HOG-Schäßburg / Siebenbürgen


Anno Domini 1904

Feierliche Eröffnung der Lehrerinnenbildungsanstalt am 7. April
Streik der Eisenbahner in Ungarn

Was die Schäßburger vor 100 Jahren in ihrem "Groß-Kokeler Boten" lasen

Am Anfang eines jeden Jahres wird Rückschau gehalten auf das "alte" Jahr: Was hat es gebracht? In den Medien werden die breite Öffentlichkeit interessierende Bilanzen - z. B. von der Regierung oder den Kommunen - veröffentlicht. So war es auch schon vor einem Jahrhundert. Der "Groß - Kokler Bote" informierte seine Leser über die Jahresberichte, die dem "Komitatsvertretungskörper" und dem "Stadtvertretungskörper", den Mitgliedern verschiedener Vereine u. s. w. zur Billigung vorgelegt wurden. Diese Berichte sind eine wichtige Quelle für Informationen, auch für uns Nachkommen, die sich über das Geschehen damals unterrichten wollen. Als Beispiel sei ein Ausschnitt aus dem Bericht des Presbyteriums der evangelischen Kirchengemeinde Schäßburg über die "Volksbewegung" im zu Ende gegangenen Jahr 1903 an den Anfang unserer Rubrik gestellt. Vergleichen Sie doch mal diese Zahlen mit denen im Bericht des evangelischen Stadtpfarramtes über das Jahr 2003 (siehe unten).

"Geboren wurden 67 Knaben und 71 Mädchen, zusammen 138, um 13 weniger als im Vorjahre. Getauft wurden 64 Knaben und 67 Mädchen, zusammen 131, um 12 weniger als im Vorjahre. Gestorben sind 45 männlichen und 44 weiblichen Geschlechts, zusammen 89, um 37 weniger als im Vorjahre. Getraut wurden 30 Paare, um 6 weniger als im Vorjahre. Konfirmiert wurden 73 Knaben und 49 Mädchen, zusammen 122, um 16 mehr als im Vorjahre. Die Seelenzahl ergibt 2540 männlichen und 2704 weiblichen Geschlechts, um 49 mehr als im vorigen Jahr, zus. 5244." (Gr.- K. Bote, 10.1.1904)

Der ausführliche Jahresbericht der Schäßburger freiwilligen Feuerwehr über das Jahr 1903 beginnt mit dem Satz: "Die Schäßburger freiwillige Feuerwehr schickt sich heute an, einen Rückblick auf ihre Tätigkeit im verflossenen Jahre zu werfen, um sich an dieser Arbeit, die erfüllt war von treuem und redlichem Streben, neuen frischen Mut für die Zukunft zu holen." Im Vordergrund stehen die Änderungen, die die Einführung der elektrischen Beleuchtung und der Bau der Wasserleitung in der Tätigkeit der Feuerwehr mit sich gebracht haben. Der "Ausbildung der Mannschaft" wurde weiterhin große Aufmerksamkeit geschenkt: Die "Spritzenabteilung" z. B. hatte vier Gesamtübungen und sechs Einzelübungen, die "Steigerabteilung" ebenfalls vier Gesamt-, aber zehn Einzelübungen abgehalten. "Zweimal bot sich der freiwilligen Feuerwehr die Gelegenheit zu tatkräftigem Eingreifen. Einmal war es der Brand eines Hauses und einer Scheune in der Schaasergasse, ... zum andern Male galt es, den Brand in einem schwer zugänglichen Magazin, das mit feuergefährlichen Gegenständen geradezu voll gepfropft war, zu löschen." Die Feuerwehr bestand damals aus "114 Aktiven, darunter seit neuester Zeit 31 Musikfeuerwehrmänner. Die Anzahl der unterstützenden Mitglieder beläuft sich auf 191 Mann." (Gr.- K. Bote, 27.3.1904)

 

Einen erneuten Rückgang der Mitgliederzahl beklagt der Vorstand des evangelischen Frauenvereins in seinem Bericht über das Vereinsjahr 1903. "Denn während im Jahre 1902 dem Verein 468 Mitglieder angehörten, betrug deren Zahl im abgelaufenen Jahr 440, also um 28 weniger als im Jahr 1902 und um 59 weniger als im Jahr 1901." Diesen Rückgang empfand der Vorstand als besonders schmerzhaft, weil die ausgebliebenen Beiträge die Einhaltung der vielen materiellen Verpflichtungen erschwerten. Zum Glück waren wieder beachtliche Geldspenden eingelaufen und weitere Einnahmen durch "verschiedene gesellige Veranstaltungen erzielt" worden. Der Verein unterstützte mit Geld den ev. Kindergarten, den Wäschekurs, die "Königin - Elisabeth - Stiftung", den "Lehrerinnenvorbildungskurs", den "Unterricht in den weiblichen Handarbeiten an der hiesigen ev. Mädchenschule, arme Frauen". Am Jahresschluss1903 betrug das "Reinvermögen" des Vereins 7332 K 68 h. Ab diesem Jahr werde der Verein das neu gegründete Lehrerinnenseminar jährlich mit der Summe von 500 K unterstützen, heißt es. Den Bericht unterzeichneten die Leiterinnen der beiden Frauenvereine: Josefine Müller und Josefine Teutsch. (Gr.- K. Bote, 3.4.1904)

Unter dem Titel "Krankenbewegung des Groß - Kokler Komitatsspitals" veröffentlichte die Zeitung regelmäßig Übersichten über die im Krankenhaus behandelten Patienten, über die registrierten Krankheiten und die Sterbefälle. Aus der Übersicht für das Jahr 1903 geht hervor, dass insgesamt 3091 Kranke aufgenommen wurden. "Unter diesen waren chirurgische Fälle 1256, interne Fälle 985, gynaekologische 147, geburtshilfliche 34, Augenkrankheiten 128, venerische 238, Hautkrankheiten 139, Geisteskranke 36, Begleiter der Kranken 128." Als geheilt wurden 2321, als "gebessert" 501, als ungeheilt 122 entlassen; gestorben waren 90. (Gr.- K. Bote, 10.1.1904)


Das Komitatsspital 1904

"Die Gesellschaft für Vogelschutz in Schäßburg blickt mit Befriedigung auf ihre im abgelaufenen Jahr entfaltete Tätigkeit zurück. Durch die mildtätigen Spenden hochherziger Freunde des Vogelschutzes, durch die zahlreichen Mitgliedser- und Unterstützungsbeiträge, durch die freundliche Beisteuer von Tisch- und Küchenabfällen, Brotsamen und Körnern als Vogelfutter fühlte sich dieselbe in der angenehmen Lage, die Winterfütterung unserer lieben Singvögel auf ... aufgestellten ,Futtertischen' von unserer lieben Schuljugend bestellen und besorgen lassen zu können." (Gr.- K. Bote, 3.1.1904)


Postkarte 1904 - Archiv: Dr. Rolf Schneider

Erste Probleme mit der 1903 gebauten Wasserleitung: "Am 6. d. M. musste der Brunnen in der Martin - Eisenburger - Gasse in der Weise aufgetaut werden, dass derselbe mit einem Holzhaufen umgeben und dann angezündet wurde; erst darauf konnte er seine Schuldigkeit tun." Es war nicht der einzige Brunnen in der Stadt, der wegen der andauernden Kälte eingefroren war. (Gr.- K. Bote, 10.1.1904)

Viel Unterhaltung hatten die Schäßburger in den Wintermonaten: Bälle, Theateraufführungen, Fasching. Jeder Verein, jede Nachbarschaft kam zum Zug. Der Eislaufverein lud zum "kostümierten Eisfest" ein, die "jungen Kaufleute" zu ihrem Ball im Stadthaussaal; im Januar und Februar gab es ferner den Jugendball, den "kostümierten Frauenvereinsball", den Gewerbevereinsball, den Chlamydatenball der Obergymnasiasten, den Feuerwehrball, die Richttagbälle der Unteren Marktnachbarschaft, der Burgnachbarschaft, der Nachbarschaft der Kleinen Mühlgasse, der Unteren (ersten), der Mittleren und der Dritten Baiergässer Nachbarschaft; "dann halten auch die Hinter- und Hüllgässer- und andere Nachbarschaften heuer ihre Richttagsbälle ab." (Gr.- K. Bote, 10.1., 17.1., 31.1., 7.2., 14.2., 21.2.1904)

"Bestrafte Milchpanscherin. Die hies. romänische Milchfrau Joane Sensau wurde vor etlichen Tagen von der Polizeihauptmannschaft zu einer Geldstrafe von 100 K wegen Milchfälschung durch Wässerung bestraft. Die Genannte hatte nicht so viel auszumessen, als sie eigentlich in ihrer Kanne haben sollte, weswegen sie aus einem unsauberen Regenwasserschaff, das unter einer Rinne der Gasse stand, sich das ihr fehlende Milchquantum ergänzte." (Gr.-K. Bote, 17.1.1904)

Am 28. Januar 1904 eröffnete Bischof D. D. Friedrich Müller in Hermannstadt "mit Gebet und Rede" die XXI. Landeskirchenversammlung. Am fünften Tag der Versammlung kam ein Thema zur Sprache, dass für Schäßburg, für die Siebenbürger Sachsen, von großer Bedeutung war. Im Bericht der Zeitung heißt es: "In der Sitzung vom Dienstag, den 2. Februar, 11 Uhr vormittags, wurde, nachdem das Mitglied Dr. Josef Capesius in eingehendem Vortrag seine Sondermeinung abgegeben hatte, die Errichtung einer Lehrerinnenbildungsanstalt mit vier Klassen und einem Internat in Schäßburg beschlossen." (Gr.- K. Bote, 7.2.1904)

"Elektrischer Omnibus in Hermannstadt. Das ,Siebenb.-Deutsche Tageblatt' schreibt: ,Ein interessantes Projekt, das von unserer Einwohnerschaft gewiß mit Freuden begrüßt werden wird, bereitet unser Elektrizitätswerk vor. Es handelt sich um eine elektrische gleislose Bahn (Omnibus), wie sie u. a. in Dresden eingeführt ist. Dieser Omnibus soll vom Ende der Heltauer Gasse, eventuell vom Großen Ring ab durch die Schwimmschulgasse bis zum projektierten Zentralfriedhof fahren ...'" (Gr.- K. Bote, 7.2.1904)

Welche Apfel- und Birnensorten gab es vor 100 Jahren in Schäßburg? Die "Pomologische Sektion" der Stadt gibt in einer Nachricht bekannt, dass "zwecks Umveredeln von mehr als 3000 wilden Obstbäumen in 15 Gemeinden des Sachsenlandes" die Lieferung "größerer Partien Edelreiser" erforderlich ist und Schäßburg dabei helfen sollte. Erwünscht waren Edelreiser vor allem von den Apfelsorten: Batull, Große Kasseler, Karmeliter, Kanada Reinette, Boikerapfel, Schöner v. Boskoop und Ribton Pepping; angenommen wurden aber auch andere Edelreiser, die zum "Normalsortiment" im Schäßburger Bezirk gehörten: Englische Winter Goldparmaine, London Pepping, Roter Winter Stettiner, Baumanns Reinette, Goldreinette von Blenheim. Verlangt wurden auch Edelreiser von Birnensorten: Diels Winterbirne, Winterbergamotte, Bosks Flaschenbirne, Hardenponts Winterbirne, Holzfarbige Butterbirne, Präsident Maas, Gute Graue, Williams Christbirne, Liegels Winterbirne, Josefine v. Mecheln, St. Germaine, Winter Dechant. (Gr.- K- Bote, 28.2.1904)

"Röntgen-Apparat im hiesigen Komitatsspital. Durch eine von Herrn Dr. Julius Oberth, dem tüchtigen Direktor-Primararzt unseres Komitatsspitals im Sammlungswege aufgebrachte Summe von 3365 K 65 h. ist es ermöglicht worden, einen Röntgen-Apparat für das hiesige Komitatsspital anzuschaffen. Der Apparat, einer der größten, ist bereits in Verwendung genommen; er funktioniert gut und wurde bei Knochenbrüchen mit Erfolg benützt. Denselben lieferte die berühmte Firma für Röntgenapparate Gebbert & Schall, Erlangen in Baiern."
Gr.-K. Bote, 28.2.1904)


Spenden für das Seminar "Für die in Schäßburg zu errichtende Lehrerinnenbildungsanstalt haben gewidmet: die Bodenkreditanstalt in Hermannstadt 5000 K, der Spar- und Hypotheken-Kreditverein in Schäßburg 4000 K, der Gewerbe-, Spar- und Vorschuss-Verein in Schäßburg 2000 K, die Kisder Kapitularverbrüderung 200 K, zwei Gustav-Adolf-Hauptvereine und fünf Frauenvereine zusammen 524 K 44 h." (Gr.- K. Bote, 6.3.1904)


Dr. Julius Jacobi -
erster Seminardirektor

"Zum Direktor des hiesigen Lehrerinnenseminars ist in der am 10. d. M. in Hermannstadt abgehaltenen Sitzung des Landeskonsistoriums der Professor am hiesigen ev. Gymnasium Herr Dr. Julius Jacobi ernannt worden ... Am 11. d. M., abends, veranstalteten die hiesigen Gymnasiasten dem Professor Dr. Julius Jacobi aus Anlaß seiner Ernennung zum Direktor des hiesigen Lehrerinnenseminars eine schöne Serenade."
(Gr.- K. Bote, 13.3.1904)

"Neue Marktordnung. Das Statut über die neue Marktordnung der Stadt Schäßburg hat die ministerielle Bestätigung erhalten und ist somit in Kraft getreten. Nach der neuen Marktordnung werden die Kleiderhändler fortab, und schon am 15. d. M., mit den Buden auf dem Burgplatz ihren Stand haben." (Gr.- K. Bote, 13.3.1904)

Die Gräfin Louise Haller, "gegenwärtig" wohnhaft in Schäßburg, Marktplatz 21, gab in der Zeitung bekannt, dass sie "ihren Parkanteil in Weißkirchen und mehrere Grundstücke zu kleineren Anwesen und Hausstellen" parzelliert und günstig verkauft. (Gr.-K. Bote, 13.3.1904)

Eine neue "Mahlmühle" hat die Firma Welther & Comp. am 1. März 1904 in der Martin-Eisenburger-Gasse in Betrieb gesetzt. Die Mühle ist "mit einem Elektromotor von 10 HP (spr. Hoarspauer = Pferdekraft) eingerichtet". (Gr.- K. Bote, 13.3.1904)

"Waldbrand. Am 28. v. M. brannte es am Wietenberg, am 29. im Weltherschen Wald und am 30. oberhalb des Wädtschen Grundbesitzes in der Wench." (Gr.- K. Bote, 3.4.1904)

"Aprilschnee. Die letzten 10 Tage des März schieden recht unfreundlich; raue, frostige Winde stürmten durch Gassen und Straßen und tobten sich schließlich am 1. d. M. mit einem ungestümen Schneefall aus." (Gr.- K. Bote, 3.4.1904)

Einen elektrischen Luster für den Festsaal des Gymnasiums spendeten die Schäßburger Dilettanten aus dem Reinertrag von drei Aufführungen des Schauspiels "Alt-Heidelberg" von Wilhelm Meyer-Förster. Den Luster hatte eine Münchner Kunstschlosserei für 358 Kronen 62 Heller hergestellt. (Gr.- K. Bote, 3.4.1904)

"Die neue Lehrerinnenbildungsanstalt der Landeskirche ist hier am 7. d. M. durch Herrn Stadtpfarrer J. Teutsch als Lokalschulinspektor mit Gebet und Ansprache feierlich eröffnet worden. Sie zählt in den zunächst eröffneten Klassen 1 und 3 je 11, zusammen 22 Schülerinnen.


Der neue Luster - Archivbild

Da in dem für die Anstalt angekauften Gebäude der ehemaligen städtischen Kaserne größere Adaptierungsarbeiten vorgenommen werden müssen, so kann erst im kommenden Schuljahr das neue Heim bezogen werden. Gegenwärtig sind die auswärtigen 11 Schülerinnen in Privatquartieren untergebracht, der Unterricht wird bis dahin in dem Gebäude der evang. Mädchenschule erteilt." (Gr.- K. Bote, 10.4.1904)
"Neubau. Vorgestern wurde mit dem Abtragen des Johann Broserschen Hauses auf dem hiesigen Marktplatz begonnen. Die Baufirma Brüder Leonhardt hat die Ausführung dieses Neubaus (Hotel) übernommen und soll dasselbe bis Mitte September l. J. fertiggestellt werden." (Gr. K. Bote, 10.4.1904)

"Die Opfer der Tuberkulose beziffern sich in Ungarn im Jahre 1902 (1902 - ein Druckfehler? Ist das Jahr 1903 gemeint?) mit 75 146 Personen. Im Januar 1904 sind auf dem Gebiete des ungarischen Staates 6251, auf dem Territorium der Stadt Budapest 245 Personen an der Tuberkulose gestorben." (Gr.- K. Bote, 24.4.1904)

Der städtische Vertretungskörper beschloss die Gehälter seiner Beamten aufgrund der Vorschläge einer zu diesem Zweck eingesetzten Spezialkommission. Es wurden acht Gehalts- und fünf Lohnklassen festgesetzt. Für den Bürgermeister der Stadt Schäßburg z. B. war ein Gehalt von 4000 K und dazu 600 K Quartiergeld (Gehaltsklasse I) vorgesehen; er erhielt außerdem eine "Funktionszulage" von jährlich 800 K. Zum Vergleich: Dem Aufseher des Schlachthofes stand ein Gehalt von 650 K und 200 K Quartiergeld (VIII. Gehaltsklass) zu; ein Magistratsdiener bekam insgesamt 700 K Lohn im Monat und dazu noch 24 K "Stiefelpauschale". (Gr.- K. Bote, 8.5.1904)

"Das Scopationsfest fand hier am 10. d. M. auf der Breite statt. Vormittags 9 Uhr erfolgte der übliche Ausmarsch der Schüler und Schülerinnen unserer ev. Schulanstalten. Die Knaben trugen ihre bunten Fähnleins, die Mädchen ihre Kränze, geführt vom Musikkorps der hiesigen Seminaraspiranten. Das Wetter war nicht besonders verheißend, dunkle Wolken zogen auf, und ein unangenehmer Wind strich mitunter scharf. Glücklicher Weise fiel kein Regen und so konnte das Fest ungestört abgehalten werden. Oben auf der Breite wars lebhaft, auf allen Tanzplätzen ging es vor- und nachmittags recht munter zu." (Gr.- K. Bote, 15.5.1904)

 


Scopationsfest auf der Breite 1904 - Archivbild

Eine Feuerwehr-Delegierten-Versammlung fand am 14./15. Mai in Schäßburg statt: Die freiwilligen Feuerwehren von Kronstadt, Bistritz, Hermannstadt, Mediasch, Broos, Heltau, Birthälm und Tartlau hatten Delegierte nach Schäßburg geschickt, um über die "Förderung des Feuerlöschwesens" zu beraten. Begrüßt wurden die Gäste im Gesellschaftszimmer des Gewerbevereins vom Schäßburger Feuerwehrobmann M. A. Zickeli. Am Sonntagnachmittag, nach der Versammlung, marschierten die Teilnehmer unter den Klängen der Schäßburger "neu errichteten Feuerwehrmusikkapelle" in den Siechhofwald, wo im Baumgarten des "Kaffetiers" Eduard Martini "ein ungestörtes Beisammensein" stattfand. "Turnspiele und Gesang kürzten und würzten die fröhlichen Stunden im trauten Freundeskreise." (Gr.- K. Bote, 22.5.1904)


Staatliche Mädchenschule 1904 - Archivbild

"Schuleinweihung. Die feierliche Einweihung des neuen Gebäudes der hiesigen kgl Staats-Mädchenschule findet am 28. d. M., vormittags 10 Uhr im Turnsaale der Anstalt statt. Nach der Feier Besichtigung der Räumlichkeiten und deren Einrichtung. Mittags 1 Uhr gemeinsames Mittagessen im Saale des Hotel Stern ..." (Gr.- K. Bote, 22.5.1904)

"Pflasterung und Asphaltierung. An der Neuherstellung des Straßenpflasters und Asphaltierung der Gehwege unserer Stadt wird emsig fortgearbeitet. Von der Spitalsgasse aus zieht sich mitten in der Fahrstraße ein 6 Meter breiter mit Quadersteinen umrahmter blanker Asphaltweg, dem entlang ein gutes Steinpflaster bis über den Marktplatz und der unt. Baiergasse zu läuft. Die Neupflasterung des Marktplatzes hat vor 14 Tagen begonnen ... Die Fahrstraße der Hintergasse ist schon durchwegs gepflastert, mit der Martin-Eisenburger-Gasse wird Montag begonnen. Das Trottoir der ganzen Hüllgasse ist seit drei Wochen auf der rechten Seite mit Asphalt belegt ..." Die Zeitung beklagt indes, dass sich "die Spuren des alten Schaaserbaches" in der Hüllgasse nicht verwischen lassen wollen. Es wäre notwendig, "den rätselhaften Abflussgraben ... durch technische Kunst zu beseitigen". (Gr.- K. Bote, 29.5.1904)

Die allgemeine Lehrerversammlung des Schäßburger ev. Kirchenbezirks wurde am 14. April unter dem Vorsitz des Vorstandsstellvertreters Samuel Both in Schäßburg abgehalten. Anwesend waren 81 Mitglieder. Der "Groß - Kokler Bote" vom 5. Juni veröffentlichte das Protokoll über die Versammlung, gezeichnet von Samuel Both, stellvertretender Vorstand, und Johann Theil, Schriftführer.

"Maifest. Die röm.-kath. Schuljugend hielt am 24. Mai d. J. ihr Schulfest infolge trüben und etwas regnerischem Wetter im Winter'schen Garten ab. Musik, Tanz und Spiele wechselten sich ab."

"Romän. Majalis. Am 30 Mai d. J. (2. rom. Pfingstfeiertag) haben hier die Schüler der griech.-orient. Schule vereint mit der romän. Jugend ihr Maifest abgehalten. Ein langer Zug mit Musik bewegte sich vormittags 9 Uhr ohne Fahne von der Burg (vom Schulgebäude in der Schanzgasse) herab über den Marktplatz in die untere Baiergasse vor das Haus des griech.-orient. Dechanten und Stadtpfarrers Demeter Moldovan, von wo sie nach Absingen eines Liedes durch die Mühlgasse über den Siechhof in den Winter'schen Garten marschierten und sich daselbst bis abends 10 Uhr durch Tanz und Spiel unterhielten."

"Waldfest der Staatsschuljugend. Am 1. Juni d. J. hielten die Schüler und Schülerinnen der königl. ung. Staatsschule ihr diesjähriges Schulfest im Siechhofwalde ab ..." (Alle drei in Gr.-K. Bote, 5.6.1904)
"Stierkämpfe. Bei dem am 12. d. M. in Budapest abgehaltenen ersten Stierkampfe trugen zwei Toradore Verletzungen davon: Der Stier musste niedergestochen werden. Unter den Zuschauern entstand eine große Panik. Mehrere Frauen wurden ohnmächtig." (Gr.- K. Bote, 19.6.1904)

Ein Schauturnen des Mediascher und Schäßburger Turnvereins fand am 19. Juni in Schäßburg statt. 18 Turnerinnen und 12 Turner sowie einige Schaulustige waren aus Mediasch unter der Leitung "des wackeren Lehrers Schneider" nach Schäßburg gekommen, wo sie auf dem Bahnhof "von aktiven Turnern und Turnerinnen mit begeisterten Heilrufen empfangen und vom Vorstand des hiesigen Turnvereins Unberath willkommen geheißen wurden". Das Schauturnen am Abend im Stadthaussaale wurde von den Gastgebern eingeleitet. Der Berichterstatter war des Lobes voll über die Mediascher, die ja in der "Pflege des Turnens" für die Schäßburger vorbildlich seien. "Außerhalb des Programms wurde ein uns Schäßburgern ungewohnter Ringkampf zweier Mediascher Turner aufgeführt, der von Seiten des Publikums mit großem Interesse verfolgt wurde." (Gr.-K. Bote, 26.6.1904)

"Pensionsangelegenheit der Gewerbetreibenden und Arbeiter".


Unter diesem Titel erläutert die Zeitung die Vorteile der Mitgliedschaft im "Ungarländischen Arbeiter-, Invaliden- und Pensionsverein", der am 5. März 1893 in Budapest gegründet worden war und sich inzwischen - nach Einschätzung des Schreibers - bewährt. "Die kleine, aber begeisterte Schar der Gründer hat sich kein geringeres Ziel gesetzt, als die Gewerbetreibenden und Arbeiter von diesem Schreckbilde der Zukunft zu befreien." Das "Schreckbild", das die Zeitung an den Anfang ihres Artikels stellte, gibt uns heute einen Einblick in die schwierigen Verhältnisse unserer Groß- und Urgroßeltern: "Während früher der Gewerbetreibende und Arbeiter für die alten Tage einen kleinen Sparpfennig bei Seite legen konnte, ist es bei den gegenwärtigen veränderten und schwierigen Lebensverhältnissen nur mit großer Anstrengung möglich, für die täglichen Bedürfnisse aufzukommen, und ist es leider nicht möglich, etwas zur Seite zu legen. Die Folge hievon ist, daß bei eintretendem Unfall oder durch Altersschwäche erfolgender Arbeitsunfähigkeit die größte Not eintritt und die einzige Stütze der Bettelstab ist." Wer dem Pensionsverein eintrete, habe eine Einschreibegebühr von 1,20 K und wöchentlich eine Gebühr von 20, 24 oder 30 h zu bezahlen. "Nach 40-jähriger Mitgliedschaft erhält das Mitglied ohne Rücksicht auf seine Arbeitsfähigkeit die lebenslängliche Pension. Der Verein unterstützt aber auch die Witwen und Waisen ...", wird versprochen. Ob dieser Artikel in Schäßburg Anklang gefunden hat, erfahren wir vielleicht in einer der nächsten Zeitungen. (Gr.-K. Bote, 26.6.1904)

Redakteur der Rubrik:
Horst Breihofer (Nürnberg)


 

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