HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

 

Er hat Sportgeschichte geschrieben

Walter (Butzi) Schmidt, ein "Schäßburger Vollblutsportler"
Handballer, Fußballer, Trainer, Sportpionier

Ich glaube, es ist an der Zeit, all das festzuhalten, was Schäßburger Sportler für die Stadt Schäßburg und darüber hinaus auch für das Land geleistet haben, sonst laufen wir Gefahr, dass diese einmaligen Erfolge vergessen werden und somit für unsere Nachkommen verloren gehen.
Wir wollen uns nicht nehmen lassen, was freiwillig und unter oft sehr schwierigen Bedingungen in unserem Schäßburg geleistet worden ist. Damals, vor nun 50 Jahren, unter kommunistischen Behörden wurden unsere Leistungen schon aus politischen Gründen nicht geschätzt und noch viel weniger offiziell anerkannt und gewürdigt.


Walter Schmidt

Einer, der in Schäßburg in der für uns schweren Zeit Sportgeschichte geschrieben hat, war Walter (Butzi) Schmidt. Als Handballer, als Trainer und als Fußballspieler war er in den Nachkriegsjahren eine Spielerpersönlichkeit, die den sportlichen Werdegang Schäßburgs wesentlich mitgeprägt hat. Er war ein beispielhaft fairer Sportsmann, der in seiner langen sportlichen Laufbahn nie wegen Unsportlichkeit vom Platz gestellt worden ist. Er wurde von Freunden und Gegnern gleichermaßen geehrt und geschätzt. Butzi gehört zu den wenigen Stammspielern und Leistungsträgern dieser ,,Schäßburger Wunder-Elf", die immer dabei waren, als die Schäßburger Handballmannschaft innerhalb von vier Jahren zweimal Rumänischer Landesmeister und einmal Vizemeister wurde. Den ersten Rumänischen Meistertitel nach dem Krieg holte sich die Schäßburger Mannschaft 1946 durch Siege in den Endspielen gegen die spielstarke Mediascher Mannschaft Karres. 1948 folgte der Zweite Landesmeistertitel nach zwei Endspielsiegen gegen die landesweit bekannte spielstarke Hermannstädter Arsenal-Elf mit 11:5 in Schäßburg und mit einem 3:2-Auswärtssieg in Hermannstadt. Das war zu jener Zeit für Schäßburg eine sportliche Sensation. 1949 verpasste die Schäßburger Mannschaft nur ganz knapp den dritten Meistertitel und wurde hinter Arsenal Hermannstadt Vizemeister. Ich wage zu behaupten, ein dritter Meistertitel wäre 1949 möglich gewesen, wenn ein Leistungsträger und Torschütze wie Hans Maurer nicht nach Odorheln abwandern hätte müssen. Andererseits war ihm dadurch wenigstens das Schicksal von Rudi Eder, Karl Adleff und Hermann Kamilli erspart geblieben, die bekanntlich Dank der kommunistischen Partei ein Jahr lang am Donau-/Schwarzmeer-Kanal für den Sozialismus schuften mussten.


Die Landesmeister 1948 - Foto: Fr. Lurtz

Als Handballspieler war Butzi Schmidt ein Klassemann, ein Leistungsträger, zusammen mit Rudi Eder Hauptpfeiler der zentralen Defensive. Ausgestattet mit einer außergewöhnlichen Schnelligkeit und einer bemerkenswerten Intuition, brachte er so manchen Angreifer zur Verzweiflung. In der zentralen Verteidigung eingesetzt, war der quirlige, wieselflinke Mittelfeldspieler ein Garant für eine stabile Abwehr, aus der er nicht weg zu denken war. Den Stammplatz als Mittelfeldspieler hat ihm in all den Jahren seiner Laufbahn keiner streitig machen können.
Butzi Schmidt gehört auch zu den Pionieren des Schäßburger Sportgeschehens. Der etwas älteren Sportlergeneration angehörend, hat er noch vor dem Krieg die Gründung der Handballabteilung des STV (Schäßburger Turnverein) miterlebt, hat den Vater und Schöpfer des Handballspiels, Karl Schelenz (von der Deutschen Sporthochschule Berlin), bei seiner erfolgreichen Arbeit als Handballlehrer in Schäßburg bewundern können, hat als Jugendlicher die ersten Handballspiele der damaligen ,,Größen" aus Bistritz, Hermann-stadt, Mediasch, Kronstadt, Schäßburg u. a. noch gut in Erinnerung.


Nach 10 Jahren, 1958 - Archivbild

Nach dem Krieg ist er 1945 wieder zu Hause und gehört zu den Mitbegründern der Schäßburger Handballmannschaft "Victoria", mit der er als Spieler in den Nachkriegsjahren schöne Erfolge erzielen konnte. Viel Zeit widmet der sportbegeisterte Butzi nebenberuflich dem Sport in seiner Heimatstadt. Neben Handball spielte er leidenschaftlich gerne auch Fußball.


Mit der nächsten Handballgeneration, 1960. - Archivbild

In den Nachkriegsjahren erlebt der Fußball in Schäßburg eine Renaissance. Es entstehen zwei leistungsstarke aufstrebende Mannschaften, zwischen denen sich auf lokaler Ebene eine starke Rivalität entwickelt. Die eine, ,,Victoria", mit multi-ethnischer Zusammensetzung, die andere, C.F.R., mit vorwiegend rumänischen Spielern bestückt, kämpften verbissen um die Vorherrschaft auf lokaler Ebene. Beide Mannschaften wurden aus Prestigegründen mit Spielern vorwiegend aus Bukarest verstärkt. Bei Lokalderbys, wo es vor allem um die sportliche Vorherrschaft ging, war immer der Teufel los. Schmidt Butzi, ein quirliger, wieselflinker Linksaußen mit seinen gefährlichen Flanken, musste zusammen mit Torwart Lehni und dem rechten Verteidiger Hans Wulkesch sowie dem linken Läufer Hans Polder (er war Stammspieler) bei der Victoria-Elf des Öfteren bei wichtigen Spielen einspringen und die Mannschaft verstärken.

Trotz seiner Leidenschaft für den Fußball ist er aber dem Handball treu geblieben und hat als Spieler und nachher als Trainer der Herren und vor allem der Damenmannschaft hervorragende Leistungen erzielt, mit denen er viel zum sportlichen Prestige der Stadt Schäßburg beigetragen hat. Er hat in seiner erfolgreichen Arbeit als Trainer Spielerinnen und Spieler entdeckt, gefördert und geformt, die sogar in die Nationalmannschaft aufgestiegen sind oder viele Jahre in der A-Liga gespielt haben, um nur einige zu nennen: die Spielerinnen Luci Dobre, Waltraut Keul-Andone, Heda Fabritius, Anneliese Kellner; die Spieler Lucian Florea, Milu Hurubeanu u. v. a. m.
Als Anerkennung für seine erfolgreiche Trainertätigkeit im Nachwuchsbereich wird ihm für die Talentförderung in den Jahren 1950-1960 die Goldene Plakette des Rumänischen Handballverbandes verliehen.

Zwei Ereignisse aus seiner Trainer- und Regie-Tätigkeit sind sicherlich auch von Bedeutung. Eine von ihm neu formierte junge Damenmannschaft schafft es bis ins Endspiel um den "Städte-Pokal" 1953, das die Mannschaft unglücklicherweise nur ganz knapp gegen Bukarest verliert, nachdem bei Gleichstand die Spielerin Luci Dobre einen Strafstoß in den letzten Minuten nicht verwandeln konnte. Ein ganz seltenes in Schäßburg ausgetragenes internationales Handballspiel zwischen einer polnischen Spitzenmannschaft "Start" am 17.8.1958 und "Voint¸a" Schäßburg wird von der Schäßburger Mannschaft mit 15:13 gewonnen und stellt erneut das auch damals vorhandene Leistungspotenzial des Schäßburger Handballs unter Beweis.

1949 heiratet Butzi die damals ebenfalls national und international in Fachkreisen bekannte Schäßburger Handballspielerin Liane Roth, die im ersten Länderspiel der Nachkriegs-zeit gegen Ungarn das erste Länderspieltor für Rumänien erzielte.
Der in Schäßburg 1920 geborene Walter Schmidt (Butzi) hat sich 16 lange Jahre dem Handball als Spieler und Trainer gewidmet und kann so als einer der Hauptakteure des Schäßburger Handball-Erfolges bezeichnet werden. Als nun 84-Jähriger lebt Butzi Schmidt in Gummersbach; unverändert in seinem Wesen, strahlt er noch immer Lebensfreude aus und vermittelt den Sportgeist seiner Jugendjahre.
Wir Handballfreunde wünschen ihm von Herzen weiterhin "nor de Geseangd" und eine schöne Zeit.

Hans Zultner (Heilbronn)

 

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Letztes Update: 2004-07-24 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg