HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

 

Bundesverdienstkreuz für einen Schäßburger

Dr. Ing. Gustav Wonnerth


Dr. Ing. Gustav Wonnerth

Am 26.2.1920 wurde Gustav Wonnerth als Sohn des ev. Pfarrers Gustav Wonnerth und Frau Elise geb. Teutsch (aus der angesehenen Schäßburger Bürgerfamilie Teutsch stammend) in Kreisch bei Schäßburg geboren.
Nach dem Besuch der Volksschule in Henndorf ging er nach Schäßburg in das Bischof-Teutsch-Gymnasium. Die in den 30er Jahren an diesem Gymnasium sehr angesehene Schülerverbindung, der "Coetus Chlamydatorum", mit seinen zahlreichen Aktivitäten auf dem Gebiet der Musik( Blasmusik und Streichorchester) des Sports (Turnen, Leichtathletik und Handball) und Literaturkreisen sprachen ihn an und Gust Wonnerth entwickelte sich zu einem der aktivsten Mitstreiter. In seinem Lebenslauf ist folgendes nachzulesen:
"Ich war ein sehr eifriger Coetist, ich spielte in der Blasmusik Klarinette 1 und war Kapitän der Handballmannschaft. Dann war ich "Fuchsmajor" und als solcher für die Erziehung der Füchse zuständig................. Mit unserer Handballmannschaft kämpfte ich um die Meisterschaft der deutschen Gymnasien in Rumänien und landete schließlich auf Platz 2."

Zu seiner Ausbildung schreibt Gust Wonnerth weiter: "An meine Gymnasialzeit schloss sich 1938 die Ableistung des halbjährigen Untertagepraktikums für das Bergbaustudium an der Bergbauakademie Freiberg in Sachsen an. Im Herbst 1943 legte ich dort die Diplomprüfung ab; Thema meiner Diplomarbeit waren aktuelle Probleme der Erdöltiefbohrtechnik. Die Veröffentlichung meiner Diplomarbeit in Fachzeitschriften hatte 7 Stellenangebote zur Folge."

Noch vor seinem Kriegseinsatz heiratete er Jutta Müller die Tochter des bekannten Schäßburger Chirurgen Dr. med. Cornel Müller. Zwei Töchter Cornelia und Uta sind aus dieser Ehe entsprossen.

Als Soldat der deutschen Wehrmacht geriet Wonnerth in den letzten Kriegstagen im Kessel von Budapest in russische Kriegsgefangenschaft. Die Schachtanlagen des Donezbeckens wurden nun für einige Jahre der erste Standort seiner beruflichen Qualifikation. Schon in den ersten Tagen wurde er von der Unternehmensleitung als Fachmann entdeckt und als Berater zur Bewältigung der äußerst schwierigen wirtschaftlichen und politischen Bedingungen der Zeit herangezogen. Er unterbreitete dem Direktor der Schachtanlage einen Sanierungsplan für den Wiederaufbau einschließlich der Erfüllung des staatlich vorgeschriebenen Plansoll`s.

Der Sanierungsplan wurde angenommen und mit Erfolg umgesetzt.. Vielen seiner Mitinhaftierten, Wehrmachtsangehörige oder Verschleppte, wurden dadurch die Lebens- und Arbeitsbedingungen erleichtert und somit das Überleben ermöglicht. Sein Sanierungsplan avancierte in der Folge zum Modell für russische Schachtanlagen.

Über das Entlassungslager in Kiew und das Lager Ghencea bei Bukarest 1951 und langwierigen Verhandlungen wurde er 1952 nach Österreich entlassen, wo er sich mit seiner Frau wiedersah.
Der neue Lebensabschnitt begann im Ruhrgebiet bei der Hibernia Bergbau AG. Als Leiter der Abteilung für Arbeitsschutz und Unfallverhütung gelang es ihm im Laufe weniger Jahre dank entsprechender organisatorisch/materieller Maßnahmen die Häufigkeit der tödlichen Unfälle im Konzern bedeutend zu senken. Überbetrieblich war er in verschiedenen Fachgremien tätig und der Konzern übertrug ihm die Betreuung der beruflichen und gesellschaftlichen Integration der aus Österreich ins Ruhrgebiet umgesiedelten 150 nordsiebenbürgisch-sächsischen Familien. Als Würdigung der Verdienste um die Integration erhielt er von der Landsmannschaft die "Ehrennadel in Gold".
Zum Dr. Ing. promovierte er an der Bergakademie Clausthal Zellerfeld im Winter 1957/58 mit einer Arbeit über neue Wege zur Verbesserung des Arbeitsschutzes im Bergbau.

Die nächste Station seiner beruflichen Laufbahn wurde die "Montanunion" in Luxemburg die "Hohe Behörde" der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, mit der die wirtschaftliche und politische Integration Europas begann. Dort vertrat er Deutschland erfolgreich über 15 Jahre lang. Erst Referent, dann Berater und schließlich als Direktor E.H. der EU - Kommission Aufbau und Leitung des Bereiches "Technische Forschung Kohle".

Im Mai 1964 erhielt er vom Präsidenten der Montanunion als Annerkennung seiner treuen Dienste die Robert-Schumann-Medaille.
Im Sommer 1973 trat Wonnerth nach erfolgreichem Wirken auf internationaler Ebene in den verdienten Ruhestand und kehrte nach Oberbayern zurück.
Es folgten Jahre intensiver Arbeit für die Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen. Aktiv in der Landesgruppe Bayern war er zwischen 1978 - 1985 Vorsitzender, trug wesentlich zur Stärkung der Gemeinschaft bei, pflegte erfolgreich die Zusammenarbeit mit Verbänden wie dem Bund der vertriebenen BdV, dem Verein für das Deutschtum im Ausland VdA und den Landesbehörden, er wurde zu einem Begriff für unsere spätausgesiedelten Landsleute.
Aus gesundheitlichen Gründen zog er sich 1985 aus dem öffentlichen Leben zurück. Seinen heimatlichen Wohnsitz in Phäl musste er im Jahre 2000 aufgeben, um ins Siebenbürgerheim nach Rimsting umzuziehen, wo seine Gattin 2003 verstarb und er heute Trost beim Besuch seiner stattlichen 5 Enkelkinder findet.

Zum Erhalt des Bundesverdienstkreuzes schreibt Gustav Wonnerth in seinem Lebenslauf:
"Im Sommer 2003 erhielt ich völlig überraschend die Mitteilung, dass unser Bundespräsident am 16.7.2003 mir das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen hat. Diese Anerkennung meiner Mühegabe für das Wohl der Siebenbürger Sachsen, im Rahmen der großen Deutschen Volksgemeinschaft, habe ich mit Freude und Dank entgegengenommen. Meine Mühegabe galt gleichzeitig dem Gedeihen von Deutschland und einer echten Europäischen Union."

Die Gemeinschaft der Schäßburger gratuliert Dir lieber Gust zu dieser hohen Auszeichnung, wir sind stolz auf Deine Leistungen und wünschen Dir aus ganzem Herzen noch viele gesunde Jahre.

Walter Lingner (Düsseldorf)


 

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Letztes Update: 2004-07-24 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg