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Anno Domini 1903 - 2
Das größte Ereignis
des Jahres: die Inbetriebnahme des städtischen Elektrizitäts-
und Wasserwerks
Aus den beiden Schäßburger
Zeitungen -
"Schäßburger Zeitung" und "Groß-Kokeler
Bote"
Juli bis Dezember 1903

Schäßburg hat schon vor 100 Jahren Eindruck
auf Fremde gemacht. "In Ermangelung eines Fremden-Bureaus" veröffentlichte
die "Schäßburger Zeitung" am 2. August 1903 einen
"Führer" durch die Stadt, eigentlich eine Liste von Sehenswürdigkeiten
und Ausflugsmöglichkeiten "im Interesse der erfreulicherweise
immer zahlreicher uns besuchenden Touristen und Sommerfrischler".
Unter "Sehenswürdigkeiten" stehen auf der Liste u. a.:
"Ev. Hauptkirche, auf der Burg, mit interessantem Altar aus dem Ende
des 17. Jahrhunderts und einem ehernen Taufbecken vom Jahre 1440. Ev.
Bergkirche, Schulberg, mit schönem goth. Sakramentshäuschen
aus dem 15. Jahrhundert." Es werden "lohnende Spaziergänge"
empfohlen, z. B.: "Schulberg. Dauer 40-50 Minuten. Burgpromenade.
Dauer 30 Minuten. Elisabethpark. Kleine engl. Parkanlage. Dauer 40-50
Minuten. Karpatenvereinswirtschaft Villa franka auf dem Siechenberg. Dauer
1-1? Stunden ..."
"Neues Bezirksgerichtsgebäude. Bei der am 2. d. M. hier im
Amtslokale des königl. Bezirksgerichts abgehaltenen Lizitation zur
Vergebung des in der Martin Eisenburger-Gasse (auf dem früher Peitschischen
und Phillippischen Baugrunde) aufzuführenden Baues des hiesigen neuen
Bezirksgerichtsgebäudes blieb als Ersteher die hies. Baufirma Brüder
Leonhardt, welche von dem Ausrufspreise von 110 839 Kronen 09 Heller einen
Preisnachlaß von 15,1 Perzent machte. Somit stellt sich die Bausumme
auf 94 102 Kronen 39 Heller. Dieser Neubau soll schon am 15. November
l. J. unter Dach gebracht und am 15. September 1904 fertiggestellt übergeben
werden ..."(Gr.-K- Bote, 5.7.1903)
"Ein neues Mineralbad in unserem Komitate. Am 1. Juni wurde ein neues
Salzbad von ausgezeichneter Heilkraft bei rheumatischen, Magen- und Atmungsorgan-Erkrankungen
unweit der Gemeinde Homorod eröffnet. Das neue Bad ist sehr nahe
an Reps und etwa 20 Minuten von der Homoroder Bahnstation entfernt."
(Gr.-K- Bote, 5.7.1903)

Das neue Bezirksgerichtsgebäude, 1903
- Archivbild
"Gemütlicher Abend. Der hiesige Musikverein veranstaltete am
29. v. M. abends im Sternsaale einen gemütlichen Abend für seine
Mitglieder und deren Angehörige. Nach Absingung einiger schöner
Lieder hielt Herr Bankdirektor Julius Balthes als Musikvereinsvorstand
an die Mitglieder eine längere gediegene Ansprache und hob die Verdienste
von 4 Mitgliedern des Vereins resp. deren Liedertafel für ihre seit
25 Jahren als Mitglieder geleisteten Dienste hervor und überreichte
denselben im Namen des Vereins das silberne Vereinszeichen (Lyra mit Bändchen
und Inschrift). Die Ausgezeichneten sind die Herren: Kassier Michael Gutt,
Cafetier und Conditor Eduard Martini sowie die beiden Buchdruckereibesitzer
Franz und Hugo Jördens." (Gr.-K- Bote, 5.7.1903)
Die siebenbürgisch-sächsischen Vereine pflegten enge Kontakte
zu einander. Der Mediascher Turnverein lud den "Schäßburger
Männer-Turnverein" zum Sommer-Schauturnen am 5. Juli ein. Die
Schäßburger Gäste (25 Turner und 17 Turnerinnen der Frauenabteilung)
wurden auf dem Bahnhof begrüßt. "Der Einzug erfolgte durch
die Stadt unter klingendem Spiel unserer Feuerwehrkapelle in die Turnhalle."
Die Zeitung lobte die Übungen der Schäßburgerinnen (Leitung
Prof. Unberath) und das Reckturnen der Schäßburger (Prof. Seraphin).
"Unfall. Am 17. d. M. morgens gegen 8 Uhr erfolgte hier in der Baiergasse
vor dem Mühsamschen Kaffeehaus ein recht bedauerlicher Unfall. Ein
junger Arbeiter, mit der Aushebung der Erde aus dem Graben für die
Rohrleitung der städtischen Wasserleitung beschäftigt, hatte
das Unglück, durch den Zusammensturz der Seitenwand des Grabens verschüttet
zu werden. Als man ihn unter der schweren Last der Erde befreite, waren
alle Wiederbelebungsversuche erfolglos; der Ärmste hatte derart schwere
innerliche Verletzungen erlitten, dass er mausetot blieb." (Gr.-
K. Bote, 19.7.1903)
"Aufruf. Die Schäßburger freiwillige Feuerwehr beabsichtigt,
im Vereine mit dem Jugendbund eine Musikkapelle zu gründen. Die Mitglieder
der Kapelle erhalten die Instrumente und den Unterricht unentgeltlich."
(Gr.- K. Bote, 19.7.1903)
"Ein schönes Fest - sein 25-jähriges Meisterjubiläum
- feierte am vorigen Sonntag unser Mitbürger Herr Josef Zielinski,
aus welchem Anlaß derselbe eine große Anzahl Freunde und Gönner
auf sein Wirtschaftsgut Vogelgesang' (im Wolkendorfer Grund) eingeladen
hatte. Auf einem herrlich gelegenen Plateau am Rande des schönen
Buchenwaldes waren für die vollzählig erschienenen Gäste
auf mehreren Buffets die verschiedenartigsten Erfrischungen bereitgestellt
und reichlich für Speise und Trank Sorge getragen" (Schbg. Z.,
26.7.1903)
"Schadenfeuer. Am vergangenen Sonntag, abends gegen 7 Uhr, brach
auf dem Anwesen Schaasergasse Nr. 27 Feuer aus, dem der dort befindliche
Heuschopfen zum Opfer fiel. Den Nachbarn im Verein mit der rasch herbeigeeilten
Feuerwehr gelang es, den Brand binnen kurzer Zeit zu lokalisieren."
(Schbg. Z., 26.7.1903)
In der Presbyteriumssitzung vom 22. Juli 1903 wurde die Einführung
des elektrischen Lichts in die evangelischen Schulgebäude besprochen.
Außerdem: "Zeichenlehrer Ludwig Schuller, welcher 46 Jahre
im Schuldienst gestanden und 78 Jahre alt ist, hat sein Pensionierungsgesuch
eingereicht. Das Presbyterium beschließt, seinem Gesuch zu willfahren
und ihm vom 1. September l. J. an den Ruhegehalt mit circa 1200 Kronen
auszuzahlen." (Gr.- K. Bote, 26.7.1903)
Die Bauarbeiten am Elektrizitäts- und Wasserwerk, über welche
die beiden Schäßburger Zeitungen laufend berichteten, standen
Anfang August 1903 kurz vor dem Abschluss. Das von den Brüdern Letz
errichtete "Gebäude der elektrischen Centrale ist bis auf wenige
Arbeiten nahezu vollendet", heißt es in der "Schäßburger
Zeitung" vom 9. August 1903. "... täglich treffen neue
Maschinenteile ein, die von fachkundigen Händen mit unglaublicher
Schnelligkeit zusammengefügt werden."

Elektrizitätswerk Mühlenkanal mit neuer Brücke.
- Archivbild
"Vom Ertrinkungstod gerettet. Am 31. v. M. nachmittags badete im
Kokelflusse ein etwa 18-jähriger Arbeiterbursche, der, des Schwimmens
unkundig, an eine tiefe Stelle geriet und von den strömenden Wogen
erfasst und verschlungen wurde. Der hiesige Schuhmacher Franz Haleksy,
dem alle Anerkennung gebührt, sprang beherzt dem Ertrinkenden nach
und es gelang ihm, denselben zu retten." (Gr.- K. Bote, 9.8.1903)
"Unsere Parkanlagen, besonders den Elisabethpark, empfehlen wir
dem Schutze und der größeren Aufmerksamkeit seitens unserer
Polizei, denn nicht nur Kinder, sondern häufig auch Erwachsene laufen
mitten über die gepflegten Rasenanlagen und schönen Blumenbeete
oder lagern sich sogar bequem auf dieselben, letzteres wahrscheinlich
wohl in Ermangelung von Bänken." (Gr.- K. Bote, 16.8.1903)
"Romänische Abendunterhaltung. Das Arrangierungskomitee der
hiesigen romänischen Intelligenz veranstaltete am 29. d. M. abends
im Sternsaale einen Unterhaltungsabend mit Tanz zu wohltätigen Zwecken."
(Gr.- K. Bote, 30.8.1903)
"Die Errichtung einer Lehrerinnen-Bildungsanstalt der Landeskirche
in Schäßburg ist vom Landeskonsistorium beschlossen worden.
Nach der, der nächsten Landeskirchenversammlung diesfalls zu unterbreitenden
Vorlage soll die Anstalt vorläufig dreiklassig sein, eine Übungsschule
haben und womöglich mit dem II. Semester des Schuljahres 1903/1904
eröffnet werden." (Gr.- K. Bote, 6.9.1903)

Evangelisches Lehrerinnenseminar um 1903. - Archivbild
"Edison-Theater. Sonntag, den 6. d. M. abends 8 Uhr wird Professor
M. Benkö im Saale des Hotel Stern seine weltberühmten Vorstellungen
mit seinem durch elektrische Maschinen funktionierenden elektrischen Theater
geben. Den ersten Teil bildet die Vorführung des Kunstmenschen, die
neueste Erfindung Edisons. Eine männliche Puppe wird auf die Bühne
gesetzt und spricht, rechnet, schreibt und musiziert selbständig.
Es folgt eine weitere Beschreibung mit vielen technischen Ausdrücken.
(Gr.- K. Bote, 6.9.1903)
Absolvententreffen gab es schon vor 100 Jahren. Der "Groß
- Kokler Bote" berichtete über ein 50-jähriges Abiturientenjubiläum:
"Am 6. d. M. hielten hier zur Erinnerung ihrer im Jahre 1853 mit
Auszeichnung bestandenen Maturitätsprüfung die nachfolgenden
sechs Abiturienten aus jener Zeit eine sehr schöne und erhebende
Feier in dem Haus des Großkaufmanns J. P Misselbacher sen. Es waren
die Herren Jubilare Joh. Bapt. Misselbacher sen., Pfarrert Georg Schuller,
Trappold, Kreisarzt Dr. Heinrich Müller, Reps, emerit. Pfarrer Karl
Heinrich Binder, Streitfort, Advokat Dr. Wilhelm Bruckner, Hermannstadt,
und Kassier Julius Knall, Hermannstadt." (Gr.- K. Bote, 13.9.1903)
In der "Stadtvertretungssitzung" vom 19. September 1903 standen
u. a. einige Fragen im Zusammenhang mit dem Elektrizitäts- und Wasserwerk
auf der Tagesordnung. Zum Betriebsleiter des Elektrizitätswerks wurde
"unter 10 Bewerbern Herr Karl Fabritius akklamiert; zum Kontrollor
wurde Herr Bernh. Melzer mit Majorität (42 Stimmen) gewählt;
um diese Stelle hatten sich 43 Kompetenten beworben. Der Maschinist wird
in den nächsten Tagen ernannt von der Baukommission - es sind 44
Bewerber hierauf". (Gr.- K. Bote, 29.9.1903)
"Die neue Brücke über den Mühlenkanal unterhalb dem
neuen und schönen Zentralgebäude für das Elektrizitätswerk,
in der Breite von 15 Meter und 7 Meter Weite (Länge) mit vollständiger
Betonwölbung ist fertig. Die Fuhrwerke fahren schon seit acht Tagen
darüber. Seit Ende Juni d. J. wurde daran in städt. Regie unter
Leitung unseres unermüdlichen, tüchtigen Stadtingenieuren Gottfried
Orendi gebaut." (Gr.- K. Bote, 20.9.1903)
"Die Landes-Hopfenausstellung in Schäßburg. Am 17. d.
M. wurde die von der Schäßburger Hopfenbaugenossenschaft mit
Unterstützung des Ackerbauministeriums auf dem hies. Bahnhofe der
Schäßburg-Agnethler Vicinalbahn erbaute Hopfenhalle in Anwesenheit
eines zahlreichen Publikums eröffnet. Diese zwei Stockwerke umfassende
Halle dient in erster Reihe als Lagerhaus für die Erzeugnisse kleiner
Hopfenproduzenten und dem an jedem Donnerstag daselbst abzuhaltenden Hopfenmarkte."
Der Präses der Genossenschaft, Obergespan Ladislaus Beldi, übergab
die Halle ihrer Bestimmung und eröffnete gleichzeitig die Landes-Hopfenausstellung,
"zu der nicht nur aus Schäßburg, sondern auch aus weiter
Ferne insgesamt 120 Hopfenmuster eingesandt worden waren. Von den zur
Vertheilung gelangten Prämien erhielt den ersten Preis, die goldene
Medaille, der Schäßburger Hopfengroßproduzent Karl Frank
..." (Schbg. Z., 27.9.1903)
"Die Weinlese-Ordnung ist in nachstehender Weise festgesetzt worden:
1. Freitag, den 16. Oktober Weinlese am Hennepäcker, Wiesenberg,
Kulterberg, im Fuchsloch und am Kalbertritt;
2. Sonnabend, den 17. Oktober Weinlese am Siechenberg;
3. Montag, den 19. Oktober Weinlese am Krähenberg, im Repploch und
am Reißgebirge;
4. Dienstag, den 20. Oktober Weinlese in allen Abteilungen der Wench bis
zur Hattertgrenze.
Die Nachlese (das sogenannte Ohrnen) seitens Anderer als der Eigentümer
und deren Leute ist unter allen Umständen strengstens verboten."
(Schbg. Z., 11.10.1906)
"Diamantene Hochzeit. Am 27. Sept. d. J. haben hier Herr Daniel
Zimmermann senior und dessen Ehegattin Frau Maria Zimmermann, geb. Henning
im Kreise ihrer Kinder die Feier ihres 60-jährigen Ehebundes begangen."
(Gr.- K. Bote, 18.10.1903)
Das städtische Elektrizitäts- und Wasserwerk wurde Ende Oktober
(am 24. ?) in Betrieb genommen. Aus diesem Anlass fanden besondere Festlichkeiten
statt, an denen die ganze Einwohnerschaft Schäßburgs teilnahm.
Das vom "Festausschuss ausgegebene Programm" sah folgendes vor:
"Vormittag, 11 Uhr Festsitzung der Stadtvertretung im Stadthaussaal;
Nachmittag 4 Uhr feierliche Übergabe, Eröffnung und Besichtigung
der Werke durch die Mitglieder der Stadtvertretung und die geladenen Gäste;
abends 6 Uhr Platzmusik auf dem Marktplatz bei festlicher Beleuchtung,
ausgeführt von der Musikkapelle des k. u. k. Inftr.-Reg. Nr. 2 aus
Hermannstadt ...; abends 7 Uhr Festtafel im Stadthaussaale ... Wie wir
hören, wird der Stadthaus-Saal aus diesem Anlasse besonders beleuchtet
und schön geschmückt sein. Den Marktplatz wird ein färbig
beleuchteter Springbrunnen (Fontaine lumineuse) zieren, dessen Hauptstrahl
eine Höhe von 15-20 Meter erreichen soll. Eine reiche Anzahl von
hiesigen und auswärtigen Ehrengästen wird dem Feste eine besondere,
seiner großen Bedeutung für unsere Stadt würdige Weihe
geben, die in der allgemeinen Teilnahme unserer Bevölkerung, wie
wir hoffen, den rechten Untergrund finden wird. Der große Tag soll
uns alle in Freude und Stolz über das einmütig Geschaffene vereint
finden!" (Schbg. Z., 18.10.1906)
"Todesfall Boiu. Am 6. d. M. ist in Hermannstadt der griech. - orient.
Konsistorialrat Zacharias Boiu, einer der angesehensten Würdenträger
des Hermannstädter gr .- orient. Metropoliten-Konsistoriums, nach
kurzem Leiden im Alter von 70 Jahren gestorben. Der Verstorbene war Mitglied
der rumänischen Akademie in Bukarest, 1. Sekretär der Asociatiunea,
und erfreute sich allgemeiner Hochachtung in den Kreisen der Stadt Hermannstadt
ohne Unterschied der Nationalität und Konfession. - Herr Zach. Boiu,
ein Schäßburger, ist der Sohn des hier vor etwa 20 Jahren verstorbenen
gr.-orient. Stadtpfarrers und Dechant Zacharias Boiu und Schwager des
hiesigen grich.-orient. Dechant - Stadtpfarrer Demeter Moldovan."
(Gr.-K. Bote, 8.11.1906)
"Herbstjahrmarkt. Am 4. d. M. wurde hier der Herbstjahrmarkt abgehalten.
Er hatte einen überaus großen Zuzug von fremden Verkäufern
und Käufern. Viele Gewerbetreibende dürften mit dem Umsatz ihrer
Waren befriedigt gewesen sein, besonders Tischler- und andere Waren gingen
reißend auf." (Gr.- K. Bote, 8.11.1903)
"Frauenvereins-Abend. Verflossenen Sonntag begann der hiesige evang.
Frauenverein mit seinen üblichen und gerne besuchten Theaterabenden
... Das Lustspiel Der letzte Brief' amüsierte das Publikum
nicht wenig; die feine Darstellungsweise einzelner unserer erprobten Dilletanten,
besonders Fräulein Marie Höhr und Herr Erich Müller, nötigten
des Öfteren zu reichlichem Beifall." (Gr.- K. Bote, 15.11.1903)
"Neue Rechtschreibung. Das Landeskonsistorium hat in seiner Sitzung
vom 15. November l. J. die Einführung einer neuen Orthographie an
den Schulen der Landeskirche nach den für Deutschland, Österreich
und die Schweiz gültigen neuen Regeln beschlossen und als eines der
brauchbaren Lexika hiezu das orthographische Wörterverzeichnis der
deutschen Sprache von Dr. Conrad Duden ... empfohlen." (Schbg. Z.,
29.11.1903)

"Musuikvereins - Konzert. Das erste statutenmäßige Konzert
des hiesigen Musikvereins fand am 1. d. M. im Stadthaussaale unter der
bewährten Leitung des Musikdirektors G. Fleischer statt ... Der Frauenchor
erfreute sich durch seine Abendfeier in Venedig' der besonderen
Gunst des Publikums, das ihm lebhaften Beifall spendete. Das Beethovensche
Trio Nummer 3 wurde durch die Herren Bapt. Teutsch, Raupenstrauch und
G. Fleischer mit ihrer bekannten meisterhaften Feinheit gegeben. Herr
Professor Dr. Jakobi sang auch diesmal mit seiner angenehmen Baritonstimme
drei hübsche Lieder, die besonders wohlgefällig aufgenommen
wurden. Der Männerchor schloß mit dem Brahmsschen Hymnus An
die Sonne', dem verdienter Applaus folgte, das Konzert." (Gr.- K.
Bote, 6.12.1903)
"Theaterabend der vorstädt. Jugend. Sonntag, den 6. Dezember
d. J., veranstaltete die Vereinigung der hiesigen vorstädtischen
Jugend im Stadthaussaale einen Theaterabend. Derselbe wurde durch zwei
gemischte Chöre eingeleitet, die gut gefielen. Es folgte ein sächsisches
Volksstück':Det Versprechen hangderm Hierd', nach A. Baumanns
Singspiel ... Gespielt wurde recht flott, besonders Herr Johann Kinn als
Wirt zeigte eine entsprechende Auffassung seiner Rolle. Es folgte Der
Sälwergälden', sächsisches Volksstück in 2 Aufzügen
von Joh. Leonhardt, Pfarrer in Zeiden ... Über die Darstellung ist
auch hier nur Vorteilhaftes zu berichten, besonders Fräul. Katharina
Keul als Rosina zeigte ausgesprochenes Talent." (Gr.-K. Bote, 13.12.1903)
"Der neue Pavillon des Eislaufplatzes. Binnen wenigen Tagen ist
der neue Pavillon auf dem bedeutend vergrößerten Eislaufplatze
neben der Schwimmschule fertig. Den Plan hiezu hat Herr Architekt Hans
Letz, den Bau die hiesige p. t. Firma Gebrüder Letz in stattlicher
und schöner Weise ausgeführt. Der Bau ist stockhoch, hat unten
den Aufbewahrungsraum für die Kleider und Eisschuhe der Schlittschuhläufer,
oben den Raum für Zuseher und Musik. Bei günstigem Eiswetter
wird sich wohl der Pavillon in allen seinen Teilen als zu klein erweisen.
Glück auf dem Eislaufverein!" (Gr.- K. Bote, 20.12.1903)
In seiner letzten Ausgabe kündigte der "Groß - Kokler
Bote" zwei Veranstaltungen an: eine Weihnachtsaufführung des
Musikvereins für den zweiten Christtag und einen Silvester-Jugendbundabend
für den 31. Dezember. Auf der ersten Seite wurden drei Weihnachtsgedichte
abgedruckt. Eines soll hier zum Abschluss wiedergegeben werden: "Weihnachtsbaum
- Weihnachtsbaum!/Im kleinsten Raum/Schaffst Freude du und Friede!/Mit
deinen reichen Gaben/Willst du uns wieder laben,/Singt Lob ihm drum im
Liede./Weihnachtsbaum!/Kein bloßer Traum,/Der Menschheit Rettungsstunde!/Das
Alte ging verloren,/Heut ward uns Christ geboren!/Bringt aller Welt die
Kunde!/K. F." (Gr.- K. Bote, 25.12.1903)
Ausgewählt und zusammengestellt von:
Horst Breihofer (Nürnberg)

Letztes Update: 2004-01-18
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