HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

 

Einweihung des Dr. Karl Friedrich Müller-Hauses (Pflegenest)
Einführung der neu gewählten Presbyter (Helmut Polder & Annemarie Halmen)

Auszug aus der Predigt zu 1. Kor. 4,1 - 5 Pfarrer Hans Bruno Fröhlich 14.12.2003

Liebe Gemeinde!
Heute ist ein besonderer Tag für unsere Gemeinde; außer dem 3. Adventsonntag und seinem Spezifikum haben wir noch zwei wichtige Anlässe zu begehen die uns zu Dankbarkeit Anlass geben: die Einführung von zwei neu gewählten Mitgliedern ins Presbyterium und die Einweihung des renovierten Gebäudes von vis-á-vis, welches wir auf Beschluss der Gemeindevertretung "Dr. Karl Friedrich Müller Haus" nennen wollen. So möchte ich jetzt schon vorausschicken, dass die heutige Predigt zum Teil auch weniger predigtspezifisches enthalten wird, dafür aber einige - aus meiner Sicht: wichtige - Informationen, statistische Daten und auch einige Einschätzungen zur aktuellen Situation enthalten wird.


Das ehemalige Hochsche Haus heißt heute
Dr. Karl Friedrich Müller-Haus - Foto: W. Lingner

 

Das Leitmotiv des heutigen Tages ist jenes des Haushalters, von dem man erwartet, dass er als treu befunden wird. Paulus sieht sein Apostelamt als Hauhaltersamt, u. z. über die Geheimnisse Gottes. Und damit scheint er auch recht zu behalten, denn Gott hat in der Tat sein Werk Menschen anvertraut, die er zu besonderen Diensten gerufen und berufen hat. Gottes Liebe, Gottes Frohe Botschaft wird von Menschen weiter getragen, die jenes empfangene Gut wie Haushalter anwenden, indem sie damit wirtschaften. Haushalter zu sein bedeutet aber zunächst ganz konkret in diesem Leben (zu Hause, am Arbeitsplatz) mit anvertrauten Gütern verantwortlich umzugehen.

Womit wir eigentlich auch bei der Feier unseres Tages sind. Wir weihen heute unser vergrößertes Altenwohnheim ein, nachdem das ganze Gebäude (das "Venezianische Haus") einer gründlichen Renovierung unterzogen wurde. Eigentlich ist das was wir heute tun ein formaler Akt, denn praktisch ist das erweiterte Seniorenheim schon bald ein Jahr lang funktionsfähig. Wir - d.h. das Presbyterium und die Gemeindevertretung, aber auch die Heimleitung und die Mitarbeiterinnen - waren und sind Haushalter (im materiellen, wie ideellen Sinn).
Einige Daten möchte ich nun weiter geben, auch wenn mir bewusst ist, dass es den Rahmen einer Predigt ein wenig sprengen wird; ich meine das es ist wichtig diese Dinge zu wissen, bzw. - wenn man sie kennt - sie sich in Erinnerung zu rufen. Die Zeit nach der Wende 1989 mit ihren großen Veränderungen für unsere Gemeinde und Gemeinschaft brachte die Notwendigkeit mit sich, eine Bleibe für alte und alleinstehende Menschen zu schaffen. Einerseits konnte unsere Kirche dabei auf eine lange Tradition in diesem Bereich zurückblicken, eine Tradition welche durch den II. Weltkrieg aber unterbrochen worden ist (das heutige Restaurant von nebenan, welches sich "Vlad Dracul" schimpft, war das ehemalige Frauenaltenheim unserer Gemeinde). Andererseits aber, war man in dem damaligen - durch die Auswanderung von immerhin 80 % der Gemeindeglieder bedingten - Durcheinander maßlos überfordert. Aus heutiger Sicht muss zugegeben werden, dass die Meisten unsrer Gemeindeglieder und selbst die Gemeindeleitung am Anfang der 90-er Jahre den Untergang unserer Gemeinschaft kommen sahen und auch darauf zu arbeiteten, aus dem einfachen Grund weil man damals kaum eine Perspektive erkennen konnte. So ist es nicht zufällig, dass die Anfänge (die Idee) des Pflegenestes nicht in Schäßburg, sondern in Bremen liegen. Diakonieschwester Antje Rothwell wurde vom Diakonissenmutterhaus der Bremischen Kirche im Jahr 1993 her entsandt und sie brachte das nötige Wissen für die Gründung einer Diakoniestation mit. Im Jahr 1994 wurde das Pflegenest in Betrieb genommen: im September 1994 zog die erste Bewohnerin ein; zunächst arbeiteten hier 3 Angestellte (zur Zeit 6). Das ursprüngliche Pflegenest hatte zwei Räume: einen Pflegeraum mit 3 Plätzen und ein zweites Zimmer mit 2 Plätzen für Seniorinnen, die gut beweglich waren. Der Nachteil war, dass nur bedingt Männer aufgenommen werden konnten; das geht heute, weil wir nun drei Räume haben. Das eine kleine Zimmer ist nun das "Männerzimmer" geworden und die beiden andern Räume mit je drei Plätzen sind für Frauen bestimmt. Somit haben wir nach dem Umbau 8 Heimplätze, von denen zur Zeit 6 belegt sind. Die Statistik nach 9 Jahren Betrieb ist bemerkenswert: seit es existiert, hat das Pflegenest bis heute 42 Menschen (die jetzigen Bewohnerinnen und Bewohner INKLUSIV) eine Bleibe geboten; 20 davon sind hier bis zu ihrem Tod - der an diesem Ort sicher menschenwürdiger als sonst wo gekommen ist - gepflegt worden.

Zu jener Zeit des Anfangs der Diakoniestation muss nun auch dies gesagt werden: der pensionierte Rechtsanwalt Dr. Karl Friedrich Müller war damals schon bettlägerig und wurde ambulant gepflegt. Er vermachte im Jahr 1992 testamentarisch der Kirchengemeinde sein Haus, damit dort ein Altenheim entstehen sollte, wahrscheinlich in der Annahme nicht mehr viele Tage bis zum Ende zu haben. Gott schenkte ihm jedoch ein langes Leben; er verstarb 1999 im Alter von 92 Jahren.

Inzwischen war das Pflegenest hier auf der Burg schon 5 Jahre alt geworden und hatte seine Zweckmäßigkeit unter Beweis gestellt. Dieses Heim aufzugeben, hätte keinen Sinn gehabt, wegen der zentralen Lage aber auch wegen den schon getätigten Investitionen. Ein zweites auf der "Pfarrerswiese" (wo das "Müller-Haus" sich befindet)zu bauen kam noch weniger in Frage; sowohl aus finanziellen, wie auch aus personellen Gründen. Das Presbyterium und die Gemeindevertretung haben sich - als gute Haushalter - in mehreren Sitzungen intensiv darüber Gedanken gemacht, welches die richtige Lösung wohl sein würde. Ich glaube diese - von der Gemeindevertretung beschlossene - Variante, das geerbte Haus zu verkaufen und aus dem Erlös ein - für unsere Verhältnisse - doch nobles und schmuckes Altenheim zu schaffen, war die BESTE. Das Testament von Dr. Karl Müller konnte wohl - den Umständen entsprechend - nicht dem Buchstaben getreu vollstreckt werden; sinngemäß ist es aber auf jeden Fall eingehalten worden, denn die Quintessenz dieses Testamentes lautet in etwa (Übersetzung aus der rumänischen Sprache): " ... es ist mein Wille, etwas für die alten Menschen dieser Gemeinde zu tun". Karl Friedrich Müller hat wirklich etwas für die alten Menschen seiner Gemeinde getan, und daher verdient er es, dass unser Altenheim ab dem heutigen Tag seinen Namen trägt.

Noch ein Wort zu Bremen. Für uns hier sind "die Bremer" zu einem stehenden Begriff geworden. Dabei ist es nicht immer klar wen wir damit meinen, weil es in der Tat unzählige Menschen und etliche Institutionen aus Bremen sind, die unsere Sache zu der Ihren erklärt haben und sich aktiv hier eingebracht haben und einbringen: das Diakonische Werk der BEK, die Kirchenleitung der BEK, einige der Kirchengemeinden, das Diakonissenmutterhaus, aber auch Spenderkreise, viele Privatpersonen und nicht zuletzt der Packkreis. Bis auf den heutigen Tag ist es so, dass ca. 2/3 (zwei Drittel) der laufenden Kosten des Heimes von Bremen aus gedeckt werden.

Erwähnt werden müssen hier aber auch die HOG Schäßburg, die vor zwei Jahren ein Gehalt einer Mitarbeiterin übernommen haben, das Sozialwerk der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen, welches die Zentralheizung stiftete, die Stadt Neu-Isenburg, die eine große Summe für den Umbau spendete und ebenfalls etliche private Spender, ohne deren Mithilfe, die Arbeit nicht laufen würde.
Nicht zuletzt soll dem Baumeister und allen beim Umbau und Renovierung implizierten Personen gedankt werden. "Nun fordert man nicht mehr von den Haushaltern, als dass sie für treu befunden werden." so Paulus. Das wollen wir hoffen, dass all jene, die an diesem Werk mitgearbeitet haben als treue Haushalter befunden werden.

Amen.

 

balken.gif (7924 Byte)

Letztes Update: 2004-07-26 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg