Hans Wolfram Theil
Nachruf

Hans Wolfram Theil
Im Alter von 82 Jahren ist Architekt Hans Wolfram Theil am 8.2.2003 in
Gröbenzell bei München gestorben.
Geboren in Schäßburg 1921, Absolvent des Bischof-Teutsch- Gymnasiums
in Schäßburg, studierte er nach dreijährigem Kriegseinsatz
an den technischen Hochschulen in München und Stuttgart Architektur.
1946 mit dem Diplom der TH Stuttgart ausgestattet, blieb er bis 1953 wissenschaftlicher
Assistent am Lehrstuhl für Hochbaukunde dieser Institution.
Über 32 Jahre betrieb Theil dann in der Landeshauptstadt sein eigenes
Architektur-Büro, plante und erbaute rund 50 öffentliche Bauwerke
wie Sporthallen, Schulen, Gemeindehäuser, Kirchen und Altenheime.
Sein unter den Sachsen bekanntestes Bauwerk ist die Gedenkstätte
an die im Krieg gefallenen sächsischen Saldaten und in der Deportation
verstorbenen Zivilisten, die 1967 auf der alten Promenade in Dinkelsbühl
errichtet wurde. Die Gedenkstätte wurde zum Wallfahrtsort des Sachsentums
an jedem Pfingstsonntag in Dinkelsbühl.
Betrachtet man sein vielfach geehrtes Lebenswerk und versucht, nunmehr
einen abschließenden Bogen zu schlagen, ist die Frage erlaubt, inwieweit
der Anblick der Silhouette unserer Heimatstadt aus der Perspektive des
Theilischen Anwesens auf dem Knopf die junge Seele geprägt hat, wo
rührt sein Interesse für Gemeinschaftsbauten und Gemeinschaftssinn
sonst her?
Hinzu kommt aber dann mit Sicherheit das Erbe in vierter Generation. Man
wird unweigerlich an die Zeilen erinnert "Was Du ererbt von Deinen
Vätern, erwirb es, um es zu besitzen"... Bei unterschiedlichen
Berufen blieb auch er der literarischen Arbeit verbunden.
Wolfram Theil hat seiner Vaterstadt auch in der Ferne die Treue gehalten,
er war mit Leib und Seele Schäßburger, er war bis in die kleinsten
Einzelheiten mit Geschichte, Landschaft, Land und Leuten verbunden.
Mit Freude, Leidenschaft und viel Initiative widmete er sich, trotz seines
fortgeschrittenen Alters, den neuen Aufgaben in der Heimatortsgemeinschaft.
Seinen Ratschlägen ließ er immer wieder auch die Tat folgen
und wirkte bis zur letzten möglichen Stunde mit.
Sein sachliches Grundwissen verbunden mit einem herzhaften Mutterwitz
flößte überall Respekt ein, sein Umgang mit dem einfachen
bis zum komplizierten Gegenüber war gekonnt, meisterhaft und meistens
mit Erfolg gekrönt.
Unserem Kulturerbe in Schäßburg war er besonders verbunden
und sichtlich bemüht, diesem wieder den verdienten Stellenwert zukommen
zu lassen.
Schon als Schüler der Bergschule setzte er seine künstlerischen
Fähigkeiten in den Dienst der Gemeinschaft, er modellierte den Gründer
des Museums "Alt Schäßburg" Dr. Josef Bacon. Die
Büste schmückte über Jahre hinweg den Treppenaufgang im
Stundturmmuseum, bis die neuen Machthaber sie 1950 verschwinden ließen.
Heute schmückt die Büste Dr. Bacons wieder dieses ehrwürdige
Museum.
Die Würdigung Hermann Oberths, des "Vaters der Raumfahrt",
stand in seiner Vaterstadt im Mai 1994 an. Die von Wolfram Theil modellierte
Oberthbüste, Objekt der Wanderausstellung der Landsmannschaft der
Siebenbürger Sachsen, brachten wir als Geschenk dem Stadtrat nach
Schäßburg. Hier richteten wir die Oberthstube im Stundturmmuseum
ein und organisierten gemeinsam mit dem Stadtrat zum 100-ten Geburtstag
von Hermann Oberth auf dem Marktplatz in Schäßburg, der heute
seinen Namen trägt, die Gedenkfeier.
Der Stadtrat, besonders Bürgermeister Stefanescu, blieben von Wolframs
sachkundiger und geradliniger Haltung beeindruckt, seine Vorschläge
und Anregungen wurden ohne zu zögern in die Tat umgesetzt.
So kam es, dass Wolfram auch im Arbeitskreis für unser Heimatbuch
"Schäßburg, Bild einer siebenbürgischen Stadt"
zur Schlüsselfigur wurde, seine technische wie künstlerische
Erfahrung einbrachte und wesentlich zum Inhalt und der Gestaltung des
Buches beitrug.
Seine unnachahmliche Fähigkeit bestand darin, uns - die folgende
Generation - mit nachempfindbaren Hinweisen auf historische Zusammenhänge
aufmerksam zu machen.
Zu seinem Abschied zitierten wir die Worte des indischen Dichters, Philosophen,
Musikers und Zeichners Rabindranath Tagore: "Leuchtende Tage; nicht
weinen, weil sie vorüber, sondern lächeln, dass sie gewesen."
Wir Schäßburger, die Heimatortsgemeinschaft der Schäßburger
werden ihn als guten Kameraden und Weggefährten in bester Erinnerung
behalten.
Walter Lingner (Düsseldorf)

Letztes Update: 2003-08-01
- Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de
/ http://www.schaessburg-net.de
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