HOG-Schäßburg / Siebenbürgen


Schäßburgs Baumgärten -

Folge 3

Wie es einst war…

Nach einer allgemeinen Beschreibung der Baumgärten(in "Schäßburger Nachrichten" 18/1.12.2002) erscheinen in Fortsetzung:
Erinnerungen und Erlebnisberichte in Wort und Bild in der Reihenfolge der Eingänge.
Hier die 3. Folge mit Beiträgen von: Hosemsloch und Fuchsloch (Dr. Rolf Schneider), Im Vogelsgesang (Liese Alexiu), Kulterberg (Gertrud Kestner), Wench, Kreuzberg, Scherkes (Richard Löw) und Santesfeld (Otto Rodamer).

Als Abschluss dieser Reihe werden die Beiträge: Rohrau (Kurt Leonhart), Lotzische Hülle (Liese Alexiu), Postland (Christian Pomarius), Musler (Horst Breihofer) und eine Abhandlung über die Pomologen Schäßburgs (Hedwig Deppner) in der Juni 2004 Ausgabe erscheinen.


Im Wolkendorfer Grund, das Hosemsloch und der Vogelgesang.


Das Hosemsloch unter dem Jungkernberg.


Im Hosemsloch und Fuchsloch

Erinnerungen von Dr. Rolf Schneider

"Uns're Fahrt in's Hosemsloch,
Wo Jeder frische Luft einsog,
In dem 83-Jahr,
Als die grosse Hitze war."
Motto:
Freiheit liebt das Tier der Wüste,
Frei im Aether herrscht der Zeus,
Selbst Menschen ziehet dies Gelüste,
In's Freie wenn die Tage heiss.
Frische Luft nun zu geniessen,
In den Grund uns niederliessen,
In das grüne Hosemsloch,
Wo Jeder frische Luft einsog.
Diesen Tag nicht zu vergessen
Halte ich für angemessen,
Unsere Fahrt mir zu notieren,
Dichterisch thu ich's probieren.
Dreispännig war unser Wagen
Die Inschrift that es ja auch sagen,
Mit Blumen war er selbst versehen.
Was gar nicht übel thäte stehen.
Doch gegen des Geschickes Mächten,
Ist kein ew'ger Bund zu flechten;
Denn das Unglück schreitet schnell,
Die Inschrift fiel von ihrer Stell.
Die Blumen thaten wir verlieren,
Die unsern Wagen eben zierten,
Dies that ein wenig uns doch kränken,
Was man sich ja am End kann denken.
Doch schlossen wir nicht unsern Mund,
Denn singend fuhren wir in den Grund,
Machten auch 'ne Fusspartie,
Zu erleichtern es dem Vieh.
Denn die Strasse stieg zu sehr,
Deshalb ging der Wagen schwer,
In dem Grund nun angekommen,
Ward sogleich die Axt genommen.
Grüne Reisig abgehauen,
Eine Laube zu erbauen;
Die Küche ward von uns bestritten,
Fleisch zum Braten schnell geschnitten.
Es währte eine gute Stund,
So speisten wir schon unsern Mund,
Bei Tisch liess man manch' Witze los,
Eine Rede hielt auch Adolf Gross.
Both Fritz öffnete auch den Mund,
Verglich viel einem tollen Hund,
Plötzlich fiel es Jedem ein,
Uns zu ergötzen in dem Hain.
O, wie göttlich anzusehen,
Von den dort'gen Rudolfshöhen,
Die Natur in ihrer Pracht,
Wie die Saat auf den Feldern lacht.
Unsern Schöpfer thät ich loben,
Könnt ich immer sein da oben,
Könnt es doch was Schön'res geben,
Als dort am Waldesrand zu leben.
Hier verblieben wir zwei Stunden,
Da erscholl aus unsern Munden,
Lasst uns hinunter gehen,
Nach der Küche wieder sehen.
Manch Küchenpein ward nun erlitten,
Ueberhaupt beim Backen der Kletitten,
Die Hitze war so furchtbar gross,
Dass der Schweiss den Köchen floss.
Wer von uns die Köche waren,
Kann von mir Niemand erfahren,
Es sind der Namen all zu viel,
Nach dem Essen ging's zum Spiel.
Unser Spielen, unser Treiben,
Alles kann ich nicht beschreiben,
Denn wir trieben allzuviel,
Tanzten auch denn Quadrill.
Wie die Damen man that kennen,
Einen will ich blos benennen,
Dieser aus dem Damenviertel,
Trug sogar auch einen Gürtel.
Wie sein Name? War's nur - Holla!
"Weiss schon, er hiess ja Karolla."
Uebten uns sogar im Springen,
Mancher wollt' die Kunst erzwingen.
Fiel dabei in's grüne Gras,
Und begrub sich seine Nas',
Aeste von 'nem Baume reissen,
Hos' und Hemd dabei zerreissen.
Sprangen über'n Haufen Heu,
Man verlor 'ne Dos dabei,
In die Wette ward gelaufen,
Das wir furchtbar thaten schnaufen.
Lächerlich war anzusehen,
Unser hintereinander gehen,
Einer fehlte in der Schaar,
Weil er krank am Rachenkatarrh.
Setzten uns dann in das Gras,
Machten dort noch manchen Spas,
Setzten uns 8 Uhr zum Schmaus,
Fuhren erst 10 Uhr nach Haus.
Liebe Freunde jung an Jahren,
Die wir da beisammen waren,
Heil uns bis das Auge bricht,
Diesen Tag vergess ich nicht.
Ist dies Gedicht nicht sehr famos,
Gedichtet ward's von Adolf Gross,
Er macht Stiefel und auch Schuh;
Er ist sogar Poet dazu.
Adolf Gross, 1883


Im Fuchsloch

1881 starb der Vater von Grißi, Georg Graef, das Haus in der Hüllgasse wurde verkauft, der Erlös auf die drei Geschwister aufgeteilt. Urgroßmutter Caroline geb. Grünanger kam zu Grißi in die Kleingasse und hat hier noch 34 Jahre in dem kinderreichen Haus fleißig geholfen. Von ihren Enkeln und Urenkeln geliebt und verehrt. Sie wurde Bibegrißi genannt.
Mit der Erbschaft von diesem Hause wurde, so glaube ich, der Baumgarten im Fuchsloch gekauft, an welchem Alt und Jung viel Freude hatten. Es ist der Fünfte rechts, wenn man ins eigentliche Fuchsloch einbiegt, auf der Talseite. Die Bergseite war damals bis hinauf zu den drei Birken (Zitadellchen) mit Weingärten bepflanzt. Der Bangert, wie wir zu sagen pflegen, war zwischen dem Birkischen und dem Augustinischen, reichte bis in den Graben, der auch die Grenze vom Lehrer Theilschen bildete.


Bad im Bottich im Fuchsloch 1905, die Frauen Emilie Seraphin,
Mausi Frank und Therese Abraham - Archivbild


Apfelernte im Fuchsloch bei den Graefs - Archivbild


Für uns war es der ideale Baumgarten, da er mühelos zu erreichen war, aber auch die weiter wohnenden Enkel kamen an schönen Sonntagen heraus. Ein Gartenhaus mit zierlichen Schnitzereien und einem geräumigen Vorbau, der mit Jasmin und rosablühenden Schlingpflanzen umgeben war, stand unter einer mächtigen Linde, an deren Stelle steht jetzt eine etwa fünfzigjährige Eiche, vom Häuschen ist nichts mehr übrig.
Im Schatten der Linde stand ein großer ovaler Tisch, an dem die zahlreiche Sippe genügend Platz hatte.
Hier saßen die Alten und debattierten über die Schwachsinnigkeit und Beschränktheit des Russischen Zaren, dem sein Land vom Schwarzen Meer bis zur Beringstraße, von Petersburg bis Sachalin, oder Nowaja Semlja bis zur Mongolei nicht groß genug war. Nein, er wollte auch die wenigen, außerhalb Russlands lebenden Slawen, mit seiner Knute segnen.
Daß der Kommunismus hier Fußfassen konnte, ist sein und seiner Schargen Verdienst, nur daß nun aus Hunderten, Tausende wurden, ganz wie im "Zauberlehrling, Besen, Besen, seis gewesen."
Wir Kinder spielten unbeschwert, ließen uns von den Tanten Kradernetze aus Binsen flechten, oder von Onkel Friedrich zeigen, wie man ein Weiden-Flierchen macht. Jeder hohle Baum und jeder Busch wurde nach Nestern durchsucht.
Im Mai zur Apfelblüte und im Herbst herrschte hier reges Leben, da waren zuerst die gestreiften Sommereisäpfel, dann der so gut duftende Astrachen, der Poß- und der Blauapfel, Poinik-, Batul-, Kürbis-, Weiß-, Pfarrer-, Zitronen-, Muijels- und Alaunknorzenapfel, die beiden letzten und der Weißapfel trugen unverdrossen jedes Jahr. Ein sehr seltener und wohlschmeckender Apfel, der Türkisch Muskateller, stand rechts und ein Nußbaum links der Einfahrt.
Zur Apfelernte waren die Grißi, die Petrifamilie und wir immer dabei, die Leonhardt's hatten mit den eigenen Baumgärten genügend und verzichteten. Die schönsten wurden ausgelesen und aufgeteilt, die übrigen zum Keltern in Säcke gefüllt und in die Mosterei gefahren, wenn es sehr viele waren, im Häuschen aufbewahrt, bis der Schnapsbrenner vom Ungefug Zeit hatte sie zu holen, zum Zählen der Viertel wurde ich mitgeschickt, ob ich damals 9 Jahre alt, immer richtig gezählt habe, ich bin mir nicht sicher, aber so genau wurde nicht gerechnet, schenkte man in gesegneten Jahren oft an Nachbarn ohne Garten gern einige Bäume zum selber ernten. ...


Im Vogelsgesang

Erinnerungen von Lieselotte Alexiu geb. Zielinski

Viele Märchen beginnen mit den Worten "es war einmal...". Meine Kindheitserinnerungen sind auch wie aus einem Märchen, erlebt - gelebt an einem ganz besonderen Fleckchen Erde: dem VOGELSGESANG! Mein Großvater, Josef Zielinski, hatte im vor-vorigen Jahrhundert das Grundstück im WOLKENDORFER-GRUND mit Obstbäumen, einer großen Feldscheune, einem kleinen Bauernhaus und Stall erstanden. Er nannte es: VOGELSGESANG! Die große Scheune ließ er ausbauen, und so entstand das "Herren"-Sommerhaus, bestehend aus großem Wohn-, großem Schlafzimmer, einem kleineren Zimmer, einer Küche und einer riesig großen Veranda. Über dem Hauseingang konnte man von weitem, die vom Großvater, mit weißer leuchtenden Ölfarbe geschriebenen Worte: "Grüß Gott" lesen. So war mein Großvater, fröhlich und immer für Späße aufgelegt.
Jedes Jahr verbrachten wir die Sommermonate mit meinen Eltern, meiner Schwester ERIKA, von mir liebevoll "ERI" genannt, meinen beiden Vettern KARLCHEN (Kötsch) und WALTI (ich konnte das "R" nicht aussprechen, und so ist er für mich bis heute der WALTI geblieben) im VOGELSGESANG. Es waren herrliche unbeschwerte Tage. Wir kletterten auf Bäumen herum, bauten aus Zweigen eine Kalipp (rum. coliba = Hütte), sammelten Beeren und Pilze im Wald, spielten "Räuber und Gendarm" und lümmelten in der Hängematte. Bei Regenwetter spielten wir auf der Veranda. Mein unvergessner Vetter KARLCHEN formte aus Lehm die wunderbarsten Tiere: Vögel, Hunde, Hasen. Als Glanzstück modellierte er ein großes Schiff. Er war schon damals ein kleiner Künstler. Stundenlang konnten wir den im Stall hausenden Kaninchen zusehen. Es gab noch Hühner, Schweine, Kühe, ein Pferd (die BERTA) und zwei Hunde (CUTZU UND FRUNZA). Mit ihnen rannten wir um die Wette über die Wiese bis zu dem kleinen Bach, der durch das Grundstück floss. WALTI war während dieser Zeit mein liebster Spielgefährte, und wir sind bis heute eng befreundet.


Das Zielinskische Anwesen im Vogelsgesang. - Archivbild


Wenn der Sommer sich dem Ende zu neigte und das Kukuruz (Mais) zu reifen begann, hörten wir Kinder, wenn wir abends in unseren Betten lagen, SARIE, unseren Hälftler, am Waldrand in sein Horn blasen und dazu die Hunde bellen, um damit die Wildschweine von den Maisfeldern abzuhalten. Es war richtig gruselig.
Den alljährlichen Abschluss unseres Sommerferien-Aufenthaltes im VOGELSGESANG war die Obsternte. Jeder half mit. Auch wir Kinder. Die geernteten Äpfel wurden vorsichtig in Heu gebettet, auf den Kuhwagen verladen und in die Stadt geführt, wo Lenchentante sie fachgemäß einkellerte.
Für die Winterzeit wurde das Sommerhaus verschlossen, die Fensterläden verriegelt. In der serigla (Rückleiter des Wagens) sitzend fuhren wir Kinder in die Stadtwohnung. Der Sommer war vorbei. 1944 war es unser letzter Sommer im VOGELSGESANG!
Heute noch, nach so vielen Jahren, sind meine Erinnerungen so lebendig geblieben als sei es erst gestern gewesen. Wenn sich heute ein Wanderer in den Baumgarten verirrt, findet er weder Baum noch Strauch, weder Haus noch Stall, noch Hasen - und kein Vogel singt! Es ist still geworden im VOGELSGESANG!


In der Wench, Kreuzberg und Scherkes

Erinnerungen von Richard Löw

Ein Baumgarten alten Stils war das Anwesen in der "unteren Wench". Von der Marienburger Straße abzweigend führte die Straße durch die Wench nach Großalisch. Am Anfang lag das "Kottre Bäschken" und dann folgten die Baumgärten.
Unser Baumgarten lag am Hang, am Anfang der Wench. War etwa 4 Joch (ca. 2 Ha) groß, mit Obstbäumen bepflanzt. Im oberen Teil befand sich eine kleine Gruppe von wildgewachsenen Zwetschgenbäumen, aus deren Früchten im Herbst der gute und beliebte "Pelsenpali" gebrannt wurde, von dem die Arbeiter zu Arbeitsbeginn und Feierabend je ein "Stampel" bekamen. Als Kind sah ich dieser Prozedur des öftern bewundernd zu und wünschte mir: "Wenn ich mal groß bin, trinke ich mit!" Es wurde aber leider nichts draus. Als ich groß war, waren die Kommunisten am Werk und alles andere Vergangenheit!
Früher fuhr man im Sommer nicht nach Mallorca, sondern in den Baumgarten. Den ganzen Tag in der frischen Luft. Ernährte sich von Obst und Gemüse und konnte dann im Herbst frisch gestärkt dem Winter entgegensehen!
Dieser Baumgarten in der Wench war bei uns Kindern besonders beliebt, weil das Badevergnügen der Kokel lockte und man sich da den ganzen Tag im Wasser tummeln konnte. So hatten wir auch häufig Besuch von Freunden aus den Kokelfernen Baumgärten. Wie wurden wir da von denen aus dem Wolkendorfer Grund oder Ungefug beneidet.
Mitten im Grundstück stand das "Beangerthaus", das Wohnhaus mit einer einzigartigen, angenehmen Besonderheit. Wir hatten fließendes Wasser im Haus! Und das kam so: Als man das Haus erbaute, ärgerte man sich über eine ständig feuchte Stelle im Keller. Bis man erkannte, das ist ja eine Quelle! Kurzerhand ummauerte man sie, machte einen Abfluss unter dem Haus hindurch und fertig war das fließende Wasser im Haus, mit glasklarem, kühlem Trinkwasser. Sehr zur Freude der Frauen, welche nun nicht mehr das Wasser von einem tiefergelegenen Brunnen heranschleppen mussten.


Landhaus Löw in der Wench. - Archivbild


Eine ganz andere Art von Baumgarten war das Anwesen Kreuzberg-Scherkes. Dieses war 4,9 Ha groß und nicht eingezäunt und somit für Jedermann begehbar, also auch erntebar. Im Herbst "bedienten" sich so manche von dem Apfelsegen... Einmal sah mein Vater einem Bürger zu, wie er einen Baum aberntete. Auf die Frage, was er da mache, die Antwort: "Ich ernte meine Äpfel, aber was geht Sie das an?" So kann es auch gehen!
In den 40er Jahren wurde auf dem Kreuzberg eine Baracke errichtet und diente den Lehrjungen als Wohnheim.
In den gleichen Jahren hatte die CFR (rum. Staatsbahn) große Pläne mit dem Scherkes, wollte hier einen Güterbahnhof bauen.
Wie so vieles blieb auch dieses nur Stückwerk. Quer durch die Äcker wurde ein Gleis angelegt. Sonst nichts, und dient heute als Abstellgleis für ausgemusterte, verrostete Loks. Von jedem Schäßburg-Besucher zu bewundern!


Am Santesfeld

Erinnerungen von Otto Rodamer

Im Alter von dreizehn Jahren habe ich 1949 Schäßburg verlassen "müssen". Als einer der ersten Familien konnten wir, meine Mutter, meine Schwester und ich im Rahmen der Familienzusammenführung zu meinem Vater nach Hamburg. Es war eine sehr schwere Entscheidung. Es zeriss die Bindung zu meinen Freunden, die einem Dreizehnjährigen alles bedeuteten. Mit fast der ganzen Schulklasse nahm ich auf der Lönskuppe Abschied von der Gegend, wo ich eine lange Zeit eine Kindheit verleben durfte, wie sie kein Buch interessanter hätte beschreiben können.
Mein Sepp-Onkel, Josef West, hatte hier einen wunderbaren landwirtschaftlich bewirtschafteten Hof, der in der Mitte der Höfe der beiden anderen Brüder Hermann und Fred lag.
Gleich mit Beginn der Schulferien ging es aufs Santesfeld. Schon das Hinkommen war abenteuerlich. Von der Westischen Fabrik mit Auto oder auch mit der Pferdekutsche durch die bezaubernde Landschaft.
Dort angekommen, wurde die Familie Drechsler begrüßt, die dort die Pferde, Kühe, Schweine, Hühner, Hunde und auch die Felder versorgten.
Uns Kinder aus der Stadt, wir waren stets mehrere, wurde die Natur und auch die Landwirtschaft durch den langen Aufenthalt nahe gebracht. Es gab einen Pferde- und Kuhstall, einen Schweinestall, ein Gebäude für den Verwalter, und ich entsinne mich noch an einen Webstuhl, der dort aufgestellt war und an dem Frau Drechsler webte, was wir Kinder mit staunenden Augen betrachteten. Es gab noch eine große Scheune für Stroh und Heu, wo wir auch so manche Nacht geschlafen haben.
Es gab noch ein Wohngebäude mit einer gemütlichen Glasveranda und eine Küche mit einem Backofen für Brot. Unvergesslich, wenn aus einem Teil des Brotteiges kleine Brote in Kohlblätter eingepackt und so gebacken wurden. Alle liebten diesen besonderen Geschmack. Im angrenzenden Wald gab es viele Pilze, die immer wieder schmackhaft zubereitet wurden.


Heuschuppen, Stall und Bienenhäuschen des Sepp West.
Im Vordergrund Otto Rodamer, die geschwister Kleisch und Helli West.
- Archivbild


Sommerfrische pur für Alt und Jung am Santesfeld. - Archivbild


Vor dem Gebäude war noch ein Blumengarten, der liebevoll angelegt war, und an den der Gemüsegarten angrenzte. In dieser Nähe war auch das Bienenhäuschen. Wir erlebten das Schwärmen der Bienen und auch wie der Schwarm wieder eingefangen wurde. Der Honig stand für uns Kinder bereit und diente als Speiseeisersatz. Aber auch der Stall faszinierte uns. Wir erlebten die Geburt von Kälbchen und vom Fohlen, aber auch den Nachwuchs im Schweinestall. Wir erlebten aber nicht nur die Geburt, sondern auch wie die Stute zum Hengst gebracht wurde. Dies wiederum führte zu schweren Diskussionen mit meiner Luise-Tante aus Hermannstadt, die auch anwesend war und die Meinung vertrat, so etwas wäre noch nichts für einen Siebenjährigen. Mein Duft, den ich aus dem Stall verbreitete, ging ihr leicht auf den Nerv, was mich aber nicht störte. Ihre beiden Töchter Inge und Wiltrud durften nicht im Stall schlafen, und so konnten sie diese Romantik noch nicht genießen.
Es brachte sehr viel Spaß, bei der Ernte ein wenig mitzuhelfen oder mindestens dabei sein zu dürfen. Hier wurde so manch Neues an der Dreschmaschine oder anderen Geräten ausprobiert, denn Sepponkel war stets hinter neuen Erfindungen bzw. Verbesserungen her.
Wenn es an die Kokel zum Baden ging, so wurde mangels Telefon ein weißes Leintuch aus dem oberen Fenster in Richtung des Nachbarhofes von Fred West gehängt und so bekanntgemacht, dass es zum Baden geht. So schlossen sich dann auch andere an. Wir lernten verherende Wolkenbrüche kennen und die nahe Kirche aus Marienburg läutete in diesem Fall die Glocke aus alter Tradition, um den gefürchteten Hagelschlag zu verhindern.


Baumgarten im Ungefug, Öl v. K. Brandsch.


Neben den vielen Haustieren, den Tieren aus dem Feld und Wald, dem dörflichen Leben, den vielen Gerüchen lernte ich noch eins hier kennen, die "menschliche Wärme". Meine liebe Minchentante und der Sepponkel waren stets liebe und sehr geduldige und herzliche Gastgeber, und wenn am Wochenende noch zusätzliche Gäste kamen, stets gleichmäßig freundlich. So mancher von den Wochenendbesuchern fuhr dann erst am Montag mit dem Pferdewagen, der die Kuhmilch jeden Morgen nach Schäßburg zum Verkauf brachte, zurück. Was ich hier an Liebe und Wärme erhalten habe, hat mich sehr geprägt, und mein Herz ist jetzt noch voll Dankbarkeit und ich zehre noch von all den schönen Erinnerungen.
Leider wurde dieses durch die Enteignung dann alles beendet.


Am Kulterberg

Erinnerungen von Gertrud Kestner, geb. Beer (Gunzenhausen)

Wenn in Schäßburg im Sommer die Schulferien anfingen, flohen alle, die einen Baumgarten hatten, in ihre Gärten. So auch wir. Mit einem vollbepackten Handleiterwägelchen zogenwir mit Sack und Pack und Lilli, unserem Hund, zu Fuß los. Unser Baumgarten lag ungefähr eine Dreiviertelstunde Fußmarsch entfernt Richtung Schaas. Für die Zeit der Schulferien, also zwei bis drei Monate, schlugen wir dort unsere "Zelte" auf.
Der Garten erstreckte sich lang und schmal von der Straße den Hang hinauf bis zum Wald. Links begrenzte unser Grundstück eine Hecke aus Stachelküsschen mit zehn Zentimeter langen Stacheln, rechts eine Buchenhecke.


Häuschen am Kulterberg. Helmut, Willi und Luise Beer mit
Hedda Plattner und Trudi Beer. - Arcivbild


Der Baumgarten hatte Vaters Tanten gehört, die bei uns in der Hüllgasse wohnten. Während wir die Sommermonate über im Garten wohnten, hüteten die beiden alten Damen unser Haus und unsere Katzen. Einmal pro Woche ging Mutter in die Stadtwohnung, um Brot zu backen. Vater, der ja keine Ferien hatte, fuhr täglich mit dem Fahrrad ins Geschäft (Petrowitsch). Das Gartenhäuschen stand auf großen Steinblöcken und war recht klein. Drei Stufen führten auf die überdachte Holzveranda, von der aus die Tür ins Haus. In der "Hüttte" wurde nur geschlafen. Das Leben spielte sich aber kaum im Haus ab, alles geschah draußen. Der Straße zu gab es ein Vordach - unsere "Freiluftküche" - mit Lehmboden. Dort kochte Mutter auf einem Gasherd. Für Licht sorgten zwei Petroleumlampen.
Etwaas abgesetzt vom Sommer-Haus befand sich der Schweinestall. Zwei Schweine hielt Vater meistens. Ich erinnere mich an eine große Schweinejagd, als die beiden einmal ausgebüxt waren.
Das Klohäuschen war weiter oben im Garten. Unsere Verwandten aus Amerika waren in einem Sommer drei Monate zu Besuch. Meine amerikanische Cousine Trudi saß einmal in diesem Häuschen und sang so laut "Ade, mein kleiner Gardeoffizier", dass es sogar noch auf der Straße zu hören war.
Für die Wasserversorgung waren wir Kinder zuständig. Jeder von uns Dreien hatte immer, wenn wir zum Spielen oder Baden zum Schaaser Bach gingen, einen bauchigen Tonkrug dabei. Ging es nach dem Spielen wieder nach Hause, mussten wir vom "Rännchen" frisches Quellwasser mitbringen. Das "Rännchen" transportierte das Wasser von einer Quelle jenseits des Schaaser Baches auf die Straßenseite.
Gegenüber von unserem Garten, auf der anderen Seite der Straße, musste man zuerst über die Gleise der "Wusch", um auf eine große Wiese zu kommen. Meine beiden Brüder spielten dort mit den zwei etwa gleichaltrigen Söhnen des Bauern Sirbu Fußball. Die Wiese erstreckte sich bis zum Schaaser Bach, und dort lag unsere "Riviera".
Ich erinnere mich, dass die große Attraktion eines Sommers der einteilige Badeanzug, dessen Ober- und Unterteil sich mittels eines Reißverschlusses voneinander trennen ließen, meiner Cousine aus Amerika war.
Ein anderes Mal hatten die Amerikaner einen nagelneuen Lederfußball mitgebracht. Alle spielten unten auf der Wiese mit dem Prachtball. Die Wiese war aber nicht nur Fußballplatz! Sie wurde auch als Kuh-Weide benutzt. Das Spiel war in vollem Gang, als Butz plötzlich losschimpfte. Was war passiert? Butz war barfuß in einen "Käbesch" getreten.
Eines Tages schickte mich Mutter zum Hof des rumänischen Bauern unterhalb unseres Baumgartens. Als ich auf den Hof kam, meine Augen wurden riesengroß vor Schreck, stand angelehnt an die Schuppenwand ein Sarg. Der alte Bauer Cinlei hatte vorgesorgt und sich seinen "Platz" schon anfertigen lassen.
Der Schaaser Bach hatte sehr sauberes und gutes Wasser und war so voller Fischchen und Krebse. Als Kinder hatten wir ein Auge dafür, wo sich die Krebse aufhielten. Am ergiebigsten war die Beute an Büschen, die im Wasser standen.


Man sehe uns staune, eine Großfamilie an der Riviera des
"Schaaser Baches" . Archivbild


Wenn wir im Garten waren, waren auch immer viele Verwandte und Bekannte bei uns. Abends wurde oft gegrillt. Da wir keinen Kühlschrank hatten (der kühlste Platz im Baumgarten war der "Keller", ein ca. 80 x 80 cm großes, ausbetoniertes Loch im Boden unseres Häuschens), brachten die Besucher meist das Holzfleisch frisch aus der Stadt mit, und die Tüte wurde in die "Küche" gelegt. Auch Mutter saß mit auf dem Rasenplatz und unterhielt sich. Plötzlich schrie sie auf. Burkusch, der große Hund des Nachbarn, hatte die Tüte mit dem Fleisch schon im Maul und wollte damit abhauen. Der Schrei der Mutter erschreckte ihn aber so, dass er seine Beute fallen ließ und davonraste. Das Holzfleisch war gerettet.
Es muss im Frühling gewesen sein. Wir waren alle im Garten und saßen auf den Bänken am Tisch und spielten. Der Kuckuck rief. Plötzlich kippte Vater einfach rückwärts von der Bank und lag auf dem Rücken, die Füße in die Höhe. Wir erschraken furchtbar und dachten, es sei ihm schlecht geworden. Er aber lachte und sagte: "Na wisst ihr das nicht? Wenn der Kuckuck ruft, muss man ihm das Hinterteil zeigen und ins Portemonnaie spucken. Dann hat man das ganze Jahr Geld!" Wir spuckten kräftig, aber mehr Geld hat es nicht gebracht.
Im angrenzenden Wald bauten die Buben sich tolle Hütten. Die Wände waren aus geflochtenen Zweigen ganz stabil gebaut. Das Einzige, ws ihnen bei ihrer "Kalip" fehlte, war eine Tür. Heimlich "liehen" sie sich die Tür aus, mit der Vater die Veranda winterfest machte.
Im Garten gabe es im Herbst jede Menge Pflaumen. Da wir diese Mengen nicht allein bewältigen konnten, wurden sie an die ganze Verwandtschaft und an Bekannte verschenkt. Mutter machte Pflaumenmus und Pflaumenkompott. Etwas Besonderes war der "Zwetschgenröster". Pflaumen wurden ganz lange ohne Zucker unter ständigem Rühren gekocht, bis die Masse so fest wurde, dass sie geschnitten werden konnte.

Vorschau Baumgärten / Folge 4 (Ausgabe 21 / 30 Juni 2004)


Adleff Konrads Landhaus mit Wirtschaftshof, im Wolkendorfer Grund
- Foto: W. Lingner


 

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