HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

 

Eine transsylvanische Reise

Dieter Schlesak, Eine Transsylvanische Reise. Ost-West-Passagen am Beispiel Rumäniens. Edition Köln, 2004. 189 S. ISBN 3-936791-08-2.
Der Lyriker, Essayist und Prosaschriftsteller Dieter Schlesak (geb. 1934), der seit 1969 in Deutschland und in Italien lebt und schafft, ist gebürtiger Schäßburger. Er kann heute bereits auf ein umfangreiches literarisches Oeuvre mit vielseitiger Thematik zurückblicken. In diesem Jahr erschien der Band "Eine Transsylvanische Reise", ein Buch, das jedoch mehr ist als bloß eine Reisebeschreibung, wie der Titel vermuten lassen könnte.


Der Autor begibt sich auf eine Zeitreise zu den Stätten seiner Kindheit und Jugend in Siebenbürgen und muss feststellen, dass sich die Vergangenheit nicht unverändert heraufbeschwören lässt, so wie sie verklärt in der Erinnerung lebt. So entsteht eine nostalgische Stimmung, die das gesamte Buch durchzieht. Der Schäßburger Leser fühlt sich insbesondere von den Kapiteln angesprochen, die Begegnungen mit Menschen und Stätten von Schäßburg schildern, wie: "Eine Heimatstadt, so nah, so fremd", "Stimmen auf dem verlassenen Bergfriedhof", "Patriae filiis virtuti palladique sese voventibus sacrum", "Das interethnische Jugendbildungszentrum", "Der Schäßburger Kreis. Gespräche über Religion und die seelischen Gefahren der neuen Zeit" u. a. Der Autor reagiert feinnervig auf alle Eindrücke, die ihn an seine Vergangenheit mahnen - viele Reflexionen sind daher sehr persönlich, subjektiv. Schlesak sieht sowohl die rumänischen postkommunistischen Verhältnisse wie auch die des kapitalistischen Westens kritisch und macht aus dieser Gespaltenheit kein Hehl. Mehrere Kapitel sind rumänischen Fragen, insbesondere solchen der Kultur und der Religion gewidmet. Aus Gesprächen mit rumänischen Schriftsteller-Kollegen und anderen Kulturschaffenden wird häufig wörtlich zitiert. Schlesak sieht den rumänischen Volkscharakter stark durch die Verwurzelung im orthodoxen Glauben bestimmt. Aussichten auf eine baldige Verbesserung der wirtschaftlichen und politischen Lage werden pessimistisch beurteilt. Auch die Frage der Nationalen Minderheiten wird erörtert, doch stellt der Leser fest, dass über die Situation der Ungarn (nach den Zigeunern die zahlenmäßig zweitgrößte Minderheit) kaum etwas zu erfahren ist. Für Schlesak ist Siebenbürgen heute eine vorwiegend rumänische Provinz, die er liebt, der er eine Liebeserklärung macht: "... ich rede lustvoll in diesen alten Lauten, genieße das Rumänische und fühle die Laute wie eine Geliebte auf meinen Lippen: Im Osten, sage ich: aici acasa, hier zu Hause ..." Die Berichte und Reflexionen des Autors zu allem Erleben sind interessant und lesen sich spannend.

Die Gestaltung des Buches ist gepflegt und ansprechend. Die Farbaufnahmen mit Schäßburger Ansichten im Anhang lassen drucktechnisch leider zu wünschen übrig.
Schlesaks Transsylvanische Reise ist empfehlenswert - das Buch liest sich mit Gewinn.

Walter Roth (Dortmund)

 

 

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Letztes Update: 2004-07-25 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg