HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

Metta Kovacs †

Predigt bei der Beisetzung 21.07.2004, 18.00 Uhr, Trauergottesdienst in der Bergkirche, Stadtpfarrer Hans Bruno Fröhlich

„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“

Liebe trauernde Familie; Anteil nehmende Gemeinde!
Auch wenn Leben und Tod, laut Definition, diametral entgegengesetzt sind, so ist es uns oft gar nicht bewusst, wie nahe sie sich beieinander befinden können. Diese Tatsache, dass zwischen Leben und Tod die sprichwörtliche „Haaresbreite“ stehen kann, holt uns in dieser Stunde wieder schmerzhaft ein.


Metta Kovacs

Wir müssen heute Abschied nehmen, aber ei¬gentlich – zumindest geht es mir so – ist einem gar nicht recht nach Abschied zumute. Es gehört zum psychologischen Grundmuster des Menschen, dass er „schwer zu Erfassendes“ zunächst gar nicht wahrhaben möchte und sich nur langsam, Schritt für Schritt an die Realität ge¬wöhnt, ja gewöhnen muss. Metta Kovacs gehörte zu dieser unseren Realität so selbstverständlich dazu, wie der Klang der Bergglocke. Das öffentliche Leben der Schäßburger sächsischen bzw. evangelischen Gemeinschaft muss nun ohne sie auskommen; das ist die neue Realität, mit der wir nun konfrontiert sind und mit der wir uns auseinander setzen müssen; eine Realität an die wir uns nun gewöhnen werden müssen, aber nur schön langsam gewöhnen werden können. Seit der Wende 1989 war Metta Kovacs ununterbrochen Vorstandsmitglied des Demokratischen Forums und Presbyterin (4 Jahre auch Schriftführerin) der Evangelischen Kirchengemeinde. Die Art und Weise, wie sie aus diesem Leben schied, passt dazu wie sie gelebt hat, so wie sie die meisten in diesem Leben gekannt haben: Sie war auf dem Weg zu ihrem Dienst ins FORUM, als sie unter dem Stundturm zusammen brach. Eigentlich war es mehr als nur eine Arbeit, die sie da verrichtete; es war eine Berufung, wobei sie sich aber für nichts zu schade war (Putzen oder Abwaschen tat sie mit derselben Hingabe wie Akten anfertigen). Sie blieb unverheiratet; ohne zu übertreiben, glaube ich behaupten zu dürfen: das Forum und die Kirche bzw. die dazu gehörenden Menschen waren ihre Familie.
Damit sind wir mit unseren Gedanken schon mitten in ihrem Lebenslauf, den wir hier zu skizzieren versuchen. Sie erblickte am 6. Januar 1933 das Licht der Welt als älteres Kind von zweien, des Ehepaares Dr. Ernst Kovacs und der Ilse-Josefine geb. Lingner. Metta Kovacs verbrachte ihr ganzes Leben hier in Schäßburg; sie blieb auch in der Zeit als die ganze Großfamilie auswanderte gegen den Trend der Zeit. Sie besuchte die deutsche Volkschule bis zur Quarta und dann das Rumänische Mädchenlyzeum. Gerne hätte sie – ihren Vater als Vorbild habend – Medizin studiert. Das war aber in der damaligen Zeit der nationalkommunistischen Diktatur nicht möglich: sie, bzw. ihre Familie war „ungesunden Ursprungs“. Sie begann ihren Dienst – ihrer Art entsprechend – einfach und bescheiden, als Telefonistin in der „Nicovala“-Fabrik; nach einiger Zeit wurde sie zur Laborantin avanciert. Den Gedanken ein Studium zu absolvieren gab sie jedoch nicht auf und es gelang ihr auch: Über Fernkurs studierte sie in Ias¸i Chemie und wurde Inge¬nieurin. In der Nicovala - Fabrik blieb sie bis zu ihrer Pensionierung. Zwischendurch arbeitete sie auch als Lehrbeauftragte für Chemie und andere technische Fächer an der Bergschule und an der deutschsprachigen Grundschule. Nach ihrem Eintritt in den Ruhestand in der Zeit der Wende 1989 fand sie ein neues Aufgabengebiet, wie ich eingangs schon erwähnt habe: den Dienst in und an der Gemeinschaft. Ihr lag vor allem der Bereich „Soziales“, den sie in Kirche und Forum und als Vertreterin der Heimatortsgemeinschaft der Schäßburger in Deutschland (neben vielen andern anfallenden Problemen) in Verantwortung wahrgenommen hat. Sie war für alle da, hatte ein offenes Ohr und ein gutes Wort für jeden. Kaum eine Liste mit den Hilfsbedürftigen unserer Gemeinschaft – sei sie von der Kirche, oder von dem Forum angefertigt – ist nicht auch über ihren Schreibtisch gegangen. Da sie vor allem auch bei Einschreibungen ins Forum und im Kassenamt des Forums tätig war, gab es kaum jemanden den Sie nicht kannte und alle kannten selbstverständlich sie. Außer ihren Amtsstunden war sie eine ständige Präsenz: im Frauenkreis am Dienstag und im Gottesdienst am Sonntag. So auch am vergangenen Sonntag; sie war da wie immer, man unterhielt sich noch kurz über Belangloses und verabschiedete sich. Niemand konnte wissen, dass es ein Abschied für immer war: Montag schloss sie dieses Leben infolge eines Herzinfarktes ab. Die Notärzte versuchten ihr Möglichstes, aber vergeblich.
Am vergangenen Sonntag hat sie noch den Wochenspruch für diese Woche des 6. Sonntags n. Trinitatis gehört: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!“ So spricht Gott durch die Stimme des Propheten. Die Erlösung, die Gott uns in seinem Sohn angeboten hat, gilt über Raum und Zeit hinweg (und wie schon gesagt) im Leben wie im Tod. Mit dieser Hoffnung und in diesem Glauben – der auch der ihre war – tragen wir unsere Schwester Metta Kovacs zu Grabe. Gott sei ihr gnädig.

 

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