Maul- und Klauenseuchein Schäßburg
(Eine wahre Begebenheit)
Es war Mitte der 50-er Jahre, ich schätze 1955, als in Siebenbürgen
die Maul- und Klauenseuche ausbrach. Vor den Toren Schäßburg's
wurden Pfützen mit Chlorwasser angelegt, durch die Mensch, Vieh und
alle anderen Verkehrsteilnehmer, beim Betreten des Stadtgebietes, waten
mussten. "Im- und Export" von Fleisch waren streng verboten,
wodurch die Lebensqualität der aber nicht besonders beeinträchtigt
wurde, weil z. d. Z. die meisten Schäßburger noch Selbstversorger
waren. Einige sind es noch heute. So war es auch bei meiner lieben Tante
Hilda und Onkel Hans Sadler (der allbekannte Lehrer Finef). Die züchteten
alles : Hühner, Kaninchen, Bienen, Ziegen und manchmal auch ein Schwein.
Im Keller hatten sie einen Backofen und einen eigenen Brunnen. Der Hof
schien krisensicher ...
An einem schönen Sommernachmittag, Hildatante war gerade ihre Mutter
(Frau Heinrich) in der Tischlergasse besuchen, da trifft sie Höhr
Herta ( bekannt auch als New York Times), die beim Bäcker Schiller
ihr Brot abholen wollte. Diesen Spitznamen hatte sie nicht zufällig.
Ihr Informationspotential war enorm. "Hilda, host tea gehiert, beim
Adleff Kon äs de Hienepäst ausgebrochen, et sen em schien iwer
zahn Hienen kräpiert. Und bein Kinn åm Sächef sen de Keckesch
uch schien trupplich. Det noa Penicillin saul uch näst hälfen
..."
Tante Hilda war im Nu zu Hause, holt sich bei ihrem Nachbarn ( Dr.Câpâtinâ)
einen Thermometer, schnappt sich ein Huhn, Schiebt das Messgerät
von hinten rein: 42°C. Das zweite Huhn: 42°C. Das dritte Huhn:
42°C .Tante Hilda, als Mathematikerin, induzierte. Bis ich das letzte
Huhn examiniert habe, fallen die ersten um, wie Dominosteine. Das Schlachtmesser
wurde gewetzt, und im Handumdrehen glich der Hühnerhof einem Schlachtfeld.
Da kamen ihr aber Bedenken: Kann man diese Viehcher noch essen, wenn die
so krank waren? Handy gab es noch keines, also auf zum Tierarzt, Dr. Fritz
Ernst, der nicht mehr praktizierte, aber geistig noch rüstig war.
"Hilda, deng Hienen se geseangd, 42°C sen für dei normal!"
Kühltruhen gab es noch keine, also wohin im Hochsommer mit dem vielen
Fleisch? Tante Hilda verteilte ihre Opfer großherzig an die Verwandschaft.
Soviel Hühnerfleisch, wie damals, habe ich nie wieder gegessen. Es
gab Brathändel, evangelisch, paniert, Paprikasch, Reisfleisch, Hühnersuppe
...
Gert Lingner (Geilenkirchen)

Letztes Update:
2004-07-25
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