|
Großes Schäßburger
Treffen in Fürth, 26. - 28. September 2003
Hier
geht es zu einer Zusammenfassung der besten Bilder
vom Schäßburger Treffen 2003-
zur Verfügung gestellt von Lukas Geddert
Seniorenabend am Freitag /
Tombola mit einem guten Zweck
Drei Jahre nach dem Schäßburger Treffen in Fürth (1200
Teilnehmer!) trafen sich Schäßburger von nah und fern wieder
in der Fürther Stadthalle: Sie waren per Auto, Bahn, Bus oder Flugzeug
(könnte ja sein) angereist, hatten bei Verwandten , Freunden oder
in einem der günstig gelegenen Hotels Quartier bezogen; sie waren
aus dem hohen Norden Deutschlands, aus West und Ost, aus der Umgebung
und auch aus der alten Heimat gekommen, insgesamt 820, um sich zu ihrer
Heimatstadt zu bekennen, um einige Stunden wieder beisammen zu sein, Schäßburger
unter Schäßburger. Die Organisatoren warteten mit zwei neuen
Attraktionen auf: einem Treffen der am Freitag Angereisten und einem Tombola,
dessen Erlös für die dringende Renovierung der Klosterkirche
in Schäßburg zur Verfügung gestellt wird. Um es vorwegzunehmen:
Die Stimmung war an allen drei Tagen vorzüglich, und alle Anwesenden
fuhren zufrieden, mit vielen Eindrücken nach Hause zurück.

Festansprache Dr. Karl Scheerer
Mit den Vorbereitungen hatten Freiwillige der Nachbarschaft (Michael
Schneider, Christa Fuss, Lieselotte Konrad, Dieter Wolff, Traudi Knall,
Adolf Kroner, Inge und Kurt Kamilli, Roland Keul; an den Tagen des Treffens
kamen noch hinzu Kathi und Reinhold Schneider, Dietrich Wagner (Tschipp))
schon Wochen vorher begonnen; am Freitag wurden dann Bühne und Saal
vorbereitet. Am selben Tag, nach 18 Uhr, trafen sich 34 Schäßburger/innen
zum angekündigten gemütlichen Beisammensein der "Senioren
und Junggebliebenen" in der Gaststätte "Stadtwappen"
in Fürth. Die Organisatoren hatten den schon im Laufe des Freitags
Angereisten die Möglichkeit zu einem Treffen geben wollen und hatten
mit einer größeren Beteiligung gerechnet. Für die Anwesenden
wurde es ein schöner Abend: Lukas Geddert zeigte einen Film über
Schäßburg, den er anlässlich eines Besuchs in der alten
Heimat gedreht hatte, und Walter Lingner führte dann den etwa einstündigen
Film "Wir Schäßburger" vor. Es war eine gelungene
Einstimmung auf die nächsten zwei Tage.
30 schöne Schäßburgerinnen
Die Saalöffnung am Samstag war für 9 Uhr angekündigt. Schon
viel vorher herrschte im Foyer reges Treiben: Die Aussteller bereiteten
ihre Stände vor. Isa Leonhardt packte ihre Bücher aus, Günther
Czernetzky befestigte die Fotos von Schäßburg, die schon zu
Pfingsten in Dinkelsbühl unter dem Titel "Schäßburg
im Wandel der Zeit" gezeigt worden waren, an der Wand, Adolf Kroner
breitete seine Aquarelle auf drei Tischen aus, Gertrud Theil stellte ihre
Keramik-Krüge zur Schau ... Das Foyer verwandelte sich in kurzer
Zeit in eine interessante, vielseitige kleine Messe. Friedrich Eberle
- Gemälde/Aquarelle, Renate Krech - Ölbilder, Susanne Roth -
Seidenmalerei, Ortrun Fabini - Seidentücher, Inge Wagner - Bilder.
Der Verein "Sighis¸oara durabila?" hatte einen Stand,
an dem Alexandru Got¸a und Johannes Halmen Interessierten Rede und
Antwort standen. Die Töchter und Enkelsöhne unseres HOG-Vorsitzenden
Walter Lingner betreuten den Verkaufsstand unseres Heimatvereins; es gab
ferner einen Info-Stand des Bergschulvereins und eine Kinder-Spielecke
(Betreuer: Inge Segener und Dietmar Seiler). Walter Halmen zeigte einen
Tischorgel-Nachbau des Schäßburger Orgelbauers Johannes Baumgartner
aus dem Jahre 1752.
Ein ganz besonderer Anziehungspunkt war die Ausstellung "Die schöne
Schäßburgerin" - eine Sammlung von 30 Fotos von attraktiven
Schäßburgerinnen. "Wer könnte das sein?", "Diese
Gesichtszüge kommen mir so bekannt vor ...", "Ach, weißt
du wer das ist? Das ist ...". Das Rätselraten machte Spaß.
Beim nächsten Schäßburger Treffen sollen weitere schöne
Frauen aus Schäßburg von gestern und heute gezeigt werden.
Günther Czernetzky bittet jetzt schon, ihm Fotos zuzuschicken.
In einer Ecke des Foyers hieß es: Hier findet die Tombola-Ziehung
statt. 262 Gegenstände waren zum Verlosen gespendet worden, die meisten
von Lukas Geddert, ihnen ein herzliches Dankeschön!
Man gehört einfach dazu
Gegen Mittag ging es im großen Saal zu wie in einem Bienenhaus.
Überall und immer wieder Begrüßungsszenen. "Schön,
dich wieder zu sehen!" "Dich muss ich doch kennen ... Wie lange
haben wir uns nicht gesehen? Sind es 30 Jahre?" "Sie kommen
mir so bekannt vor ... Na ja, ein Schäßburger Gesicht!"
Hier wurden Erinnerungen aus der Schulzeit ausgetauscht, dort ein Klassentreffen
nach 50 Jahren in Erwähnung gezogen, eine alte Schäßburgerin
hielt Ausschau nach ihren Nichten und Neffen ("Ich will alle noch
einmal sehen ..."), die Gäste aus Schäßburg wurden
mit Fragen über "unsere Stadt" und das Auskommen dort bestürmt.
Helmut Polder, Steinmetz in Schäßburg, erzählte über
die beschwerliche Anreise: "Ich bin im Bus mitgekommen. Seit es diese
Treffen gibt, war ich jedes Mal dabei. Wir sind 31 Stunden unterwegs gewesen,
an der österreichischen Grenze mussten wir fast vier Stunden warten.
Aber das nehme ich gerne in Kauf, um hier zu sein."
In Gesprächen wurden auch Meinungen über unser Treffen, Vermutungen
über die Zahl der Teilnehmer an künftigen Heimattreffen geäußert,
mit Lob für die "Schäßburger Nachrichten", das
Aushängeschild unserer Heimatgemeinschaft, nicht gegeizt. Frau Grete
Focke, geb. Orendi, sprach die Überlegung aus, die sie und sicher
viele andere vor dem Treffen angestellt hatten: "Ehrlich gesagt,
ich bin mit gemischten Gefühlen zu diesem Treffen gekommen. Da kennt
mich ja keiner mehr, hatte ich gedacht. Nun stelle ich fest, hier zählt,
dass man Schäßburger ist und nicht mehr; folglich gehöre
ich auch dazu." Christian Pomarius hält mit seiner Ansicht über
unser Informationsblatt nicht zurück: "Mich interessiert Geschichte,
besonders unsere Geschichte, da lese ich gerne die Beiträge über
Ereignisse und Persönlichkeiten in Schäßburg. Solche Artikel
finden allgemein Anklang, nicht nur bei uns Älteren. Ich habe festgestellt,
dass das Interesse für unsere sächsische Vergangenheit bei den
Enkeln größer ist als bei unseren Kindern." Und Grete
Focke fügt hinzu, dass die Porträts über unsere ehemaligen
Lehrer eine willkommene Lektüre darstellen. Sie rufen Erinnerungen
wach an unsere Schulzeit, "an Lehrer, die uns sehr viel fürs
Leben mitgegeben haben".


Schäßburger Senioren unter sich: die Teutschs,
die Rodamers, die Hennings,
die Löws u.a. ... im Gespräch mit Stadtpfarrer August Schuller;
Foto: W. Lingner
An einem Tisch sitzen Jüngere zusammen. Christian Burtz auf die
Frage, was ein solches Treffen der jüngeren Generation, die eigentlich
nur schwach vertreten ist, bietet: "Ich bin 1977 als 13jähriger
aus Schäßburg ausgesiedelt. Als Erwachsener bin ich nun hier,
weil mich interessiert, woher, aus welcher Gemeinschaft ich komme, in
welchem Umfeld meine Eltern gelebt haben und glücklich waren."
An einem andern Tisch plaudern vier Frauen - Marga, Edith, Gretel, Lotte
- angeregt über ihre Schulzeit. Sie haben sich Jahrzehnte nicht gesehen,
nun hat jede viel zu erzählen.
Mitgliederversammlung:Zuerst die Menschen, dann die Mauern
Rund 80 Mitglieder unserer Heimatortsgemeinschaft trafen sich um 11 Uhr
im kleinen Saal zur Bericht- und Wahlversammlung, die unter der Leitung
von Albert Klingenspohr als Wahlleiter stattfand. Die Zahl der Teilnehmer
war viel kleiner als vor drei Jahren, was Richard Löw, Mitglied im
Ältestenrat, in seiner Begrüßungsansprache zu den Worten
veranlasste: "Die, auf die man sich verlassen kann, sind hier; diejenigen,
auf die man sich nicht verlassen kann, sitzen draußen; wer zu alt
und krank ist und wer nichts mit uns zu tun haben will, ist gar nicht
zu unserem Treffen gekommen."
Zum Rechenschaftsbericht (Walter Lingner), Kassenbericht (Helwig Schumann)
und zum Bericht über die Rechnungsprüfung (Hans Artz) meldeten
sich Otto Kleisch, Hans Benning-Polder, Anna Benning Polder, August Schuller,
Dieter Wagner zu Wort. Auch in diesen Wortmeldungen stand das viel diskutierte
Thema Teilnahme der Jüngeren an unseren Veranstaltungen im Mittelpunkt.
Wie könnten wir die Jüngeren heranziehen, begeistern? "Was
haben wir in der Erziehung unserer Kinder versäumt, dass sie an unseren
Zusammenkünften so gar kein Interesse haben?", fragt sich Otto
Kleisch. Er schlug vor, die Gemeinschaft der Schäßburger hier
in Deutschland zu festigen. Hans Benning-Polder freut sich, dass die HOG
so viel für Schäßburg und die Daheimgebliebenen tut. Seine
Frau meint, es sei schwierig, wenn nicht unmöglich, die Jugend für
die Heimatortsgemeinschaft zu animieren, eher sollten wir bemüht
sein, das "Mittelalter" zum Mitmachen zu bewegen. Unser ehemaliger
Stadtpfarrer Dr. August Schuller stellt "eine gewisse Müdigkeit"
in der Arbeit des HOG -Vorstands fest. Das habe nichts mit dem Alter zu
tun, sondern vielmehr mit der zu großen Fülle von Aufgaben,
die man sich gestellt hat. "Wir können nicht auf allen Hochzeiten
tanzen", verdeutlichte er seinen Gedanken. Für die Zukunft gelte:
"Auswählen, sich nur das vornehmen, was auch realisierbar ist.
Prioritäten setzen. Die Menschen haben immer Vorrang vor alten Mauern.
Und nicht zuletzt: Der Vorstand braucht einen längeren Atem."
Dieter Wagner, Mitglied im Vorstand, ergänzte den Rechenschaftsbericht
mit zusätzlichen Informationen über die humanitäre Hilfe,
die unsere Gemeinschaft in Schäßburg leistet. Zu den "Schäßburger
Nachrichten" gab es viel Lob, aber auch die Bemerkung: "Unsere
Zeitung sollte auch kritisch sein, nicht nur über Schönes und
Gutes berichten. Wir sind nicht nur schön und gut!" (Richard
Löw)
Walter Lingner dankte unter dem Applaus der Anwesenden den bisherigen
Mitgliedern in den Führungsgremien der HOG, die nicht mehr kandidierten,
für die geleistete Arbeit: Hermann Knall, Wilfried Lang, Eckart Markus,
Brunhilde Rusu, Erika Leonhardt, Hans Pomarius, Wilhelm Zay, Albert Zerbes;
ganz besonders dankte er Helwig Schumann, der 10 Jahre lang das schwierige
Amt des Kassenwarts vorbildlich ausgeübt hat - er stellte sich für
den Ältestenrat zur Verfügung.
Die Mitgliederversammlung entlastete den Vorstand, dann schritt man zur
Wahl der neuen Führungsgremien. Walter Lingner informierte die Anwesenden,
dass er mangels eines anderen Kandidaten noch einmal für das Amt
des Vorsitzenden kandidiere. (Das Ergebnis der Wahl finden Sie im Protokoll
unter den "HOG - Nachrichten".)
Reden, Blasmusik, Tänze ...
Während der Mitgliederversammlung herrschte im großen Saal
nebenan weiterhin eine angeregte, gehobene Stimmung. Es ging recht laut
zu, zu laut, fanden diejenigen, die sich die Ansprachen nach dem Mittagessen
(die Portionen hätten größer sein können) anhören
wollten. Walter Lingner, der alte und neue Vorsitzende der HOG Schäßburg,
begrüßte in seiner Eröffnungsansprache die Gäste.
Es folgten die Grußansprachen des Fürther Bürgermeisters
Hartmut Träger, der Bürgermeisterin von Dinkelsbühl, Frau
Hildegard Beck, des Schäßburger Bürgermeisters Ioan Dorin
Danesan, des Vorsitzenden des Dachverbandes der Heimatortsgemeinschaften
in Deutschland, Michael Konnerth; die Festansprache hielt Dr. Karl Scheerer.
Lag es nur an den Verstärkeranlagen, dass der Geräuschpegel
im Saal während der Ansprachen so hoch war? Wer von der Bühne
weiter weg saß, hatte seine liebe Not, die Ansprachen zu verfolgen.
Und trotzdem: Hätte unsere Ansagerin, Frau Karin Decker - That, um
mehr Ruhe bitten sollen? Viele meinten, es sei peinlich gewesen den Gästen
gegenüber, die auf der Bühne standen und sich in ihren Ansprachen
an alle Anwesenden, nicht nur an jene in den ersten Reihen, richteten.

Eröffnungsansprache des Vorsitzenden W. Lingner.
Foto: L. Geddert

Blick in den Festsaal. Foto: W. Lingner

Der reiche Tombola-Tisch. Foto: W. Lingner
Die Ansprachen wurden mit einem kulturellen Programm umrahmt. Ein Bläseroktett,
bestehend aus den ehemaligen Bergschülern Thomas Mügendt, Erwin
Keller, Hans Falschessel, Karl Graef, Fritz Richter, Dieter Krulitsch,
Ewald Mügendt und Uwe Horwath (Leiter der Gruppe) - alle in sächsischer
Tracht - spielte bekannte Märsche, die in den anwesenden Schäßburgern
Erinnerungen an die Blasmusik der "Studenten" unserer Bergschule
auffrischten. Die jung gebliebenen Musiker, die sich gelegentlich treffen,
hatten am Vormittag in einem Nebenraum eine Stunde geprobt und nun bliesen
sie so gekonnt, als hätten sie regelmäßig jede Woche eine
Probe gehabt. Mit von der Partie war die siebenbürgisch-sächsische
Tanzgruppe aus Nürnberg, Leitung: Roswitha Ziegler und Brigitte Barth.
Acht Paare in der bunten Bistritzer sächsischen Tracht führten
den Siebenschritt und einen "Polkaschwung" benannten Tanz vor.
Die Gruppe, die aus 26 Mitgliedern besteht, probt jeden Montag im "Haus
der Heimat" und tritt oft auf: bei Heimattreffen, in Dinkelsbühl,
beim Oktoberfest in München (schon zweimal) oder auch beim Umzug
während der Michaelis-Kirchweih in Fürth. Für nächstes
Jahr wurden sie, wie Frau Barth verriet, zur Teilnahme an der Steuben
- Parade nach New York eingeladen.
Bilder, die für sich sprechen!!
 
 
 
 
 
Ab 17 Uhr konnten die Schäßburger an einem kulturellen Programm
im kleinen Saal teilnehmen und sich dabei vom vielen Reden mit den Bekannten
erholen. Dipl.-Ing. Harald Gitschner referierte in einem Film-Vortrag
über die Firma "Parat-Ro" in der ehemaligen "Nicovala"
an der Weißkircher Straße,. die er leitet; Lehrer Michael
Konrad hielt einen Dia-Vortrag über "Schmetterlinge, Wunder
der Natur" - und tatsächlich, was das Publikum zu hören
und zu sehen bekam, sind Wunder der Natur. Zur Abwechslung gab es auch
hier Musik. Hanna Hellmuth-Wellmann und Hans Wellmann spielten zuerst
auf dem Klavier die Sonate in D-Dur zu vier Händen von Wolfgang Amadeus
Mozart; es folgten ein Choral und eine "Romanze ohne Worte",
die das siebenbürgische Wunderkind Carl Filtsch mit 9 bzw. 10 Jahren
komponiert hatte, gespielt von Hanna Hellmuth-Wellmann, sodann die Lieder
"Abendglocke" (Text Dr. Hans Schuster) und "Abschied von
der Bergschule" (Text Prof. Eckart Hügel), beide vertont von
Hans Wellmann, der am Klavier den Tenor Gerhard Göttler begleitete;
zum Abschluss boten das Ehepaar Wellmann und der Sänger Gerhard Göttler
ein "Potpourri über siebenbürgische Volksweisen".

Ausstellung "Schäßburg im Wandel der Zeiten".
Foto: W. Lingner

Halmen Walter mit seiner Tischorgel. Foto: W. Lingner
Ebenfalls im kleinen Saal fand am Samstagnachmittag eine Ehrung verdienstvoller
Schäßburger statt: Der Vorsitzende des Verbandes siebenbürgisch-sächsischer
Heimatortsgemeinschaften, Herr Michael Konnerth, überreichte die
"Silberne Ehrennadel" an Helwig Schumann, Günther Czernetzky,
Walter Lingner, und Meta Kovacs.
Tanz und Tombola bis Mitternacht
Mit der Verlosung der 262 Objekte, die fürs Tombola gespendet worden
waren - Fotoapparate, Fotoalben, Bilderrahmen, Kalender, Taschenrechner,
Uhren, Bilder von Schäßburg, zwei Aquarelle von Adolf Kroner,
eine Woche gratis Aufenthalt in einem Hotel von Dieter König in Schäßburg
(der Gewinner möge sich wegen weiteren Informationen melden!) u.
v. m. - waren die freiwilligen Helfer (Lieselotte Konrad, Christa Fuss,
Helmut Müller, Kathi und Reinhold Schneider, Dietrich Wagner, Horst
Breihofer, Elisabeth Kroner) am Abend zeitweilig überfordert. Das
Aufrufen der Gewinnlose war ein Kraftakt, die Helfer mussten einander
ablösen, weil ihnen die Stimme versagte; einigen Loskäufern
dauerte die ganze Zeremonie zu lang, sie gaben auf, ohne die Verlosung
sämtlicher Objekte abgewartet zu haben. Am Sonntag holten sich einige
noch ihre Gewinne ab, viele Objekte blieben aber liegen; diese wurden
dann an die Kinder, die bei der Verlosung mit Begeisterung mitgeholfen
hatten, verteilt bzw. der Nürnberger Nachbarschaft für ihre
nächste Veranstaltung überlassen. Unsere Tombola-Aktion hat
1425 € eingebracht; diese Summe wird der evangelischen Kirche in
Schäßburg für die Renovierung der Klosterkirche überwiesen.

Hans Wellmann mit Frau Hanna Hellmuth-Wellmann am Klavier.
Foto: W. Lingner

Meta Kovacs erhält die silberne Ehrennadel des HOG-Dachverbandes
von
Michael Konnerth und Hans Imrich. Foto: W. Lingner
Zur gleichen Zeit mit der Tombola-Verlosung fand im kleinen Saal eine
Tanzunterhaltung statt, zu der unsere Ansagerin Karin Decker - That Junge
und Ältere eingeladen hatte. Für Musik und gute Stimmung sorgten
der Schäßburger Günther Schotsch (elektrische Gitarre
und Gesang) und der Mediascher Manfred Ungar (Keyboard und Gesang). Evergreens,
deutsche Schlager, modernere Stücke - es gab für jeden Geschmack
etwas.
Ein Gottesdienst "wie zu Hause"
Am Sonntag füllten die Schäßburger die St.-Martins-Kirche
in Fürth zum gemeinsamen Gottesdienst. Es wurde eine würdige
Feier, die der Pfarrer der Gastgebergemeinde, Werner Maurer, und der ehemalige
Schäßburger Stadtpfarrer, Dr. August Schuller, jetzt Pfarrer
in Hamburg, gestalteten. Die Orgel spielte Theo Halmen (Schäßburg),
Trompete: Hans Konnerth (Ulm/Elisabethstadt). Eine Überraschung für
alle - selbst für die beiden Pfarrer - war die Singgruppe, die "Laudate
omnes gente" sang: Julius Henning, Ike Henning, Edda Artz, Ute Schuller,
Maria Graef, Theo Halmen, Johann Halmen, H. Fischer. Diese ehemaligen
Mitglieder des Schäßburger Kammerchors und Kirchenchors hatten
sich am Vorabend getroffen und beschlossen, beim Gottesdienst zu singen.
Eine Probe vorher hatte genügt. Herzlichen Dank! Nach dem Gottesdienst
waren sich alle einig: Das war wie früher zu Hause; so festlich,
so sinnreich, so schön. Ein würdiger Abschluss unseres Treffens.
Der Kollektenerlös ging zur Hälfte an die Gastgebergemeinde
St. Martin in Fürth, zur Hälfte an die evangelische Kirche in
Schäßburg (510 €), ebenfalls für die Klosterkirche.

Die St. Martinskirche in Fürth. Foto: L. Geddert
 
 
Begrüßung und Dank nach dem Gottesdienst wie
ehemals vor der Klosterkirche in Schäßburg. Foto: L. Geddert

Pfarrer August Schuller und Pfarrer Werner Maurer
gestalten den Gottesdienst. Foto: L. Geddert

Hermann Theil begrüßt die Schäßburger
Dr. Alex Gota und Johannes Halmen zu
deren Vorstellung des Breiteprojekts. Foto: W. Lingner
Nach dem gemeinasamen Mittagessen in der Stadthalle fand im kleinen Saal
noch eine interessante Darlegung des Breiteprojektes von Dr. Alexandru
Gota (Schäßburg) statt. Als Abschluß wünschte Walter
Lingner den Teilnehmern eine gute Heimfahrt mit einem "Aufwiedersehen
2006 in Dinkelsbühl", und Julius Henning dankte im Namen der
Teilnehmer den Organisatoren für das gute gelingen des Treffens.
Das Schäßburger Treffen hat wohl zum letzten Mal in Fürth
stattgefunden. Obwohl man im Allgemeinen mit diesem Austragungsort recht
zufrieden war, wird zurzeit überlegt, im Zeichen der sich aufbauenden
Städtepartnerschaft Schäßburg - Dinkelsbühl das nächste
Treffen in Dinkelsbühl zu organisieren.
Das Schäßburger Treffen ging gegen 15 Uhr zu Ende. Man war
mit seinem Verlauf zufrieden, obwohl auch einige Mängel in der Organisation
festgestellt wurden. Aber, wie sagt unser alter und neuer Vorsitzende
Walter Lingner, der am Sonntag seinen 73. Geburtstag feierte und von Hermann
Theil mit einem Blumenstrauß geehrt wurde? "Es ist nichts so
gut, dass es nicht besser gemacht werden könnte," aber "Ende
gut, alles gut!"
Horst Breihofer (Nürnberg)
Grußwort von
Frau Hildegard Beck
Bürgermeisterin der Stadt Dinkelsbühl
Sehr geehrter Herr Lingner, sehr geehrter Herr Bürgermeister Danesan,
liebe Mitglieder der Heimatortsgemeinschaft Schäßburg,
sehr geehrte Damen und Herren,
Ich danke für die Einladung zu Ihrem großen Treffen. Ich freue
mich, dass ich heute bei Ihnen sein kann und darf Ihnen auch die Grüße
des gesamten Stadtrates überbringen sowie unseres neuen Oberbürgermeisters
Dr. Christoph Hammer, der Anfang November sein Amt antreten wird.
Sicher sind viele von Ihnen alte Bekannte in Dinkelsbühl und zum
Pfingsttreffen der Siebenbürger Sachsen gern gesehene Gäste
in unserer Stadt.

Hildegard Beck, Bürgermeisterin Dinkelsbühl.
Foto: L. Geddert
In der über 50-jährigen Geschichte des Heimattreffens ist eine
echte Freundschaft zwischen Dinkelsbühl und den Siebenbürger
Sachsen gewachsen, eine Freundschaft, die weit mehr ist als die reine
Übernahme einer Patenschaft. So wird es auch ein Thema in der Amtszeit
des "Neuen" sein, Perspektiven einer Partnerschaft mit Schäßburg
auszuloten. Erste freundschaftliche Beziehungen zu Schäßburg
wurden ja bereits geknüpft. Erst im August hatten wir (kurzen) Besuch
von einer Jugendgruppe, zum Jugendcamp im letzten Jahr kamen junge Leute
und wir planen bereits für die nächsten Jahre.
Diese Besuche - dies muss deutlich gesagt werden - wären ohne die
finanzielle Unterstützung der Heimatortsgemeinde Schäßburg
nicht möglich. Herrn Lingner will ich daher für seine schnelle,
unkomplizierte Hilfe danken. Dinkelsbühl tut sein Möglichstes
auch in finanzieller Hinsicht, doch sind unsere Mittel natürlich
begrenzt.
Ende Oktober letzten Jahres war zweiter Bürgermeister Sorin Savu
zusammen mit einer Delegation in Dinkelsbühl zu Besuch. Wir konnten
bei diesem Besuch weitere Möglichkeiten einer partnerschaftlichen
Beziehung erörtern. Der Grundstein für die Amtszeit von Dr.
Hammer ist also gelegt, die Basis für eine Partnerschaft geschaffen.
Die wichtige Brückenfunktion der Siebenbürger in die alte Heimat
wird immer wieder beschworen. Eine mögliche Städtepartnerschaft
zwischen Dinkelsbühl und Schäßburg würde dies meiner
Meinung nach nur unterstützen.
Wir tragen heute die Vision eines geeinten Europas in uns, die Wirklichkeit
werden kann und die auch unsere Nachbarn im Osten mit einschließen
wird. Diese Vision ist mit dem Beschluss der EU, Rumänien bis 2007
einen Beitritt zu ermöglichen, greifbare Realität geworden.
Die Spaltung in Ost und West, die länger als ein halbes Jahrhundert
unser Leben und Denken beherrschte, scheint überwunden. Es liegt
an uns allen, daran zu arbeiten, dass keine neuen Gräben aufbrechen.
In diesem Sinne sind auch die Treffen der einzelnen Heimatortsgemeinden
kleine Mosaiksteinchen auf dem Weg zu Freundschaft und Verständnis.
Ich würde mich freuen - und der Vorstand der Heimatortsgemeinschaft
steht hier im Wort -, wenn das nächste Schäßburger Treffen
in Dinkelsbühl stattfinden wird. Ich bin auch sicher, dass wir eine
gute Lösung finden werden.
Wir wissen es zu schätzen, dass Sie mit der Pflege Ihrer reichen
geschichtlichen Vergangenheit, Ihrer Bräuche und Traditionen unschätzbare
Arbeit für uns heute und für nachfolgende Generationen leisten.
Dinkelsbühl ist gerne Gastgeber für die verschiedenen Treffen
und wir haben gerne teil an Ihrem Wiedersehen und Ihren Festlichkeiten.
Mit diesen Gedanken darf ich Ihnen einen guten Verlauf Ihres Treffens
hier in Fürth wünschen und Sie noch einmal herzlich einladen
zum nächsten Treffen in Dinkelsbühl.
Grußwort des Schäßburger
Bürgermeisters Ioan Dorin Danesan
Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Schäßburger!
Es wurde Zeit, dass ich wieder nach Fürth komme, wo ich Sie seit
einigen Jahren treffe, Sie, liebe Mitbürger, die vor Jahren in die
verschiedenen Himmelsrichtungen gezogen sind, die aber Ihre stark im Heimatboden
verankerten Wurzeln nicht vergessen haben. Und wenn ich "Heimatboden"
sage, dann spreche ich nicht nur ein Wort aus, sondern denke an den einzigartigen
Seelenzustand, der in SCHÄSSBURG, unserer Heimatstadt, entspringt.

Ioan Dorin Danesan, Bürgermeister Schäßburg.
Foto: L. Geddert
Hiermit begrüße ich alle hier Anwesenden, die etwas Zeit gefunden
haben, um an diesem Ereignis teilzunehmen, und gleichzeitig möchte
ich den Organisatoren herzlich für die Einladung danken.
Die Stadt Schäßburg, genannt auch die "Perle Siebenbürgens",
erfüllt ihr Schicksal, das ihr vor 700 Jahren in die Wiege gelegt
wurde.
So wie die meisten von Ihnen, bin ich in Schässburg geboren und als
MENSCH aufgewachsen. Ich liebe den Ort, ich liebe die Menschen und arbeite
gern, damit unsere Stadt ihren wohl verdienten Platz besetzen kann. Mein
grösster Wunsch ist, den Schäßburgern durch meine Arbeit
wieder mehr Optimismus zu geben.
Die tiefen Wurzeln haben mich immer wieder nach Schäßburg,
den Ort meiner Kindheit, zurückgezogen. Gott wollte, dass ich seit
dem Jahr 2000 endgültig in Schäßburg bleibe
Seit
jenem Augenblick dient alles, was ich mache, dem Ruhm der Heimatstadt,
dem Wohlergehen ihrer Einwohner
Ich wusste, es wird keine leichte
Arbeit sein, aber ich habe es irgendwie wie einen Wettbewerb mit mir selbst
betrachtet, ein Anlass, um meine Erfahrung und meine Arbeitskraft für
diejenigen einzusetzten, die "zu mir gehören".
Jedes Mal, wenn ich Gäste habe, versuche ich, mir einige Fragen zu
beantworten: Was sollte der Tourist in Schäßburg unbedingt
sehen? Wo sollte er mit der Besichtigung anfangen? Was müsste ihm
in Erinnerung bleiben? Es sind Fragen, die man beantworten kann, aber
den Charme Schäßburgs kann man nicht erzählen, den muss
jeder selbst fühlen.
Im Jahr 2000 hatte ich mir einen klaren Überblick verschafft über
alles Gute, aber auch über alles Schlechte in Schäßburg.
Ich erkannte, dass es den Schäßburger nicht sehr gut ging,
dass unsere Stadt für viele Touristen nur eine Zwischenstation darstellte,
dass die Schulen keine normale Bedigungen für den Unterricht hatten,
dass das Krankenhaus keine Spezialisten hatte, dass die Notfallstation
nicht gut ausgestattet war, dass ausländischen Investoren Schäßburg
mehr oder weniger umgingen, dass unsere Burg baufällig ist u. s.
w. Auf dieser Basis hatte ich mir ein Programm aufgestellt, dessen Verwirklichung
ich seit dem Jahr 2000 anstrebe. Heute kann ich sagen, dass ich zum größten
Teil erfüllt habe, was ich den Schäßburgern am Anfang
meiner Amtszeit versprochen habe, und das ist meine größte
Genugtuung.
Wie Sie wahrscheinlich wissen, hatte das Bürgermeisteramt jedes Jahr
ein sehr knapp bemessenes Budget, sodass ich sehr viel überlegen
musste, wenn es galt, Prioritäten zu setzen. In erster Reihe waren
die sozialen Probleme der Jugendlichen zu berücksichtigen, die die
Stadt braucht, die ihre Zukunft bedeuten. Ein großer Teil der Finanzmittel
ging für die Modernisierung der Schulen und für den Bau von
Wohnungen für Jungverheiratete.
Was den Wohnungsbau in Schäßburg betrifft: Im vorigen Jahr
konnte ich vom Bauministerium (MTCT) die Mittel für 64 Neubauwohnungen
erhalten, die am Ende des Jahres den Mietern übergeben werden konnten
Dieses Jahr haben wir angefangen, weitere 140 Wohnungen zu bauen, die
Ende des Jahres, spätestens Anfang des nächsten Jahres, vermietet
werden können; und für 2004, hoffe ich, wieder Geld für
160 Wohnungen zu bekommen.
Um etwas zu errreichen, was unsere Stadt im wahrsten Sinn des Wortes europäisch
macht, habe ich ein Programm für eine Zeitspanne von fünf Jahren
ausgearbeitet, genannt "Schäßburg - sauberer - schöner".
Ich habe an dieses Programm gedacht, weil ich der Meinung bin, dass der
Tourismus unserer Stadt eine große Chance bietet. Deshalb, um den
Wohlstand der Stadt und ihrer Einwohner zu sichern, muss Schäßburg
wieder die "Perle Siebenbürgens" werden. Das Programm sieht
u. a. vor, die Straßen in einen Zustand von europäischem Niveau
zu versetzen. Gleichzeitig müssen wir viel tun für die Modernisierung
der Kanalisation, für die Renovierung der Gebäude im unteren
Teil der Stadt, für die Modernisierung des Bahnhofs, für die
Neuausstattung des Krankenhauses und der Schulen. Wir haben auch andere
Probleme zu lösen, um unserer Stadt ein gefälligeres Aussehen
zu verleihen, wie zum Beispiel das Problem der Straßenhunde in Zusammenarbeit
mit der Stiftung "Vier Pfoten". Wir werden die vorhandenen Grünflächen
neu gestalten und mehr Spielplätze für die Kinder anlegen, neue
Bushaltestellen einrichten und Investoren im Bereich des Tourismus mehr
unterstützen.
Ich wünsche mir, dass Schäßburg sauberer und schöner
wird, weil ich weiß, dass die Einwohner dieser Stadt es verdienen.
Ich möchte allen Schäßburgern sagen, dass alle diese Projekte
nur dann erfüllt werden können, wenn alle, unabhängig von
Alter, Beruf, politische Zugehörigkeit, dazu beitragen.
Zum Schluss danke ich Ihnen noch einmal für Ihre Einladung und als
Bote derjenigen, die in Schäßburg leben, und in meinem Namen
persönlich möchte ich Sie herzlich "nach Hause" einladen,
um zu sehen, was wir noch gemacht haben, und um uns zu kritisieren oder
zu loben.
Vielen Dank
Grußwort von
Michael Konnerth
Vorsitzender des Verbandes der Siebenbürgisch-Sächsischen
Heimatortsgemeinschaften
Sehr geehrte Damen und Herren,
verehrte Ehrengäste,
Herr Bürgermeister der Stadt Schäßburg Danesan,
Frau Bürgermeisterin von Dinkelsbühl Hildegard Beck,
Herr Bürgermeister der Gastgeberstadt Fürth Träger,
verehrter Herr Vorsitzender, Lieber Walter Lingner,
Liebe Schäßburger Landsleute,

Michael Konnerth, Vorsitzender des Verbandes der
Heimatortsgemeinschaften. Foto: L. Geddert
Im Namen des Verbandes der Siebenbürgisch-Sächsischen
Heimatortsgemeinschaften begrüße ich Sie alle recht herzlich.
Ich danke Herrn Walter Lingner für die Einladung zum Schäßburger
Treffen Fürth gerne habe ich sie angenommen und fühle mich in
Eurer Mitte richtig wohl.
Ich habe unter den Schäßburger Landsleuten sehr viele Freunde
aus meiner Schulzeit an dem Josef-Haltrich Gymnasium.
Der Geist der Bergschule hat mich geprägt und meine Einsatz für
die Siebenbürgische Gemeinschaft ist das Ergebnis dieser Schule.
Dem Treffen wünsche ich fröhliche Stunden Ihnen allen gute Gespräche
und danke allen ehrenamtlich tätigen für die freiwillige und
selbstlos geleistete Arbeit.
Festrede von Dr. Karl Scheerer
Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Landsleute!
Die Großreparatur des Joseph - Haltrich - Komplexes wird in meinem
sächsischen Bekanntenkreis in Deutschland teils enthusiastisch begrüßt,
teils gleichgültig zur Kenntnis genommen. Häufig aber wird sie
mit Skepsis, gelegentlich sogar mit Misstrauen oder gar Ablehnung betrachtet.
Die Reaktionen spiegeln ziemlich exakt die widersprüchliche Einstellung
der ausgewanderten Sachsen gegenüber ihrer verlassenen Heimat wider.
Von den Skeptikern höre ich häufig sogar vorwurfsvolle Untertöne:
"Warum engagiert der Mensch sich so sehr für eine verlorene
Sache?" "Es gibt doch kaum noch deutsche Kinder. Lohnt es sich
da, soviel Geld und Energie zu investieren?" Gelegentlich höre
ich sogar viel drastischere Worte. Finis Saxoniae! Diese abgegriffene
Wendung ist immer noch lebendig. "Es ist ja eh alles kaputt und vorbei.
Unsere Heimat hat aufgehört zu existieren." In der Tat! Unsere
Gemeinschaft in Siebenbürgen ist sehr geschrumpft. Wer will das leugnen?
Viele Dörfer sind verlassen und verfallen. Unsere Kirchenburgen sind
in einem mehr als kritischen Zustand. Unsere Kirche ist zu einer Diasporakirche
geworden. In den Städten gibt es noch sächsische Gemeinschaften.
Aber auch dort sind sie sehr geschwächt. Es ist alles anders geworden.
Auch das Joseph-Haltrich-Lyzeum ist nicht mehr das, was einmal die Bergschule
war. Das Renommee hat in den letzten Jahren extrem gelitten. Wir haben
speziell in der deutschen Abteilung einen bedenklichen Mangel an qualifizierten
Lehrern. Es droht immer noch die Gefahr, dass die Schule ihren Status
als Zentrum für das deutsche Sprachdiplom verliert. Das Schulmanagement
weist erhebliche Mängel auf Die Schule wird nicht geführt, sondern
mehr schlecht als recht verwaltet. Die Schuldisziplin liegt im Argen.
Der Schulträger, die Stadt Schäßburg, kommt seinen Pflichten
nur sehr halbherzig nach. Wäre die Generalsanierung aller Gebäude,
nicht eingeleitet worden, hätte über kurz oder lang der Unterricht
zumindest in der Grundschule eingestellt werden müssen. Damit hätte
der quälende Niedergang endlich zum Ende einer Jahrhunderte langen
großartigen Schultradition in Schäßburg geführt.
Soll man nicht lieber angesichts solcher Zustände die sächsische
Geschichte in Siebenbürgen für beendet erklären und das
Ganze auf sich beruhen lassen? Das wäre es dann halt gewesen. Ich
höre förmlich die Sätze: "Habe ich nicht recht gehabt,
Siebenbürgen zu verlassen? Was habe ich da noch zu suchen? Es ist
nicht mehr meine Heimat. Sollen die Rumänen doch zusehen, wie sie
zurecht kommen. Wir sind ihnen nichts mehr schuldig und wir haben da nichts
mehr verloren. Meine Zukunft liegt in Deutschland. Hier bin ich jetzt
zu Hause und hier ist jetzt meine Heimat. Warum also der ganze Aufwand?
Ist es nicht schade um das verlorene Geld?"
Sicher! Eine simple und bequeme Einstellung, die aber den Vorteil hat,
dass sie so nebenbei das Gewissen auf elegante Weise beruhigt. Man braucht
sich über die Gründe der eigenen Auswanderung nicht mehr den
Kopf zu zerbrechen und muss sich auch sich selbst gegenüber nicht
mehr rechtfertigen. Ist es aber wirklich so einfach?
Nein! Das ist eine sehr holzschnitzartige Sichtweise. Für mich stellt
sich die Situation nicht so einfach dar, ich erwarte allerdings nicht,
dass jedermann meine Auffassung teilt. Lassen Sie mich ein wenig ausholen.
Wir alle sind Siebenbürger Sachsen mit einem recht soliden Selbstbewusstsein
und trotz allem einem stark ausgeprägten Heimatgefühl. Über
viele Jahrhunderte haben wir Sachsen uns mit allen unseren Besonderheiten
nämlich Deutsche zu sein, einen kraftvollen Rechtsverband zu bilden,
ein ausgeprägtes Eigenprofil zu besitzen u. a. mehr, stets auch aus
der Region, der Landschaft heraus definiert, einer Landschaft, die nicht
nur von uns geprägt worden ist und auf die wir keineswegs einen Monopolanspruch
erheben können. Das Zusammenspiel der ethnischen, konfessionellen
und kulturellen Faktoren war immer das besondere Merkmal Siebenbürgens.
Es gab stets Einvernehmen und Konflikte, Toleranz und Intoleranz, Abgrenzung
und gegenseitige Befruchtung, kurz, einen modus vivendi sui generis. In
diesem Beziehungsgeflecht spielten die Sachsen sicher eine herausragende
Rolle und sie prägten die Kulturlandschaft Siebenbürgen entscheidend
mit, aber eben nur mit. Sie waren ein bedeutender Bestandteil dieser Kulturlandschaft
und konnten nur in dieser Landschaft ihre besonderen Spuren hinterlassen.
Siebenbürgen ist aber auch durch andere Prägungen gekennzeichnet
und nur das Gesamtensernble ergibt das vollständige Bild.
Ich habe noch in meiner Jugend unter Siebenbürgen ausschließlich
das sächsische Siebenbürgen und unter der Geschichte Siebenbürgens
ausschließlich die Geschichte der Siebenbürger Sachsen verstanden.
Diese verengte Sicht, eine Folge der ansonsten sehr verdienstvollen Teutsch'schen
Geschichtsschreibung, ist heute nicht mehr aufrecht zu erhalten. Sie korrespondiert
im Übrigen mit der schrittweisen Akzentverschiebung in der sächsischen
Selbstverortung im 19. Jahrhundert, die natürlich ihre Ursachen hatte.
Diese beruhten wohl auf den für die sächsischen Positionen bedrohlichen
innerungarischen und innersiebenbürgischen Prozessen infolge des
aufkommenden modernen Nationalismus, aber auch auf der zeitgleichen starken
Wirkung der borussischen Geschichtsschreibung auf die intellektuelle Elite
der Siebenbürger Sachsen. Provokant könnte man formulieren:
Die Siebenbürger Sachsen mutierten allmählich zu Quasireichsdeutschen,
deren Wohngebiet sich außerhalb des Deutschen Reiches befindet.
In den dreißiger Jahren wurde dann dieses auf die Spitze getrieben.
Das wenig präzise Wort Mutterland kam recht früh auf und wurde
eigenartigerweise wie selbstverständlich auf das Deutsche Reich verengt.
Deutschösterreich blieb im Wettbewerb um dieses Privileg nur zweiter
Sieger. So konnte es nicht ausbleiben, dass später die Bundesrepublik
Deutschland neben vielem anderen auch den inoffiziellen Titel "Mutterland
der Siebenbürger Sachsen" von ihrem Rechtsvorgänger, dem
Deutschen Reich, erbte. "Mutterland" wurde von Anfang an zu
einer emotional mächtigen Kategorie. Das nicht selten idealisierte
und verklärte Mutterland erweckte unwillkürlich Sehnsüchte
und ergriff emotional immer mehr Besitz von den Sachsen. Die unappetitliche
Geschichte des vorigen Jahrhunderts hat noch ein Übriges dazu getan.
Interessanterweise bleibt für mich bislang aber ungeklärt, ob
wir mittlerweile in erster Linie Deutsche sind und nur in zweiter Linie
Siebenbürger Sachsen, oder ob immer noch unser regionales siebenbürgisches
Bewusstsein überwiegt, ganz gleich ob wir uns in Deutschland oder
in Siebenbürgen befinden. Nebenbei bemerkt haben wir uns selbst in
der wissenschaftlichen Diskussion noch nicht endgültig und widerspruchsfrei
darüber verständigt, welche Konturen das deutsche Volk hat.
Es konkurrieren nationalstaatsrechtliche, kulturelle und ethnische, also
grenzüberschreitende Kategorien miteinander. Wie ordnen wir uns da
nun ein? Das ist noch nicht endgültig geklärt. Die lediglich
regionale und historisch verankerte Selbstverortung der Sachsen entspricht
zwar auch nicht mehr den Tatsachen, ließe sich jedoch einfacher
umreißen. Wie definieren wir uns also letztendlich? Das möge
jeder für sich entscheiden! Ich konstatiere ein Oszillieren bis hin
zu einem ständigen Changieren zwischen diesen beiden Selbstverortungen.
Ich für meinen Teil empfinde keinen Widerspruch in der Tatsache,
dass ich einerseits Deutscher bin, der in Deutschland seinen Weg gegangen
ist, mit einer Deutschen verheiratet ist und sicher ein tadelloser deutscher
Staatsbürger ist, und dass ich andererseits meine Heimatverbundenheit
mit der regionalen Verwurzelung in Siebenbürgen in seinem Facettenreichtum
stark empfinde. Die Suche nach einer endgültigen und widerspruchsfreien
Identität ist sicher bei uns allen noch nicht abgeschlossen und wird
wohl auch noch andauern.

Die von Tischlermeister Gheorghe Szász und Künstler
Wilhelm Fabini restaurierte und neu gestaltete Kanzel
in der Aula der Bergschule. Hier als Symbol guter
Zusammenarbeit für die Pflege des Weltkulturerbes
Schäßburg. Die Hermann-Niermann-Stiftung aus
Düsseldorf, der Hauptinvestor der Renovierung
des Josef-Haltrich-Gymnasiums mit all seinen
Anstalten, die Firma Parat-Ro aus Schäßburg, der
Rotary Club Düsseldorf, die Heimatortsgemeinschaft
der Schäßburger, Absolventen und Lehrer der Bergschule
trugen dazu bei. Foto: W. Fabini
Nun lassen sich solche emotionalen Bewusstseinsentwicklungen zwar beeinflussen,
zu bestimmten Zeiten sogar anheizen, aber letztendlich nicht steuern oder
gar korrigieren. Wozu auch? Als Historiker habe ich gelernt, Fakten zur
Kenntnis zu nehmen und Schlussfolgerungen zu ziehen. Nachdem wir nun einmal
geistig-emotionale Doppelpassbesitzer sind, was ja eigentlich ein großes
Privileg ist, können wir unsere Möglichkeiten sehr viel wirkungsvoller
zur Geltung bringen als andere. Beide Milieus sind uns vertraut. Wir sind,
wie immer wieder betont wird, die idealen Brückenbauer. Uns sind
nach dem Fall des eisernen Vorhangs riesige Möglichkeiten entstanden.
Warum nutzen wir diese Chance so wenig? Haben uns die letzten 60 Jahre
zu viele Blessuren beigebracht? Haben wir tatsächlich mit Siebenbürgen
endgültig abgeschlossen? Oder welche anderen Gründe gibt es?
Jeder mag das für sich klären.
Wenn man sich aber entschließt, seine Phantasie und Tatkraft für
einen Neuanfang und eine Weiterentwicklung Siebenbürgens einzusetzen,
dann ist man gut beraten, die Realitäten vorurteilsfrei zu akzeptieren.
Nur so erkennt man die Chancen und kann seine Energie sinnvoll einsetzen.
Zunächst einmal muss unmissverständlich festgestellt werden:
Das Sachsentum in Siebenbürgen ist keineswegs, wie in Deutschland
gelegentlich kolportiert wird, vollends untergegangen. Es ist zwar stark
geschwächt, aber es gibt noch lebendige Gemeinschaften mit einer
durchaus beachtlichen kulturellen Szene. Sicher ist alles anders geworden,
doch von finis saxoniae kann nicht die Rede sein, es sei denn, man akzeptiert
nur die in der verklärenden Erinnerung konservierten Verhältnisse.
Letzteres wäre allerdings ein Affront gegenüber unseren im Lande
verbliebenen Landsleuten, die sich nicht haben entschließen können,
dem Auswanderungsstrom zu folgen. Wir haben kein Recht, ihr Vorhandensein
zu ignorieren oder ihre Art, sich zu gesellen, in Frage zu stellen. Unsere
Kirche leistet nach wie vor auch unter erschwerten Verhältnissen
ihren Dienst in hervorragender Weise. Diese Fakten sind mit Erlaubnis
nun mal zur Kenntnis zu nehmen. Schon um ihretwillen sind wir gehalten,
solidarisch zu sein, und da geschieht ja auch sehr viel. Ehemalige Verhältnisse
sind aber nicht wieder herstellbar. Das ist der Lauf der Zeit und auch
der Preis für die Massenauswanderung. Die Geschichte lehrt uns jedoch,
dass es keinen Stillstand gibt. Es entsteht immer wieder etwas Neues und
dieses Neue können wir beeinflussen, wenn wir die Realitäten
akzeptieren und das Unsere zur Weiterentwicklung beitragen. Wir haben
die Möglichkeit dazu, sofern wir nicht nur in die verlorene Vergangenheit
schauen, sondern uns bereithalten, die Zukunft mitzugestalten. Die Vergangenheit
ist immer verloren, die Zukunft können wir prägen. Wir müssen
es nur wollen. Dies gilt auch für unser kulturelles Erbe, vor allem
unsere Bauwerke. Freilich können wir nicht alle Kirchenburgen erhalten.
Aber wir können etliche in die Zukunft hinüberretten, wenn wir
uns entschließen, Prioritäten zu setzen. Wir werden im Schäßburger
Kirchenbezirk eine schonungslose Bestandsaufnahme machen und festlegen,
welche Kirchenburgen und Kirchen wir zum Erhalt vorschlagen und welche
wir aufgeben müssen, damit die erhaltenswerten gerettet werden können.
Die Hermann-Niermann-Stiftung, die die Renovierungsarbeiten am Haltrich-Lyzeum
finanziert, wird uns auch dabei finanziell unterstützen.
Eine Rolle, die uns Sachsen die Geschichte zugewiesen hat, war die der
Lehrmeister. Auch heute noch wird dies von Rumänen und Ungarn gerne
bestätigt, und wir können stolz darauf sein. Wie steht es aber
heute mit unserer Lehrmeisterrolle? Wir haben uns nahezu vollständig
von ihr verabschiedet. Dabei können wir gerade jetzt aufgrund unserer
festen Verankerung in Deutschland diese Rolle neu übernehmen. Wir
können hohe Standards setzen helfen, auch wenn die Widerstände
noch groß sind, vor allem in den Köpfen. Harald Gitschner beweist
mit der "Fa. Parat" in Schäßburg beispielhaft, wie
das funktionieren kann. Klaus Johannis, der Oberbürgermeister von
Hermannstadt, und seine Stadtratskollegen vom Deutschen Forum sind ein
anderes Beispiel. Jeder von uns hat seine spezifischen Möglichkeiten
und Fähigkeiten und könnte sie nutzen.
Eines der Meisterstücke unserer Vorfahren war das einzigartige und
hochrenommierte Schulwesen. Warum sollen wir es unter veränderten
Bedingungen nicht neu beleben? Zugegeben, es gibt kaum noch sächsische
Kinder. Aber die rumänischen Eltern schätzen diese unsere Hinterlassenschaft
hoch und wir brauchen uns, wenn wir alle kräftig mithelfen, um den
Weiterbestand des deutschsprachigen Schulwesens keine großen Sorgen
zu machen. Die Neubelebung und Weiterentwicklung dieses Schulwesens ist
zudem von eminenter Bedeutung für die Auslandskulturpolitik der Bundesrepublik
Deutschland. In keinem anderen Land des ehemaligen Ostblocks genießt
die deutsche Sprache ein so hohes Ansehen wie in Rumänien. Früher
oder später wird auch Rumänien in die Europäische Union
integriert werden und da werden die deutschen Unternehmer einen großen
Wettbewerbsvorteil erlangen. Sie können auf gut ausgebildetes und
sprachkundiges einheimisches Personal zurückgreifen, was für
einen Investor nicht hoch genug einzuschätzen ist.
Wir müssen nur aufpassen, dass uns nicht zwischenzeitlich die Schulgebäude
zusammenfallen. 60 Jahre lang sind sie sträflich vernachlässigt
worden und auch jetzt noch werden nur halbherzige Notreparaturen vorgenommen.
Das Joseph-Haltrich-Lyzeum war kurz vor seinem Ende. Um die Gefahr einer
Schließung abzuwenden, hat sich die Hermann-Niennann-Stiftung entschlossen,
großzügig in die Bresche zu springen. Die Bergschule und der
Zeichensaal sind bereits perfekt wiederhergestellt und modernisiert. Die
Grundschule, also die "Wartburg" und die "Kiste",
werden demnächst in völlig neuer Gestalt den Unterricht wieder
aufnehmen. Es ist eine nagelneue Schulbücherei geschaffen worden,
damit die völlig verwahrloste Bibliothek wieder aufgebaut werden
kann. Das Echo ist mehr als positiv. Viele halten das Haltrich-Lyzeum-jetzt
schon für eine der schönsten Schulen im ganzen Land. Im nächsten
Jahr wird das Gymnasium in der Schanzgasse rundum erneuert. Das Internat
steht zwar auch im Programm der Hermann-Niermann-Stiftung, aber hier gibt
es noch dringenden Klärungsbedarf mit der Stadt Schäßburg
und der Schulleitung. Sie haben es in der Hand, den Weg für eine
großzügige Instandsetzung des Internats freizumachen, oder
diese einmalige Chance verstreichen zu lassen.
Was nützt aber ein perfektes Schulgebäude, wenn der Schulablauf
im Argen liegt? Und das ist leider Gottes täglich zu beobachten.
Die Schule quillt über, weil massenhaft vor allem rumänischsprachige
Klassen hineingepumpt werden, aus welchen Gründen auch immer. Hier
ist dringend Abhilfe geboten. Das Schulmanagement lässt sehr zu wünschen
übrig. Selbst hervorragende Schulentwicklungsprogramme, die vom Schäßburger
Bergschulverein in die Wege geleitet worden sind, werden von der Schulleitung
ausgehebelt. Am meisten hat darunter die deutsche Abteilung zu leiden,
an der wir zudem einen chronischen Lehrermangel haben. Was ist hier zu
tun? Es gibt nur einen Weg: Wir alle müssen die Ärmel hochkrempeln
und unseren Einfluss geltend machen, dass Abhilfe geschaffen wird. Waren
wir nicht einst gern gesehene Lehrmeister? Lassen Sie uns diese Rolle
wieder annehmen! Ich bin zuversichtlich, es wird gelingen, unsere Bergschule
unter neuen Bedingungen wieder zu einer renommierten Bildungsanstalt zu
machen, wenn wir es ernsthaft wollen. Dazu ist jedoch Tatkraft und Hartnäckigkeit
von Nöten. Fast alles ist möglich, wenn man entschlossen sein
Ziel verfolgt.
Meine Damen und Herren, ich bin zwar kein gebürtiger Schäßburger,
fühle mich aber mittlerweile als solcher und rufe Sie auf, unser
Schäßburg nicht im Stich zu lassen. Es hat es nicht verdient,
vergessen zu werden.
Begrüßungsworte durch Pfarrer Werner Maurer, 1. Pfarrer der
Ev.-Luth. Gemeinde St. Martin
Wir beginnen diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters und des
Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Ein herzliches Willkommen zum Gottesdienst an diesem Vormittag in der
St.-Martins-Kirche zu Fürth. Herzlich willkommen aus nah und fern,
aus dem Norden und dem Süden Deutschlands, willkommen aus Ihrer alten
Heimat Schäßburg und Siebenbürgen. Vielen Dank, dass so
viele von Ihnen heute zu uns gefunden haben.

Pfarrer Werner Maurer. Foto: L. Geddert
Ich darf Ihnen mit wenigen Worten unsere Kirche und unsere Gemeinde vorstellen.
Dieses Kirchengebäude wurde im Jahr 1950 mit den wenigen Mitteln,
die nach dem Krieg zur Verfügung standen, für eine ständig
wachsende Bevölkerungszahl in der Fürther Weststadt gebaut.
Die Vorgängerkirche wurde leider im Jahr 1945 von einer Brandbombe
getroffen und völlig zerstört. Heute gehören zu dieser
Gemeinde über 6000 Menschen, die von zwei Pfarrern betreut werden.
Ich freue mich, dass Sie nun schon zum zweiten Mal anlässlich eines
Treffens der Heimatortsgemeinschaft in diese Kirche kommen.
Sie treffen sich an diesem Wochenende in Fürth, um Erinnerungen an
vergangene Zeiten auszutauschen, um Gemeinschaft miteinander zu erleben
und um von hier aus dann wieder den Weg in die Zukunft einzuschlagen.
Insofern sind diese Tage und ist auch dieser Gottesdienst für Sie
ein Wendepunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft:
l ?Wir danken Gott für alle Bewahrung und seinen Schutz in den guten
und schweren Zeiten, die hinter uns liegen.
l ?Wir hören Gottes Wort, das uns ermutigt, damit sich niemand in
seinem Leben in Sorgen verliert.
l ?Und ebenso empfangen wir heute Gottes Segen für den künftigen
Weg.
Unter allen Gästen, die unter uns weilen, grüße ich besonders
meinen Amtsbruder, Herrn Pfarrer Dr. August Schuller, der seit 13 Jahren
als Pastor in Hamburg lebt, vorher in Schäßburg den Verkündigungsdienst
ausgerichtet hat. Wir werden den Gottesdienst gemeinsam gestalten. Ebenso
freue ich mich über die Mitwirkung von Herrn Theo Halmen aus Schäßburg
an der Orgel und von Herrn Hans Konnerth an der Trompete und danke herzlich
für diese Dienste.
Ich wünsche uns allen nun einen gesegneten Gottesdienst.
Predigt von Dr. August Schuller
(Predigttext: Mt 6, 25-4)
Liebe Gemeinde!
Schöne, inhaltsreiche Begegnungen werden mit diesem Gottesdienst
abgeschlossen. Neben der herzlichen Wiedersehensfreude stand manchmal
auch die nachdenkliche Frage: Wie lange haben wir uns nicht mehr gesehen?
Nicht nur Jahre, Jahrzehnte sind vergangen. Dabei stellten wir fest: Die
Zeit hat uns ihre Spuren aufgedrückt. Wir sind zwar die gleichen,
wie früher; aber längst nicht mehr dieselben.
Und doch war es schön festzustellen und dann auch zu erfahren, dass
nicht alle Spuren von den Wellen der Zeit verwischt worden sind. Dabei
weiß ich mit Euch allen: Diese Tage trugen auch eine eigentümliche
Sprengkraft in sich. Zum einen als Aufruf zur Besinnung auf die tragende
Kraft unseres Lebens und unserer Geschichte, aus der wir herkommen, und
zum anderen als leidvolle Erinnerung und Aufbrechen kaum vernarbter Wunden.
Hier wie dort wird am Wurzelgrund unserer Lebens- und Glaubensgeschichte
gerührt. Darum möchte ich weder Wehmut noch Bitterkeit wecken,
sondern verbindende Lebenskräfte aufrufen, die uns alle weiterführen.
Heimat ist nicht nur die Geschichte und Lebenslandschaft, die hinter uns
liegt, sondern auch die Gegenwart, die wir tatkräftig mit Kopf und
Herz für die Zukunft öffnen wollen.
In diesem Sinne habe ich heute nichts Sensationelles anzubieten, sondern
ich werde tun, was ich immer getan habe, in Mediasch, in Schäßburg
und seit 13 Jahren in Hamburg tue.

Pfarrer Dr. August Schuller. Foto: W. Lingner
Ich werde die Bibel aufschlagen und ich werde den Predigttext für
heute lesen. Dabei lade ich Euch ein, mitzuhören, mitzudenken und
mitzugehen. Vielleicht entdecken wir etwas Neues und Brauchbares für
unser Leben und seinen Weg in die Zukunft.
(Predigttext: Mt 6, 25-34)
Diese Worte aus der Bergpredigt Jesu haben mich immer wieder fasziniert.
Als Student habe ich sie auswendig gelernt und als evangelischer Pfarrer
im Gottesdienst ausgelegt und jedes Jahr hören wir sie als Evangeliumslesung
am 15. Sonntag nach Trinitatis. Ich habe sie dabei wechselnd empfunden
- als Trost oder Zumutung, als Herausforderung oder auch als Entlastung
im täglichen Kampf des Lebens.
Und heute Morgen geht es mir genau so. Diese Worte Jesu stellen eine ungeheure
Provokation dar. Kann man das: Leben, ohne sich Sorgen zu machen? Leben,
ohne verantwortungsbewusst an den morgigen Tag zu denken? Wäre es
nicht verantwortungslos, so unbekümmert in den Tag hinein zu leben?
Die elementaren Fragen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken und
womit werden wir uns kleiden? - sie haben uns ein Leben lang begleitet,
sie stehen gebieterisch jeden Tag von neuem vor uns. Und sie prägen
nun einmal unser "Morgen und Übermorgen". Bitteschön
- wem sollten wir da wohl zurufen: Sorgt Euch nicht um euer Leben...Ihr
sollt nicht fragen: Was werden wir essen, was werden wir trinken, womit
werden wir uns kleiden? Nach dem allem trachten die Heiden...
Bitte, wem soll ich das zurufen - nicht im Sinne eines oberflächlichen
"Halt die Ohren steif", sondern als Kernstück evangelischen
Glaubens? Den Arbeitslosen, die auf den langersehnten Aufschwung warten?
Den Obdachlosen, die in der Mönckebergstraße sitzen? Oder den
alten und armen Menschen in Siebenbürgen? Oder sollten wir diese
Worte unseren Politikern in Berlin in das Stammbuch schreiben?
In diesem Sinne sage ich: Dieser Predigttext ist eine Provokation! Die
Parole müsste doch ganz anders lauten: Sorgt Euch! Wir müssen
uns doch sorgen! Wir müssen doch diese Welt gestalten: menschenfreundlicher,
friedvoller, gerechter, lebensdienlicher! Es fliegen uns doch keine gebratenen
Tauben in den Mund. Im Gegenteil: Heftigste Anstrengung ist erforderlich.
Sorgen ist angesagt! Denn die riesigen Probleme, vor denen wir stehen,
die lösen sich nicht von allein.
Nun werden sich nicht wenige fragen: Wie kriegt der jetzt die Kurve wieder
zurück zum Predigttext, nachdem er ihn so kräftig gegen den
Strich gebürstet hat?
Ganz einfach. Ich erzähle Euch eine Geschichte.
Der alte Goethe erzählt im Faust, Teil II, von dem Gespenst, der
Sorge. Es ist Mitternacht und ein Hundertjähriger sitzt im Saal.
Draußen vor der Tür versammeln sich merkwürdige Gestalten,
die so genannten vier grauen Weiber. Eigenartig ihre Namen: Not, Schuld,
Mangel und Sorge. Sie tuscheln und wollen hinein in den Saal. Aber die
Tür ist verschlossen. Nur einer gelingt es, einzudringen. Wie ein
Gespenst schlüpft sie durch das Schlüsselloch. Es ist die Sorge.
Sie haucht den Hundertjährigen an und er erblindet.
Liebe Gemeinde! Viel kann man sich vom Leibe halten: Not, Mangel und sogar
Schuld. Aber nicht die Sorge. Wie ein Gespenst kriecht sie durch jedes
Schlüsselloch, blendet und schlägt mit Blindheit. Und wen sie
einmal im Griff hat, dessen nächtliches Ruhekissen wird zu Stein,
weil die Sorge ihm den Schlaf raubt.
Kommt Euch das nicht bekannt vor? Wie oft standen wir in vergangenen Zeiten
und Jahren vor der quälenden Frage: Was wird die Zukunft bringen?
Werden wir durchkommen? Wie leben und lebenswerte Zukunft bauen? Werde
ich Arbeit bekommen und wird sie Frucht bringen? Wohl jeder kennt die
Sorge, die der Nacht den Schlaf raubt. Und dann machen wir in der Schule
des Lebens auch die andere Erfahrung: Das Sorgen vertreibt die Sorge nicht
- es vermehrt sie. Durch Sorge werden wir nie sorglos.
Es muss also einen anderen Weg geben, als den der Sorge; eine andere Art
zu leben, um das Leben mit seinen Sorgen zu bestehen?
Jesus sagt hier in der Bergpredigt: "Seht die Vögel...."
Merkt Ihr jenes unnachahmliche Lächeln Jesu über unsere Verbissenheit
und Nervosität, mit denen wir jeden Tag beginnen, als ob auf Gott
gar kein Verlass sei? Hier wird die Vertrauensfrage gestellt. Wem vertrauen
wir letzten Endes? Was bedeutet uns Gott in diesem Leben? Erwarten wir
alles von den neuen Verhältnissen, unter denen wir hier leben und
arbeiten, oder erwarten wir alles von Gott? Gehören wir zu den kalten
Rechnern oder zu denen, die mit Paul Gerhard sagen:
"Abend und Morgen sind seine Sorgen
segnen und mehren, Unglück verwehren,
sind seine Werke und Taten allein.
Wenn wir uns legen, so ist er zugegen
Und wenn wir aufstehen, so lässt er aufgehen
über uns seiner Barmherzigkeit Schein."
So kehre ich zurück zu den ausdrucksvollen Bildern, die Jesus uns
vor Augen malt - die Vögel am Himmel, die nicht säen und nicht
ernten; die Lilien auf dem Felde, die nicht arbeiten und nicht spinnen
und die doch von unserem himmlischen Vater genährt und gekleidet
werden.
Darin liegt etwas angenehm Tröstliches, Friedliches und Entlastendes.
Von einem Schlaraffenland ist da allerdings keine Rede. Es werden auch
keine falschen Versprechungen gemacht. Aber es wird uns als Evangelium,
als frohe Botschaft gesagt: Unser Leben ist in einer höheren Hand,
die uns nicht loslässt, auch dann nicht, wenn etwas schief geht oder
misslingt; die uns hält, wenn alles wankt, die wir ergreifen können,
wenn die Angst in uns aufsteigt oder wenn uns das Leben Wunden schlägt.
Die Seele atmet auf, wenn man das hört. Denn die Welt, in der wir
leben, trägt die Handschrift eines Schöpfers, der dieses Leben
liebt. Unser Leben wird in den Horizont einer offenen, gelingenden Zukunft
hineingestellt. In diesem Lebenshorizont Gottes brauchen wir uns nicht
zu übernehmen, noch zu überfordern, weil der unendliche Wert
eines jeden wieder erkennbar wird: Euer Leben ist mehr als Essen und Trinken.
Auf diese Erfahrung zielt unser Abschnitt aus der Bergpredigt Jesu. Er
will uns klar machen: Unser Sorgen besetzt die Stelle, die eigentlich
dem Vertrauen zu Gott gehören sollte.
Diese Jesusworte von den Vögeln unter dem Himmel und den Lilien auf
dem Felde sind mir vor allem eine Einladung zu mehr Gelassenheit geworden:
Nimm dich nicht so wichtig und überschätze dich nicht. Wir Siebenbürger
neigen eh gern zu einer gewissen Selbstüberschätzung. Man klammert
sich an das, was war, und versäumt oder verliert, ohne es wahrzunehmen,
die Gegenwart. Besser wäre schon ein unaufgeregter und gelassener
Aufbruch, ein mutiges Ausprobieren neuer Wege und Möglichkeiten im
Hier und Jetzt, das vertrauende Leben im Heute.
Denn unser Leben ist und war nie das Resultat unserer Sorge. Es ist und
war Geschenk: unverdient und nicht erworben. Gnade: Hier und in Siebenbürgen.
Darum hat alles seine Zeit. Und Veränderungen im Leben hat es in
dem Laufe der Geschichte immer gegeben. Dass wir das heute besonders spüren
und wahrnehmen, gehört auch dazu. Aber das Leben geht weiter, und
im Sinne unseres Predigttextes wünsche ich uns Gelassenheit und innere
Freiheit, Vergangenes loszulassen, damit Neues entstehen kann, und zuzulassen,
dass Gottes gelingende Zukunft sich uns erschließen kann, uns aufschließen
kann für ein neues, vertrauendes Heute und Morgen. Jesus sagt am
Ende unseres Abschnittes: Ich schenke Euch eine Priorität im Leben
- "Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit,
so wird euch alles andere zufallen."
Wenn wir Gott in unserem Leben ernst nehmen, folgt daraus nicht nur jener
Frieden der Seele und jene Gelassenheit und festliche Freude und Erhebung,
wie wir sie heute hier erleben. Es folgt daraus alles andere, was wir
erstreben: z.B. die Verantwortung für die anderen, die Nächsten
hier und in Siebenbürgen. So ruft unser Text die Festigkeit des Glaubens
und die Freude zur Tat der Liebe hervor. Der Kopf soll frei und das Herz
stark werden und fest bleiben. Wenn das keine Herausforderung ist?!
Amen

Letztes Update: 2004-01-10
- Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de
/ http://www.schaessburg-net.de
© 2000 by kdg
|