HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

Der letzte Schäßburger Hutmacher
Die letzte Mantelschneiderin war Frau Deak / Bemerkungen zu „Seltene und ausgestorbene Berufe ...“, Folge 21 der „Schäßburger Nachrichten“, Seite 13–14

Die Aufzeichnungen des Uhrmachermeisters Reinhold Schneider über seltene und ausgestorbene Berufe in Schäßburg sind sicher wichtig, weil sie der jungen Generation einen Ein¬blick in die Vergangenheit des Handwerks gewähren, und sie sind wichtig für Historiker, die sich für die Wirtschaft in unserer Heimatstadt interessieren. Sie sollten ergänzt werden, so lange sich noch Nachkommen der alten Meister an die Arbeitsmethoden von anno dazumal erinnern. Und Ungenauigkeiten oder Fehler sollten richtig gestellt werden.
Ich beziehe mich im folgenden auf zwei Berufe.
Reinhold Schneider führt in seiner Aufzählung den „Filzmacher“ (Punkt 4) und den „Hut¬macher“ (Punkt 5) an. Die Berufsbezeichnung „Filzmacher“ kenne ich nicht; das Anfertigen der Stumpen gehörte zum Beruf des Hutmachers. In Schäßburg gab es Hutmacher, keinen speziellen Stumpenmacher, also nach Reinhold Schneider „Filzmacher“. Ich habe Hut¬macher bei Fritz Fromm in der Mühlgasse gelernt. Bei ihm war Herr Beck beschäftigt. Er arbeitete in einem separaten Raum im obersten Geschoß und stellte dort die benötigten Stumpen her: Mit dem „Fachbogen“ wurde die Wolle zunächst aufgelockert, „gefacht“, bevor sie dann gefilzt, gewalkt und zum Hutstumpen verarbeitet wurde. Es war eine schwere Arbeit, Herr Beck schaffte 10 Stumpen am Tag. Ich habe als Lehrjunge auch Stumpen machen müssen, ich habe viel von ihm gelernt. Ich brauchte drei Jahre, bis ich es auch zu 10 Stumpen brachte. Der letzte Schäßburger Hutmachermeister und folglich auch Stumpenmacher bin ich, der ehemalige Lehrjunge von Herrn Fromm bzw. Herrn Beck.
Herr Beck stellte die Stumpen bei Herrn Fromm in der Mühlgasse her, zu Hause in der Hüllgasse fertigte er keine Stumpen an, dafür lockerte er dort Wolle für Steppdecken auf. Dieser Vorgang hieß in der Schäßburger Mundart „Flokenfurzen“.
Meine zweite Richtigstellung bezieht sich auf den Mantelschneider Johann Graef, genannt „Bandi“ Graef (Punkt 19). Johann Graefs Vater Friedrich Graef (Fritzi) war tatsächlich Mantelschneider, und auch Johann Graef hatte diesen Beruf gelernt, ihn aber nicht oder nur kurze Zeit ausgeübt. Er war die längste Zeit Gastwirt, zunächst beim Männergesangsverein, dann als Eigentümer der Gaststätte „Zum Buren“. Mantelschneiderin war seine Schwester Johanna Deak, die am Unteren Galtberg wohnte und dort bis ins hohe Alter Kirchenpelze nähte. Dies weiß ich genau, war doch Johann Graef mein Großvater.

Erich Breihofer (Ulm)

 

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Letztes Update: 2005-03-11 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg