HOG-Schäßburg / Siebenbürgen


Großes Schäßburger Treffen in Fürth, 26. - 28. September 2003

Hier geht es zu einer Zusammenfassung der besten Bilder vom Schäßburger Treffen 2003- zur Verfügung gestellt von Lukas Geddert

Seniorenabend am Freitag /
Tombola mit einem guten Zweck


Drei Jahre nach dem Schäßburger Treffen in Fürth (1200 Teilnehmer!) trafen sich Schäßburger von nah und fern wieder in der Fürther Stadthalle: Sie waren per Auto, Bahn, Bus oder Flugzeug (könnte ja sein) angereist, hatten bei Verwandten , Freunden oder in einem der günstig gelegenen Hotels Quartier bezogen; sie waren aus dem hohen Norden Deutschlands, aus West und Ost, aus der Umgebung und auch aus der alten Heimat gekommen, insgesamt 820, um sich zu ihrer Heimatstadt zu bekennen, um einige Stunden wieder beisammen zu sein, Schäßburger unter Schäßburger. Die Organisatoren warteten mit zwei neuen Attraktionen auf: einem Treffen der am Freitag Angereisten und einem Tombola, dessen Erlös für die dringende Renovierung der Klosterkirche in Schäßburg zur Verfügung gestellt wird. Um es vorwegzunehmen: Die Stimmung war an allen drei Tagen vorzüglich, und alle Anwesenden fuhren zufrieden, mit vielen Eindrücken nach Hause zurück.


Festansprache Dr. Karl Scheerer

Mit den Vorbereitungen hatten Freiwillige der Nachbarschaft (Michael Schneider, Christa Fuss, Lieselotte Konrad, Dieter Wolff, Traudi Knall, Adolf Kroner, Inge und Kurt Kamilli, Roland Keul; an den Tagen des Treffens kamen noch hinzu Kathi und Reinhold Schneider, Dietrich Wagner (Tschipp)) schon Wochen vorher begonnen; am Freitag wurden dann Bühne und Saal vorbereitet. Am selben Tag, nach 18 Uhr, trafen sich 34 Schäßburger/innen zum angekündigten gemütlichen Beisammensein der "Senioren und Junggebliebenen" in der Gaststätte "Stadtwappen" in Fürth. Die Organisatoren hatten den schon im Laufe des Freitags Angereisten die Möglichkeit zu einem Treffen geben wollen und hatten mit einer größeren Beteiligung gerechnet. Für die Anwesenden wurde es ein schöner Abend: Lukas Geddert zeigte einen Film über Schäßburg, den er anlässlich eines Besuchs in der alten Heimat gedreht hatte, und Walter Lingner führte dann den etwa einstündigen Film "Wir Schäßburger" vor. Es war eine gelungene Einstimmung auf die nächsten zwei Tage.

30 schöne Schäßburgerinnen
Die Saalöffnung am Samstag war für 9 Uhr angekündigt. Schon viel vorher herrschte im Foyer reges Treiben: Die Aussteller bereiteten ihre Stände vor. Isa Leonhardt packte ihre Bücher aus, Günther Czernetzky befestigte die Fotos von Schäßburg, die schon zu Pfingsten in Dinkelsbühl unter dem Titel "Schäßburg im Wandel der Zeit" gezeigt worden waren, an der Wand, Adolf Kroner breitete seine Aquarelle auf drei Tischen aus, Gertrud Theil stellte ihre Keramik-Krüge zur Schau ... Das Foyer verwandelte sich in kurzer Zeit in eine interessante, vielseitige kleine Messe. Friedrich Eberle - Gemälde/Aquarelle, Renate Krech - Ölbilder, Susanne Roth - Seidenmalerei, Ortrun Fabini - Seidentücher, Inge Wagner - Bilder. Der Verein "Sighis¸oara durabila?" hatte einen Stand, an dem Alexandru Got¸a und Johannes Halmen Interessierten Rede und Antwort standen. Die Töchter und Enkelsöhne unseres HOG-Vorsitzenden Walter Lingner betreuten den Verkaufsstand unseres Heimatvereins; es gab ferner einen Info-Stand des Bergschulvereins und eine Kinder-Spielecke (Betreuer: Inge Segener und Dietmar Seiler). Walter Halmen zeigte einen Tischorgel-Nachbau des Schäßburger Orgelbauers Johannes Baumgartner aus dem Jahre 1752.
Ein ganz besonderer Anziehungspunkt war die Ausstellung "Die schöne Schäßburgerin" - eine Sammlung von 30 Fotos von attraktiven Schäßburgerinnen. "Wer könnte das sein?", "Diese Gesichtszüge kommen mir so bekannt vor ...", "Ach, weißt du wer das ist? Das ist ...". Das Rätselraten machte Spaß. Beim nächsten Schäßburger Treffen sollen weitere schöne Frauen aus Schäßburg von gestern und heute gezeigt werden. Günther Czernetzky bittet jetzt schon, ihm Fotos zuzuschicken.
In einer Ecke des Foyers hieß es: Hier findet die Tombola-Ziehung statt. 262 Gegenstände waren zum Verlosen gespendet worden, die meisten von Lukas Geddert, ihnen ein herzliches Dankeschön!

Man gehört einfach dazu
Gegen Mittag ging es im großen Saal zu wie in einem Bienenhaus. Überall und immer wieder Begrüßungsszenen. "Schön, dich wieder zu sehen!" "Dich muss ich doch kennen ... Wie lange haben wir uns nicht gesehen? Sind es 30 Jahre?" "Sie kommen mir so bekannt vor ... Na ja, ein Schäßburger Gesicht!" Hier wurden Erinnerungen aus der Schulzeit ausgetauscht, dort ein Klassentreffen nach 50 Jahren in Erwähnung gezogen, eine alte Schäßburgerin hielt Ausschau nach ihren Nichten und Neffen ("Ich will alle noch einmal sehen ..."), die Gäste aus Schäßburg wurden mit Fragen über "unsere Stadt" und das Auskommen dort bestürmt. Helmut Polder, Steinmetz in Schäßburg, erzählte über die beschwerliche Anreise: "Ich bin im Bus mitgekommen. Seit es diese Treffen gibt, war ich jedes Mal dabei. Wir sind 31 Stunden unterwegs gewesen, an der österreichischen Grenze mussten wir fast vier Stunden warten. Aber das nehme ich gerne in Kauf, um hier zu sein."
In Gesprächen wurden auch Meinungen über unser Treffen, Vermutungen über die Zahl der Teilnehmer an künftigen Heimattreffen geäußert, mit Lob für die "Schäßburger Nachrichten", das Aushängeschild unserer Heimatgemeinschaft, nicht gegeizt. Frau Grete Focke, geb. Orendi, sprach die Überlegung aus, die sie und sicher viele andere vor dem Treffen angestellt hatten: "Ehrlich gesagt, ich bin mit gemischten Gefühlen zu diesem Treffen gekommen. Da kennt mich ja keiner mehr, hatte ich gedacht. Nun stelle ich fest, hier zählt, dass man Schäßburger ist und nicht mehr; folglich gehöre ich auch dazu." Christian Pomarius hält mit seiner Ansicht über unser Informationsblatt nicht zurück: "Mich interessiert Geschichte, besonders unsere Geschichte, da lese ich gerne die Beiträge über Ereignisse und Persönlichkeiten in Schäßburg. Solche Artikel finden allgemein Anklang, nicht nur bei uns Älteren. Ich habe festgestellt, dass das Interesse für unsere sächsische Vergangenheit bei den Enkeln größer ist als bei unseren Kindern." Und Grete Focke fügt hinzu, dass die Porträts über unsere ehemaligen Lehrer eine willkommene Lektüre darstellen. Sie rufen Erinnerungen wach an unsere Schulzeit, "an Lehrer, die uns sehr viel fürs Leben mitgegeben haben".


Schäßburger Senioren unter sich: die Teutschs, die Rodamers, die Hennings,
die Löws u.a. ... im Gespräch mit Stadtpfarrer August Schuller; Foto: W. Lingner

An einem Tisch sitzen Jüngere zusammen. Christian Burtz auf die Frage, was ein solches Treffen der jüngeren Generation, die eigentlich nur schwach vertreten ist, bietet: "Ich bin 1977 als 13jähriger aus Schäßburg ausgesiedelt. Als Erwachsener bin ich nun hier, weil mich interessiert, woher, aus welcher Gemeinschaft ich komme, in welchem Umfeld meine Eltern gelebt haben und glücklich waren." An einem andern Tisch plaudern vier Frauen - Marga, Edith, Gretel, Lotte - angeregt über ihre Schulzeit. Sie haben sich Jahrzehnte nicht gesehen, nun hat jede viel zu erzählen.

Mitgliederversammlung:Zuerst die Menschen, dann die Mauern
Rund 80 Mitglieder unserer Heimatortsgemeinschaft trafen sich um 11 Uhr im kleinen Saal zur Bericht- und Wahlversammlung, die unter der Leitung von Albert Klingenspohr als Wahlleiter stattfand. Die Zahl der Teilnehmer war viel kleiner als vor drei Jahren, was Richard Löw, Mitglied im Ältestenrat, in seiner Begrüßungsansprache zu den Worten veranlasste: "Die, auf die man sich verlassen kann, sind hier; diejenigen, auf die man sich nicht verlassen kann, sitzen draußen; wer zu alt und krank ist und wer nichts mit uns zu tun haben will, ist gar nicht zu unserem Treffen gekommen."
Zum Rechenschaftsbericht (Walter Lingner), Kassenbericht (Helwig Schumann) und zum Bericht über die Rechnungsprüfung (Hans Artz) meldeten sich Otto Kleisch, Hans Benning-Polder, Anna Benning Polder, August Schuller, Dieter Wagner zu Wort. Auch in diesen Wortmeldungen stand das viel diskutierte Thema Teilnahme der Jüngeren an unseren Veranstaltungen im Mittelpunkt. Wie könnten wir die Jüngeren heranziehen, begeistern? "Was haben wir in der Erziehung unserer Kinder versäumt, dass sie an unseren Zusammenkünften so gar kein Interesse haben?", fragt sich Otto Kleisch. Er schlug vor, die Gemeinschaft der Schäßburger hier in Deutschland zu festigen. Hans Benning-Polder freut sich, dass die HOG so viel für Schäßburg und die Daheimgebliebenen tut. Seine Frau meint, es sei schwierig, wenn nicht unmöglich, die Jugend für die Heimatortsgemeinschaft zu animieren, eher sollten wir bemüht sein, das "Mittelalter" zum Mitmachen zu bewegen. Unser ehemaliger Stadtpfarrer Dr. August Schuller stellt "eine gewisse Müdigkeit" in der Arbeit des HOG -Vorstands fest. Das habe nichts mit dem Alter zu tun, sondern vielmehr mit der zu großen Fülle von Aufgaben, die man sich gestellt hat. "Wir können nicht auf allen Hochzeiten tanzen", verdeutlichte er seinen Gedanken. Für die Zukunft gelte: "Auswählen, sich nur das vornehmen, was auch realisierbar ist. Prioritäten setzen. Die Menschen haben immer Vorrang vor alten Mauern. Und nicht zuletzt: Der Vorstand braucht einen längeren Atem."
Dieter Wagner, Mitglied im Vorstand, ergänzte den Rechenschaftsbericht mit zusätzlichen Informationen über die humanitäre Hilfe, die unsere Gemeinschaft in Schäßburg leistet. Zu den "Schäßburger Nachrichten" gab es viel Lob, aber auch die Bemerkung: "Unsere Zeitung sollte auch kritisch sein, nicht nur über Schönes und Gutes berichten. Wir sind nicht nur schön und gut!" (Richard Löw)
Walter Lingner dankte unter dem Applaus der Anwesenden den bisherigen Mitgliedern in den Führungsgremien der HOG, die nicht mehr kandidierten, für die geleistete Arbeit: Hermann Knall, Wilfried Lang, Eckart Markus, Brunhilde Rusu, Erika Leonhardt, Hans Pomarius, Wilhelm Zay, Albert Zerbes; ganz besonders dankte er Helwig Schumann, der 10 Jahre lang das schwierige Amt des Kassenwarts vorbildlich ausgeübt hat - er stellte sich für den Ältestenrat zur Verfügung.
Die Mitgliederversammlung entlastete den Vorstand, dann schritt man zur Wahl der neuen Führungsgremien. Walter Lingner informierte die Anwesenden, dass er mangels eines anderen Kandidaten noch einmal für das Amt des Vorsitzenden kandidiere. (Das Ergebnis der Wahl finden Sie im Protokoll unter den "HOG - Nachrichten".)

Reden, Blasmusik, Tänze ...
Während der Mitgliederversammlung herrschte im großen Saal nebenan weiterhin eine angeregte, gehobene Stimmung. Es ging recht laut zu, zu laut, fanden diejenigen, die sich die Ansprachen nach dem Mittagessen (die Portionen hätten größer sein können) anhören wollten. Walter Lingner, der alte und neue Vorsitzende der HOG Schäßburg, begrüßte in seiner Eröffnungsansprache die Gäste. Es folgten die Grußansprachen des Fürther Bürgermeisters Hartmut Träger, der Bürgermeisterin von Dinkelsbühl, Frau Hildegard Beck, des Schäßburger Bürgermeisters Ioan Dorin Danesan, des Vorsitzenden des Dachverbandes der Heimatortsgemeinschaften in Deutschland, Michael Konnerth; die Festansprache hielt Dr. Karl Scheerer.
Lag es nur an den Verstärkeranlagen, dass der Geräuschpegel im Saal während der Ansprachen so hoch war? Wer von der Bühne weiter weg saß, hatte seine liebe Not, die Ansprachen zu verfolgen. Und trotzdem: Hätte unsere Ansagerin, Frau Karin Decker - That, um mehr Ruhe bitten sollen? Viele meinten, es sei peinlich gewesen den Gästen gegenüber, die auf der Bühne standen und sich in ihren Ansprachen an alle Anwesenden, nicht nur an jene in den ersten Reihen, richteten.


Eröffnungsansprache des Vorsitzenden W. Lingner.
Foto: L. Geddert


Blick in den Festsaal. Foto: W. Lingner


Der reiche Tombola-Tisch. Foto: W. Lingner

Die Ansprachen wurden mit einem kulturellen Programm umrahmt. Ein Bläseroktett, bestehend aus den ehemaligen Bergschülern Thomas Mügendt, Erwin Keller, Hans Falschessel, Karl Graef, Fritz Richter, Dieter Krulitsch, Ewald Mügendt und Uwe Horwath (Leiter der Gruppe) - alle in sächsischer Tracht - spielte bekannte Märsche, die in den anwesenden Schäßburgern Erinnerungen an die Blasmusik der "Studenten" unserer Bergschule auffrischten. Die jung gebliebenen Musiker, die sich gelegentlich treffen, hatten am Vormittag in einem Nebenraum eine Stunde geprobt und nun bliesen sie so gekonnt, als hätten sie regelmäßig jede Woche eine Probe gehabt. Mit von der Partie war die siebenbürgisch-sächsische Tanzgruppe aus Nürnberg, Leitung: Roswitha Ziegler und Brigitte Barth. Acht Paare in der bunten Bistritzer sächsischen Tracht führten den Siebenschritt und einen "Polkaschwung" benannten Tanz vor. Die Gruppe, die aus 26 Mitgliedern besteht, probt jeden Montag im "Haus der Heimat" und tritt oft auf: bei Heimattreffen, in Dinkelsbühl, beim Oktoberfest in München (schon zweimal) oder auch beim Umzug während der Michaelis-Kirchweih in Fürth. Für nächstes Jahr wurden sie, wie Frau Barth verriet, zur Teilnahme an der Steuben - Parade nach New York eingeladen.

Bilder, die für sich sprechen!!


Ab 17 Uhr konnten die Schäßburger an einem kulturellen Programm im kleinen Saal teilnehmen und sich dabei vom vielen Reden mit den Bekannten erholen. Dipl.-Ing. Harald Gitschner referierte in einem Film-Vortrag über die Firma "Parat-Ro" in der ehemaligen "Nicovala" an der Weißkircher Straße,. die er leitet; Lehrer Michael Konrad hielt einen Dia-Vortrag über "Schmetterlinge, Wunder der Natur" - und tatsächlich, was das Publikum zu hören und zu sehen bekam, sind Wunder der Natur. Zur Abwechslung gab es auch hier Musik. Hanna Hellmuth-Wellmann und Hans Wellmann spielten zuerst auf dem Klavier die Sonate in D-Dur zu vier Händen von Wolfgang Amadeus Mozart; es folgten ein Choral und eine "Romanze ohne Worte", die das siebenbürgische Wunderkind Carl Filtsch mit 9 bzw. 10 Jahren komponiert hatte, gespielt von Hanna Hellmuth-Wellmann, sodann die Lieder "Abendglocke" (Text Dr. Hans Schuster) und "Abschied von der Bergschule" (Text Prof. Eckart Hügel), beide vertont von Hans Wellmann, der am Klavier den Tenor Gerhard Göttler begleitete; zum Abschluss boten das Ehepaar Wellmann und der Sänger Gerhard Göttler ein "Potpourri über siebenbürgische Volksweisen".


Ausstellung "Schäßburg im Wandel der Zeiten". Foto: W. Lingner


Halmen Walter mit seiner Tischorgel. Foto: W. Lingner

Ebenfalls im kleinen Saal fand am Samstagnachmittag eine Ehrung verdienstvoller Schäßburger statt: Der Vorsitzende des Verbandes siebenbürgisch-sächsischer Heimatortsgemeinschaften, Herr Michael Konnerth, überreichte die "Silberne Ehrennadel" an Helwig Schumann, Günther Czernetzky, Walter Lingner, und Meta Kovacs.

Tanz und Tombola bis Mitternacht
Mit der Verlosung der 262 Objekte, die fürs Tombola gespendet worden waren - Fotoapparate, Fotoalben, Bilderrahmen, Kalender, Taschenrechner, Uhren, Bilder von Schäßburg, zwei Aquarelle von Adolf Kroner, eine Woche gratis Aufenthalt in einem Hotel von Dieter König in Schäßburg (der Gewinner möge sich wegen weiteren Informationen melden!) u. v. m. - waren die freiwilligen Helfer (Lieselotte Konrad, Christa Fuss, Helmut Müller, Kathi und Reinhold Schneider, Dietrich Wagner, Horst Breihofer, Elisabeth Kroner) am Abend zeitweilig überfordert. Das Aufrufen der Gewinnlose war ein Kraftakt, die Helfer mussten einander ablösen, weil ihnen die Stimme versagte; einigen Loskäufern dauerte die ganze Zeremonie zu lang, sie gaben auf, ohne die Verlosung sämtlicher Objekte abgewartet zu haben. Am Sonntag holten sich einige noch ihre Gewinne ab, viele Objekte blieben aber liegen; diese wurden dann an die Kinder, die bei der Verlosung mit Begeisterung mitgeholfen hatten, verteilt bzw. der Nürnberger Nachbarschaft für ihre nächste Veranstaltung überlassen. Unsere Tombola-Aktion hat 1425 € eingebracht; diese Summe wird der evangelischen Kirche in Schäßburg für die Renovierung der Klosterkirche überwiesen.


Hans Wellmann mit Frau Hanna Hellmuth-Wellmann am Klavier. Foto: W. Lingner


Meta Kovacs erhält die silberne Ehrennadel des HOG-Dachverbandes von
Michael Konnerth und Hans Imrich. Foto: W. Lingner


Zur gleichen Zeit mit der Tombola-Verlosung fand im kleinen Saal eine Tanzunterhaltung statt, zu der unsere Ansagerin Karin Decker - That Junge und Ältere eingeladen hatte. Für Musik und gute Stimmung sorgten der Schäßburger Günther Schotsch (elektrische Gitarre und Gesang) und der Mediascher Manfred Ungar (Keyboard und Gesang). Evergreens, deutsche Schlager, modernere Stücke - es gab für jeden Geschmack etwas.

Ein Gottesdienst "wie zu Hause"
Am Sonntag füllten die Schäßburger die St.-Martins-Kirche in Fürth zum gemeinsamen Gottesdienst. Es wurde eine würdige Feier, die der Pfarrer der Gastgebergemeinde, Werner Maurer, und der ehemalige Schäßburger Stadtpfarrer, Dr. August Schuller, jetzt Pfarrer in Hamburg, gestalteten. Die Orgel spielte Theo Halmen (Schäßburg), Trompete: Hans Konnerth (Ulm/Elisabethstadt). Eine Überraschung für alle - selbst für die beiden Pfarrer - war die Singgruppe, die "Laudate omnes gente" sang: Julius Henning, Ike Henning, Edda Artz, Ute Schuller, Maria Graef, Theo Halmen, Johann Halmen, H. Fischer. Diese ehemaligen Mitglieder des Schäßburger Kammerchors und Kirchenchors hatten sich am Vorabend getroffen und beschlossen, beim Gottesdienst zu singen. Eine Probe vorher hatte genügt. Herzlichen Dank! Nach dem Gottesdienst waren sich alle einig: Das war wie früher zu Hause; so festlich, so sinnreich, so schön. Ein würdiger Abschluss unseres Treffens. Der Kollektenerlös ging zur Hälfte an die Gastgebergemeinde St. Martin in Fürth, zur Hälfte an die evangelische Kirche in Schäßburg (510 €), ebenfalls für die Klosterkirche.


Die St. Martinskirche in Fürth. Foto: L. Geddert


Begrüßung und Dank nach dem Gottesdienst wie ehemals vor der Klosterkirche in Schäßburg. Foto: L. Geddert


Pfarrer August Schuller und Pfarrer Werner Maurer
gestalten den Gottesdienst. Foto: L. Geddert


Hermann Theil begrüßt die Schäßburger Dr. Alex Gota und Johannes Halmen zu
deren Vorstellung des Breiteprojekts. Foto: W. Lingner


Nach dem gemeinasamen Mittagessen in der Stadthalle fand im kleinen Saal noch eine interessante Darlegung des Breiteprojektes von Dr. Alexandru Gota (Schäßburg) statt. Als Abschluß wünschte Walter Lingner den Teilnehmern eine gute Heimfahrt mit einem "Aufwiedersehen 2006 in Dinkelsbühl", und Julius Henning dankte im Namen der Teilnehmer den Organisatoren für das gute gelingen des Treffens.
Das Schäßburger Treffen hat wohl zum letzten Mal in Fürth stattgefunden. Obwohl man im Allgemeinen mit diesem Austragungsort recht zufrieden war, wird zurzeit überlegt, im Zeichen der sich aufbauenden Städtepartnerschaft Schäßburg - Dinkelsbühl das nächste Treffen in Dinkelsbühl zu organisieren.
Das Schäßburger Treffen ging gegen 15 Uhr zu Ende. Man war mit seinem Verlauf zufrieden, obwohl auch einige Mängel in der Organisation festgestellt wurden. Aber, wie sagt unser alter und neuer Vorsitzende Walter Lingner, der am Sonntag seinen 73. Geburtstag feierte und von Hermann Theil mit einem Blumenstrauß geehrt wurde? "Es ist nichts so gut, dass es nicht besser gemacht werden könnte," aber "Ende gut, alles gut!"

Horst Breihofer (Nürnberg)

 

Grußwort von
Frau Hildegard Beck

Bürgermeisterin der Stadt Dinkelsbühl

Sehr geehrter Herr Lingner, sehr geehrter Herr Bürgermeister Danesan,
liebe Mitglieder der Heimatortsgemeinschaft Schäßburg,
sehr geehrte Damen und Herren,

Ich danke für die Einladung zu Ihrem großen Treffen. Ich freue mich, dass ich heute bei Ihnen sein kann und darf Ihnen auch die Grüße des gesamten Stadtrates überbringen sowie unseres neuen Oberbürgermeisters Dr. Christoph Hammer, der Anfang November sein Amt antreten wird.
Sicher sind viele von Ihnen alte Bekannte in Dinkelsbühl und zum Pfingsttreffen der Siebenbürger Sachsen gern gesehene Gäste in unserer Stadt.


Hildegard Beck, Bürgermeisterin Dinkelsbühl.
Foto: L. Geddert


In der über 50-jährigen Geschichte des Heimattreffens ist eine echte Freundschaft zwischen Dinkelsbühl und den Siebenbürger Sachsen gewachsen, eine Freundschaft, die weit mehr ist als die reine Übernahme einer Patenschaft. So wird es auch ein Thema in der Amtszeit des "Neuen" sein, Perspektiven einer Partnerschaft mit Schäßburg auszuloten. Erste freundschaftliche Beziehungen zu Schäßburg wurden ja bereits geknüpft. Erst im August hatten wir (kurzen) Besuch von einer Jugendgruppe, zum Jugendcamp im letzten Jahr kamen junge Leute und wir planen bereits für die nächsten Jahre.
Diese Besuche - dies muss deutlich gesagt werden - wären ohne die finanzielle Unterstützung der Heimatortsgemeinde Schäßburg nicht möglich. Herrn Lingner will ich daher für seine schnelle, unkomplizierte Hilfe danken. Dinkelsbühl tut sein Möglichstes auch in finanzieller Hinsicht, doch sind unsere Mittel natürlich begrenzt.
Ende Oktober letzten Jahres war zweiter Bürgermeister Sorin Savu zusammen mit einer Delegation in Dinkelsbühl zu Besuch. Wir konnten bei diesem Besuch weitere Möglichkeiten einer partnerschaftlichen Beziehung erörtern. Der Grundstein für die Amtszeit von Dr. Hammer ist also gelegt, die Basis für eine Partnerschaft geschaffen.
Die wichtige Brückenfunktion der Siebenbürger in die alte Heimat wird immer wieder beschworen. Eine mögliche Städtepartnerschaft zwischen Dinkelsbühl und Schäßburg würde dies meiner Meinung nach nur unterstützen.
Wir tragen heute die Vision eines geeinten Europas in uns, die Wirklichkeit werden kann und die auch unsere Nachbarn im Osten mit einschließen wird. Diese Vision ist mit dem Beschluss der EU, Rumänien bis 2007 einen Beitritt zu ermöglichen, greifbare Realität geworden.
Die Spaltung in Ost und West, die länger als ein halbes Jahrhundert unser Leben und Denken beherrschte, scheint überwunden. Es liegt an uns allen, daran zu arbeiten, dass keine neuen Gräben aufbrechen.
In diesem Sinne sind auch die Treffen der einzelnen Heimatortsgemeinden kleine Mosaiksteinchen auf dem Weg zu Freundschaft und Verständnis. Ich würde mich freuen - und der Vorstand der Heimatortsgemeinschaft steht hier im Wort -, wenn das nächste Schäßburger Treffen in Dinkelsbühl stattfinden wird. Ich bin auch sicher, dass wir eine gute Lösung finden werden.
Wir wissen es zu schätzen, dass Sie mit der Pflege Ihrer reichen geschichtlichen Vergangenheit, Ihrer Bräuche und Traditionen unschätzbare Arbeit für uns heute und für nachfolgende Generationen leisten. Dinkelsbühl ist gerne Gastgeber für die verschiedenen Treffen und wir haben gerne teil an Ihrem Wiedersehen und Ihren Festlichkeiten.
Mit diesen Gedanken darf ich Ihnen einen guten Verlauf Ihres Treffens hier in Fürth wünschen und Sie noch einmal herzlich einladen zum nächsten Treffen in Dinkelsbühl.

 

Grußwort des Schäßburger
Bürgermeisters Ioan Dorin Danesan

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Schäßburger!

Es wurde Zeit, dass ich wieder nach Fürth komme, wo ich Sie seit einigen Jahren treffe, Sie, liebe Mitbürger, die vor Jahren in die verschiedenen Himmelsrichtungen gezogen sind, die aber Ihre stark im Heimatboden verankerten Wurzeln nicht vergessen haben. Und wenn ich "Heimatboden" sage, dann spreche ich nicht nur ein Wort aus, sondern denke an den einzigartigen Seelenzustand, der in SCHÄSSBURG, unserer Heimatstadt, entspringt.


Ioan Dorin Danesan, Bürgermeister Schäßburg.
Foto: L. Geddert


Hiermit begrüße ich alle hier Anwesenden, die etwas Zeit gefunden haben, um an diesem Ereignis teilzunehmen, und gleichzeitig möchte ich den Organisatoren herzlich für die Einladung danken.
Die Stadt Schäßburg, genannt auch die "Perle Siebenbürgens", erfüllt ihr Schicksal, das ihr vor 700 Jahren in die Wiege gelegt wurde.
So wie die meisten von Ihnen, bin ich in Schässburg geboren und als MENSCH aufgewachsen. Ich liebe den Ort, ich liebe die Menschen und arbeite gern, damit unsere Stadt ihren wohl verdienten Platz besetzen kann. Mein grösster Wunsch ist, den Schäßburgern durch meine Arbeit wieder mehr Optimismus zu geben.
Die tiefen Wurzeln haben mich immer wieder nach Schäßburg, den Ort meiner Kindheit, zurückgezogen. Gott wollte, dass ich seit dem Jahr 2000 endgültig in Schäßburg bleibe … Seit jenem Augenblick dient alles, was ich mache, dem Ruhm der Heimatstadt, dem Wohlergehen ihrer Einwohner … Ich wusste, es wird keine leichte Arbeit sein, aber ich habe es irgendwie wie einen Wettbewerb mit mir selbst betrachtet, ein Anlass, um meine Erfahrung und meine Arbeitskraft für diejenigen einzusetzten, die "zu mir gehören".
Jedes Mal, wenn ich Gäste habe, versuche ich, mir einige Fragen zu beantworten: Was sollte der Tourist in Schäßburg unbedingt sehen? Wo sollte er mit der Besichtigung anfangen? Was müsste ihm in Erinnerung bleiben? Es sind Fragen, die man beantworten kann, aber den Charme Schäßburgs kann man nicht erzählen, den muss jeder selbst fühlen.
Im Jahr 2000 hatte ich mir einen klaren Überblick verschafft über alles Gute, aber auch über alles Schlechte in Schäßburg. Ich erkannte, dass es den Schäßburger nicht sehr gut ging, dass unsere Stadt für viele Touristen nur eine Zwischenstation darstellte, dass die Schulen keine normale Bedigungen für den Unterricht hatten, dass das Krankenhaus keine Spezialisten hatte, dass die Notfallstation nicht gut ausgestattet war, dass ausländischen Investoren Schäßburg mehr oder weniger umgingen, dass unsere Burg baufällig ist u. s. w. Auf dieser Basis hatte ich mir ein Programm aufgestellt, dessen Verwirklichung ich seit dem Jahr 2000 anstrebe. Heute kann ich sagen, dass ich zum größten Teil erfüllt habe, was ich den Schäßburgern am Anfang meiner Amtszeit versprochen habe, und das ist meine größte Genugtuung.
Wie Sie wahrscheinlich wissen, hatte das Bürgermeisteramt jedes Jahr ein sehr knapp bemessenes Budget, sodass ich sehr viel überlegen musste, wenn es galt, Prioritäten zu setzen. In erster Reihe waren die sozialen Probleme der Jugendlichen zu berücksichtigen, die die Stadt braucht, die ihre Zukunft bedeuten. Ein großer Teil der Finanzmittel ging für die Modernisierung der Schulen und für den Bau von Wohnungen für Jungverheiratete.
Was den Wohnungsbau in Schäßburg betrifft: Im vorigen Jahr konnte ich vom Bauministerium (MTCT) die Mittel für 64 Neubauwohnungen erhalten, die am Ende des Jahres den Mietern übergeben werden konnten Dieses Jahr haben wir angefangen, weitere 140 Wohnungen zu bauen, die Ende des Jahres, spätestens Anfang des nächsten Jahres, vermietet werden können; und für 2004, hoffe ich, wieder Geld für 160 Wohnungen zu bekommen.
Um etwas zu errreichen, was unsere Stadt im wahrsten Sinn des Wortes europäisch macht, habe ich ein Programm für eine Zeitspanne von fünf Jahren ausgearbeitet, genannt "Schäßburg - sauberer - schöner". Ich habe an dieses Programm gedacht, weil ich der Meinung bin, dass der Tourismus unserer Stadt eine große Chance bietet. Deshalb, um den Wohlstand der Stadt und ihrer Einwohner zu sichern, muss Schäßburg wieder die "Perle Siebenbürgens" werden. Das Programm sieht u. a. vor, die Straßen in einen Zustand von europäischem Niveau zu versetzen. Gleichzeitig müssen wir viel tun für die Modernisierung der Kanalisation, für die Renovierung der Gebäude im unteren Teil der Stadt, für die Modernisierung des Bahnhofs, für die Neuausstattung des Krankenhauses und der Schulen. Wir haben auch andere Probleme zu lösen, um unserer Stadt ein gefälligeres Aussehen zu verleihen, wie zum Beispiel das Problem der Straßenhunde in Zusammenarbeit mit der Stiftung "Vier Pfoten". Wir werden die vorhandenen Grünflächen neu gestalten und mehr Spielplätze für die Kinder anlegen, neue Bushaltestellen einrichten und Investoren im Bereich des Tourismus mehr unterstützen.
Ich wünsche mir, dass Schäßburg sauberer und schöner wird, weil ich weiß, dass die Einwohner dieser Stadt es verdienen. Ich möchte allen Schäßburgern sagen, dass alle diese Projekte nur dann erfüllt werden können, wenn alle, unabhängig von Alter, Beruf, politische Zugehörigkeit, dazu beitragen.
Zum Schluss danke ich Ihnen noch einmal für Ihre Einladung und als Bote derjenigen, die in Schäßburg leben, und in meinem Namen persönlich möchte ich Sie herzlich "nach Hause" einladen, um zu sehen, was wir noch gemacht haben, und um uns zu kritisieren oder zu loben.
Vielen Dank

 

Grußwort von
Michael Konnerth

Vorsitzender des Verbandes der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatortsgemeinschaften

Sehr geehrte Damen und Herren,
verehrte Ehrengäste,
Herr Bürgermeister der Stadt Schäßburg Danesan,
Frau Bürgermeisterin von Dinkelsbühl Hildegard Beck,
Herr Bürgermeister der Gastgeberstadt Fürth Träger,
verehrter Herr Vorsitzender, Lieber Walter Lingner,
Liebe Schäßburger Landsleute,


Michael Konnerth, Vorsitzender des Verbandes der
Heimatortsgemeinschaften. Foto: L. Geddert

Im Namen des Verbandes der Siebenbürgisch-Sächsischen
Heimatortsgemeinschaften begrüße ich Sie alle recht herzlich.
Ich danke Herrn Walter Lingner für die Einladung zum Schäßburger Treffen Fürth gerne habe ich sie angenommen und fühle mich in Eurer Mitte richtig wohl.
Ich habe unter den Schäßburger Landsleuten sehr viele Freunde aus meiner Schulzeit an dem Josef-Haltrich Gymnasium.
Der Geist der Bergschule hat mich geprägt und meine Einsatz für die Siebenbürgische Gemeinschaft ist das Ergebnis dieser Schule.
Dem Treffen wünsche ich fröhliche Stunden Ihnen allen gute Gespräche und danke allen ehrenamtlich tätigen für die freiwillige und selbstlos geleistete Arbeit.

 

Festrede von Dr. Karl Scheerer

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Landsleute!

Die Großreparatur des Joseph - Haltrich - Komplexes wird in meinem sächsischen Bekanntenkreis in Deutschland teils enthusiastisch begrüßt, teils gleichgültig zur Kenntnis genommen. Häufig aber wird sie mit Skepsis, gelegentlich sogar mit Misstrauen oder gar Ablehnung betrachtet. Die Reaktionen spiegeln ziemlich exakt die widersprüchliche Einstellung der ausgewanderten Sachsen gegenüber ihrer verlassenen Heimat wider. Von den Skeptikern höre ich häufig sogar vorwurfsvolle Untertöne: "Warum engagiert der Mensch sich so sehr für eine verlorene Sache?" "Es gibt doch kaum noch deutsche Kinder. Lohnt es sich da, soviel Geld und Energie zu investieren?" Gelegentlich höre ich sogar viel drastischere Worte. Finis Saxoniae! Diese abgegriffene Wendung ist immer noch lebendig. "Es ist ja eh alles kaputt und vorbei. Unsere Heimat hat aufgehört zu existieren." In der Tat! Unsere Gemeinschaft in Siebenbürgen ist sehr geschrumpft. Wer will das leugnen? Viele Dörfer sind verlassen und verfallen. Unsere Kirchenburgen sind in einem mehr als kritischen Zustand. Unsere Kirche ist zu einer Diasporakirche geworden. In den Städten gibt es noch sächsische Gemeinschaften. Aber auch dort sind sie sehr geschwächt. Es ist alles anders geworden. Auch das Joseph-Haltrich-Lyzeum ist nicht mehr das, was einmal die Bergschule war. Das Renommee hat in den letzten Jahren extrem gelitten. Wir haben speziell in der deutschen Abteilung einen bedenklichen Mangel an qualifizierten Lehrern. Es droht immer noch die Gefahr, dass die Schule ihren Status als Zentrum für das deutsche Sprachdiplom verliert. Das Schulmanagement weist erhebliche Mängel auf Die Schule wird nicht geführt, sondern mehr schlecht als recht verwaltet. Die Schuldisziplin liegt im Argen. Der Schulträger, die Stadt Schäßburg, kommt seinen Pflichten nur sehr halbherzig nach. Wäre die Generalsanierung aller Gebäude, nicht eingeleitet worden, hätte über kurz oder lang der Unterricht zumindest in der Grundschule eingestellt werden müssen. Damit hätte der quälende Niedergang endlich zum Ende einer Jahrhunderte langen großartigen Schultradition in Schäßburg geführt. Soll man nicht lieber angesichts solcher Zustände die sächsische Geschichte in Siebenbürgen für beendet erklären und das Ganze auf sich beruhen lassen? Das wäre es dann halt gewesen. Ich höre förmlich die Sätze: "Habe ich nicht recht gehabt, Siebenbürgen zu verlassen? Was habe ich da noch zu suchen? Es ist nicht mehr meine Heimat. Sollen die Rumänen doch zusehen, wie sie zurecht kommen. Wir sind ihnen nichts mehr schuldig und wir haben da nichts mehr verloren. Meine Zukunft liegt in Deutschland. Hier bin ich jetzt zu Hause und hier ist jetzt meine Heimat. Warum also der ganze Aufwand? Ist es nicht schade um das verlorene Geld?"
Sicher! Eine simple und bequeme Einstellung, die aber den Vorteil hat, dass sie so nebenbei das Gewissen auf elegante Weise beruhigt. Man braucht sich über die Gründe der eigenen Auswanderung nicht mehr den Kopf zu zerbrechen und muss sich auch sich selbst gegenüber nicht mehr rechtfertigen. Ist es aber wirklich so einfach?
Nein! Das ist eine sehr holzschnitzartige Sichtweise. Für mich stellt sich die Situation nicht so einfach dar, ich erwarte allerdings nicht, dass jedermann meine Auffassung teilt. Lassen Sie mich ein wenig ausholen. Wir alle sind Siebenbürger Sachsen mit einem recht soliden Selbstbewusstsein und trotz allem einem stark ausgeprägten Heimatgefühl. Über viele Jahrhunderte haben wir Sachsen uns mit allen unseren Besonderheiten nämlich Deutsche zu sein, einen kraftvollen Rechtsverband zu bilden, ein ausgeprägtes Eigenprofil zu besitzen u. a. mehr, stets auch aus der Region, der Landschaft heraus definiert, einer Landschaft, die nicht nur von uns geprägt worden ist und auf die wir keineswegs einen Monopolanspruch erheben können. Das Zusammenspiel der ethnischen, konfessionellen und kulturellen Faktoren war immer das besondere Merkmal Siebenbürgens. Es gab stets Einvernehmen und Konflikte, Toleranz und Intoleranz, Abgrenzung und gegenseitige Befruchtung, kurz, einen modus vivendi sui generis. In diesem Beziehungsgeflecht spielten die Sachsen sicher eine herausragende Rolle und sie prägten die Kulturlandschaft Siebenbürgen entscheidend mit, aber eben nur mit. Sie waren ein bedeutender Bestandteil dieser Kulturlandschaft und konnten nur in dieser Landschaft ihre besonderen Spuren hinterlassen. Siebenbürgen ist aber auch durch andere Prägungen gekennzeichnet und nur das Gesamtensernble ergibt das vollständige Bild.
Ich habe noch in meiner Jugend unter Siebenbürgen ausschließlich das sächsische Siebenbürgen und unter der Geschichte Siebenbürgens ausschließlich die Geschichte der Siebenbürger Sachsen verstanden. Diese verengte Sicht, eine Folge der ansonsten sehr verdienstvollen Teutsch'schen Geschichtsschreibung, ist heute nicht mehr aufrecht zu erhalten. Sie korrespondiert im Übrigen mit der schrittweisen Akzentverschiebung in der sächsischen Selbstverortung im 19. Jahrhundert, die natürlich ihre Ursachen hatte. Diese beruhten wohl auf den für die sächsischen Positionen bedrohlichen innerungarischen und innersiebenbürgischen Prozessen infolge des aufkommenden modernen Nationalismus, aber auch auf der zeitgleichen starken Wirkung der borussischen Geschichtsschreibung auf die intellektuelle Elite der Siebenbürger Sachsen. Provokant könnte man formulieren: Die Siebenbürger Sachsen mutierten allmählich zu Quasireichsdeutschen, deren Wohngebiet sich außerhalb des Deutschen Reiches befindet. In den dreißiger Jahren wurde dann dieses auf die Spitze getrieben.
Das wenig präzise Wort Mutterland kam recht früh auf und wurde eigenartigerweise wie selbstverständlich auf das Deutsche Reich verengt. Deutschösterreich blieb im Wettbewerb um dieses Privileg nur zweiter Sieger. So konnte es nicht ausbleiben, dass später die Bundesrepublik Deutschland neben vielem anderen auch den inoffiziellen Titel "Mutterland der Siebenbürger Sachsen" von ihrem Rechtsvorgänger, dem Deutschen Reich, erbte. "Mutterland" wurde von Anfang an zu einer emotional mächtigen Kategorie. Das nicht selten idealisierte und verklärte Mutterland erweckte unwillkürlich Sehnsüchte und ergriff emotional immer mehr Besitz von den Sachsen. Die unappetitliche Geschichte des vorigen Jahrhunderts hat noch ein Übriges dazu getan. Interessanterweise bleibt für mich bislang aber ungeklärt, ob wir mittlerweile in erster Linie Deutsche sind und nur in zweiter Linie Siebenbürger Sachsen, oder ob immer noch unser regionales siebenbürgisches Bewusstsein überwiegt, ganz gleich ob wir uns in Deutschland oder in Siebenbürgen befinden. Nebenbei bemerkt haben wir uns selbst in der wissenschaftlichen Diskussion noch nicht endgültig und widerspruchsfrei darüber verständigt, welche Konturen das deutsche Volk hat. Es konkurrieren nationalstaatsrechtliche, kulturelle und ethnische, also grenzüberschreitende Kategorien miteinander. Wie ordnen wir uns da nun ein? Das ist noch nicht endgültig geklärt. Die lediglich regionale und historisch verankerte Selbstverortung der Sachsen entspricht zwar auch nicht mehr den Tatsachen, ließe sich jedoch einfacher umreißen. Wie definieren wir uns also letztendlich? Das möge jeder für sich entscheiden! Ich konstatiere ein Oszillieren bis hin zu einem ständigen Changieren zwischen diesen beiden Selbstverortungen. Ich für meinen Teil empfinde keinen Widerspruch in der Tatsache, dass ich einerseits Deutscher bin, der in Deutschland seinen Weg gegangen ist, mit einer Deutschen verheiratet ist und sicher ein tadelloser deutscher Staatsbürger ist, und dass ich andererseits meine Heimatverbundenheit mit der regionalen Verwurzelung in Siebenbürgen in seinem Facettenreichtum stark empfinde. Die Suche nach einer endgültigen und widerspruchsfreien Identität ist sicher bei uns allen noch nicht abgeschlossen und wird wohl auch noch andauern.


Die von Tischlermeister Gheorghe Szász und Künstler
Wilhelm Fabini restaurierte und neu gestaltete Kanzel
in der Aula der Bergschule. Hier als Symbol guter
Zusammenarbeit für die Pflege des Weltkulturerbes
Schäßburg. Die Hermann-Niermann-Stiftung aus
Düsseldorf, der Hauptinvestor der Renovierung
des Josef-Haltrich-Gymnasiums mit all seinen
Anstalten, die Firma Parat-Ro aus Schäßburg, der
Rotary Club Düsseldorf, die Heimatortsgemeinschaft
der Schäßburger, Absolventen und Lehrer der Bergschule
trugen dazu bei. Foto: W. Fabini


Nun lassen sich solche emotionalen Bewusstseinsentwicklungen zwar beeinflussen, zu bestimmten Zeiten sogar anheizen, aber letztendlich nicht steuern oder gar korrigieren. Wozu auch? Als Historiker habe ich gelernt, Fakten zur Kenntnis zu nehmen und Schlussfolgerungen zu ziehen. Nachdem wir nun einmal geistig-emotionale Doppelpassbesitzer sind, was ja eigentlich ein großes Privileg ist, können wir unsere Möglichkeiten sehr viel wirkungsvoller zur Geltung bringen als andere. Beide Milieus sind uns vertraut. Wir sind, wie immer wieder betont wird, die idealen Brückenbauer. Uns sind nach dem Fall des eisernen Vorhangs riesige Möglichkeiten entstanden. Warum nutzen wir diese Chance so wenig? Haben uns die letzten 60 Jahre zu viele Blessuren beigebracht? Haben wir tatsächlich mit Siebenbürgen endgültig abgeschlossen? Oder welche anderen Gründe gibt es? Jeder mag das für sich klären.
Wenn man sich aber entschließt, seine Phantasie und Tatkraft für einen Neuanfang und eine Weiterentwicklung Siebenbürgens einzusetzen, dann ist man gut beraten, die Realitäten vorurteilsfrei zu akzeptieren. Nur so erkennt man die Chancen und kann seine Energie sinnvoll einsetzen.
Zunächst einmal muss unmissverständlich festgestellt werden:
Das Sachsentum in Siebenbürgen ist keineswegs, wie in Deutschland gelegentlich kolportiert wird, vollends untergegangen. Es ist zwar stark geschwächt, aber es gibt noch lebendige Gemeinschaften mit einer durchaus beachtlichen kulturellen Szene. Sicher ist alles anders geworden, doch von finis saxoniae kann nicht die Rede sein, es sei denn, man akzeptiert nur die in der verklärenden Erinnerung konservierten Verhältnisse. Letzteres wäre allerdings ein Affront gegenüber unseren im Lande verbliebenen Landsleuten, die sich nicht haben entschließen können, dem Auswanderungsstrom zu folgen. Wir haben kein Recht, ihr Vorhandensein zu ignorieren oder ihre Art, sich zu gesellen, in Frage zu stellen. Unsere Kirche leistet nach wie vor auch unter erschwerten Verhältnissen ihren Dienst in hervorragender Weise. Diese Fakten sind mit Erlaubnis nun mal zur Kenntnis zu nehmen. Schon um ihretwillen sind wir gehalten, solidarisch zu sein, und da geschieht ja auch sehr viel. Ehemalige Verhältnisse sind aber nicht wieder herstellbar. Das ist der Lauf der Zeit und auch der Preis für die Massenauswanderung. Die Geschichte lehrt uns jedoch, dass es keinen Stillstand gibt. Es entsteht immer wieder etwas Neues und dieses Neue können wir beeinflussen, wenn wir die Realitäten akzeptieren und das Unsere zur Weiterentwicklung beitragen. Wir haben die Möglichkeit dazu, sofern wir nicht nur in die verlorene Vergangenheit schauen, sondern uns bereithalten, die Zukunft mitzugestalten. Die Vergangenheit ist immer verloren, die Zukunft können wir prägen. Wir müssen es nur wollen. Dies gilt auch für unser kulturelles Erbe, vor allem unsere Bauwerke. Freilich können wir nicht alle Kirchenburgen erhalten. Aber wir können etliche in die Zukunft hinüberretten, wenn wir uns entschließen, Prioritäten zu setzen. Wir werden im Schäßburger Kirchenbezirk eine schonungslose Bestandsaufnahme machen und festlegen, welche Kirchenburgen und Kirchen wir zum Erhalt vorschlagen und welche wir aufgeben müssen, damit die erhaltenswerten gerettet werden können. Die Hermann-Niermann-Stiftung, die die Renovierungsarbeiten am Haltrich-Lyzeum finanziert, wird uns auch dabei finanziell unterstützen.
Eine Rolle, die uns Sachsen die Geschichte zugewiesen hat, war die der Lehrmeister. Auch heute noch wird dies von Rumänen und Ungarn gerne bestätigt, und wir können stolz darauf sein. Wie steht es aber heute mit unserer Lehrmeisterrolle? Wir haben uns nahezu vollständig von ihr verabschiedet. Dabei können wir gerade jetzt aufgrund unserer festen Verankerung in Deutschland diese Rolle neu übernehmen. Wir können hohe Standards setzen helfen, auch wenn die Widerstände noch groß sind, vor allem in den Köpfen. Harald Gitschner beweist mit der "Fa. Parat" in Schäßburg beispielhaft, wie das funktionieren kann. Klaus Johannis, der Oberbürgermeister von Hermannstadt, und seine Stadtratskollegen vom Deutschen Forum sind ein anderes Beispiel. Jeder von uns hat seine spezifischen Möglichkeiten und Fähigkeiten und könnte sie nutzen.
Eines der Meisterstücke unserer Vorfahren war das einzigartige und hochrenommierte Schulwesen. Warum sollen wir es unter veränderten Bedingungen nicht neu beleben? Zugegeben, es gibt kaum noch sächsische Kinder. Aber die rumänischen Eltern schätzen diese unsere Hinterlassenschaft hoch und wir brauchen uns, wenn wir alle kräftig mithelfen, um den Weiterbestand des deutschsprachigen Schulwesens keine großen Sorgen zu machen. Die Neubelebung und Weiterentwicklung dieses Schulwesens ist zudem von eminenter Bedeutung für die Auslandskulturpolitik der Bundesrepublik Deutschland. In keinem anderen Land des ehemaligen Ostblocks genießt die deutsche Sprache ein so hohes Ansehen wie in Rumänien. Früher oder später wird auch Rumänien in die Europäische Union integriert werden und da werden die deutschen Unternehmer einen großen Wettbewerbsvorteil erlangen. Sie können auf gut ausgebildetes und sprachkundiges einheimisches Personal zurückgreifen, was für einen Investor nicht hoch genug einzuschätzen ist.
Wir müssen nur aufpassen, dass uns nicht zwischenzeitlich die Schulgebäude zusammenfallen. 60 Jahre lang sind sie sträflich vernachlässigt worden und auch jetzt noch werden nur halbherzige Notreparaturen vorgenommen. Das Joseph-Haltrich-Lyzeum war kurz vor seinem Ende. Um die Gefahr einer Schließung abzuwenden, hat sich die Hermann-Niennann-Stiftung entschlossen, großzügig in die Bresche zu springen. Die Bergschule und der Zeichensaal sind bereits perfekt wiederhergestellt und modernisiert. Die Grundschule, also die "Wartburg" und die "Kiste", werden demnächst in völlig neuer Gestalt den Unterricht wieder aufnehmen. Es ist eine nagelneue Schulbücherei geschaffen worden, damit die völlig verwahrloste Bibliothek wieder aufgebaut werden kann. Das Echo ist mehr als positiv. Viele halten das Haltrich-Lyzeum-jetzt schon für eine der schönsten Schulen im ganzen Land. Im nächsten Jahr wird das Gymnasium in der Schanzgasse rundum erneuert. Das Internat steht zwar auch im Programm der Hermann-Niermann-Stiftung, aber hier gibt es noch dringenden Klärungsbedarf mit der Stadt Schäßburg und der Schulleitung. Sie haben es in der Hand, den Weg für eine großzügige Instandsetzung des Internats freizumachen, oder diese einmalige Chance verstreichen zu lassen.
Was nützt aber ein perfektes Schulgebäude, wenn der Schulablauf im Argen liegt? Und das ist leider Gottes täglich zu beobachten. Die Schule quillt über, weil massenhaft vor allem rumänischsprachige Klassen hineingepumpt werden, aus welchen Gründen auch immer. Hier ist dringend Abhilfe geboten. Das Schulmanagement lässt sehr zu wünschen übrig. Selbst hervorragende Schulentwicklungsprogramme, die vom Schäßburger Bergschulverein in die Wege geleitet worden sind, werden von der Schulleitung ausgehebelt. Am meisten hat darunter die deutsche Abteilung zu leiden, an der wir zudem einen chronischen Lehrermangel haben. Was ist hier zu tun? Es gibt nur einen Weg: Wir alle müssen die Ärmel hochkrempeln und unseren Einfluss geltend machen, dass Abhilfe geschaffen wird. Waren wir nicht einst gern gesehene Lehrmeister? Lassen Sie uns diese Rolle wieder annehmen! Ich bin zuversichtlich, es wird gelingen, unsere Bergschule unter neuen Bedingungen wieder zu einer renommierten Bildungsanstalt zu machen, wenn wir es ernsthaft wollen. Dazu ist jedoch Tatkraft und Hartnäckigkeit von Nöten. Fast alles ist möglich, wenn man entschlossen sein Ziel verfolgt.
Meine Damen und Herren, ich bin zwar kein gebürtiger Schäßburger, fühle mich aber mittlerweile als solcher und rufe Sie auf, unser Schäßburg nicht im Stich zu lassen. Es hat es nicht verdient, vergessen zu werden.

 

Begrüßungsworte durch Pfarrer Werner Maurer, 1. Pfarrer der Ev.-Luth. Gemeinde St. Martin

Wir beginnen diesen Gottesdienst im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Ein herzliches Willkommen zum Gottesdienst an diesem Vormittag in der St.-Martins-Kirche zu Fürth. Herzlich willkommen aus nah und fern, aus dem Norden und dem Süden Deutschlands, willkommen aus Ihrer alten Heimat Schäßburg und Siebenbürgen. Vielen Dank, dass so viele von Ihnen heute zu uns gefunden haben.


Pfarrer Werner Maurer. Foto: L. Geddert


Ich darf Ihnen mit wenigen Worten unsere Kirche und unsere Gemeinde vorstellen. Dieses Kirchengebäude wurde im Jahr 1950 mit den wenigen Mitteln, die nach dem Krieg zur Verfügung standen, für eine ständig wachsende Bevölkerungszahl in der Fürther Weststadt gebaut. Die Vorgängerkirche wurde leider im Jahr 1945 von einer Brandbombe getroffen und völlig zerstört. Heute gehören zu dieser Gemeinde über 6000 Menschen, die von zwei Pfarrern betreut werden. Ich freue mich, dass Sie nun schon zum zweiten Mal anlässlich eines Treffens der Heimatortsgemeinschaft in diese Kirche kommen.
Sie treffen sich an diesem Wochenende in Fürth, um Erinnerungen an vergangene Zeiten auszutauschen, um Gemeinschaft miteinander zu erleben und um von hier aus dann wieder den Weg in die Zukunft einzuschlagen. Insofern sind diese Tage und ist auch dieser Gottesdienst für Sie ein Wendepunkt zwischen Vergangenheit und Zukunft:
l ?Wir danken Gott für alle Bewahrung und seinen Schutz in den guten und schweren Zeiten, die hinter uns liegen.
l ?Wir hören Gottes Wort, das uns ermutigt, damit sich niemand in seinem Leben in Sorgen verliert.
l ?Und ebenso empfangen wir heute Gottes Segen für den künftigen Weg.
Unter allen Gästen, die unter uns weilen, grüße ich besonders meinen Amtsbruder, Herrn Pfarrer Dr. August Schuller, der seit 13 Jahren als Pastor in Hamburg lebt, vorher in Schäßburg den Verkündigungsdienst ausgerichtet hat. Wir werden den Gottesdienst gemeinsam gestalten. Ebenso freue ich mich über die Mitwirkung von Herrn Theo Halmen aus Schäßburg an der Orgel und von Herrn Hans Konnerth an der Trompete und danke herzlich für diese Dienste.
Ich wünsche uns allen nun einen gesegneten Gottesdienst.

 

Predigt von Dr. August Schuller

(Predigttext: Mt 6, 25-4)

Liebe Gemeinde!
Schöne, inhaltsreiche Begegnungen werden mit diesem Gottesdienst abgeschlossen. Neben der herzlichen Wiedersehensfreude stand manchmal auch die nachdenkliche Frage: Wie lange haben wir uns nicht mehr gesehen? Nicht nur Jahre, Jahrzehnte sind vergangen. Dabei stellten wir fest: Die Zeit hat uns ihre Spuren aufgedrückt. Wir sind zwar die gleichen, wie früher; aber längst nicht mehr dieselben.
Und doch war es schön festzustellen und dann auch zu erfahren, dass nicht alle Spuren von den Wellen der Zeit verwischt worden sind. Dabei weiß ich mit Euch allen: Diese Tage trugen auch eine eigentümliche Sprengkraft in sich. Zum einen als Aufruf zur Besinnung auf die tragende Kraft unseres Lebens und unserer Geschichte, aus der wir herkommen, und zum anderen als leidvolle Erinnerung und Aufbrechen kaum vernarbter Wunden. Hier wie dort wird am Wurzelgrund unserer Lebens- und Glaubensgeschichte gerührt. Darum möchte ich weder Wehmut noch Bitterkeit wecken, sondern verbindende Lebenskräfte aufrufen, die uns alle weiterführen. Heimat ist nicht nur die Geschichte und Lebenslandschaft, die hinter uns liegt, sondern auch die Gegenwart, die wir tatkräftig mit Kopf und Herz für die Zukunft öffnen wollen.
In diesem Sinne habe ich heute nichts Sensationelles anzubieten, sondern ich werde tun, was ich immer getan habe, in Mediasch, in Schäßburg und seit 13 Jahren in Hamburg tue.


Pfarrer Dr. August Schuller. Foto: W. Lingner


Ich werde die Bibel aufschlagen und ich werde den Predigttext für heute lesen. Dabei lade ich Euch ein, mitzuhören, mitzudenken und mitzugehen. Vielleicht entdecken wir etwas Neues und Brauchbares für unser Leben und seinen Weg in die Zukunft.
(Predigttext: Mt 6, 25-34)
Diese Worte aus der Bergpredigt Jesu haben mich immer wieder fasziniert. Als Student habe ich sie auswendig gelernt und als evangelischer Pfarrer im Gottesdienst ausgelegt und jedes Jahr hören wir sie als Evangeliumslesung am 15. Sonntag nach Trinitatis. Ich habe sie dabei wechselnd empfunden - als Trost oder Zumutung, als Herausforderung oder auch als Entlastung im täglichen Kampf des Lebens.
Und heute Morgen geht es mir genau so. Diese Worte Jesu stellen eine ungeheure Provokation dar. Kann man das: Leben, ohne sich Sorgen zu machen? Leben, ohne verantwortungsbewusst an den morgigen Tag zu denken? Wäre es nicht verantwortungslos, so unbekümmert in den Tag hinein zu leben? Die elementaren Fragen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken und womit werden wir uns kleiden? - sie haben uns ein Leben lang begleitet, sie stehen gebieterisch jeden Tag von neuem vor uns. Und sie prägen nun einmal unser "Morgen und Übermorgen". Bitteschön - wem sollten wir da wohl zurufen: Sorgt Euch nicht um euer Leben...Ihr sollt nicht fragen: Was werden wir essen, was werden wir trinken, womit werden wir uns kleiden? Nach dem allem trachten die Heiden...
Bitte, wem soll ich das zurufen - nicht im Sinne eines oberflächlichen "Halt die Ohren steif", sondern als Kernstück evangelischen Glaubens? Den Arbeitslosen, die auf den langersehnten Aufschwung warten? Den Obdachlosen, die in der Mönckebergstraße sitzen? Oder den alten und armen Menschen in Siebenbürgen? Oder sollten wir diese Worte unseren Politikern in Berlin in das Stammbuch schreiben?
In diesem Sinne sage ich: Dieser Predigttext ist eine Provokation! Die Parole müsste doch ganz anders lauten: Sorgt Euch! Wir müssen uns doch sorgen! Wir müssen doch diese Welt gestalten: menschenfreundlicher, friedvoller, gerechter, lebensdienlicher! Es fliegen uns doch keine gebratenen Tauben in den Mund. Im Gegenteil: Heftigste Anstrengung ist erforderlich. Sorgen ist angesagt! Denn die riesigen Probleme, vor denen wir stehen, die lösen sich nicht von allein.
Nun werden sich nicht wenige fragen: Wie kriegt der jetzt die Kurve wieder zurück zum Predigttext, nachdem er ihn so kräftig gegen den Strich gebürstet hat?
Ganz einfach. Ich erzähle Euch eine Geschichte.
Der alte Goethe erzählt im Faust, Teil II, von dem Gespenst, der Sorge. Es ist Mitternacht und ein Hundertjähriger sitzt im Saal. Draußen vor der Tür versammeln sich merkwürdige Gestalten, die so genannten vier grauen Weiber. Eigenartig ihre Namen: Not, Schuld, Mangel und Sorge. Sie tuscheln und wollen hinein in den Saal. Aber die Tür ist verschlossen. Nur einer gelingt es, einzudringen. Wie ein Gespenst schlüpft sie durch das Schlüsselloch. Es ist die Sorge. Sie haucht den Hundertjährigen an und er erblindet.
Liebe Gemeinde! Viel kann man sich vom Leibe halten: Not, Mangel und sogar Schuld. Aber nicht die Sorge. Wie ein Gespenst kriecht sie durch jedes Schlüsselloch, blendet und schlägt mit Blindheit. Und wen sie einmal im Griff hat, dessen nächtliches Ruhekissen wird zu Stein, weil die Sorge ihm den Schlaf raubt.
Kommt Euch das nicht bekannt vor? Wie oft standen wir in vergangenen Zeiten und Jahren vor der quälenden Frage: Was wird die Zukunft bringen? Werden wir durchkommen? Wie leben und lebenswerte Zukunft bauen? Werde ich Arbeit bekommen und wird sie Frucht bringen? Wohl jeder kennt die Sorge, die der Nacht den Schlaf raubt. Und dann machen wir in der Schule des Lebens auch die andere Erfahrung: Das Sorgen vertreibt die Sorge nicht - es vermehrt sie. Durch Sorge werden wir nie sorglos.
Es muss also einen anderen Weg geben, als den der Sorge; eine andere Art zu leben, um das Leben mit seinen Sorgen zu bestehen?
Jesus sagt hier in der Bergpredigt: "Seht die Vögel...."
Merkt Ihr jenes unnachahmliche Lächeln Jesu über unsere Verbissenheit und Nervosität, mit denen wir jeden Tag beginnen, als ob auf Gott gar kein Verlass sei? Hier wird die Vertrauensfrage gestellt. Wem vertrauen wir letzten Endes? Was bedeutet uns Gott in diesem Leben? Erwarten wir alles von den neuen Verhältnissen, unter denen wir hier leben und arbeiten, oder erwarten wir alles von Gott? Gehören wir zu den kalten Rechnern oder zu denen, die mit Paul Gerhard sagen:
"Abend und Morgen sind seine Sorgen
segnen und mehren, Unglück verwehren,
sind seine Werke und Taten allein.
Wenn wir uns legen, so ist er zugegen
Und wenn wir aufstehen, so lässt er aufgehen
über uns seiner Barmherzigkeit Schein."
So kehre ich zurück zu den ausdrucksvollen Bildern, die Jesus uns vor Augen malt - die Vögel am Himmel, die nicht säen und nicht ernten; die Lilien auf dem Felde, die nicht arbeiten und nicht spinnen und die doch von unserem himmlischen Vater genährt und gekleidet werden.
Darin liegt etwas angenehm Tröstliches, Friedliches und Entlastendes. Von einem Schlaraffenland ist da allerdings keine Rede. Es werden auch keine falschen Versprechungen gemacht. Aber es wird uns als Evangelium, als frohe Botschaft gesagt: Unser Leben ist in einer höheren Hand, die uns nicht loslässt, auch dann nicht, wenn etwas schief geht oder misslingt; die uns hält, wenn alles wankt, die wir ergreifen können, wenn die Angst in uns aufsteigt oder wenn uns das Leben Wunden schlägt.
Die Seele atmet auf, wenn man das hört. Denn die Welt, in der wir leben, trägt die Handschrift eines Schöpfers, der dieses Leben liebt. Unser Leben wird in den Horizont einer offenen, gelingenden Zukunft hineingestellt. In diesem Lebenshorizont Gottes brauchen wir uns nicht zu übernehmen, noch zu überfordern, weil der unendliche Wert eines jeden wieder erkennbar wird: Euer Leben ist mehr als Essen und Trinken. Auf diese Erfahrung zielt unser Abschnitt aus der Bergpredigt Jesu. Er will uns klar machen: Unser Sorgen besetzt die Stelle, die eigentlich dem Vertrauen zu Gott gehören sollte.
Diese Jesusworte von den Vögeln unter dem Himmel und den Lilien auf dem Felde sind mir vor allem eine Einladung zu mehr Gelassenheit geworden: Nimm dich nicht so wichtig und überschätze dich nicht. Wir Siebenbürger neigen eh gern zu einer gewissen Selbstüberschätzung. Man klammert sich an das, was war, und versäumt oder verliert, ohne es wahrzunehmen, die Gegenwart. Besser wäre schon ein unaufgeregter und gelassener Aufbruch, ein mutiges Ausprobieren neuer Wege und Möglichkeiten im Hier und Jetzt, das vertrauende Leben im Heute.
Denn unser Leben ist und war nie das Resultat unserer Sorge. Es ist und war Geschenk: unverdient und nicht erworben. Gnade: Hier und in Siebenbürgen. Darum hat alles seine Zeit. Und Veränderungen im Leben hat es in dem Laufe der Geschichte immer gegeben. Dass wir das heute besonders spüren und wahrnehmen, gehört auch dazu. Aber das Leben geht weiter, und im Sinne unseres Predigttextes wünsche ich uns Gelassenheit und innere Freiheit, Vergangenes loszulassen, damit Neues entstehen kann, und zuzulassen, dass Gottes gelingende Zukunft sich uns erschließen kann, uns aufschließen kann für ein neues, vertrauendes Heute und Morgen. Jesus sagt am Ende unseres Abschnittes: Ich schenke Euch eine Priorität im Leben - "Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, so wird euch alles andere zufallen."
Wenn wir Gott in unserem Leben ernst nehmen, folgt daraus nicht nur jener Frieden der Seele und jene Gelassenheit und festliche Freude und Erhebung, wie wir sie heute hier erleben. Es folgt daraus alles andere, was wir erstreben: z.B. die Verantwortung für die anderen, die Nächsten hier und in Siebenbürgen. So ruft unser Text die Festigkeit des Glaubens und die Freude zur Tat der Liebe hervor. Der Kopf soll frei und das Herz stark werden und fest bleiben. Wenn das keine Herausforderung ist?!
Amen

 

 

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