HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

 

Meta Hermann-Hornung, eine Malerin des Lebendigen, des Natürlichen

Biografisches:


Meta Hornung geb. Hermann

Als Tochter des Tischlermeisters Hermann wird Meta in Schäßburg in Siebenbürgen am 16.1.1930 geboren. Die Volksschule und das Untergymnasium besucht sie an der deutschen Schule, das Obergymnasium am rumänischen Mädchen-Lyzeum schließt sie mit der Matura 1950 ab. Nach einem Jahr Unterricht als Hilfslehrerin für Geschichte und Sport in Reps gelingt die Aufnahmeprüfung auf der Akademie für bildende Künste "Ion Andreescu" in Klausenburg, das sie nach 6 Jahren mit dem Staatsexamen abschließt.


Schneiderturm in Schäßburg. Aquarell 44 x 36 cm


Griechische LAndschaft. Aquarell 44 x 36 cm

Noch als Studentin heiratet sie den Ingenieur und Wissenschaftler Stefan Hornung, der mehrere wissenschaftliche Untersuchungen zur Pedologie veröffentlicht. Dem jungen Ehepaar werden zwei Söhne geboren, Günther und Raimund, die beide im Bereiche der Elektrotechnik und Elektronik erfolgreiche Ingenieure geworden sind und in Deutschland leben und arbeiten. Bevor der Künstlerin und ihrem Mann 1986 die Ausreise nach Deutschland gelang, arbeitete sie als Lehrerin für Zeichnen, Kunstgeschichte und Weben an Volkskunstschulen in Klausenburg (1956-1965), in Sathmar (1965-1967) und in Neustadt (Baia Mare, von 1967 -1986), sowie an der Lehrerbildungsanstalt ( Liceul Pedagogic) in Neustadt recht erfolgreich: 1972 erwarb sie den II. Grad und 1979 den ersten Grad. Das entspricht etwa der Promotion zum Doktor in anderen Fächern. Sie war in Nordsiebenbürgen die erste Lehrerin mit dieser hohen Qualifikation und wurde immer wieder zu Prüfungen dieser Art herangezogen, bis ein rumänischer Kollege diese Prüfung bestand. Darauf wurde "selbstverständlich" er als Prüfer genommen, und nicht die deutsche Kollegin.
Als die junge Malerin aus dem gewohnten Lebenskreis der Universitätsstadt Klausenburg in die Provinz Nordsiebenbürgens verschlagen wurde, erlebte sie eine positive Überraschung: Am Ende des 19.Jahrhunderts hatte der ungarische Maler Holossy in dieser landschaftlich reizvollen Umgebung eine Künstlerkolonie für "Freiluft-Malerei" gegründet, eine Art "Barbizon" oder "Worpswede". Die armen Maler mussten häufig ihre Miete mit Bildern bezahlen, die zur Freude der anfangs skeptischen Besitzer mit den Jahren an Wert zunahmen. So wurde den Künstlern und der Kunst Interesse und positive Zuwendung bereitet, Kunstverständnis geweckt, das die junge Kunstlehrerin weiter fördern konnte.


Abend im Donaudelta


Sonnenuntergang


In der Maramuresch mit Bäuerin


Herbstfarben


Birthälm, Kirchenburg


Junger Baum in lichtem Wald


Magnolienblüten

 

In Deutschland hat die Künstlerin ihr Diplom durch eine schriftliche Arbeit und ein Kolloquium in München anerkennen lassen als Lehrbefähigung im "Doppelfach Kunsterziehung", hat die Lehrtätigkeit aber nicht ausgeübt, sondern ist mit 60 Jahren in den Ruhestand eingetreten. Heute lebt sie mit ihrem Mann in Würzburg . Von den Wänden ihres hellen und großen Wohnzimmers grüßen neben eigenen Aquarellen und einem gewebten Bildteppich (in dem über 40 Farbtöne verarbeitet wurden!) Gemälde und bildhauerische Arbeiten ihrer Studiengenossen und Künstlerfreunde, (darunter auch erste künstlerische Werke ihrer beiden Enkelinnen mit Glückwünschen zur "Goldenen Hochzeit" der Großeltern!) und arbeitet und malt fleißig weiter. Ihr Atelier ist die weite Welt, die sie gerne und immer wieder bereist. Besonders die hellen, farbenfrohen mediterranen Länder haben es ihr angetan mit ihrer leuchtenden Farbigkeit. Von Griechenland, Israel, Ägypten, Marokko, Tunesien, Spanien, Italien, von der Türkei erzählen ihre Aquarelle, denn das ist ihre bevorzugte Maltechnik. Georg Donath lehrte sie schon im Untergymnasium in Schäßburg mit Wasserfarben umzugehen. Und auf der Kunstakademie Klausenburg war es ihr verehrter Lehrer Walter Widmann, der ihr Können in der Aquarelltechnik und ihre Liebe zur Volkskunst vertiefte.

