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Lehrer, Politiker und Pfarrer
In memoriam:
Ernst Irtel
9. Februar 1917 - 8. Juli 2003
Im Siebenbürgerheim auf Schloss Horneck in Gundelsheim verstarb
Ernst Irtel in diesem Sommer im 86-ten Lebensjahr, mit im ging ein Stück
Siebenbürgische Heimat verloren, ein Lehrer der in den Herzen seiner
Schüler weiterleben wird. Hier ein Nachruf seiner Schüler der
Bergschule aus Schäßburg.

Prof. Ernst Irtel
Die Schäßburger Jahre des Musikpädagogen
Blättert man in den Memoiren ehemaliger Schässburger Seminaristen,
erkennt man eine ungewöhnlich tiefe Verbundenheit mit der Bergschule
und ihren Lehrern, auch nach Jahrzehnten. Da wird z.B. von "unserem
geliebten Sem" gesprochen, "wo man über den Tellerrand
der Schulprogramme hinwegblicken und Ehrfurcht vor der Schaffenskraft
und dem Genius begnadeter Menschen empfinden konnte", Sepp Polder,
Pfarrer i.R..
Sehr oft gilt solches Lob dem Musikpädagogen, Chorleiter, Komponisten
und Literaturkenner Ernst Irtel, der bei vielen Schülergenerationen
ein tieferes Verständnis für die großen Werke der Musik
geweckt und es in faszinierenden Darbietungen in den "Komponistenstunden"
für jung und alt vertieft hat. Seine frühen Jahre hat Ernst
Irtel in Mühlbach verbracht. Das Umfeld, in dem er aufwuchs, ermöglichte
ihm Einsichten in größere kulturelle Zusammenhänge auch
jenseits des rein Siebenbürgischen. Seine Vorfahren waren erst im
19. Jahrhundert aus Österreich und Süddeutschland eingewandert.
Sein Großvater besaß eine Buchhandlung, in der sich der junge
Ernst umsah und am Lesen Freude gewann; der Vater, als Historiker im Lehramt
aktiv, weckte die geistigen Interessen und das Sprachempfinden seines
einzigen Sohnes. Mit Ernst sprach man zu Hause hochdeutsch, mit der sechs
Jahre jüngeren Gertrud sächsisch; die beiden Geschwister redeten
eine Zeit lang sächsisch, dann nur noch hochdeutsch miteinander.
Später hat Erns Irtel als Lehrer auch seine Schüler zu einem
bewussten Umgang mit der Sprache erzogen und manche Fehler mit feinem
Humor korrigiert.

Singkreis, Schlussfeier 1956 - Archivbild
Seine Gymnasialzeit verbrachte Ernst Irtel in Mediasch, die Matura bestand
er "wegen Mathe" erst im Herbst. Dieser kleine Misserfolg hat
ihm vielleicht noch mehr Verständnis für gewisse Lernschwierigkeiten
bei anderen eingegeben.
Nach Beendigung seines Studiums am Klausenburger Konservatorium wirkte
er in Mühlbach, Hermannstadt, Schässburg und Mediasch als Musiklehrer.
Er selbst erinnerte sich an die Schässburger Jahre am liebsten. War
es die romantische Schönheit der Stadt, die besondere Anhänglichkeit
der Seminaristen, für die Musik nie ein Nebenfach war? Oder der große
Erfolg mit seinen Komponistenstunden, das gute Kollegium, fast ausnahmslos
geeint im sprichwörtlichen Geist der Bergschule? Sicher hat auch
die Zusammenarbeit mit Margot Göttlinger eine Rolle gespielt, unter
deren Regieführung eine viel beachtete Aufführung von Kabale
und Liebe gelang, in der Irtel als Wurm über dreißig mal auftrat.
Wie dem auch sei, "unser Erni" lebt als Persönlichkeit
und durch sein vielseitiges Wirken in der Erinnerung vieler Schässburger
fort, die sich durch ihn im Raum der erlebten Musikkultur verbunden fühlten.
"Ich danke Gott, dass ich das erleben durfte", heißt es
in den Erinnerungen einer ehemaligen Schülerin Ernst Irtels.
Wilfried Bielz (Wipperfürth)

Letztes Update: 2004-01-20
- Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de
/ http://www.schaessburg-net.de
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