücken aufbauen": Unter diesem Motto stand die Podiumsdiskussion zum diesjährigen Heimattag der Siebenbürger Sachsen an Pfingsten in Dinkelsbühl. Die geplante Partnerschaft mit Schäßburg nahm dabei explizit angesprochen oder unausgesprochen einen wesentlichen Teil der Diskussion ein. Welche Perspektiven sehe ich nun in den Beziehungen unserer beiden Städte? Die zurückliegenden Wochen und Monate haben deutlich gemacht, dass wir uns in einem tiefgreifenden Umbruch, befinden, einem Umbruch der Europa betrifft aber auch unsere transatlantischen Beziehungen. In beiden Fällen wurden die Partner auf eine harte Bewährungsprobe gestellt. Vieles davon verbindet sich mit der Jahreszahl 1989. Das Ende des kalten Krieges hat einen befreienden Aufbruch möglich gemacht. Völker sind frei geworden; Staaten haben ihre Souveränität wiedergewonnen. Viele hatten gehofft, dass gewissermaßen automatisch eine neue, gerechtere Weltordnung entstehen würde und dass möglichst viele Menschen die Chance haben, frei von materieller Not, von Verfolgung und kriegerischer Gefahr zu leben. Die Hoffnung hat sich in vielen Fällen erfüllt, durch die Erweiterung der Europäischen Union und der NATO. Durch mehr Demokratie.
Es gab aber auch schreckliche und tragische Entwicklungen. In vielen
Fällen haben wir bestehende Konflikte nicht lösen und neue nicht
verhindern können. Wir waren uns oft nicht einig. Das Wesensmerkmal einer Städtepartnerschaft liegt für mich darin, dass es immer wieder gelingt, Gemeinsamkeiten zu suchen, Freundschaften zu stiften und dies nicht nur auf Ebene der Spitzenvertreter. Auf dem politischen Parkett wechseln die Partner öfters - vergleichbar einer modernen Beziehung, die oft ebenso kurzzeitig angelegt scheint - wir müssen uns bei Städtepartnerschaften immer wieder zusammenraufen, an neue Gesprächspartner gewöhnen. Daher ist es wichtig, den Partnerschaftsgedanken auch in den Köpfen
der Bürgerinnen und Bürger zu verankern. Zum Beispiel Guérande,
Dinkelsbühls französische Partnerstadt, zum Beispiel Porvoo,
unser Partner in Finnland. Vor 40 Jahren, als die Beziehungen aufgenommen
wurden, war es ein vorsichtiges Abtasten. Frankreich, den Erbfeind, Sieger-
und Besatzungsmacht als Partner zu gewinnen, schien ein kühnes Unterfangen.
Finnland versuchte aus der Isolation und der Umklammerung durch die Sowjetunion
heraus zukommen - kaum zu glauben, dass daraus stabile Freundschaften
erwuchsen. Seit der Wende 1989 kommt ein neuer Aspekt dazu: Die Siebenbürger Sachsen können wieder Ihre alte Brückenfunktion zwischen Ost und West einnehmen - nur diesmal in umgekehrter Richtung. Und hierbei ist auch Dinkelsbühl gefordert: Die Frage der Integration stellt sich nicht mehr als Eingliederung in einen neuen Staat, sie stellt sich als Integration in ein geeintes und freies Europa. So wie im Laufe von 40 Jahren aus Deutschen und Franzosen Freunde wurden, so geht die Entwicklung mit großen Schritten (NATO, EU Osterweiterung) auf die Aufnahme unserer Nachbarn im Osten unter das europäische Dach zu. Können wir, die Stadt Dinkelsbühl, nun zusammen mit Ihnen, den ehemaligen Schäßburgern, etwas tun, um Grenzen zu überwinden, Verständnis füreinander zu wecken, Verbindungen aufnehmen in Ihre alte Heimat? Grenzen und Brücken - in dem Begriffspaar schwingt die Vorstellung von den beiden "Königskindern" mit, die zusammen nicht kommen konnten, da das Wasser gar so tief war. Brücken über den Strom überwinden jedoch das Trennende und führen Menschen zusammen. Aus den angeführten Gründen und Beispielen heraus muss das Ziel ganz klar eine Städtepartnerschaft mit Schäßburg sein. Ich muss gestehen, mir geht die Entwicklung in vielen Bereichen zu langsam. Auf der anderen Seite kann man Partnerschaft und Freundschaft nicht befehlen. Es gibt starke Bindungen zwischen der Landsmannschaft und Dinkelsbühl - nicht nur zwischen den Spitzenvertretern sondern zwischen Einrichtungen und Institutionen. Nicht zuletzt die evangelische Kirche ist ein starkes Bindeglied und das Engagement vieler anderer Organisationen spricht für sich. Doch muss es uns gelingen die Kontakte auch zu anderen Bevölkerungsgruppen in Schäßburg mit Leben zu erfüllen. Wir sind in den vergangenen zwei Jahren neugierig geworden, auf das Land, das über 800 Jahre Ihre Heimat war, neugierig auf Ihre Lebensumstände und Ihre Heimatstadt. Wir könnten uns also füreinander erwärmen, wenn ich das so salopp formulieren kann. Getragen werden müssen Partnerschaften aber, wie anfangs erwähnt, von der breiten Bevölkerung. Es reicht nicht, wenn sich zwei Bürgermeister und ein paar Stadträte an einen Tisch setzen. Und hier haben wir noch viel Arbeit vor uns. Otto Sparrer (Oberbürgermeister von Dinkelsbühl) |