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HOG-Schäßburg / Siebenbürgen |
Die Geschichte eines GotteshausesDaniel Zikeli: Vereinte Kraft wirkt Großes.
Der Titel dieser Broschüre ist gut gewählt: "Vereinte Kraft wirkt Großes" lautete die Inschrift auf der großen Glocke aus dem Jahr 1852, und "unter diesem Motto ist es der Bukarester evangelischen Gemeinde gelungen, ihre Kirche zu erbauen", nach jeder Zerstörung neu entstehen zu lassen und trotz der Abrissgelüste der kommunistischen Machthaber in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zu erhalten. Das vorliegende Büchlein erzählt die bewegte Geschichte der Bukarester deutschen evangelischen Kirch, auf Deutsch und Rumänisch (Übersetzung: Dr. Saviana Diamandi), und beschreibt Bauwerk und Ausstattung. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich immer wieder siebenbürgisch-sächsische Handwerker und Kaufleute jenseits der Karpaten, vor allem in Bukarest, niedergelassen und dort eine neue Existenz geschaffen. Anfangs versammelten sich die Evangelischen sonntags in einem einfachen Bethaus, das in einem französischen Bericht aus dem Jahr 1574 erwähnt ist. Dann strebten sie den Bau einer richtigen Kirche an, was unter den unsicheren Machtverhältnissen in der Walachei ein schwieriges Unterfangen war. Erinnern wir uns an die Geschichte-Stunden, in denen rumänische Geschichte gepaukt wurde: Die Fürsten behielten ihren Thron oft nur ein, zwei Jahre und mussten dann einem anderen Platz machen, einige bestiegen nach einiger Zeit wieder den Thron, aber nicht für lange ... Kurze Zeit, nachdem Fürst Constantin Mavrocordat im Jahre 1751 der evangelischen Gemeinde erlaubt hatte, auf dem von ihr erworbenen Grundstück in der "mahalaua stejarului" außerhalb der Stadt eine Kirche zu bauen, wurde er gestürzt und die Evangelischen mussten sich wieder um eine Bauerlaubnis bemühen; nachdem auf Betreiben des schwedischen Gesandten in Konstantinopel der neue Fürst Grigore II. Ghica die Erlaubnis, "eine größere, ordentlichere Kirche zu bauen" erteilt hatte, konnten die Bauarbeiten beginnen. Aber die Freude der Gemeindeglieder währte nicht lange: Constantin Mavrocordat kehrte auf den Thron zurück (von 1730 bis 1774 saß er sechsmal auf dem Thron der Walachei und viermal auf dem Thron der Moldau), und ließ die Arbeiten einstellen, weil ihm der im Bau befindliche Turm missfiel, Pfarrer, Kirchenälteste und Handwerker mussten für acht Tage ins Gefängnis. Erst 1778, unter Fürst Alexander Ipsilanti, konnte die Kirche endlich fertig gestellt werden. Doch schon nach wenigen Jahrzehnten war sie für die gewachsene Gemeinde zu klein. Diese begann, Geld für eine neue, größere Kirche zu sammeln und nach Spendern Ausschau zu halten. Der Leser wundert sich, wer um die Mitte des 19. Jahrhunderts der Bukarester evangelischen Gemeinde zum Bau einer neuen Kirche verhalf: der walachische Fürst Gheorghe Bibescu, der Gustav-Adolf-Verein Leipzig, der siebenbürgisch-sächsische Bischof Georg Paul Binder, der österreichische Kaiser Franz Joseph, König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, der Komponist Franz Liszt, der preußische Generalkonsul in Bukarest Freiherr von Meusebach ... Am 24. April 1853 konnte die neue Kirche, neben der alten, die dann abgerissen wurde, geweiht werden. Der Verfasser schildert auch die spätere ereignisreiche Geschichte
der evangelischen Kirche von Bukarest: 1912 wurde sie durch einen Brand
zerstört; die starken Erdbeben von 1940 und 1977 richteten größere
Schäden an; der Zweite Weltkrieg ging auch nicht spurlos am Gotteshaus
vorbei. Jedes Mal wurden beim Wiederaufbau bzw. bei der Beseitigung der
Schäden auch Änderungen am Bau und an der Innenausstattung vorgenommen.
Zum letzten Mal bei der gründlichen Renovierung in den Jahren 1990-2002.
Im Hauptteil der Broschüre, die Baugeschichte der Kirche, verzichtet
der Autor auf Kapitel-Überschriften, der Text wird durch Schmuck-Initialen
aufgelockert. Leider fehlen auch Bildtexte; aus dem Lauftext kann meistens
- aber nicht immer - auf das im Bild Dargestellte geschlossen werden,
kurze Bildunterschriften wären vonnöten gewesen. Das dritte Kapitel ist der Ausstattung der Kirche gewidmet, und diesmal
gibt es Titel: Altar, Kanzel, Taufstein, Grabdenkmal, Die Glocken, Orgeln,
Gemalte Glasfenster, Symbole (Der Anker, Das Auge, Das Kreuz ...). Horst Breihofer (Nürnberg) |