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Buchrezensionen
Denkschrift der letzten Oktava des Bischof-Teutsch-Gymnasiums
Schäßburg
Jahrgang 1947/1948 (Hrsg. Friedrich Mühsam), Lechbruck 2002. 76
Seiten.
Der erste Teil der Festschrift vereinigt Gedanken und Erinnerungen der
letzten Oktava des Bischof-Teutsch-Gymnasiums, die nach dem Schuljahr
1947/1948 noch in überlieferter Form die Bakkalaureatsprüfung
ablegen konnte, bevor das gesamte Unterrichtswesen durch die Schulreform
im August 1948 verstaatlicht wurde. Ein Festvortrag von Harald Lienert
"Zum Abgang der Oktava von der Bischof-Teutsch-Schule, Juni 1948"
hält die wichtigsten Momente aus dem Schulleben dieser Schulklasse
fest.

Nach einer kurzen Darstellung der Geschichte der Bergschule (Aus den Festrefden
zum Jubiläum - 100 Jahre Neue Bergschule) und den Leistungen der
Professoren in schwerster Zeit (W. Roth) folgen Anekdoten und Erinnerungen
aus der Schulzeit (V. Hager, F. Mühsam, Prof. H. Weber, L. Schullerus,
N. Konst, H. Lienert). Über Deportation, Zwangsarbeit und materielle
Not, doch auch über Selbsthilfe nach demKrieg berichten H. Lienert,
E. Leonhardt und F. Mühsam.
Ein hervorragendes Ereignis im Leben dieser Schulklasse und des ganzen
Gymnasiums war die Schiller-Feier mit der Aufführung von "Wallensteins
Lager" im Dezember 1947, zu der insbesondere die Oktava beitrug.
Der zweite Teil der Festschrift erinnert vorerst an alle Klassentreffen
von 1947/1948-2001 und schildert ausführlich die Feierlichkeiten
zu Ehren des 50-jährigen Bakkalaureatstreffens: Andacht, Gedenken
an die verstorbenen Klassenkameraden, Erinnerungsrede (H. Lienert), Gedenken
an die ehemaligen Lehrer, Abschlussrede (H. Pomarius).
Im dritten Teil folgen schließlich die Lebensläufe (mit Bild)
der 11 letzten Oktavaner, die später im Leben und im Beruf alle tüchtig
ihren Mann gestanden haben.
Zahlreiche Abbildungen vervollständigen diese Denkschrift, die jeder
ehemalige Schüler der Bergschule gern zur Hand nimmt.
Walter Roth (Dortmund)
Jahre, die uns prägten. Erinnerungen an unsere Schulzeit in Schäßburg.
Festschrift zum 50. Maturajubiläum. Pädagogische Schule Schäßburg.
Jahrgang 1949-1953, Klassen A und B. Eigenverlag 2003. 200 Seiten. Hans
Albrich und Samuel Beer (Hrsg.)
Durch die Schulreform von 1948 wurden unsere sächsischen kirchlichen
Schulen verstaatlicht und total umgestaltet. Das Bischof-Teutsch-Gymnasium
wurde aufgelöst und an seiner Stelle eine pädagogische Schule
eröffnet, die aus der Vereinigung der Lehrerinnenbildungsanstalt
Schäßburg und des Lehrerseminars Hermannstadt hervorging. Dank
der hervorragenden Lehrerschaft und der festen Gemeinschaft der Schüler
blieb trotzdem der gute alte Geist der Bergschule erhalten und wirkte
fort.

In einem Erinnerungs-Klassenbuch gedenken die Absolventen des Jahrgangs
1949-1953 ihres 50-jährigen Maturajubiläums. Eine ehemalige
Schülerin schreibt: Die bergschule mit ihrem besonderen Geist und
viele ehrwürdige Lehrer haben uns für unseren schönen Beruf
vorbereitet und fürs Leben geprägt, indem sie unsere Lebens-
und Denkformen lenkten. Es waren unvergesslich schöne Jahre in einer
wunderbaren Gemeinschaft." (Seite 137)
Beiträge über die Geschichte von Schäßburg und die
Bergschule sowie Würdigungen der verstorbenen Lehrer Michael Helwig
und Dr. Eckhard Hügel stecken den Rahmen des einleitenden Teiles
ab. Den Hauptteil des Buches bilden die Lebensläufe der 90 Kolleginnen
und Kollegen. Neun von ihnen sind verstorben, fünf in Siebenbürgen
und der Großteil, d. h. 76, in Deutschland. In Teil 3 kommen einige
ehemalige Schüler zu Wort und erzählen Erinnerungen aus Schule
und Beruf. Im Anhang veranschaulichen zahlreiche Fotos das Leben dieser
Schule.
Walter Roth (Dortmund)
Abschied für ein Jahr
"Das ungewöhnliche Schicksal der Margott Göttlinger",
Biographischer Roman von Magdalena Binder. Verlag Eurobi, Temeswar, 2003
174 Seiten, ISBN 973-620-057-4
Als Margott Göttlinger 1983 nach über 40 Jahren in ihre alte
Heimat Deutschland zurückkehrte und dort am 20. April 2001 starb,
lag ein langes, erfolgreiches Leben als gefeierte Schauspielerin und Regisseurin
in Siebenbürgen (Hermannstadt) und im Banat (Temeswar) hinter ihr.
Die Schriftstellerin und Dichterin Magdalena Binder schildert in ihrem
kürzlich erschienen Buch den ungewöhnlichen Lebensweg dieser
großen Künstlerin, die von ihren Bewunderern die "Göttliche"
genannt wurde. Die Verfasserin wählt dazu nicht die Form einer trocknen
Monographie, sondern die eines verklärt - romantischen biographischen
Romans.

Für ein Jahr wird die junge talentierte Margott Göttlinger am
deutschen Landestheater in Hermannstadt als Gastschauspielerin engagiert.
Ihre Absicht ist, nach Berlin zurückzukehren, wo der Regisseur Wolfgang
Liebeneier auf sie wartet, um ein neues Filmprojekt, mit ihr als Hauptdarstellerin,
in einem seiner Filme zu starten.
Aber alles kommt anders - aus einem Jahr wird ein ganzes Leben. Sie heiratet
den aus Schäßburg stammenden begabten Maler und Bühnenbildner
Gustav (Bräd) Binder, der am gleichen Theater wie sie arbeitet. In
Europa wütet der zweite Weltkrieg und nachher verhindert der "Eiserne
Vorhang" eine Heimreise. Margott Göttlinger wird die Primadonna
des deutschen Theaters in Rumänien, wo sie im Laufe der Jahre und
Jahrzehnte alle großen weiblichen Rollen des deutschen und internationalen
Theaterrepertoires, von Gretchen bis zur Mutter Courage, spielt, die sie
künstlerisch fordern und erfüllen. Auch als Regisseurin ist
sie geschätzt und gefragt.. Der biographische Roman erzählt
im Detail ebenso ihr Leben als Gattin und Mutter. 2 ihrer 3 Söhne
wachsen als Schauspieler und Musiker in das Bühnenleben hinein, der
dritte wird Journalist.
Zu den Schauplätzen der Handlung der Erzählung gehört auch
Schäßburg, die Heimatstadt ihres Gatten, sowie die zahlreichen
Ortschaften, die während der Gastspielreisen besucht wurden.
Zwei hervorhebenswerte Ereignisse aus der Zeit in Schäßburg,
als Margott Göttlinger arbeitslos war, weil das Landestheater von
staatlicher Seite 1944 kurzweg aufgelöst worden war, ist die Freilichtaufführung
der "Gretchentragödie" im Kronerischen garten, sowie später
die Regie der Schüleraufführung der Bergschule von "Kabale
und Liebe".
Ein ausgezeichnetes Porträt der Künstlerin schmückt Einband
und Text des Bändchens. Gern hätten die Leser mehr Bilder aus
dem Theaterleben der Göttlinger betrachtet und bedauern dass solche
nicht aufgenommen wurden.
Das Buch vermittelt in leicht verständlicher Weise auch den jüngeren
Lesern ein Bild der Schauspielerin Margott Göttlinger in der deutschen
Theaterwelt von Siebenbürgen und des Banats in der Zwischenkriegszeit
und in den schweren Jahren nach dem zweiten Weltkrieg, also denen die
nicht mehr Gelegenheit hatten, sie auf der Bühne zu bewundern.
Walter Roth (Dortmund)
Kindheit in Schäßburg / Fronterlebnisse aus dem Ersten Weltkrieg
Hans Schwarz: Versunkene Welt
Lebenserinnerungen, bearbeitet von Gudrun Schuster. Vorwort von D. Dr.
Christoph Klein, Bischof der evangelischen Kirche A. B. in Rumänien.
hora Verlag Sibiu (Hermannstadt) 2003. 364 Seiten.

Das vorliegende Buch ist den Schäßburgern besonders zu empfehlen:
Der Autor ist zwar kein gebürtiger Schäßburger, aber viele
Kindheitserinnerungen verbanden ihn mit dieser Stadt, und er liebte sie.
Seine Mutter stammte aus Schäßburg, sie war die Tochter des
bekannten Kaufmanns und Weinhändlers Josef Baptist Teutsch. Sie hatte
den Regimentsarzt Schwarz geheiratet, der seinen Dienst zunächst
in Kronstadt versah, dann aber immer wieder in andere Garnisonstädte
versetzt wurde, sodass die Familie wiederholt umziehen musste. Hans Schwarz
verbrachte so seine Kindheit und Schulzeit in Karlsburg, Mährisch-Weißkirchen,
Prag, Wien - und in den Ferien bei Großmutter Henriette und Onkel
Bapt Teutsch (Großvater Teutsch war früh gestorben) in Schäßburg.
Auch später als Frontoffizier besuchte er einige Male die Stadt seiner
Mutter. Nach dem ersten Weltkrieg hat sich Hans Schwarz als Kaufmann in
Hermannstadt und Bukarest sein Brot verdient; er war Generalvertreter
verschiedener deutscher Firmen in Rumänien. Gleichzeitig betätigte
er sich als freier Journalist und übernahm nach dem 23. August 1944
für kurze Zeit die Redaktion des "Siebenbürgisch deutschen
Tageblattes", dessen Erscheinen am 19. September 1944 von den Behörden
eingestellt wurde. Im Sommer 1943 hatte er begonnen, für die Familie
(er hatte sechs Kinder) seine Lebenserinnerungen niederzuschreiben. Bis
zu seinem Tod im Jahr 1949 füllte er über 900 Seiten und gelangte
bis zum Jahr 1917/1918.
Gudrun Schuster hat aus den Erinnerungen von Hans Schwarz eine Auswahl
getroffen, Erlebnisse und Schilderungen in dieses Buch übernommen,
"die zusammen ein Zeitbild ermöglichen und von allgemeinem Interesse
sein könnten". Für den Schäßburger Leser sind
in erster Linie die Kapitel interessant, die sich auf Schäßburg
Anfang des 20. Jahrhunderts beziehen: "Die Schäßburger
Großfamilie", "Das Haus und die Straße", "Vereinstage
in Schäßburg".
Man bekommt Einblick in das Leben einer Kaufmannsfamilie, die am Gesellschaftsleben,
aber auch am deutschen Kulturleben regen Anteil nahm. Der Verfasser erzählt
über die internationalen Erfolge der Weinabteilung der Firma "J.
B. Teutsch", erwähnt den Anfang des Hopfenbaus, schildert die
Rolle der Großmutter im Haus, die "viele Jahre hindurch täglich
25 Menschen am Mittagstisch hatte", aber auch Zeit fand für
Hausmusik und die Tätigkeit im Frauenverein, dessen Vorsteher sie
war; mit Humor werden Begegnungen mit verschiedenen Menschen und "Schäßburger
Straßenoriginalen" sowie z. B. die Arbeit eines Berufsstandes
geschildert, "der sein Gewerbe sozusagen bei Nacht und jenseits des
gutbürgerlichen Taglebens trieb". ("Nach Mitternacht erst
begann nämlich das geschäftige Wirken der Virtuosen des Schöpfeimers
und der langstieligen Löffel ...")
Bedingt durch die beruflichen Versetzungen des Vaters, der bis zum Sanitätschef
in Wien avancierte, lernte Hans Schwarz als Kind, Schüler und Student
das bunte Leben im Vielvölkerstaat der kaiserlich-königlichen
Monarchie, aber auch die nationalen Spannungen, die in Prag oft zu handfesten
Auseinandersetzungen führten, kennen. Seine Erlebnisse als Kadett
und junger Leutnant im ersten Weltkrieg sind zwar nicht atemberaubend,
aber für uns dennoch von Interesse, weil sie aus der Sicht eines
Siebenbürger Sachsen inmitten des multinationalen österreichisch-ungarischen
Heeres wiedergegeben sind; Schauplätze sind die Front in Galizien,
aber auch Hermannstadt, Kronstadt, Schäßburg - siebenbürgisch-sächsische
Städte in den Kriegsjahren.
Bischof D. Dr. Christoph Klein schreibt im Geleitwort: Hans Schwarz versteht
sich als Pendler zwischen zwei Welten, nicht nur als Siebenbürger
Sachse. Das macht wohl das Besondere dieser Schrift aus, die Veranschaulichung
dessen, wie jemand, der aus Kronstadt kommt, in Karlsburg und Schäßburg
seine goldene Kindheit verbringt, sich hierauf in Prag, Mährisch-Weißkirchen
und Wien einzuleben und durchzusetzen vermag und schließlich - nach
vier Jahren Krieg an mehreren Fronten - in die Heimat zurückkehrte
und als Hermannstädter sein eigenes Leben aufbaute.
Das Buch kann über folgende Anschriften erworben werden:
- Günter Schwarz, Münchener Str. 31, 83301 Traunreut, E-Mail:
gunterschwarz@gmx.de
- Buchversand Südost, Brigitte Rill, Seebergsteige 4, 74235 Erlenbach,
Tel.: 07132/9511612, E-Mail: buchversand_rill@t-online.de
Horst Breihofer (Nürnberg)

Letztes Update: 2004-01-23
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