HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

 

Joseph-Haltrich-Lyzeum in schwieriger Lage

Gravierender Mangel an qualifizierten Lehrern / Bericht des Bergschulvereins Schäßburg

Der neue Vorstand nahm mit seiner konstituierenden Sitzung am 27.3.2003 seine Geschäfte auf.
Auf der Vollversammlung des örtlichen Bergschulvereins Schäßburg am 25.10.2002 hatten Neuwahlen zum Vorstand stattgefunden. Dem vorigen Vorstand - Dr. Ovidiu Capatina, Karl Schuster, Kurt Müller, Liselotte Baier, Viorel Rusu, Michael Meyndt, Mircea Maier - war für die geleistete Arbeit gebührender Dank abgestattet worden. Hervorgehoben wurden vor allem die großen Verdienste um den Verein und das gesamte Joseph-Haltrich-Lyzeum des Vorsitzenden Dr. Ovidiu Capatina und des Geschäftsführers Kurt Müller, die sich unermüdlich, mit ihrer ganzen Persönlichkeit für die Belange der Schule eingesetzt haben. Zum neuen Vorstand wurden Dr. Karl Scheerer, Karl Schuster, Marianne Cojocaru, Liselotte Baier, Corinna Henning, Michael Meyndt und Mircea Maier gewählt.


Die Bergschule in neuem Glanz.
(Foto: H. Müller)

Das Joseph-Haltrich-Lyzeum, zu dessen Förderung und Stabilisierung sich der Bergschulverein verpflichtet fühlt, befindet sich in einer entscheidenden Phase seiner Entwicklung. Die großzügige Renovierung der Bergschule ist abgeschlossen. Das Gebäude erstrahlt wieder in vollem Glanz. Im laufenden Jahr werden der "Zeichensaal" und die Grundschule generalsaniert und auf einen modernen Standard gebracht. Im kommenden Jahr wird das Gebäude in der Schanzgasse komplett renoviert und durch einen Neubau im Hof ergänzt. Für das Jahr 2005 ist die Generalsanierung des Internats geplant, eine Maßnahme, mit der dann der gesamte Gebäudekomplex des Joseph-Haltrich-Lyzeums tadellos wiederhergestellt und modernisiert sein wird.

Dieser erfreulichen Perspektive der Schule stehen jedoch einige weniger erfreuliche Umstände entgegen, die es zu korrigieren gilt:

  1. Das rückwärtige Gebäude im Alberthaus, der "Adlerhorst", das 1990 aus ungeklärter Ursache ausgebrannt war, erschwert die Renovierungsplanung erheblich. In den 90er Jahren wurde das Gebäude seitens der Stadtverwaltung einer rumänisch-schweizerischen Kulturstiftung zur Nutzung übertragen, ohne dass eine explizite Instandsetzungsforderung erhoben worden war. Bis zur Gegenwart ist, außer dass die Fenster vernagelt worden sind, an dem Gebäude nicht gearbeitet worden. Um eine Renovierungsplanung des Internats beginnen zu können, muss dringend geklärt werden, ob der "Adlerhorst" endgültig einer anderen Nutzung vorbehalten bleiben soll, oder ob er doch wieder Teil des Internats werden kann. Es droht demnach die Gefahr, dass der "Adlerhorst" nicht instand gesetzt wird.
  2. Die deutsche Abteilung des Joseph-Haltrich-Lyzeums befindet sich zurzeit in einer schwierigen Situation. Hauptgrund ist der gravierende Mangel an qualifiziertem Lehrpersonal.
    Dieser Mangel hat erhebliche Auswirkungen auf das Sprachniveau der Schüler in der deutschen Abteilung und kann demnächst zur Aberkennung des Status der Schule als Zentrum zur Ablegung des Deutschen Sprachdiploms führen. Eine deutliche Vorwarnung seitens der zuständigen deutschen Behörden ist bereits erfolgt. Dies würde einen erheblichen Bedeutungsverlust der Bergschule zur Folge haben und ihrem Ansehen sowie der Attraktivität der deutschen Abteilung nicht wieder gut zu machenden Schaden zufügen.
  3. Die durch die verstreute Lage der einzelnen Schulgebäude zweifellos sehr schwer zu leitende Schule bedarf dringend der Optimierung des Schulmanagements und einer Organisationsform, die das Engagement aller Lehrkräfte im Sinne einer "corporate identity" ermöglicht, damit die Effektivität der Schule erhöht wird.

Der Bergschulverein hat es sich auf seiner konstituierenden Sitzung zur Aufgabe gemacht, mit seinen Möglichkeiten mitzuhelfen, diesen Schaden von der Schule abzuwenden und auch weitere Maßnahmen zu ergreifen, um die Qualität und das Ansehen der Schule zu erhöhen. Zu diesem Zweck sind auf Initiative und durch die Organisation des Vereins eine Reihe von Maßnahmen geplant bzw. schon eingeleitet worden:

  1. Vom 10. bis 19.07.2003 wird für das gesamte Kollegium der Schule auf dem Sambachshof in Bad Königshofen/Deutschland ein Seminar zum Thema "Schulentwicklung und Schulmanagement" durchgeführt. Auf dieser Tagung werden ausgewiesene Fachleute mit dem Kollegium moderne Schulorganisations- und Kommunikationsformen erarbeiten und diskutieren.
  2. Eine weitere Maßnahme ist ein Begegnungsseminar auf dem Sambachshof mit Schülern der Bergschule, des Decebal-Lyzeums in Deva und gleichaltrigen deutschen Gymnasiasten vom 30.5. bis zum 9.6.2003. Es ist beabsichtigt, diese Veranstaltung jährlich durchzuführen.
  3. Da sich die ehemals sehr renommierte und reichhaltige Schulbibliothek zurzeit in einem desaströsen Zustand befindet, hat die Hermann-Niermann-Stiftung auf Initiative des Unterzeichneten im Gebäudekomplex des Alberthauses einen Bibliotheksneubau errichten lassen. Es ist nun geplant, alle Buchbestände wieder zusammenzutragen, fachmännisch aufzubereiten und Lehrern wie Schülern wieder zugänglich zu machen.
  4. Um die Schüler des Joseph-Haltrich-Lyzeums emotional enger an ihre Schule und die Burg heranzuführen, ist in der letzten Schulwoche ein Aktionstag unter dem Motto "Unsere Schule und die Burg sollen sauber sein" geplant, an dem alle Klassen die Umgebung der Schulgebäude und die Burg einer systematischen Säuberung unterziehen. Es wäre wünschenswert, wenn diese Aktion zu einer regelmäßigen Einrichtung würde.
  5. Da sich der Todestag von Joseph Haltrich kürzlich zum 117. Male gejährt hat, fand auf Initiative vereinzelter Lehrkräfte und Schüler eine Radwanderung zu seinem Grab nach Schaas statt, wo seiner in angemessener Form gedacht wurde. Es ist nun geplant, im Zuge der Schulrenovierung auch dem Grab Joseph Haltrichs eine würdige Form zu geben.
  6. Der Unterzeichnete wirkt als Vertreter des Bergschulvereins aktiv im Koordinierungskomitee der lokalen Agenda 21 mit und setzt sich dort vor allem für die Belange der Burg und der kulturellen Einrichtungen ein.
  7. Hinsichtlich des gravierenden Problems des Lehrermangels hat sich der Bergschulverein aktiv eingeschaltet. Gemeinsam mit der Schulleitung setzt der Unterzeichnete alle ihm zur Verfügung stehenden Hebel in Bewegung, um das Lehrerkollegium mit geeigneten Pädagogen zu komplettieren. Hierbei sind ihm seine guten Verbindungen zu den Hochschulen und zum Unterrichtsministerium sehr hilfreich. Teilerfolge sind schon erzielt worden. Es besteht die begründete Hoffnung, dass bis zum Schuljahresbeginn wenigstens die Stellen für Deutsch als Muttersprache ausgefüllt werden können.


renovierter Giebel der Bergschule
(Foto: W. Lingner)

Ohne tatkräftige Unterstützung durch eine Vielzahl von Freunden der Bergschule wäre der Verein nicht in der Lage, seine Aufgaben zu erfüllen. Besonders gedankt sei an dieser Stelle dem "Mutterverein" Bergschule Schäßburg e.V., der HOG Schäßburg, dem Allgemeinen Deutschen Kulturverband, dem Südtiroler Schulverein und der Firma Parat Schäßburg sowie einigen Einzelspendern, insbesondere Herrn Lukas Geddert, dem wir regelmäßig großzügige Sachspenden zu verdanken haben. Ganz großer Dank gilt der Hermann-Niermann-Stiftung, die sich in äußerst großzügiger Weise die Generalsanierung des Joseph-Haltrich-Lyzeums zur Aufgabe gemacht hat.

Dr. Karl Scheerer (Bad Königshofen)

 

 

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