Hans Kraus,
Sportlehrer und Vorbild
Zur Erinnerung
Am 26.05.2003 jährte sich zum 100. Mal der Geburtstag unseres
hochgeachteten und geehrten Sportlehrers Prof. Hans Kraus, eines Lehrers,
der das Sportleben der Stadt Schäßburg wie kein anderer in
den Vor- und Nachkriegsjahren wesentlich mitbestimmt und tiefgreifend
geprägt hat.

Hans Kraus
Mit Leichtigkeit kann festgestellt werden, dass Prof. Hans Kraus wohl
einer der vielseitigsten Lehrer der Bergschule war. Außer seinem
gediegenen und umfangreichen Fachwissen, seiner pädagogischen Begabung,
die er zweifelsohne besaß, war er ein vielseitiger und aktiver Musiker
im "Schäßburger Symphonieorchester". Seine Liebe
zur Musik hat ihn ein Leben lang begleitet. Aufgefallen ist er, wie im
Sport, auch in der Musik durch seine Vielseitigkeit. Er beherrschte nicht
nur ein Instrument, sondern spielte hervorragend verschiedene Instrumente.
Den Spitznamen "Caruso" hat er sich dadurch erworben, dass
er auch ausgezeichnet singen konnte. Lange Arien aus Operetten und Opern
gehörten zu seinem Repertoir, mit denen er uns auf den mühseligen
Heimfahrten von Handball-Meisterschaftsspielen immer wieder aufmunterte.
Nach kurzem Aufenthalt in Bukarest, wo er sein Studium an der Sporthochschule
"ONEF" mit hervorragenden Leistungen abschloss und wo er seine
berufliche Laufbahn als Assistent und später als Sportbetreuer am
"Königlichen Hof von König Michael" begann, zog es
ihn als "Schäßburger Urgewächs" zurück
in seine Heimatstadt Schäßburg .
Er heiratete Margarete Konnerth, glückliche Ehejahre folgten, mit
4 Kindern, Marga, Hans, Hermann und Anneliese, zählte er zu den stolzen
Vätern seiner Heimatstadt.
Sein sehnlicher Berufswunsch, am Bischof-Teutsch-Gymnasium Sportlehrer
zu werden, erfüllte sich 1934. Er unterrichtete an der Bergschule,
außer in seinem Lehrauftrag Sport, noch Rumänisch, Anatomie
und Mathematik, was an einem Gymnasium mit den Ansprüchen der Bergschule
bekanntlich nicht gerade so einfach war.
Er identifizierte sich voll und ganz mit seinem Beruf, das war seine Welt,
Sport war sein Leben. Hier und im Schäßburger Turnverein (STV)
stellt er auch sein organisatorisches Talent unter Beweis. Er wird Vereinspräsident
des STV mit seinen zahlreichen Abteilungen, die vor allem die deutsche
Bevölkerung Schäßburgs umfassten. Die Rumänen und
Ungarn hatten ja jeweils ihre eigenen Sportvereine.
Die Vereinsarbeit beschert ihm aber auch eine Fülle an organisatorischen,
sozialen und repräsentativen Aufgaben, die er mit Bravour löste.
Unter seiner Regie erlebt der Schäßburger Turnverein (STV)
seine Blütezeit. Im STV wird auf breiter Basis Fußball, Handball,
Tennis gespielt, geturnt und geschwommen.
Seine sportliche Vielseitigkeit kommt auch im Vereinsleben zum Tragen.
Er war zu seiner Zeit mit Sicherheit einer der landesbesten Geräteturner,
spielte selbst Fußball, Handball, Tennis, war ein guter Leichtathlet
und Skifahrer.
Es wird erzählt, dass er mit 60 Jahren noch die Riesenwelle am Reck
"gedreht'' haben soll. Das ist einfach "einsame Spitze"
und rekordverdächtig. Jedenfalls in Schäßburg und weiterer
Umgebung hat ihm das noch keiner nachgemacht. Als einsamer Rekord wird
diese Leistung in die Schäßburger Sportchronik eingehen. Unvergessen
werden auch die vielen Sportfeste auf der "Breite" anlässlich
des Skopationsfestes in Erinnerung bleiben.

Hans Kraus am reck und Barren, der beste Turner Schäßburgs.
Der Ausbruch des 2. Weltkriegs unterbricht jäh seine berufliche
Entwicklung und Vereinstätigkeit, die dann nach dem Krieg aus bekannten
Ursachen nicht mehr in vollem Umfange möglich war. Wie alle andern
wird auch er in den Kriegsjahren zum Militärdienst eingezogen, um
in der rumänischen und anschließend in der deutschen Armee
als Offizier zu dienen.
Schule und Verein bleiben ohne Sportlehrer, bis es Hans Kraus nach Kriegsende
unter schwierigen Umständen 1945 gelingt, zu seiner Frau und den
vier Kindern sowie an die Schule zurückzukehren. Er setzt seine Tätigkeit
an der Bergschule und im neuen Schäßburger Sportverein Victoria
und später GSMS erfolgreich fort und gewinnt mit der Jungenmannschaft
1946 und 1948 den Rumänischen Landesmeistertitel im Großfeldhandball.
1948 kommt auch der Landesmeistertitel der Schäßburger Mädchenmannschaft
dazu, eine Bilanz, die einzig in der Schäßburger Sportgeschichte
dasteht. Heimatverbunden, wie er war, ist er zu seiner Familie in seine
Heimatstadt zurückgekehrt, obwohl es ihm damals ein Leichtes gewesen
wäre, in Deutschland zu bleiben, wo er als tüchtiger Fachmann
Erfolg und Anerkennung gefunden hätte. Ein Entschluss, den er in
den nachfolgenden Jahren bitter bereuen sollte.
Zunächst einmal in Fachkreisen als tüchtiger Turnlehrer bekannt,
wurde ihm die Vorbereitung der Rumänischen Herren-Nationalmannschaft
im Geräteturnen für die Olympiade 1952 in Helsinki anvertraut.
Doch welch bitteres Ende, einige Tage vor der Abreise nach Helsinki wird
Hans Kraus von der Securitate abgeholt und verschwindet für 3 Jahre
an den Donau-Schwarzmeer-Kanal, wo er als Belohnung für seine Arbeit
3 Jahre für den sozialistischen Staat schuften durfte. Keine Behörde
und kein Parteibonze kümmert sich darum, wie und von was seine Frau
mit den 4 Kindern leben sollen!
Zusätzlich dann, belegen ihn die kommunistischen lokalen Behörden
auf brutale Weise mit einem Berufsverbot, das ihn besonders schwer trifft
und ihn an den Rand der Verzweiflung bringt. Diejenigen, die das nicht
miterlebt haben, fragen sich heute mit Recht, wie war so etwas möglich?
Einen so wertvollen Menschen einfach kaltzustellen und ihm die Existenzgrundlage
zu entziehen. Sicher folgen für ihn und seine Familie ganz schwere
Jahre. Es gab zu der Zeit keine Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld. Sein
Schicksal war hart, mit Würde hat er es getragen und sich nicht verbiegen
lassen. Sein tägliches Brot musste er von nun an als Arbeiter in
der Handwerksgenossenschaft und zum Schluss als Lagerverwalter im Sportklub
"Vointa" verdienen.
Sein leider relativ kurzes Wirken an der Bergschule in Schäßburg
war durch seine Liebe zum Sport, zur Jugend, deren Erziehung zu Fairness
und Sportlichkeit, zu Gesundheit und Körperertüchtigung geprägt.
Kraus war ein hervorragender Lehrer, sein umfassendes Fachwissen, seine
pädagogische Begabung, aber vor allen Dingen sein Vorbild machten
es ihm im Unterricht leicht, die Schüler für Turnen und Sport
zu begeistern.
Viele Generationen von Schülern sind durch seine Hände gegangen,
viele von ihnen haben von ihm das Sport-ABC gelernt, sind zu Spitzensportlern
von nationalem oder sogar internationalem Niveau aufgestiegen, aber all
das hat die damaligen Machthaber wenig interessiert, es war ihnen wichtiger,
einen Menschen zu vernichten als seinen Beitrag zum sportlichen Fortschritt
in Schäßburg anzuerkennen, zu nutzen und zu würdigen.
Wir, seine ehemaligen Schüler und Sportkameraden, gedenken seiner
in Ehrfurcht und Würde und danken ihm auch an dieser Stelle für
seine beispielhaft geleistete Arbeit in Schule und Verein.
Hans Zultner (Heilbronn)

Letztes Update: 2003-08-01
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