Schäßburgs Baumgärten
Wie es einst war
Nach einer allgemeinen Beschreibung der Baumgärten(in
"Schäßburger Nachrichten" 18/1.12.2002) erscheinen
in Fortsetzung:
Erinnerungen und Erlebnisberichte in Wort und Bild in der Reihenfolge
der Eingänge.
Hier die 4. und letzte Folge mit Beiträgen von: Im Bagendorf (Karl
Heinz Roth),
In der Rohrau (Evemarie Lucas), In der Rohrau (Kurt Leonhardt), Im Klossel
und Musler (Horst Breihofer), Im Mühlenhamm (Konrad Arz), Auf der
Lotzischen Hülle (Lieselotte Alexiu), Auf dem Postland (Chr. Pomarius),
Auf dem Knopf (Gertrud Monferato) und die Pomologen von Schäßburg
(Hedwig Deppner).

Auszug aus der Umgebungskarte von Schäßburg des
SKV
Im Bagendorf
Erinnerungen des Karlheinz Roth
(Auszug aus "Eine kleine Stadt", Braunschweig, 2002)
Meinem Vater und seinen Geschwistern gehörte zwei Gehstunden von
Schäßburg entfernt ein mittelgroßes Anwesen im Bagendorf
mit einem Obstgarten, Maisfeldern, umrahmt von saftigen Wiesen. Das Anwesen
diente uns als Sommeraufenthalt am Rande der Stadt. Unser Gut grenzte
einerseits an das von Weiden überwachsene Bächlein (Peschendorfer
Bach) des Tales, andererseits an die großartigen Buchenwälder
der anschließenden Anhöhen (Penschendorfer Höhe). In einem
Seitental, das von Wald umgeben war, lag am oberen Rand das "Herrschaftshaus".
Es war ein einräumiger, unterkellerter Bau mit umlaufendem, überdachtem
Holzbalkon, der bei jedem Wetter einen herrlichen Blick ins Tal bis zum
Bach und zum gegenüberliegenden Bergzug erlaubte. Ein kleiner Weg
zum nächsten Dorf verlief jenseits des Baches. Der dahinter liegende
bewaldete Bergrücken begrenzte das Panorama. Bagendorf war kein Dorf,
sondern ein abgegrenztes Seitental mit einem einsamen Gehöft.
Bewirtschaftet wurde das kleine Gut von zwei Hälftern, die jeweils
etwa 6 Kühe besaßen, große Scheunen für Heu und
einen Maistrockner hatten. Zwei kleine Häuschen dienten ihnen als
Wohnung. Dazu kam ein tiefer Brunnen mit herrlichem Trinkwasser. Es wurde
mittels einer Ziehvorrichtung, wie sie bei Pusztabrunnen üblich ist,
nach oben gefördert.
Diese landschaftliche Idylle, die nur vom Bellen der Hunde und Gackern
der Hühner unterbrochen wurde, war für uns Kinder, die wir mit
der Mutter im Sommer im Haus wohnten, ein Paradies. Obwohl nur einige
Meier da waren, hieß die ganze Gegen Bagendorf, gesprochen "Bajendorf".
Etwas unheimlich wurde es bei Nacht. Elektrische Beleuchtung gab es nicht,
nur Petroleumlampen, und der wildreiche Wald war nur 20 m vom Haus entfernt.
Die Hunde bellten wegen jeder Kleinigkeit, spornten sich vom höher
gelegenen Meiergehöft zum tiefer gelegenen an, und das Echo in unserer
halboffenen Waldlichtung verstärkte und vervielfachte den Hall.

Bagendorf mit Herrschaftshaus, Wirtschaftshof und Ziehbrunnen.
Ohne Grund war das Gebelle nicht, denn in den Wäldern gab es zahlreiche
Wildschweinhorden, die überall ihr Unwesen trieben. Die Wildschweine
waren seinerzeit vom ehemaligen ungarischen Grafen Bethlen, einem passionierten
Jäger, ausgesetzt worden. Sie hatten sich beim reichlichen Futterangebot
von Eicheln und Mais großartig vermehrt und wühlten nachts
die Maisfelder auf. Gelang es ihnen, ins Feld einzubrechen, war der Schaden
groß. Deshalb wurden im Sommer und Herbst mit brennenden Feuern
"Schweine gehütet".
Am oberen Rand der Maisfelder, im Rücken den Waldesrand, wurden
kleine "Colibas" (Hütten) gebaut, bestehend aus zwei dachförmigen
Schräghälften, mit Stroh bedeckt, hinten geschlossen und vorn
offen. Vor der Hütte war eine Feuerstelle, in der das Feuer die ganze
Nacht über unterhalten wurde, um die Wildschweine abzuschrecken.
Kamen sie dennoch, wurden sie mit Geschrei und Hundegebell vertrieben.
Es war mein größter Wunsch, auch "Wildschweine hüten"
zu dürfen, was auch jeden Sommer einmal gestattet wurde. Da sich
meistens nichts ereignete - die Schweine kamen nicht -, brieten wir in
den Kohlen Maiskolben und ließen uns in der herrlichen sternklaren
Nacht Schauergeschichten vom Meiersbub erzählen. Frierend und zitternd
kehrte ich am Morgen wieder zu unserem Haus zurück, denn die Nacht
wurde im Freien doch bitter kalt.
In der Rohrau
Erinnerungen von Evemarie Lucas geb. Ließ (Bonn)

Familie Pfarrer Ließ, Eltern mit fünf Kindern,
Gerhard, Eve, Walter,
Martha und Hildi - Archivbild
"Unsere Rohrau" war im Bezug auf Obstbäume ein Baumgarten
im Werden (Neupflanzung). Sonst war alles da, ein Haus mit Veranda, Küche
mit Backofen, Geräteschuppen, Brunnen, Plumpsklo, Beerenobst, Gemüsebeete,
und all dies lag in einem wunderbaren Waldwinkel: Nächster Nachbar
Familie Wagner, 4 Kinder, wir zu sechst, etwas entfernt ein rumänischer
Bauer, der uns morgens die Milch brachte, waren die Einzigen in diesem
Seitental.
Die Abgeschiedenheit des Waldwinkels garantierte eine Freiheit, die wir
in vollen Zügen genossen. Meist barfuß, leicht bekleidet streiften
wir durch Wald und Wiese, Himbeeren und Pilze sammelnd, den Warnschrei
des Eichelhähers nachahmend, die vielfältigen Düfte des
Waldes tief einatmend. Nach dem Mittagessen ging es zur nahe gelegenen
Großen-Kokel. Welch ein Vergnügen! Wild tobten wir im kühlen
Nass. Am Spätnachmittag wanderten wir müde und hungrig nach
Hause. Milch, Kaffee und Honigbrot wartete auf uns, und ich glaube, "Doboschtorte"
hätte nicht besser schmecken können.

Beim Baumstriezel backen mit den Nachbarsfrauen. Archivbild
Und dann die Abende! Ich sehe den Vollmond noch am Himmel stehen, uns
um ein Lagerfeuer sitzen, Kuno (Wagner) spielte Ziehharmonika, und wir
sangen hingebungsvoll schwermütig Lieder. Wir kannten ja noch keinen
Schmerz. Wenn Heuhaufen auf der Wiese standen, war Versteckspielen besonders
reizvoll. Regentage ließen Bücher und Brettspiele zu ihrem
Recht kommen. So verfloss der Sommer.
Im Herbst gab es noch einmal Rohrau-Tage. Kartoffeln ernten, Kartoffelkrautfeuer
anlegen, darin gebratene, rauchig bitter schmeckende Kartoffeln essen.
Die Herbstzeitlosen wiesen auf den nahenden Winter hin.
Und heute? Einem Neffen wollte ich 1970 unser Kinderparadies zeigen,
doch kam uns die jetzt dort wohnende Zigeunerin mit Hund und wild fuchtelnden
Armen entgegen, so dass wir davon absahen.
Für uns Ließ-Kinder ist jedoch der "Bangert" in
der Rohrau sowohl in unserer Erinnerung als auch in unseren Herzen das
nie zu vergessende Kinderparadies geblieben.
In der Rohrau
Erinnerungen von Kurt Leonhardt (Geretsried)
Im Baumgarten in der Rohrau habe ich mit meinen Geschwistern als Kind
oft die heißen Sommermonate verbracht. Der Baumgarten lag an der
Nordseite des Seifengrabens in der Rohrau, etwa eineinhalb Stunden Fußmarsch
von Schäßburg entfernt. Das Grundstück des Gartens war
auf allen Seiten durch eine dichte Hecke von Weißdorn, Hasel- und
Hartriegelsträuchern gegen den Wald und das freie Feld abgegrenzt.
Eine Allee von hohen Tannen umschloss eine Obstanlage. Auf einer natürlichen
Geländeterrasse standen die Gebäude: ein Sommerhaus mit einer
großen Veranda, ein Pferdestall mit Scheune und ein kleines Küchenhaus.
Durch die Lage des Gartens am Rande eines Waldgebietes und weit abseits
der Landstraße Schäßburg-Mediasch war man in diesem Baumgarten
der Natur sehr nahe. In der dichten Hecke nisteten eine Vielzahl von Vögeln.
In den hohen Tannen der Allee hatten die Eichhörnchen ihre Kobel
(Kobel = leichte Hütte!? Nester!) und in den alten Buchen und Eichen
des nahen Waldes hausten die possierlichen Siebenschläfer (sächsisch
Pillmaus genannt). Bei unserer Anwesenheit wurden diese Kletterkünstler
so zahm und frech, dass sie sich, während wir beim Essen saßen,
die ausgelegten Leckerbissen wie Brot, Hasel- und Wallnüsse von der
Balustrade der Veranda holten. Nachts trieben die Siebenschläfer
als nachtaktive Nager auf dem Dachboden und der großen Veranda ihr
Unwesen so toll, dass man im Schlaf gestört wurde. Das Sommerhaus
hatte eine große Veranda um das ganze Haus. Diese große Veranda
war ein idealer Spielplatz für uns Kinder.

Sommerhaus in der Rohrau

Die Leonhards, die Lingners und die Teils, 1917 - Archivbild
Wenn wir nachts, d. h. Ernst, Fritz und ich, im so genannten "Schepperbett",
ein breites Auszugsbett des Sofas lagen, erwachten wir oft durch das wütende
Bellen der Hunde. Die Hunde wurden nämlich erst am Abend von den
Ketten befreit und fanden sich bald beim Küchenhäuschen des
Baumgartens ein, wo ihnen die ungarische Dienstmagd reichlich Speisereste
hinlegte. Im Spätsommer, wenn die Maiskolben zu reifen begannen,
verwüsteten die Windschweine aus den Waldungen der Breite und des
Peschendorfer Grates die Maisfelder. Durch Nachtwachen an großen
offenen Feuern, blasen auf Ochsenhörnern und durch bellende Hunde
versuchte man, die Wildschweine fernzuhalten. Wenn wir nachts durch diesen
Lärm aufwachten, befiel uns ein leichtes Gruseln vor dem, was da
draußen in der Dunkelheit geschah. Im Baumgarten befand sich kein
Brunnen mit Trinkwasser. Dieses brachten wir Kinder in Henkelkannen aus
einer Quelle vom Grauskeller Graben. Wir mussten außerdem das Brennholz
für den Küchenherd sammeln, d. h. Reisig und getrocknete Birkenäste.
Zu dieser Arbeit gingen wir in Begleitung eines Erwachsenen, da man sich
in dem dichten Buchenwald leicht verirren konnte.
In der Nähe des Baumgartens besaß der Guts- und Mühlenbesitzer
Albert Lingner, ein Freund und Anverwandter unserer Eltern, auch einen
Baumgarten mit einem geräumigen Sommerhaus. Das beiliegende Foto
zeigt die große Kinderschar und deren Mütter und Tanten, die
an Sonntagen, selbst im Krieg 1914-1918, auf der Terrasse des Baumgartens
zusammenkamen. Nach dem Mittagessen gingen bei schönem Wetter Alt
und Jung zum nahen Kokelfluss.
Der Baumgarten in der Rohrau als auch die umliegenden Felder und Wiesen
gehörten in unserer Kindheit Josef Abraham und Wilhelm Neustädter,
Anverwandten der Mutter Ernst und Ernas, meinen älteren Geschwistern.
Nach dem Tode von Josef Abraham und Wilhelm Neustädter hatte unser
ältester Bruder Ernst den Baumgarten und das landwirtschaftliche
Anwesen gekauft. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde, wie bekannt, der gesamte
Grundbesitz der Sachsen durch den rumänischen Staat ohne jedes Entgelt
enteignet und in die sozialistische Landwirtschaft eingebracht. So ist
auch dieser Grundbesitz enteignet worden. Die schönen Erinnerungen
aus unserer Kindheit an den herrlichen Baumgarten konnten uns jedoch nicht
genommen werden.
Als ich nach der Rückkehr aus der sowjetischen Gefangenschaft (Kasachstan)
Ende 1948 den Baumgarten aufsuchte, war das Sommerhaus total ausgeraubt.
Der Stall und das Küchenhaus waren bis auf die Fundamente abgetragen
und verschwunden. Als wir 1973 nach Deutschland umsiedelten, war auch
das Sommerhaus bis auf den Keller abgetragen worden. Die hohen Tannen
der schönen Allee waren alle gefällt, die Hecke verschwunden.
Bloß einige alte verwilderte Obstbäume standen noch. Sie waren
die letzten Zeugen von dem alten Paradies unserer Kindheit.
Im Klossel und Musler
Erinnerungen von Horst Breihofer, Nürnberg
Es könnte an einem regnerischen Herbsttag gewesen sein. Ich war
etwa sieben Jahre alt und saß, wie so oft, wenn ich im Hof oder
auf der Straße nicht spielen durfte, meiner Lurtz-Oma am Fenster
gegenüber. Sie stopfte Strümpfe und erzählte mir auf mein
hartnäckiges Bitten wahre Geschichten aus ihrem Leben.
Einmal erinnerte sie sich an die schweren Jahre während des Ersten
Weltkrieges (1914-1918). Großvater war zur Honved (ungarisches Militär)
einberufen worden und sie mit fünf Kindern - das größte
war 16, das kleinste erst zwei Jahre alt - zurückgeblieben. Sie hatte
Angst, dass die Lebensmittelvorräte bald verzehrt und das gesparte
Geld nicht lange reichen würde; wer wusste schon, wann Großvater
sich wieder um seine Familie kümmern konnte? Er hatte ihr beim Abschied
Mut gemacht und ihr das Versprechen abgenommen, sich zu schonen. Als aber
im Frühjahr in allen Gärten gegraben wurde, ließ ihr der
Gedanke, außer Gemüse im kleinen Garten hinter dem Haus auch
Kartoffeln im Baumgarten hinter den Ziegelfabriken im Klossel anzubauen,
keine Ruhe. Mit ein paar Säcken Kartoffeln könnte sie ihre Kinder
leichter satt kriegen, überlegte sie. Der Baumgarten war zwar weit,
aber stand im Hof nicht der große zweiachsige Handwagen, auf den
sie das nötige Gerät laden konnte?
An einem Morgen machte sie sich auf den Weg. Im Wagen, den sie den weiten
Weg hinter sich herzog, Spaten, Hacke, Rechen, ein Korb mit Essen für
einen Tag und die beiden Kleinsten, die sie nicht ohne Aufsicht zu Hause
lassen wollte. Es ging den Berg hinunter, durchs Haingässchen, über
die Theresia-Brücke in den Seilergang, dann wieder über die
Schwarze Brücke in den Mühlenhamm und schließlich den
Berg hinauf in den Obstgarten, der in voller Blüte stand. Sie arbeitete
den ganzen Tag, sie ging auch den nächsten Tag und immer wieder,
bis ein größeres Stück umgegraben und mit Kartoffeln,
die sie in Säcken auf demselben Handwagen herbei gekarrt hatte, bestellt
war.
Im Herbst konnte Großmutter mehrere Säcke Kartoffeln ernten
und nach Hause auf den Galtberg bringen. Sie hatte für ihre Kinder
eine ganze Weile das Essen. Und Großvater? Der machte große
Augen und schüttelte missbilligend den Kopf, war aber mächtig
stolz auf seine unternehmungslustige Jinni.
Das ist meine erste Erinnerung an unseren Baumgarten. Die zweite stammt
auch aus der Zeit, als wir noch auf dem Galtberg, gegenüber von meinen
Großeltern, wohnten. Eines Sonntags, es war Herbst und Erntezeit
im Jahre 1948, nahm mein Vater den Rucksack und sagte: "Ech gohn
bäs än den Bangjert." Meine Mutter protestierte: Er solle
das lieber nicht tun, der Garten gehöre doch nicht mehr uns. Sie
war auch dagegen, dass ich mitging. Vater hatte einige Jahre vorher den
Baumgarten im Musler meinem Großvater, der finanzielle Schwierigkeiten
hatte, abgekauft, aber nicht lange Obst ernten können: Die neuen
Machthaber hatten ihn "weggenommen" wie mein Vater - sehr höflich
ausgedrückt - zu sagen pflegte, und ihn einem rumänischen Kolonisten
zugeteilt. Vater ließ sich nicht davon abhalten, seinen Kindern
aus "seinem Baumgarten" einen Rucksack voll Obst zu bringen.
Einige Stunden später kam er zurück, wortkarg, traurig, und
der Rucksack war nur zur Hälfte gefüllt mit Äpfeln und
Nüssen, wie wir Kinder enttäuscht feststellten. Er saß
eine Weile schweigsam auf einem Hocker in der Küche, bevor er dann
erzählte, was geschehen war. Er war im Baumgarten hochgestiegen,
hatte einige Äpfel von den Bäumen gepflückt und war dabei,
Nüsse aus dem Gras aufzulesen, als plötzlich der "neue
Besitzer" auftauchte und sich ihm schreiend näherte. Vater wollte
erklären, dies Stück Garten gehöre rechtmäßig
ihm, er habe es mit seinem Geld gekauft, aber seine Worte wurden übertönt
vom Geschrei des wütenden Rumänen. "Stai, ca te prind,
hotule!" Mein Vater wollte eine handfeste Unterhaltung vermeiden
und machte sich eiligst auf die Socken. Er war zum Dieb im eigenen Baumgarten
geworden. So verzweifelt habe ich meinen Vater nur noch einmal gesehen
- als man ihn drei Jahre später davon in Kenntnis setzte, dass sein
Haus, das er sich selbst erarbeitet hatte, nicht mehr ihm gehört.
Im Mühlenhamm
Erinnerungen von Konrad Arz
Mein Großvater, Johann Arz, orthopädischer Schuhmachermeister,
besaß im Mühlenhamm einen Baumgarten mit Wohnhaus, Stallung,
Scheune und einer Wohnung für den Meier.
Der Baumgarten grenzte im oberen Teil an den Wald, rechts an den Baumgarten
von Daniel Zimmermann, der untere Teil des Gartens an das Grundstück
der Familie von Sternheim und der Ziegelfabrik und nordwestlich an den
Baumgarten der Familie Fritz Fromm.
Der Baumgarten war ein Treffpunkt der ganzen Familie, der Freunde und
des Bekanntenkreises meiner Großeltern.
1940 wurden das Baumgartenhaus und das Meierhaus durch einen Erdrutsch
zerstört, so dass man sich genötigt sah, aus den Überresten
ein neues Haus auf dem unteren Teil des Grundstücks zu bauen.

In vertrauter Runde: die Arz's, die Kotsch's und ... und
die Tilla von der Villa
Nach der Enteignung 1945 wurde das Haus an Zigeunerfamilien zugeteilt
und von diesen abgewirtschaftet. Alle nicht dringend notwendigen Holzteile
wurden verheizt, selbst Zwischentüren und Türrahmenverkleidungen.
1956 wurde im Zuge einer neuen Reform ein 790 qm großes Grundstück
rings um das Haus uns wieder zurückgegeben. Von nun an wurde der
Baumgarten zu dem, was man Schrebergarten bezeichnet. Das Haus blieb auch
weiter in fremder Nutzung. Da man den Baumgarten als Familieneigentum
ansah, wurden alle Geschwister meines Vaters anteilig am Baumgarten beteiligt.

Die Villa von einst!
Es entstand erst "nur" ein Kaffeetisch im Grünen. Man
zimmerte aus Ästen und ein paar Brettern eine Bank und einen Tisch.
Beim ersten Regen stellte man fest, dass ein "Dach über dem
Kopf" nicht schlecht wäre. Also gab es die erste "Kalipp"
(Bretterverschlag), in dem so allmählich auch Gartengeräte,
Arbeitskleidung, Freizeitgeschirr und sonstiger Krimskrams untergestellt
wurde. Baumaterial war kaum zu bekommen. So sammelte man "Marmeladen"-Kisten,
klapperte die Tischlereien in Schäßburg um Restholz ab und
sammelte so das notwendige Material, um ein kleines Gartenhäuschen
zu zimmern. Nicht zu Unrecht lächelte man über die "Arzische
Marmeladenvilla". Doch wurde sie zu einer Attraktion der Schäßburger
bei ihrem Sonntagsspaziergang.
Die "Villa Pillmaus" (Siebenschläfer) bestand aus zwei
Räumen mit Doppelstockbetten und einer großen Veranda, die
auch als Spielkasino bis spät in die Nacht bei Sturmlampenschein
diente und zugleich auch Speisezimmer für alle Bewohner und Gäste
war. Und im Winter wusste man, wohin man Schlittenfahren gehen konnte.
Der Name "Pillmaus" kam von den Untermietern, den Siebenschläfern,
die sich im Herbst in die Doppelwände der Holzvilla einnisteten.
Nicht selten kamen diese possierlichen Nager auch im Sommer zum Vorschein
und erschreckten manchen mit ihrem Fauchen und Piepsen.
Der Baumgarten war nicht nur Ferienparadies. Im Frühjahr begann die
Gartenarbeit. Jede Familie - Arz, Kellner, Kotsch - hatte ihre Parzelle,
die umgegraben und bepflanzt wurde. Da wuchs von der Ochsenherztomate
über Kartoffeln, Zwiebeln, Wurzelgemüse, Rhabarber, Johannisbeeren,
Stachelbeeren alles, was man in der Küche und für den Winter
brauchte.
Das ganz große Familienzeremoniell war die Apfelernte. Mit Apfelbrecher,
Körben und Säcken gerüstet ging man Ende September, Anfang
Oktober an die Ernte. Aus Fallobst wurde Apfelmost gekeltert und die handgepflückten
Äpfel wurden eingekellert.
Auf der Lotzischen Hülle
Erinnerungen von Lieselotte Alexiu geb. Zielinski
Nachdem sich unser Leben nach 1945 grundlegend verändert hatte,
nach einigen Jahren die Wunden anfingen zu verheilen, wanderte ich einmal
mit meinem Vater, Konrad Zielinski, über den Eichrücken zu unserem
alten Meier (Hälflter) ZARIE. Seine Frau war gestorben und er war
mit seinen Kindern in sein Elternhaus gegenüber der rum. Schule im
Wolkendorfer Grund umgezogen. So hatte sich alles verändert, auch
für ZARIE. Die Begrüßung war herzlich. Wir blieben einige
Tage bei ihm, streiften durch den Baiergässer Wald und übernachteten
in der Scheune ("im Heu"). Bei einer dieser Wanderungen kamen
wir auf der Lotzischen Hülle auf eine Lichtung mit einigen Obstbäumen
und einer kleinen Hütte. Ringsherum wucherten Brennessel. Dazu kam
ein "Bade" (alter Mann), um seine Milchkuh am Brunnen zu tränken.
Von ihm erfuhren wir, dass der Baumgarten Hermann Kamilli gehöre,
meinem unvergessenen alten Freund, dem immer fröhlichen und witzigen
Hermann (Joane). Unser "Bade" hieß TOADERE und wohnte
über dem Kamillischen Garten.

Auf der Lotzischen Hülle beim Toadere 1976. Foto:
W. Lingner
Jahrelang ließ dann "IOANE" (KAMILLI) meinen Vater in
seinem Sommerhaus, nachdem wir es mit vereinten Kräften wieder in
Stand gesetzt hatten, im Sommer darin wohnen. Es waren wunderschöne
Tage, die wir gemeinsam mit meinen Eltern, ERI, den Kindern und unseren
Männern hier verbrachten.
Die Zeit verging, und eines Tages starb der alte TOADERE. Er liegt begraben
unter einem seiner Apfelbäume. Das kleine Grundstück samt "Hütte"
kam zur Veräußerung, und wir konnten es erwerben. Wir waren
darüber alle glücklich, am meisten mein Vater. Unsere Nachbarn
waren außer JOANE, der inzwischen die nette BRIGITTE geheiratet
hatte, THEIL GYURI, FEDER MEDI und weiter bergab STEFANUCA und IOANA.
Sie sollten unsere treusten Nachbarn werden.
Das Bauernhaus aus Rutengeflecht, Lehm und Kuhmist (balegar) errichtet,
ließ sich leicht in Stand setzen. Es hatte einen großen Raum
mit einem Kanonenofen, eine kleine Küche und Kammer. Es war alles
"fantastisch".
Mein Vater wohnte vom Frühjahr bis spät im Herbst in diesem
Häuschen, das nach seinem ehemaligen Besitzer den Namen "zum
TOADERE" erhielt. An den Samstagen packten wir, meine Mutter, ERI,
die Kinder und unsere Männer, die Rucksäcke und wanderten "zum
TOADERE", wo unser Vater schon wartete. Oft kamen auch unsere Freunde
GERDI und WALLE LINGNER mit ihren Kindern, ELLI und KARL (KARCI) ADLEFF.
Es gab jedesmal ein großes Hallo! Zum Essen "perschelten"
(am Spieß braten) wir Speck, was die Kinder besonders lustig fanden.
Die Sommer gingen vorbei, der Herbst nahte, der sprichwörtlich goldene
Herbst in Siebenbürgen (!) und mit ihm die Apfelernte. Die Obstbäume
auf der Lotzischen Hülle waren trotz mangelnder Pflege noch sehr
ertragreich. Der ganze Abhang gehörte (seit der Agrarreform von 1945)
dem Staat, der zur Erntezeit die Früchte dieser Bäume an Meistbietende
pro Baum durch Versteigerung (Lizitation) verkaufte. So kamen viele Stadtbürger
mit ihren "Karutzken" (2-4 rädrige Handkarren) und ersteigerten
die einzelnen Bäume mit dem Obst. Am Abend fuhren sie mit dem Erntegut
nach Hause. So machten es auch unsere Freunde WALLE und KARCSI. Mein Vater
ersteigerte meist zuviele Bäume, so dass wir nicht wussten, wohin
mit dem vielen Obst.
Und dann war plötzlich alles vorbei! Mitten im "goldenen Herbst"
fiel der erste Schnee! Als der zweite Schnee fiel, machte ich mich auf
"zum TOADERE". Hier konnte ich nur sehr schwer meinen Vater
überreden, in die Stadtwohnung umzuziehen. Letztlich packte er schweren
Herzens seinen Rucksack und mit den Worten: "auf Wiedersehen im nächsten
Jahr sperrten wir das Häuschen zu! - Es gab kein "nächstes
Jahr" mehr! Meine Eltern und ich wanderten ..." nach Deutschland
aus. Es verblieben uns nur die Erinnerung an den geliebten Ort, den Garten
und das Häuschen "zum TOADERE"!
Taufe und Familienfest im Baumgarten auf dem Postland
Christian Pomarius erzählt aus den Erinnerungen seines Vaters Alfred
Pomarius
Man schrieb das Jahr 1923. So wie in jedem Jahr verbrachte die Familie
Pomarius die Sommermonate im Baumgarten auf dem Postland Nr. 1, und es
waren immer schöne Tage, an die sich alle gerne erinnerten. Am 26.
August diesen Jahres aber herrschte auf dem Postland Nr. 1 besonders eifriges
Treiben. Das erstgeborene Kind von Sofie und Alfred Pomarius, Töchterchen
Margarete, sollte getauft werden.
Zu Mittag hatte es heftig geregnet, doch dann war der Himmel völlig
klar und die Landschaft wirkte wie in kristallhelle, durchsichtige Luft
gebettet.

Taufe in Gottes freier Natur - Archivbild
Die Form, in der dieses Familienfest, zusammen mit guten Freunden, gefeiert
werden sollte, war das ureigenste Werk der jungen Mutter. Haustaufe war
schließlich auch in der siebenbürgischen Volkskirche zumindest
nichts Ungewohntes, aber die Taufe ins Freie, in den Wald zu verlegen,
war etwas völlig Neues, allem gewohnten widerstreitendes. In den
Augen eines strenggläubigen Pfarrers mochte diese Art der Taufe einen
fast heidnischen Einschlag haben und doch war der Plan der jungen Mutter
einfach ihrer Begabung auf dem Gebiete der Gemeinschaftsformung entsprungen.
Mit untrüglichem Stilgefühl hatte sie zum Ort des kirchlichen
Aktes den Eichenplatz des Wäldchens gewählt, über dem sich
die hohen Eichen so symetrisch zu einem geschlossenen Spitzbogenrund wölbten,
dass es wie eine richtige Kapelle anmutete.
Das Fest hatte eine verwundbare Stelle - das Wetter; und da sich das
nun günstig gestaltete, verlief alles so, wie Sofiechen es vorgesehen
hatte.
Die Strahlen der Nachmittagssonne fielen wie sparsam tropfendes Gold durch
die dichten Eichenzweige und umspielten Gretchens Kopf, der in seiner
ungewohnten Kinderschönheit wie ein kleines Wunder der Schöpfung
anzusehen war. Es schien, als lauschte der kleine Täufling mit abgeklärtem
Ernst den Worten Pfarrer Ackners, der in schöner Einfühlung
das Besondere der Lage in seine kirchliche Aufgabe einbezog.
Und in den langsam einfallenden Abend spielte Karl Roth (Gymnasialprofessor)
die "Träumerei" von Schumann auf seiner Violine.

Das neue, kleine "Beangerthaus" auf dem Postland
- Archivbild
Der Zauber schöner Entrücktheit lag über dieser Stunde,
und als die Taufgesellschaft von der Höhe wieder hinunter dem Hause
zuschritt, bildeten alle einen Kreis gleichgestimmter Seelen. Sie blieben
es für die nächsten Stunden an der Festtafel auf der großen
Veranda, wo unter Blumen, Papierlaternen und Blättergewinden Alter
und Jugend zu einer arkadisch gelösten Heiterkeit fanden.
Es war eine heitere Runde, zu der neben der großen Familie auch
gute Freunde gehörten: Da war Fritz Czikeli (Lehrer am Seminar) der
Polihistor und liebenswürdige Spötter mit seiner schönen
Frau Lene; die Roth's - Karl der Feuergeist von geistreichem Witz, souveräner
Spottlust und ausgelassener Heiterkeit sprühende Gesellschafter,
der Musiker und exakte Wissenschaftler mit seiner Frau Guste, dem ruhenden
Pol in der Familie. Und es fehlte nicht Hermann Oberth als "Raketenoberth"
schon damals eine bekannte Persönlichkeit in der Welt. Hermann, der
Sonderling, und doch jederzeit Bereite sich in die Gemeinschaft einzuordnen,
der an jenem Abend mit lustigen Lautenliedern die vergangene, gemeinsame
Wandervogelzeit mit seiner Frau Tilly, dem strahlend schönen "Naturkind",
beschwor.
Wie so oft schmolz die Stimmung der Stunde, diese so verschiedenen Menschen
zu jener niemals ganz fassbaren und stets sich wandelnden seelischen Einheit
zusammen. Und um dies schöpferisch webende Leben schlug ein schöner,
sommerlicher Sternenhimmel seinen dunklen, glitzernden Samtmantel.
Ein wunderschöner unvergesslicher Abend im Baumgarten - "Beangert"
- zu Schäßburg.
Auf dem Knopf
Schwestern Vándory: Gertrud Monferato und Marianne Bosingeanu,
beide Bukarest
Die Erinnerungen an unseren Baumgarten auf dem Knopf sind unvergänglich
und stets gegenwärtig. Es war die schönste Zeit in unserer Kindheit:
sorgenlose Sommerferien im schönen Haus mit dem großen Garten,
nur 10 Minuten von unserer Stadtwohnung entfernt. Das Anwesen wurde in
mühevoller Arbeit von unserem lieben Otata Franz Vándory angelegt,
gepflegt und ständig verschönert.
Man betrat den Baumgarten durch ein weißes Gittertor, gelangte
über eine von einer dichten Tannenhecke gesäumte Allee und drei
Terrassen zum einstöckigen Wohnhaus. Das bestand aus einer geräumigen
Glasveranda, zwei riesengroßen Schlafzimmern, zwei kleineren Zimmern
und einer Küche. Es gab außerdem ein unterkellertes Nebengebäude
mit Küche und einer offenen Veranda. Zwei prächtige Kastanienbäume
spendeten Schatten. Unterhalb der Terrassen standen im großen Obstgarten
viele Apfelbäume aller Sorten, Nussbäume, Stachelbeer- und Johannisbeersträucher.
Im Frühling, nach Schulschluss, mietete man von der Firma Hessheimer
einen großen, von Pferden gezogenen Transportwagen, auf den alles
für eine dreimonatige Sommerfrische Nötige aufgeladen wurde,
obwohl es im Baumgarten Möbel und Geschirr gab, die wintersüber
dort blieben.

Gertrud und Marianne mit Großvater, 1931. - Archivbild

Vandorysche Villa auf dem Knopf - Archivbild

Marianne mit ihrer besten Freundin Martha - Archivbild
Tiere gehörten auch zu unserer alltäglichen Umgebung. Natürlich
ein Hund, dann viele Hühner, zwei Sommer hindurch gab es ein Reh,
einige Jahre ein Pfauenpaar, den Hansi und die Berta. Zu unseren wenigen
Aufgaben gehörte, die schönen Vögel einzufangen, und zwar
mit einem Spiegel. Hielt man ihnen den vor, gingen sie hinterher und konnten
so für die Nacht eingesperrt werden. Denn wenn das nicht geschah,
setzten sie sich abends auf einen möglichst hohen Baum, begannen
in der Morgendämmerung zu schreien.
Ihr lautes Geschrei hörte man in der ganzen Nachbarschaft. Und dann
blieben die Proteste nicht aus. An diesen unbeschwerten Tagen spielten
wir mit den Nachbarskindern und jenen aus den benachbarten Baumgärten,
mit Freundinnen, die uns besuchten. Viele Stunden verbrachten wir auf
der Schaukel, turnten an Reck und Ringen, kletterten auf die Bäume,
spielten "Räuber und Gendarm", Ringtennis oder mit dem
Ball und den Puppen.
Die Sonntage verbrachten wir mit der Familie; unsere Tanten und unsere
Kusine Olga (Graef, verh. Schneider) kamen zu Besuch. Zu solchen Gelegenheiten
bot sich das Baumstriezelbacken an und dabei war unsere Hilfe - beim "Windfächeln"
über den Kohlen - sehr gefragt. Leider hörte das alles mit dem
23. August 1944 schlagartig auf. Viele Jahre waren wir nicht mehr dort,
weil uns Gritz Folberth (verh. Tornea) - eine ehemalige Schulkollegin
- aus Freundschaft aufmerksam machte, wir sollten ja nicht hingehen, um
unsere schönen, schönen Kindheitserinnerungen nicht zu zerstören.
Sie hatte Recht.
Im vergangenen Sommer mussten wir es jedoch wegen der eventuellen Rückgabe
bzw. Entschädigung tun. Von dem grausamen Anblick, der sich uns dabei
bot, waren wir einige Tage fast krank. Von Eingangstor, Tannenallee, Terrassen
und Sonstigem keine Spur (!). das Haus in einem fürchterlichen Zustand.
Wir fragen uns, wie Menschen etwas dermaßen verwüsten können,
jedoch dort hausen. Ein Bescheid auf unseren Rückgabeantrag steht
bisher aus, vielleicht erleben wir dies doch noch. Wichtig wäre es
uns nur wegen des ehrenden Andenkens an unseren unvergessenen Großvater.
Über die Schäßburger Pomologen
Vor etwa 50 Jahren besuchte ich KARL HÖCHSMANN, Knabenschuldirektor
i.R., von dem man erzählte, er züchte sehr schönes Spalierobst.
Von ihm hörte ich, dass es seit etwa 1875 eine Schäßburger
Obstbausektion (erst Wein- und Obstbausektion) des Siebenbürgisch-Sächsischen
Landwirtschaftsvereins gab und dass seit 1902 in Schäßburg
periodische Obstbaukurse für die Ausbildung von Baumwarten abgehalten
wurden.
Weitere Informationen erhielt ich dann von ERNST GRAEF, indem er mir u.
a. auch das Mitgliedsverzeichnis der "Pomologischen Sektion Schäßburg"
von 1905 mitteilte:
Vorstand: WILHELM WEBER, Lehrer, Schriftführer: MICHAEL KEUL, Bankbeamter,
Kassierer: ALBERT MÖKESCH, Eisenhändler, Zeugwart: JOHANN WENZEL,
Ökonom und die folgenden Mitglieder:

Gustav Kleisch
ABRAHAM LUDWIG, Ökonom - ADLEFF DANIEL, Magistratsrat - BACON JOSEF,
Stadtphysikus - BOTH SAMUEL, Mädchenschuldirektor - BROSER JOHANN,
Brennereibesitzer - FABRITIUS LUDWIG, Landbesitzer - Wolkendorfer, Grundbesitzer
- FRANK KARL, Grundbesitzer, Sandesfeld - GRAEF ERNST HEINRICH, Tischlermeister
- HÖCHSMANN KARL, Professor, Knabenschule - KEUL MICHAEL, Bankbeamter
- DR. KRAUSS HEINRICH, Zahnarzt - LEONHARDT KARL, Baumeister - LETZ HANS,
Architekt - LINGNER ALBERT, Mühlenbesitzer - LÖW WILHELM, Textilfabrikant
- MAETZ HANS, Waisenamtspräsident - MARTINI ADOLF, Kafetier - MELZER
FRIEDRICH, Arzt - PETRI KARL ROBERT, Bürgerschuldirektor - SALMEN
AUGUST, Apotheker - SCHOTSCH ANDREAS, Lehrer - TEUTSCH WILHELM, Tischlermeister
- VANDORY FRANZ sen., Großtrafikant - WEBER WILHELM, Lehrer, Vorstand
- ZIMMERMANN DANIEL, Tuchfabrikant.
Aus den Aufzeichnungen von GUSTAV KLEISCH (1895- 1978) konnte ich entnehmen:
"1922 gründeten wir auch einen Landw. Ortsverein. Erster Vorstand
war HANS UNZINGER. Unter seiner Führung verkauften wir unser Vereinsgrundstück
im Reiselt, weil er durch die rum. Agrarreform von 1921 gefährdet
(Enteignung) war. Aus dem Erlös wurden landw. Maschinen gekauft,
welche den Mitgliedern gegen kleine Gebühren ausgeliehen wurden.
Auch Kunstdünger wurde bestellt und an die einzelnen Mitglieder abgegeben.
In diesem landw. Ortsverein war ich damals Schriftführer und Geräteverwalter.
Nach Hans Unzinger übernahm Albert Reinhardt, Polizeihauptmann a.D.
die Leitung, es folgte Hans Roth, Notar i.R. und anschließend Georg
MÜLLER.
Gleichzeitig war ich auch Mitglied in der Pomologischen Sektion. Hier
war KARL HÖCHSMANN Vorstand. Wir waren um 20-30 Mitglieder. Die Sektion
hatte: 2 Obstmühlen, 2 Obstpressen und Baumspritzen. An den Sitzungen
nahmen meistens teil: HANS LETZ, Architekt, AUGUST OLAH, Lehrer, KARL
BRANDSCH, Lehrer, KARL SERAPHIN, Lehrer, KARL SPORER, Seminarverwalter,
MEINTH WILHELM u. a. Es wurden auch einige Fachzeitungen (Landw. Blätter,
Lehrmeister in Garten, Praktischer Ratgeber in Obst- u. Gartenbau aus
Deutschland bezogen."
Im Weiteren beschreibt GUSTAV KLEISCH die Mühen mit seiner Baumschule.
Vor allem das teure und umständliche Verfahren zur Desinfektion mit
Blausäure gegen die San José Schildlaus des Pflanzgutes. Hierzu
hat er eine teure Desinfektionskammer bauen müssen. 1944/45 wurde
alles zerstört. Erst Türen und Fenster verschleppt, dann das
Dach. Ende 1945 stand nur noch das Fundament.
Nach diesem Verlust der Baumschule in der Wench, Fuchsloch und Zitadellchen
hat KLEISCH in kleinem Maße in seinem Hausgarten in der Hüllgasse
sich weiter mit Obstbau und pomologischen Fragen beschäftigt und
Privatgärtner beraten.
GUSTAV KLEISCH ist der letzte Schäßburger Pomologe, der uneigennützig
für den Obstbau seiner Heimatstadt tätig war.
Hedwig Deppner geb. Capesius (Osterode)
Nachwort zu Schäßburgs Baumgärten:
Mit dieser Folge beendigen wir die Reihe der Erinnerungs- und Erlebnisberichte
über Schäßburgs Baumgärten und danken den Autoren
und Autorinnen für ihre Mühe. Von den ca. 250 um die Stadt Schäßburgs
gelagerten Obstbaumgärten konnten wir 180 Gärten namentlich
identifizieren (siehe Schäßburger Nachrichten Nr. 18 v. 1.
Dez. 2002, S. 2) und davon 25 Berichte veröffentlichen. Damit hoffen
wir einen kleinen Beitrag zur Stadtgeschichte Schäßburgs geleistet
und gleichzeitig die enge Verbundenheit der Schäßburger Stadtbürger
mit der sie umgebenden Natur (Naturverbundenheit) aufgezeigt zu haben.
Wir sind an weiteren Beiträgen, Begebenheiten und Bildern sowie Ergänzungen
interessiert.
Bitte an: Paul Abraham, Berg-Isel-Straße 6, 79111 Freiburg, oder
Walter Lingner, Saganer Weg 36, 40627 Düsseldorf, zu schicken.
Paul Abraham (Freiburg) und Walter Lingner (Düsseldorf)

Letztes Update:
2004-07-23
- Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de
/ http://www.schaessburg-net.de
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