Zum Werk:

Mit dieser Technik, die mit relativ geringem technischen Aufwand auskommt (im Gegensatz zu den textilen Techniken!), die aber an die Künstlerin hohe Ansprüche stellt, erobert sich Meta Hermann-Hornung die Welt der sichtbaren Dinge und verwandelt sie in Kunst. Ihre malerische Heimatstadt Schäßburg, zu der die Maler der Kunstakademien von weit her anreisen, mit ihren mittelalterlichen Gassen und Befestigungstürmen sind häufige Motive ihrer Bilder, an denen sie expressiv, kräftig zupackend "wie ein Mann" oder zart der Jahreszeit nachspürend mit sparsamer Palette ihr Können zeigt. Sie malt auch die Reste vergangener Schlösser in Griechenland oder Italien, die Felsentürme in Tirol wie das schindelgedeckte Bauernhaus, vor dem die Bäuerin stickend sitzt. "Das gibt es nicht mehr, die Frau ist gestorben und das Haus abgerissen..." sagt die Malerin mit einem leisen Bedauern. Aber das Bild hält es fest, für den Betrachter nacherlebbar. Das " Lebendige" in der Landschaft, Blume-Baum-Wald kehren in vielen Variationen und Nuancen im Werk der Künstlerin wieder. Aus dem dunkeln Wurzelgrund strebt die Blume zur klaren Leuchtkraft der reinen Farbe der Blüte empor, muss sich im Licht und der Umwelt behaupten und entwickeln - ein Vorgang, der schon Buddha als göttliches Gleichnis in der Lotosblüte verstand und erlebte. Ähnliches begegnet dem Betrachter von Baum-Bildern der Malerin: Der "Bruder Baum" gründet fest im Wurzelboden, strebt vertikal in die Höhe, meist zielstrebig, setener "mühsam" wie die knorrigen Oliven im mediterranen lichten Hain, bis er sich in hellen Farbflecken des zarten Frühlings - oder in kräftig- farbigen des Herbstlaubes in Licht auflöst. Der Boden kann die Bäume einfach tragen oder kompositorisch verbinden, kann aber auch Hauptthema eines Bildes sein. Ist es das Lichtspiel der Sonnen- und Schattenstreifen auf dem welligen mit Herbstblättern belegten Waldboden? Oder ist es die rote "Energie", die in ihrer Hell-Dunkel-Bewegung die Kraft des künftigen Wachstums deutlich macht? Der Wald kommt im Werk der Malerin sehr oft vor. Die Jahreszeiten werden hier an einem dankbaren Motiv meisterhaft und poetisch eingefangen: Vom zarten Hellblau der Stämme im sanften Licht des Frühlings über das sattgrüne, schattenspendende Laub der Sommerbäume auf der Obstwiese bis zur üppigen und reichen Farbenpracht der bunten Herbstkronen finden wir die Lebensfreude der Künstlerin immer wieder eingefangen. Es ist nicht das Chaos, die Wirrnis und beängstigende Gefahr des Waldes, die die Künstlerin erlebt, sondern der lichte Wald, die Verbindung zwischen Himmel und Erde, wo man gerne verweilt, wo man " nicht einsam ist, auch wenn man allein ist". Und zwischen den Ästen der winterlichen Obst- oder Waldbäume ist das den Frühling verheißende zarte Sonnenlicht zu spüren. Und heißt einmal ein Bild "Sonnenuntergang", steht die Sonne hinter den schwarzen Stämmen noch hoch am Himmel und leuchtet mit solcher Kraft und Energie, dass die Stämme, die man sich eigentlich in der Senkrechten weiter verlängert denken müsste, vor dem orange-gelben Kreis der Lebensspenderin ausweichen müssen.


Handgewebter Behang


Schmiedeturm und Klosterkirche in Schäßburg


Der Baumgarten

Wenn eine Freundin, die schwere Krankheit und den Tod eines lieben Menschen erleiden musste, der Künstlerin dankbar gestand, dass ihre Bilder ihr Kraft und neuen Lebensmut gegeben hätten, fühlt sich Frau Meta Hermann-Hornung richtig verstanden.

Ausstellungen:

Neben ihrer Lehrtätigkeit in Siebenbürgen hat Frau Hornung ein reiches künstlerisches Schaffen entfaltet, hat sich mit ihren dekorativen Webarbeiten und Aquarellen an vielen Gruppenausstellungen im sozialistischen In- und Ausland beteiligt, hat auch mehrere persönliche Einzelausstellungen gestaltet, so in Neustadt (1970), Schäßburg (1973) Bukarest (1976), Sathmar (1980), wo sie Aquarelle, Wandteppiche und Batikarbeiten zeigte. Werke (Aquarelle , Wandteppiche, Batikkompositionen und Draperien ) der Künstlerin befinden sich auch im Besitz öffentlicher Museen (z.B. im Ethnographischen Museum Klausenburg und im Brukenthal - Museum Hermannstadt.) Und viele Kunstfreunde dürfen sich als glückliche Besitzer an ihren Aquarellen erfreuen.

In der Aula der KSG Münster nahm sie 1989 an einer Gruppenausstellung ungarischer und deutscher Künstler aus Siebenbürgen teil, die unter dem Titel "Bilder von trauriger Gegenwart" gegen die rabiate Unterdrückung der ungarischen und deutschen Minderheit durch das nationalistisch-kommunistische Ceausescu-Regime in Rumänien protestierte. Im einführenden Text heißt es: "Was wollen die ungarischen und deutschen Künstler durch ihre Werke? Sie wollen wenigstens das Bild und die Stimmung kleiner ungarischer und deutscher Dörfer und Städte bewahren. Sie wollen die Gesichtszüge ihrer Väter hinüberretten. Sie wollen die traurige Gegenwart dieser Minderheiten wenigstens durch Bilder festhalten." Das in einer Zeit, als Spuren ungarischer und deutscher Präsenz in Geschichte und Gegenwart zunehmend unterdrückt oder zerstört wurden, Planierraupen historische Bauten bedrohten oder zerstörten, Geschichtsdokumente verfälscht und unterschlagen, Angehörige von Minderheiten diskriminiert wurden. Der Gang der Ereignisse hat eine damals unerwartete Wendung genommen. Wie sich das Schicksal der Minderheiten in Siebenbürgen gestaltet, muss die künftige Geschichte zeigen.

Am Heimattag der Siebenbürger Sachsen, zu Pfingsten1991 in Dinkelsbühl fand eine weitere Ausstellung der Künstlerin statt, zu der der Kulturreferent der Landsmannschaft die Einführung hielt.

Von April bis Juli 1997 stellte Frau Hermann-Hornung im Würzburger Evangelischen Bildungszentrum " Rudolf Alexander Schröder" unter dem Titel "Auf den Spuren des Lichts" von ihren Aquarellen aus. In der "Siebenbürger Zeitung" vom Mai 1997 und in der "Mainpost" vom 30. Mai 1997 wird aus der Einführung von Herrn Hans Joachim Petsch zitiert. Die Zitate zeigen, mit wie viel Verständnis der Referent der Künstlerin und ihrem Werk begegnet ist und mit welch treffenden Worten er es zu charakterisieren weiß. Einige Beispiele mögen das belegen. "Wer da nicht auf der Parteilinie mitschwamm, musste sich notgedrungen auf Landschaften, auf Stillleben zurückziehen und konnte so dem Diktat des sozialistischen Realismus, der in Rumänien bis zum Ende des Ceausescu-Regimes anhielt, entgehen." Der Künstlerin wird eine "eigene Handschrift", "ein stilles, in sich ruhendes Talent," ein "Blick fürs Wesentliche, für Atmosphäre, Licht und Bewegung", "Kraft und Optimismus" zugesprochen. Sie "agitiert nicht, provoziert oder verfremdet nicht", sondern "öffnet kleine Fenster in Welten von Licht und Farbe", wendet keinen "kitschigen, weinerlichen, nostalgischen Blick" zurück. "Die Töne korrespondieren mit einander, verlaufen ineinander, immer so, dass der Betrachter verschnaufen kann, etwas Wohltuendes und Wohlwollendes empfindet, ein heimeliges diese Welt, vor allem die Natur als weite und zugleich schöne Heimat spürendes Empfinden. Eine Kontrastwelt zum Lärme sowohl der verflossenen sozialistischen Ostwelt, als auch zu unserer konsumbetonten hektischen Westwelt."

Hans Orendi ( Mülheim)


 

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Letztes Update: 2004-07-23 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg