HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

 

Aus der Reihe der Ökumene in Schäßburg

Die römisch-katholische Kirchengemeinde

Schäßburg hatte seit seiner Gründung eine wichtige, strategische, politische, wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung. Schon 1298 wird in der Stadt der Dominikanerorden (ein Predigerorden) bezeugt. Am Ende des 13. Jahrhunderts haben die Dominikaner am südöstlichen Rand der Burg Kloster und Kirche gebaut. Die Bauten umfassten den so genannten "Münchhof", wo heute das imposante Gebäude der Präfektur steht. Die Kirche der Dominikaner war der heiligen Jungfrau geweiht. Am Ende des 15. Jahrhunderts wurde das Kloster erweitert und die Kirche umgebaut. In den Jahren 1492 bis 1515 wurde vom Dominikanerorden die jetzige Klosterkirche gebaut, welche seit der Reformation das bedeutendste Gotteshaus der evangelischen Kirche in Schäßburg ist. Nach Dr. Horvath Sandor, dominikanischer Lehrer, hat der Bischof im Jahre 1298 das Dominikanerkloster mit der Kirchenweihfeier ausgestattet.


Die römisch-katholische Kirche mit Seitenschiff und
Glockenturm im Neoromanischen Stil wurde 1896 erbaut
und dem heiligen Jodef geweiht. Foto: Hajdu Csaba


Das Eingangsportal mit Rundbogen, Doppelsäule mit
korinthischen Kapitälen und Fensterrosette der Westseite.
Foto: Hajdu Csaba


Das Pfarrhaus der römisch-katholischen Kirche.
Foto: Hajdu Csaba

 

Die Klöster

Bei den Restaurierungsarbeiten an der Klosterkirche im Jahr 1855 wurde eine Blechbüchse mit verschiedenen alten Schriften entdeckt. Eine dieser Schriften, ein Verzeichnis des Prädikator Generalis Antonius Fabri, zählt die Persönlichkeiten auf, welche das Kloster durch verschiedene Schenkungen unterstützt haben. Dieses Verzeichnis nennt auch die Leitungsmitglieder des Ordens: Fr. Petrus de Rupe Prior, Fr. Petrus de Mathias Prädikator, Fr. Petrus de Dominic Organist. 1529 hatte der Orden zehn Priester, 6 junge Priester (Zöglinge ?) und neun weltliche Brüder. Im Jahr 1544 wurde vom Stadtpfarrer Lucas Roth (Ruffus) die Reformation der Schäßburger durchgeführt. Im nächsten Jahr (1545) wird das Kloster aufgelöst und sein Eigentum beschlagnahmt.


Innenansicht mit Altar, Heiland am Kreuz und dem Schutzpatron der
Kirche. Foto: Hajdu Csaba


Westseite der Kirche mit Orgelempore.
Foto: Hajdu Csaba

 

Neben dem Dominikanerkloster gab es noch die Nonnenklöster der Dominikanerinnen und Franziskanerinnen. 1723 zogen Franziskanermönche in die Stadt ein. Noch im selben Jahr übernehmen die Franziskaner die Nonnenkirche samt Kloster der Franziskanerinnen, aber die Betätigung des Franziskanerklosters beginnt erst 1731. 1734 wurde von der Königin Maria Theresia die Aktivität des Klosters gestärkt. Die Tätigkeit des Klosters hört im Jahre 1866 auf. 20 Jahre später (1886) wurde das Kloster säkularisiert.

Die Kirche "Hl. Josef" 1896

1894 wird die ehemalige Kirche der Franziskanerinnen samt dem angrenzenden Schlosserturm dem Neubau der heutigen katholischen Pfarrkirche Platz machen. Diese Kirche im neoromanischen Stil wurde 1896 erbaut und dem heiligen Josef geweiht. Die Kirche ist ein Werk des Architekten A. Hedrich. Die materielle Unterstützung für den Bau kam von den Anhängern der Glaubensgemeinde und dem römisch-katholischen Status aus Siebenbürgen.
Im Winter 1983 brannte die Kirche wegen eines Kurzschlusses im Dachboden bis auf die Grundmauern nieder. Nur der Glockenturm blieb fast unbeschädigt stehen. Der Wiederaufbau und die Innenausstattung haben noch im selben Jahr begonnen, so dass am 25. August 1984 die Einweihung durch den römisch-katholischen Bischof stattfinden konnte. Die vom Brand zerstörte Orgel wurde durch eine kleinere, von der inzwischen aufgelösten evangelischen Kirchengemeinde Felsendorf ersetzt.
Die Schäßburger römisch-katholische Kirchengemeinde hatte bis heute vierzehn Pfarrer. Die Anzahl der Gläubigen ist seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts ständig angewachsen.
Für die Kirche hatte die Schule immer eine große Bedeutung. Im Schuljahr 1876/77 beginnt der Unterricht in der römisch-katholischen Grundschule. 1896 wurde eine Schule mit drei Klassenräumen gebaut. In dieser Schule wurde bis 1948 unterrichtet. Das Schulgebäude, welches gegenüber dem römisch-katholischen Pfarramt steht, beherbergt heute eine staatliche Musikschule.
Die Schäßburger römisch-katholische Kirchengemeinde, als weltliche Pfarrei, hat nur ein Jahrhundert hinter sich. Die Priester aus allen Zeiten hatten es aber nicht einfach. Erstens mussten sie Kirche und Schule bauen und zweitens hatten sie die Aufgabe, den katholischen Glauben, die katholische Tugend und die Gottesliebe unter den Gläubigen zu vertiefen. Die Kirche war immer bemüht sich für den Erhalt des nationalen Wesens und für die Pflege der Muttersprache einzusetzen.

In der Diaspora

Die bis heute 14 Dechanat-Pfarrer haben ihre Berufung erfüllt, so dass die Schäßburger römisch katholische Kirchengemeinde von Jahr zu Jahr kräftiger wurde und für die in der Minderheit lebende katholische Bevölkerung eine seelische, moralische und geistliche Bastei wurde. Heute betreut die Schäßburger Katholische Kirche mehrere Gemeinden in der Umgebung. Die größte ist Elisabethstadt, wo wöchentlich einmal im armenischen und im lateinischen Ritus Gottesdienst gehalten wird. In der armenischen Kirche wird ungarisch gesprochen, weil die Gläubigen die armenische Sprache nicht kennen.


Gemeindesaal mit Pfarrhaus. Foto: Hajdu Csaba


Seitenaltar mit der heiligen Mariasowie dem Taufbecken
und zwei Kreuzwegstationen, Schnitzwrke im
neoromanischen Stil. Foto: Hajdu Csaba

 

Zu uns gehört auch Weißkirch. Einst gab es hier ein Franziskanerkloster und -kirche. Heute sind nur die Ruinen zu erkennen. Jetzt gibt es eine Kapelle, wo einmal in der Woche Gottesdienst gehalten wird.
Schorpendorf (Sarpatak) war früher eine selbstständige Pfarrei und hatte einen eigenen Pfarrer, welcher die Gläubigen betreute. Heute wird einmal im Monat und außerdem an allen wichtigen kirchlichen Festtagen Gottesdienst gehalten. Langsam verfallen hier sowohl die Kirche wie auch das Pfarrhaus. Es sind nur noch sehr wenige Gläubige da, und alle sind alt.
Teufelsdorf gehört ebenfalls zu uns. Hier wird der Gottesdienst für eine kleine Anzahl von Gläubigen einmal in der Woche in einer Kapelle gehalten.
In Malmkrog lebt nur noch ein einziger, alter katholisch-gläubiger Mann. Die kleine Ortskirche hatten katholische Mitglieder der Familie Haller erbaut. Heute ist sie auch dem Verfall ausgesetzt.
Einen anderen Sprengel hat unsere Kirchengemeinde im Kreis Hargita, in Hidegkut (Vidacut). Dort leben ungefähr zwanzig Gläubige; alle sind alt. Die kleine Kapelle, wo Gottesdienst gehalten wird, ist in einem schlechten Zustand.

Die heutige Schäßburger Gemeinde

Innerhalb der Schäßburger römisch-katholischen Kirchengemeinde ist auch die Gemeinschaft der Kolpingfamilie tätig. Vor einigen Jahren war hier noch der Mittelpunkt der Kolpingfamilie der ganzen Diözese. Heute funktioniert sie nur noch als Kolpingfamilie der Kirchengemeinde im Kolpinghaus, welches der Kirchengemeinde gehört und der Kolpingfamilie vermietet wurde.
In der Kirchengemeinde ist auch eine Jugendgruppe tätig. Während der Jugendmessen spielen die Jugendlichen auf ihren Musikinstrumenten ihre Lieder.
Es gibt auch die Gesellschaft des Ordens des heiligen Franziskus, welche einmal im Monat den Geist der Franziskaner pflegt. Die größte und wirksamste Tätigkeit entfaltet aber der Rosenkranzverein. Die Mitglieder des Vereins stärken durch ihre Arbeit und ihr Gebet das gläubige Leben der katholischen Kirchengemeinde.
Die Kirchengemeinde wird zurzeit von zwei Pfarrern betreut: Szabo Denes, Dechanat-Pfarrer, und Tako Istvan, Hilfspriester.
Am Sonntag werden immer 5-6 Gottesdienste an verschiedenen Orten gehalten. In Schäßburg finden täglich zwei heilige Messen statt, am Morgen und am Abend. Am Sonntag sind drei heilige Messen, um 9.00 Uhr in ungarischer, deutscher und rumänischer Sprache, um 11.00 Uhr in ungarischer Sprache und am Abend um 18.00 Uhr die Jugendmesse, auch in ungarischer Sprache. Die meisten Gläubigen kommen zur Hauptmesse um 11.00 Uhr.
Das Kirchweihfest, gewidmet dem hl. Josef, wird am 19. März gefeiert. Die heilige Messe wird von mehreren Pfarrern gehalten, von welchen nur einer die heilige Rede spricht.
Die Matrikeln der Schäßburger katholischen Kirchengemeinde sehen nicht sehr glänzend aus. Die Anzahl der Getauften ist kleiner als die der Verstorbenen. Jährlich kommen in der Kirchengemeinde etwa 10-15 Kinder zur erste Kommunion. In diesem Jahr wird auch die Firmung stattfinden.
Der Geist der heutigen Welt beeinflusst auch unsere Gläubigen, die nicht mehr so begeistert sind. Wir glauben aber, dass sich mit Gottes Hilfe in den kommenden Jahren alles verbessern wird.

Szabo Dénes, Dechanat-Pfarrer (Schäßburg)

 

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Letztes Update: 2004-07-23 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg