HOG-Schäßburg / Siebenbürgen |
As saksesch MottersprochSprichwörter Wer Rad fahren will, muß das Rad nicht neu erfinden. Unsere Vorväter
fanden ihre- und unsere-sächsische Sprache so interessant, daß
sie sich sammelnd und forschend mit ihr beschäftigten.Nicht alle
waren so fleißig und erfolgreich wie der Deutschprofessor der Schäßburger
Bergschule Josef Haltrich, dessen Märchensammlung sehr bekannt und
beliebt ist. .In der Hoffnung auf lebendiges Interesse und rege Mitarbeit möchten wir als Anregung seine Vorrede und eine Reihe von Sprichwörtern , später auch sprichwörtliche Redensarten und formelhafte Ausdrücke wiedergeben.Zur Erinnerung, zur Freude , aber auch zum Überlegen: sind diese Sprichwörter und Redewendungen dem Schäßburger von heute noch bekannt, verwendet er sie noch im Sächsischen?Sind sie "modernisiert", abgewandelt worden? Wer kennt andere, ähnliche Lebensweisheiten,die er von weisen Vorfahren geerbt hat, die er für vererbenswert hält? Schreiben Sie sie uns für die nächste Nummer, in der wir solche ausdrucksstarken ,farbigen Redewendungen abdrucken wollen, auch den Lesern unserer Zeitung "zu Nutz und Frommen", zu "Ohr- und Augenweide". Josef Haltrich leitet seine Sammlung von Sprichwörtern mit folgendem
Vorwort ein: Er hält sich nicht auf mit unnützen Fragen, weil er nicht leeres Stroh dreschen will, und nimmt den Mund nicht zu voll,weil ihm Zank und Hader ein Greuel sind; er ist kein Duckmäuser und Grießgram,kein Schmeichler und Heuchler.Er redet, wie es ihm um die Leber ist, nimmt nur,wenn es sein muß, ein Blatt vor den Mund, spinnt nicht alleweg Seide, es muß "auch grob Garn mit unterlaufen". Wohl tragen die meisten der Sprichwörter, Rätsel und formalhaften Redensarten einen heitern und humoristischen-satirischen, manche auch einen eckigen und derben Zug im Gesichte und sind darum nicht überall wohlgelittene Gäste. Nur der Bauer braucht sie noch ohne langes Bedenken, wie sie eben kommen; und das ist es, was seine Rede farbenfrisch, anschaulich und kräftig , was sie poetisch macht. Und gerade daran gebrichts unserer sogenannten gebildeten Rede gar sehr. Die siebenbürgisch-sächsische Volkssprache, gleichsam ein weit abgelegener Gebirgsquell, ist reich an sinnlich-konkreten Ausdrücken und lebendigen, schlagenden Gleichnissen. Vielleicht geben auch die nachfolgenden Proben davon Zeugnis. Proben sind es und nicht mehr. Gegenüber der unendlichen Fülle
von Sprichwörtern, Rätseln, Umschreibungen und Vergleichungen,
die unser Sächsisch besitzt, ist das , was unsere Sammlung enthält,
nur wie ein Tropfen aus dem Meer geschöpft. Sprichwörter: En licht Ackes verleist em net. Wi än de Wedde sätzt, ka leicht Flure schnedden. Wi sälwest ugreift, hot et än Hanjden Aus dem Heangd macht em nichen Baflisch. In Kro päckt der andern net de Ujen eraus, Kleach schwejjen äs schwerer wä kleach rieden. Vill Diles-schmol Erwes Tschorrelt et net, esi treppt et doch N o m Ren breocht em nichen Mankel Wi det Gläck hot, dem felnen un de Giß. Wat spätz ufet, hirt ståmpich af. E jed Sack fanjt senje Banjdel, E jed Däppchen fanjt senj Dakelchen Ald Scheire brän um ärjsten Der Wonn uch de Hat worn zwin licht Komeraden. Kro bä Kro - Po bä Po! Lire meß em än der Fremd. Kreokt fällt de Heokt. Um Owend blähn de Kerbes. Wi schmiert - di fiert. Hans Orendi (Mülheim a.d.Ruhr) |