HOG-Schäßburg / Siebenbürgen


Berichte aus Schäßburg

Bericht des Evangelischen Stadtpfarramtes A.B. Schäßburg

Aktuelle Seelenzahl und geistliche Handlungen seit Mai 2003 - Pf.z. 67/10.11.2003

 

Seelenstand am 1.05.2003 221 m 288 w = 509 Seelen

Zugänge

Taufe 0 m 3 w = +3
Konfirmation   0 m 0 w = 0
Zugezogen   1 m 3 w = +4
Abgänge Weggezogen 0 m 1 w = -1
  Verstorben 0 m 4 w = - 4
Seelenstand am 01.11.2003 222 m 289 w = 511 Seelen

 

Es wurden getauft:
1) Petra SCHEEL
2) Stefania Teodora ROBU
3) Andrei SCHUSTER-COSTEA (Keisd)
4) Julia FRÖHLICH

Es wurden getraut:

  1. Gerhard Wilfried ASCHAUER und Cristina Andreea geb. Robu (Österreich)
  2. Sven-Christian ELGES und Astrid-Isabella geb. Leca (BRD)
  3. Dieter-Alfred FRITSCH und Hermina-Kinga geb. Bartalus (BRD)
  4. Alexander-Heinz STREBL und Cosmina geb. Negrat? (BRD)
  5. Hans Jürgen TASCHLER und Ramona Maria geb. Chelemen (BRD)
  6. Volker REITER und Victorit? a geb. Tuli
  7. Zorán László KÉZDI und Margit geb. Csapo (Sächsisch-Regen)

Es zogen hinzu:

  1. Erika PETRE (aus Deutschland)
  2. Irmgard PASCARIU (aus Roman jud. Neamt?)
  3. Margarethe SCHUSTER (aus Meschendorf)
  4. Volker REITER (aus Deutschland)

Es zogen weg:

  1. Anna ZABLAU

 

Betrachtungen und Informationen

Der Trend der letzten Jahre, und ich meine damit die Jahre des "neuen Jahrtausends", geht etwa in diese Richtung: nach den für unser (Kirchen)Volk "wilden '90-er Jahren, mit 90 % Auswanderung" ist eine relative Stabilisierung der Kirchengemeinde Schäßburg (und der Stadtgemeinden im allgemeinen: Hermannstadt, Kronstadt, Mediasch) eingetreten.

Das zeigt zunächst die Seelenzahl der Kirchengemeinde, welche sich schon seit einigen Jahren auf etwas über 500 Seelen eingependelt hat (zwischen 510 und 520). Einerseits ist es so, dass wir eine zunehmende Alterung der "klassischen" Gemeindeglieder (d. h. der Siebenbürger Sachsen) feststellen, daher auch etliche Verluste durch natürlichen Abgang (sprich: Tod) zu verzeichnen haben. Andererseits haben wir auch Zuwachs durch Taufen (drei gab es davon im Jahr 2003) oder Neuzugänge: das sind "Hiesige" aber auch "Auswärtige". Die "Hiesigen" sind in der Regel Kinder, welche über die Konfirmation zu uns kommen. Es sind solche die aus rumänischen Familien kommen, aber die deutsche Schule besuchen und daher sozusagen über die "deutsche Kultur" zur Evangelischen Kirche finden. Es sind aber auch Kinder aus konfessionsverbindenden Ehen ("Mischehen"), die zu ihrer Zeit nicht evangelisch getauft worden sind, die (sie oder ihre Eltern) sich nun aber ihrer sächsischen und daher auch evangelischen Wurzeln erinnern. In diesem Herbst haben 16 Kinder den Konfirmandenunterricht begonnen. Die "Auswärtigen" sind (bis jetzt) Bundesbürger, die für kürzere oder längere Zeit her gekommen sind und eine Mitgliedschaft in der evangelischen Kirche anstreben (zwei Fälle hatten wir in diesem Jahr). Diesbezüglich gibt es seit letztem Jahr (2002) eine Regelung unserer Landeskirche, die vor allem für Landsleute geschaffen wurde, die sich für längere Zeitspannen in ihrer "alten Heimat" aufhalten. Diese Regelung besagt, dass jeder evangelische Christ, der sich die Hälfte des Jahres (mindestens 183 Tage im Jahr) hier aufhält Mitglied unserer Kirche sein kann ohne dabei seine Mitgliedschaft in der Evangelischen Kirche in Deutschland aufgeben zu müssen.

Aus meiner Sicht besteht unsere Kirchengemeinde - grob gesehen - aus zwei "Bevölkerungssegmenten": Einerseits haben wir die ältere Generation, die (logischerweise) traditionell ausgerichtet ist und bei denen es ganz wichtig ist unseren evangelischen Glauben eingebettet in althergebrachtes Brauchtum auch weiterhin zu pflegen (So banal es auch klingt: Der Sonntagsgottesdienst und die kirchlichen Feste in ihrer althergebrachten Form sind das Kernstück unseres kirchlichen Lebens und wir haben cca. 15 % Gottesdienstbesuch; die Evangelische Kirche in Deutschland hat 2 - 3 % aufzuweisen). Andererseits haben wir Jugendliche und solche "mittleren" Alters, die nicht nur durch ihre Jugend, sondern auch durch ihre Herkunft aus "nichtsächsischen" Kulturkreisen ganz anderes orientiert sind, bei denen die Aufgabe oder Vernachlässigung von Traditionen gar nicht auffällt, weil sie nie darin beheimatet waren. Mit diesen Gemeindeglieder kann man Neues experimentieren. Diese Menschen stellen sicher eine große Bereicherung dar; an sie knüpft sich die Hoffnung, dass jemand unsere Kultur überhaupt weiter trägt. Zugleich aber ist diese Hoffnung problematisch, weil diese Menschen es sicher anders machen werden, als es sich mancher Traditionalist vorstellt.

Ein Beispiel dazu: Bei Konfirmanden aus Mischehen oder ganz rumänischen Familien ist es selbstverständlich, dass sie vieles von den wichtigen - zur Konfirmation gehörenden - Dingen (etwa, dass man sich mit der Familie und den Taufpaten zu versöhnen hat, bzw. alle um Vergebung bitten muss) nicht wissen, weil sie es einfach nicht von zu Hause gesagt bekommen; das hat uns seinerzeit nicht der Pfarrer gesagt, das bekam man von zu Hause mit. Ich selbst habe den Fehler (einmal) gemacht, zu glauben das sei selbstverständlich und müsste nicht noch extra betont werden.
Eine relativ große Veränderung (auch im Leben der Kirchengemeinde, nicht nur der Stadt im allgemeinen) hat die Aufnahme Schäßburgs auf die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO mit sich gebracht. Wir sind gefordert wirtschaftlich und touristisch zu denken, und das in bisher unbekannten Kategorien. Da die wichtigsten Baudenkmähler auf der Burg unser Eigentum sind, müssen wir sie auch dem breiten Publikum zugänglich machen. Das tun wir schon seit einigen Jahren, allerdings hat der Arbeitsaufwand in diesem Bereich zugenommen und wir lernen immer noch dazu. Es ergab sich die Notwendigkeit je zwei Leute in der Berg- bzw. Klosterkirche mit Arbeitsvertrag anzustellen, damit von April bis Oktober die Kirchen täglich (auch Samstag und Sonntag) von 10°° bis 18°° Uhr geöffnet sein konnten. Die Bergkirche ist unser "Barometer": in der Hauptsaison (Juli/August) hatten wir zwischen 300 und 500 Besuchern täglich (!), ein paar weniger in der Klosterkirche. Das nicht zustande gekommene Projekt "Dracula-Park" hat keinen größeren Schaden angerichtet. Es wird gar nicht mehr darüber gesprochen, als ob nichts geschehen wäre. Hoffentlich ist der Spuk ganz vorüber.

Was den diakonischen Dienst betrifft, so konnten wir in diesem Jahr doch einiges auf die Beine stellen. Das Pflegenest wurde um 3 Plätze auf 8 Plätze (2 Männer und 6 Frauen) aufgestockt. Zugleich wurde das "Venezianische Haus", in dem außer dem Pflegenest auch das "Demokratische Forum der Deutschen" untergebracht ist, einer gründlichen Renovierung vom Dach bis zum Keller unterzogen. Was in der Diakoniestation auch weiterhin funktioniert ist die Waschküche, der Besuchsdienst und "Essen auf Rädern". Es fanden in diesem Jahr zwei Seniorentreffen statt.
Finanziell steht die Kirchengemeinde zur Zeit nicht schlecht da; in dem Sinne, dass wir Gehälter auszahlen können und ein guter Ablauf notwendiger Arbeiten gewährleistet ist. Die größten Einnahmen in unserm Budget sind die in Euro einlaufenden Grabgebühren (Dank an die HOG für Vermittlung !), die Einnahmen aus dem Tourismus (Bergkirche & Klosterkirche), Spenden und Kirchenbeiträge der Gemeindeglieder und der ausgewanderten Landsleute. Unbedingt zu erwähnen sind die konstanten Beiträge des Diakonischen Werkes Bremen und dessen viele Spender, die wir gar nicht alle kennen. Natürlich können wir uns "große Sprünge" nicht leisten. Eine dringend notwendige Renovierung der Klosterkirche kann - vorerst zumindest - nicht begonnen werden, weil auch hierzulande die Preise (vor allem auch im Baugewerbe) derart gestiegen sind, dass man bei solchen Arbeiten von Summen ausgehen muss, die in die Zehntausende von Euro hineingehen und über die wir zur Zeit nicht verfügen.

Als letztes müssen Worte des Dankes gesagt werden: Dank an Gott, dass es uns hier noch gibt. Viele haben in den 90-er Jahren gemeint, dass es im III-ten Jahrtausend keine deutschsprachige Evangelische Gemeinde mehr in Schäßburg (oder in Siebenbürgen überhaupt) geben wird. Dank sei aber auch denen, die unsere kleine Gemeinschaft nicht vergessen haben und uns weiterhin unterstützen: als Institutionen seien genannt die HOG Schäßburg und das DW Bremen; es sind aber auch die vielen Einzelpersonen, die ich z. T. nicht einmal persönlich kenne. In einer Zeit in der alles.

Hans Bruno Fröhlich, Stadtpfarrer



 

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Letztes Update: 2004-01-23 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg