HOG-Schäßburg / Siebenbürgen


Lehrer, Politiker und Pfarrer

Erinnerung an:
Julius Misselbacher

zu seinem 100. Geburtstag 13. Oktober 2003

Julius Misselbacher wurde in einer traditionsreichen Schäßburger Kaufmannsfamilie geboren, fühlte sich jedoch nie zu diesem Beruf hingezogen. Sein Interesse galt der Kunstgeschichte und zeitlebens hat er sich intensiv mit der Historie seiner Heimatstadt befasst.
Seine Eltern, Johann Baptist Misselbacher (1870-1956) und Marie Misselbacher, geb. Balthes (1875-1918) sahen in ihrem am 13. Oktober 1903 zweitgeborenen Sohn Julius auch nicht den Erben der Geschäftsfirma "J. B. Misselbacher sen." Zu dem war sein älterer Bruder Johann Baptist (1901-1921) bestimmt. Das dritte Kind aus der 1900 geschlossenen Ehe war Ruth Misselbacher (1909-1980), verh. Fabritius. Nach dem frühen Dahinscheiden der Mutter nahm sich Bruder Bapti, als Student in Berlin, ebenfalls das Leben.


Julius Misselbacher

Julius Misselbacher musste nun die Laufbahn eines Kaufmanns einschlagen. Nach dem Schulabschluss an der Bergschule in Schäßburg machte er in den zwanziger Jahren eine kaufmännische Ausbildung in München. Zurück in der Heimat konnte er jedoch - dank der Vitalität und Geschäftstüchtigkeit des Vaters - seinen kunstgeschichtlichen Beschäftigungen nachgehen.
Schon als Gymnasiast hat er sich intensiv mit der Geschichte und den alten Bauten seiner Heimatstadt beschäftigt, insbesondere mit dem von Dr. Bacon gegründeten Museum "Alt Schäßburg".


Die Renovierungsarbeiter in der Bergkirche - Archivbild

Der Sommer 1934 brachte ihm in diesem Bereich - durch die Freilegung der Wandgemälde in der Bergkirche - unerwartete Genugtuung. Die "Freskenkratzerei", wie er diese Arbeit (er führte sie zusammen mit seinen Freunden Gustav (Bräd) Binder und Friedrich (Pitz) Müller aus) zu nennen pflegte, brachte ihn auch in nähere Beziehung zu seiner künftigen Frau, Gertrud Kroner. Die gelernte Fotografin hatte die freigelegten Fresken in schwindelerregender Höhe von den Baugerüsten aus abzulichten.
Im November 1936 heirateten er und die Schäßburger Notarstochter. Gertrud und Julius Misselbacher wurden am 17. Mai 1938 der Sohn Johannes Baptist und vier Jahre später, am 6. April 1942, Tochter Edda Gertrud geboren. Dem Ehepaar waren nur wenige "gute" Jahre beschieden. Während der Kriegszeit holte sich Julius Misselbacher - als Soldat in einer winterlichen Stellung - eine schwere Lungenentzündung, die später in TBC ausartete. Zu der Krankheit kam die finanzielle Not.

Nach der Enteignung von Geschäftsfirma (1948) und Häusern musste die Familie mit engem Wohnraum vorlieb nehmen, mehrmals umziehen und schließlich, wegen Ansteckungsgefahr durch Lungentuberkulose, voneinander getrennt wohnen.
Julius Misselbacher blieb, trotz seiner Krankheit, eine anderthalbjährige Gefängnishaft (von März 1950 - September 1951, in Hermannstadt, Kronstadt, Ploie¿ti und Târgu Ocna) nicht erspart. Er wurde - wie viele andere deutsche Unternehmer verhaftet, gefoltert - und dann als "Ausbeuter" und Besitzer von "Gold" verurteilt.

Da er keine feste Anstellung bekommen konnte, hat der versucht, seine Familie mit "künstlerischen Gelegenheitsarbeiten" über Wasser zu halten. Dazu zählt das Schäßburger Stadtmodell im Stundturm, außerdem ein Modell für das Mediascher Museum sowie eines von der archäologischen Ausgrabungstätte in Costesti/Hunedoara. Die Zusammenarbeit mit dem Schäßburger Museum, seine museografische Tätigkeit im Stundturm, hat ihm Freude gemacht, denn sein Wissen als "Schäßburg - Kenner" war immer gefragt.


Das Stadtmodell 1735, im Museum "Alt Schäßburg". - Foto: W. Lingner

Mit seinem Freund Kurt Leonhardt (Architekt) erstellte er um 1950 für das Ministerium "Monumente istorice" in Bukarest eine umfangreiche Arbeit über die Schäßburger Wehranlage die bei den Fachleuten in der Hauptstadt große Bewunderung und Respekt auslöste. Beide wurden zu ihrem Erstaunen zu korrespondierenden Mitgliedern des "Comitetul national pentru monumente istorice" mit speziellem Ausweis ernannt, womit sie sich in den schwierigen Zeiten auch bei den örtlichen Organen für ihre Anliegen mit Erfolg einsetzen konnten.

Das langjährige Kranksein hat ihn zu häufigen Spitalsaufenthalten gezwungen. In seinen letzten Lebensjahren musste er witterungsbedingt Frühjahr und Herbst im Krankenhaus verbringen. Julius Misselbacher starb am 10. März 1963 an einer Lungenblutung. Er war noch nicht 60 Jahre alt. Es war ihm nicht vergönnt, die berufliche Laufbahn seiner Kinder weiter zu verfolgen, auch hat er ihre Familiengründungen nicht miterlebt. Erspart blieb ihm nur das Leid um den frühen Tod seines Sohnes Hannes (1987).

Walter Lingner (Düsseldorf)


 

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Letztes Update: 2004-01-20 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg