Aus dem Wochenblatt
"Jurnalul Sighisoara Reporter"
(Anfang Februar bis Ende Mai)
Die Schäßburger Leser finden, nachdem das Projekt "Dracula"
Gott sei Dank im Papierkorb gelandet ist, ein anderes Schlagwort in ihrer
Zeitung: "Lokalagenda 21". "Agenda 21" heißt ein
von der UNO unterstützter Arbeitsplan für das 21. Jahrhundert,
der von der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung
im Jahre 1992 in Rio de Janeiro initiiert wurde. "Lokalagenda"
ist, wie das Wort schon sagt, die auf einen Ort bezogene Agenda. Es ist
vorgesehen, Ideen zu sammeln und in ein Programm einzubringen, das eine
nachhaltige Entwicklung der betreffenden Stadt in diesem Jahrhundert gewährleistet.
Schäßburg gehört zu zehn Städten in Rumänien,
in denen in diesem Jahr die zweite Etappe des UNO-Programms "Agenda
21" verwirklicht wird. Dass unsere Stadt auf diese Liste gesetzt wurde,
ist in erster Linie der regierungsunabhängigen Organisation "Mihai
- Eminescu-Trust" in Großbritannien und ihrer Gründerin
und Direktorin, Frau Jessica Douglas - Home, zu verdanken, wie aus einem
Interview in der Zeitung, Ausgabe Nr. 269, hervorgeht. Sie verband mit dem
Vorschlag eine Spende von 30000 US-Dollar, eine Summe, die für den
Start der "Agenda 21" in Schäßburg zur Verfügung
steht. Das Ziel lautet: Von der jetzigen Industriestadt zurück zu einem
bedeutenden Touristik-, Kultur- und Schulzentrum.
(Die Nummern in den Klammern bedeuten die jeweilige Folge der Zeitung "JS".)
"Agenda 21"-Koordinierungskomitee gegründet
Am 14. April ist in Schäßburg das lokale Koordinierungskomitee
der "Lokalagenda 21" gegründet worden. Dem Komitee gehören
24 Personen an, Vertreter der Stadtverwaltung sowie einiger wichtiger
Firmen und Organisationen bzw. Vereine, denen das Schicksal der Stadt
sehr am Herzen liegt. Bei der Gründungssitzung anwesend waren auch
Herr Christensen, Delegierter der Organisation "Trans-Forma"
aus den Niederlanden, und Frau Jessica Douglas-Home. Am 16. April wurden
die Arbeitsgruppen gebildet: für Wirtschaft, Gesellschaft, Umwelt,
Baudenkmäler - Tourismus. Da nicht alle eingeladenen Personen erschienen
waren, konnte die Zusammensetzung der Gruppen nicht abgeschlossen werden.
Das Koordinierungskomitee der "Lokalagenda 21" Schäßburg
soll innerhalb eines Jahres Vorschläge aus der Bevölkerung zur
allseitigen nachhaltigen Entwicklung der Stadt sammeln und aufgrund dieser
Vorschläge ein Programm ausarbeiten. Wenn ein Programm vorhanden
ist, geht es darum, Projekte auszuarbeiten und Investoren dafür zu
begeistern. (Nr. 273, 279)
Ehrenplakette der EU
Die Europäische Kommission in Brüssel hat Schäßburg
mit der "Ehrenplakette" ausgezeichnet. Den Beschluss teilte
Frau Johanna Schicker seitens des zuständigen Kommissars der Stadt
am 3. April per Fax mit. Schäßburg ist von der EU bereits zweimal
ausgezeichnet worden: 1998 mit dem "Ehrendiplom" und 1999 mit
der "Ehrenflagge". Mit der jetzigen Auszeichnung befindet sich
Schäßburg nur noch einen kleinen Schritt von der Verleihung
der größten Auszeichnung der EU, des "Europa-Preises",
entfernt. Der Stadtrat hatte den Antrag auf einen Preis bei der EU mit
einer langen Erfolgsliste auf dem Gebiete seiner internationalen Beziehungen
begründen können. (Nr. 279)
Marathon Mediasch - Schäßburg
Am 19. und 20. April fand zum ersten Mal der "Siebenbürgische
Marathon" statt. Dieser internationale Wettkampf wird von den Städten
Mediasch und Schäßburg sowie dem Demokratischen Forum der Deutschen
organisiert. Die Teilnehmer kamen aus Deutschland, Ungarn und Rumänien.
Am kleinen Marathon (4,2195 km) in Mediasch nahmen 154 Läufer teil,
am 10-Kilometer-Lauf, ebenfalls in Mediasch, nur noch 59 und am eigentlichen
Marathon (42,195 km) auf der Strecke Mediasch - Schäßburg beteiligten
sich bloß 48 Sportler. Trotzdem wurde die Veranstaltung als Erfolg
gewertet. (Nr. 280)
Hoher Besuch
Der ungarische Außenminister Laszlo Kovacs und Vertreter der ungarischen
Botschaft in Bukarest besuchten am 15. März Schäßburg
und legten am Denkmal des ungarischen Dichters Sandor Petöfi einen
Kranz nieder. Der Besuch kam überraschend, er war nicht angemeldet
gewesen, die hohen Gäste wurden weder von rumänischen offiziellen
Persönlichkeiten aus Bukarest noch von Vertretern des Stadtrates
begleitet. Der Minister, der zu Feierlichkeiten in Neumarkt eingeladen
worden war, hatte dort den Wunsch geäußert, Weißkirch
und Schäßburg, wo der große ungarische Nationaldichter
1849 seinen Tod gefunden hat, zu besuchen. (Nr. 275, 277)
Gäste aus Kroatien
Eine Parlamentsdelegation aus Kroatien unter der Führung des stellvertretenden
Parlamentsvorsitzenden besuchte Ende März Schäßburg. Die
Gäste äußerten sich begeistert über die mittelalterliche
Burg - sie besuchten u. a. das Museum im Stundturm und das Haus mit dem
Hirschgeweih - und sprachen dem Bürgermeister ihren Wunsch aus, dass
eine alte kroatische Stadt und Schäßburg eine Partnerschaft
schließen mögen. (Nr. 277)
Nur noch teure Medikamente
Personen mit kleinem Einkommen konnten Anfang April nur in der Apotheke
"Aesculap" vom Arzt verordnete Arzneimittel mit Ermäßigung
oder gratis kaufen. Alle anderen Apotheken weigerten sich, Medikamente
auf so genannte "retete compensate si gratuite" auszufolgen;
sie verkauften Medikamente nur zu ihrem vollen Preis. Der Grund: Die gesetzliche
Krankenversicherung schuldete den Apotheken riesige Summen für aufgrund
solcher Rezepte im vergangenen Jahr ausgefolgte Medikamente. Der Apotheke
"Rubin" z. B. wurde das Geld für Medikamente, die sie im
Februar 2002 an Patienten abgegeben hatte, erst im Januar d. J. überwiesen.
Die Summen für den Anteil am Preis der Arzneimittel, den die gesetzliche
Krankenversicherung trägt, sind viel zu knapp bemessen. Apotheker
Ladislaus Veres: "Wenn ich in einem Monat nur drei Rezepte für
teure Medikamente - ein Rezept darf bis zu 1 800 000 Lei kosten - bekomme,
habe ich damit die mir für einen ganzen Monat zur Verfügung
gestellte Summe erreicht." (Nr. 278)
Schäßburger Persönlichkeiten
In der Rubrik "Schäßburger Persönlichkeiten"
stellte die Zeitung in diesem Jahr folgende sächsische Persönlichkeiten
vor: Martin Gottlieb Schech (Csech) von Sternheim (1724-1807), Friedrich
Teutsch (1852-1933), Heinrich Höhr (1875-1949), Franz Friedrich Fronius
(1829-1868), Johannes Kelp (1668-1708), Karl Petri (1842-1932). Es werden
jeweils biographische Angaben gemacht und die Leistungen aufgezählt.
Schade, dass manchmal Fehler stehen bleiben: Fornius statt Fronius, Strenheim
statt Sternheim ... In ihrer Ausgabe Nr. 269 veröffentlichte die
Zeitung einen längeren Beitrag von Helmut Fabini über die Schäßburger
Künstlerin Betty Schuller (1860-1904) in der Übersetzung von
Mihai Dragomirescu.
Verschmutzung der Großen Kokel
Die Reinheit bzw. die Verschmutzung der Großen Kokel wird seit kurzem
im Stadtbereich, u. zw. vom Wasserwerk bis zur Kläranlage, regelmäßig
gemessen. Die Arzneimittelfirma "Schering" unterstützt
diese Aktion, indem sie die benötigten Reagenzien zur Verfügung
stellt. Zurzeit ist der Fluss stark verschmutzt und das Baden in ihm müsste
verboten werden. (Nr. 274)
Wissenschaftliche Tagung
Im Barocksaal des Komitatsgebäudes fand am 7. und 8. März die
zweite wissenschaftliche Tagung zum Thema "Mircea Eliade und sein
Werk" statt. Der Veranstalter war das Lyzeum, das seinen Namen trägt.
Auf dem Programm standen 20 Mitteilungen von Schülern und 11 von
Hochschulprofessoren und Gymnasiallehrern aus Klausenburg, Neumarkt, Hermannstadt,
Schäßburg ... (Nr. 271, 273)
20 Jahre Skilift
Ende Februar erfüllten sich 20 Jahre seit dem Bau des Skilifts auf
dem Schaaser Feld. Die Zeitung erinnert an die vorbildliche Leistung einiger
sportbegeisterter Schäßburger, die im Winter 1982/1983 mit
Hilfe von Betrieben, vor allem der Fabrik Nicovala, den Skilift gebaut
hatten. (Nr. 273)
Neue Straßennamen
An der Weißkircher Straße, zwischen Feuerwehr und "Nicovala",
sind schmucke Wohnhäuser entstanden, in die am Anfang des Jahres
64 junge Familien eingezogen sind. Außerdem wurden hier ein Postamt,
eine Kapelle und zwei Tankstellen errichtet. Eine neue Straße in
dem einst ironisch "Kongo" genannten Stadtviertel wurde nach
dem bedeutenden Schäßburger Drucker und Verleger Miron Neagu
benannt. Eine neue Straße an der Ausfallstraße in Richtung
Mediasch wurde "Nucilor" getauft. (Nr. 272)
Dreisprachige Ortstafeln
Der Stadtrat hat Ende Februar beschlossen, die rumänischen Ortstafeln
an den Einfahrten in die Stadt durch dreisprachige zu ersetzen. Auf den
Ortstafeln stehen nun die drei geschichtlichen Namen der Stadt: Sighisoara,
Schäßburg, Segesvar. (Nr. 272)
"Beautiful Romania"
Schönes Rumänien - so heißt ein Programm des rumänischen
Kultusministeriums in Zusammenarbeit mit "United Nation Development
Program" und anderen rumänischen Ministerien, welches das Ziel
verfolgt, alte, historische Stadtteile zu rehabilitieren. Auf der Liste
der Städte, an die dabei gedacht wird, befindet sich auch Schäßburg.
Einerseits sollen die Ausbildung und Fortbildung von Fachleuten, Restauratoren,
gefördert, andererseits die gesetzlichen Rahmenbedingungen für
den Erhalt der historischen Stadtkerne geschaffen werden. Es wird ein
Geldfonds angelegt, aus dem dringende Restaurierungsarbeiten finanziell
unterstützt werden sollen. Die EU hat für dieses Projekt 13
Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt. (Nr. 272)
Taubenzuchtverein gegründet
Anfang Februar ist ein Taubenzuchtverein gegründet worden; Vereinsvorsitzender
ist Imre Simo. In der kürzlich stattgefundenen 74. Ausstellung des
Kleintierzuchtvereins Schäßburg, dem auch die Taubenzüchter
angehörten, nahmen diese auch noch teil. In der Ausstellung im Stadthaus
wurden 224 Rassenhühner, 8 Fasane und 34 Tauben und exotische Vögel
von Züchtern aus Mediasch und Schäßburg gezeigt. Einige
Rassenhühner und auch Eier von Rassenhühnern wurden zum Kauf
angeboten; die Preise: für Rassenhühner bis zu 2,5 Millionen
Lei, für ein Ei 30 000 bis 50 000 Lei. (Nr. 271)
Dritter Dracula-Kongress in Schäßburg
Vom 15. bis zum 18. Mai hat in Schäßburg der dritte internationale
Kongress zum Thema "Dracula" stattgefunden. Organisiert wurde
er von der "Siebenbürgischen Gesellschaft Dracula", die
auch die zwei vorangegangenen Kongresse 1995 und 1999 ausgerichtet hatte.
Die Teilnehmer, kompetente Wissenschaftler und Universitätsprofessoren
aus England, Kanada, Japan, Italien, den USA und Rumänien, versuchen
historische Tatsachen von Legenden um den walachischen Fürsten Vlad
Dracul und von der Romanfigur von Bram Stocker auseinander zu halten und
zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. (Nr. 285)
Einwohnerzahl zurückgegangen
Die Ergebnisse der Volkszählung 2002 wurden jetzt veröffentlicht.
Die Bevölkerung Rumäniens ist in zehn Jahren um 4,9% zurückgegangen
und beträgt 21 698 181 Einwohner; davon sind 89,5% Rumänen,
6,6% Ungarn, nur noch 0,3% (d. s. 60 088) Deutsche ... Schäßburg
hat 32 287 Einwohner (1992 waren es 36 170), davon sind 76,1% Rumänen,
18,3% Ungarn, 3,6% Romi und 1,9% (d. s. 613) Deutsche. (Nr. 284)
"Vier Pfoten" in Aktion
Mitte Mai wurden in Schäßburg herrenlose Hunde eingefangen,
gegen Parasiten behandelt, sterilisiert, registriert und dann wieder ausgesetzt.
Die Aktion unternahm der Tierschutzverein "Vier Pfoten" zusammen
mit dem Stadtrat. (Nr. 284)
Zwei Seiten über die Heldentat des Otto Lurtz
Unter dem Titel "Es war der 13. Mai ..." erinnerte die Zeitung
auf zwei Seiten an die Überschwemmung von 1970 und die Rettungsaktion
Otto Lurtz'. Der hatte damals mit seinem Kahn viele Menschen aus ihren
im Hochwasser stehenden Häusern gerettet, während sein Haus
mit seinem Vater vom Hochwasser weggeschwemmt wurde. Weil er nicht Parteimitglied
war und es auch nicht werden wollte, blieb ihm eine seinem gefährlichen
Einsatz angemessene Auszeichnung versagt. Otto Lurtz ist heute 67 und
wohnt in seinem von ihm selbst gebauten Häuschen in Schäßburg.
(Nr. 283)
Großes Reinemachen auf dem Bergfriedhof
Am 10. Mai fand im Bergfriedhof ein großes Saubermachen statt: Drei
Stunden lang waren Jugendliche mit Gartengeräten und Körben
dabei, Sträucher zu beschneiden, Unkraut auf den Wegen zu entfernen,
von Touristen "vergessenen" Unrat einzusammeln ... Die Aktion
"Für ein sauberes Schäßburg" hatte das interethnische
Jugendzentrum angeregt. Es beteiligten sich das Schäßburger
Jugendforum, der ungarische Verein "Apor Vilmos", der Verein
"Nachhaltiges Schäßburg" und die Stiftung "Veritas".
Zum Dank gab es am Nachmittag für die Beteiligten ein kleines Fest
mit Gegrilltem und Erfrischungsgetränken, die "Coca-Cola"
Schäßburg, San-Marco, die evangelische Kirche und das interethnische
Zentrum spendeten. (Nr. 283).
Redakteur der Rubrik:
Horst Breihofer (Nürnberg)

Letztes Update: 2003-08-01
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