50-jähriges Treffen des Maturajahrgangs 1954
an der Pädagogischen Mittelschule in Schäßburg

Gruppenbild der Teilnehmer am Treffen - Foto: K. Mühlbächer
Der Höhepunkt: Übergabe unseres Buches
Schon seit Januar 2004 blickten wir dem Tag des Treffens voll freudiger
Spannung entgegen, denn wir wollten ja unser gemeinsam erarbeitetes Buch
am 19. Juni voller Vorfreude in Empfang nehmen. Bei unseren Herausgebern
– Studienrat i.R. Hans Orendi für Klasse A und Pfr. i.R. Michael
Fabi für Klasse B – liefen erst zögerlich, dann zahlreich
Bilder und Beiträge ein. Katharina Unberath (Müll) und ich besorgten
das erste Gegenlesen. Die Herausgeber taten solches nochmals, suchten
eine Druckerei für unseren Eigenverlag, korrigierten unter erschwerten
Bedingungen die Druckfahnen per Hand und brachten das fast Unmögliche
zustande, uns am 19. Juni tatsächlich mit unseren Klassenbüchern
zu erfreuen.
Wir hatten schon vor Beginn des Treffens so oft telefonisch miteinander
gesprochen, fast alle mit fast allen, dass die Erwartung, die Vorfreude
aufs Wiedersehen so groß war wie noch nie zuvor bei den neun bereits
stattgefundenen Treffen. Es ist halt doch so: Gemeinsames Tun beglückt
schon vor Erreichen des angestrebten Ziels.
Für die Zwei-Tage-Feier in Herpersdorf (bei Nürnberg) hatten
unsere dankenswert zuverlässigen und unermüdlichen Organisatoren
Anne und Hans Polder-Benning und Dr. Michael Kroner gesorgt. Ihnen zur
Seite standen die ebenfalls immer Hilfsbereiten: Gerda Kreischer (Faltin),
Iris Lingner, Gerda Lurtz, Gerlinde Martini (Plajer), Ingrid Rhein (Arz)
und Annemarie Isolde Schebesch (Müller) samt unseren beiden Herausgebern.
Ihre aller Briefe und Anrufe schlugen Brücken.
72 Klassenmitglieder, die meisten mit Ehepartner, betraten das uns von
früheren Treffen vertraute Festlokal. Hier lachten uns Sommerblumen
sowie bunte, kunstvoll gefaltete Servietten und Tischkarten mit der Reproduktion
eines Schulbergaquarells von Prof. Karl Brandsch neben den festlichen
Gedecken an, ein liebevoller Empfangsgruß unse¬res Nürnberger
Klassen¬freundinnenkränzchens: Katharina Teutsch (Penkert), Grete
Jobi (Franz), Maria Maurer (Schoger), Susanne Fielk (Sander), Iris Lingner.
Und dann fielen unsere Blicke auf Bilder heimatlicher Kirchenburgen an
einer Seitenwand und an Fenstern. Für die Klassenfotos hatten wir
uns vorher im Garten der Gaststätte zusammengefunden, nach lauter
frohen Einzelbegrüßungen. Jetzt nahm das Festprogramm seinen
Lauf, die Mahlzeiten wurden dazwischen eingenommen. Eine Andacht, abgehalten
von zweien unserer Geistlichen i.R., Michael Fabi und Georg Peter, lud
uns zu Erinnerung und Dank ein. Michael Fabi sprach zu uns im Sinne des
Psalmwortes (Ps. 103,2) „Lobe den Herren, meine Seele, und vergiss
nicht, was ER dir Gutes getan hat“. Georg Peter sprach die Liturgie.
Luise Markus trug das unserer Lebenserfahrung entsprechende Hesse-Gedicht
„Stufen“ vor und Gerda Kreischer (Faltin) brachte die nachdenklichen
Worte der Therese von Avila zu Gehör, die, selber in vorgerücktem
Alter, Gott um Bescheidenheit, Schweigen¬ können und Geduld bittet.
Unserer verstorbenen Klassenfreundinnen und Klassenfreunde Gertrud Bielz,
Michael Benning, Annemarie Fernengel, Sofia Klein, Rolf Neustädter,
Gertrud Raupenstrauch, Hans Schuller, und Johann Untch gedachten wir anschließend:
Michael Fabi sprach das Gebet für die Frauen, Georg Peter das für
die Männer.
Als kleines Zeichen unseres Dankes überreichten wir unseren drei
Organisatoren und beiden Herausgebern für ihren unermüdlichen
und liebevollen Einsatz Geschenke.
Unsere Musiker Andreas Hann, Hermann Nikolaus und Georg Schuller schufen
den feierlich-ernsten musikalischen Rahmen dazu.
Dann hielt unser Historiker Dr. Michael Kroner, der sich um die Bekanntmachung
und Erforschung heimatgeschichtlicher Zusammenhänge verdient gemacht
hat, seine Festan¬sprache. Er kann die geschichtlich-sozialpolitischen
Gegebenheiten am genauesten und am übersichtlichsten nennen und hat
auch unsere in alle Richtungen gehende Streuung nach der Matura verfolgt.
Er hob hervor, dass dadurch die an der Bergschule zu Schäßburg
erworbenen Kenntnisse, Überzeugungen und Gemeinschaftstugenden den
Deutschen in Siebenbürgen, in der Maramuresch und im Buchenland zugute
kamen.
Danach folgten heitere sowie ernste Erinnerungseinlagen und dazwischen
ließ immer wieder unser Musiker-Trio Instrumentalmusik einfließen
oder das Bläser-Duo Hann – Schuller überraschte uns mit
frischen, klangvollen Weisen.
Ein Halbkreis hatte sich vor den Festtafeln aufgestellt: die Liedergruppe
Treni Unberath (Müll), Gerlinde Martini (Plajer), Thesi Kraus (Pitters),
Iris Lingner, Grete Jobi (Franz), Gerda Lurtz, Hon Untch und Hans Moyrer.
Nach einigen Liedern gaben sie Erinnerungen zum Besten; geheime Hilfen
unserer Lehrer und lustige Zwischenfälle.
Hermann Nikolaus brachte uns seinen Festkanon „Ein schöner
Tag ist uns beschert ...“ – zu diesem Anlass komponiert –
bei, wir sangen ihn vierstimmig. Andreas Hann las Gedichte und Prosa von
Eugen Roth vor, von Georg Peter hörten wir Fragmente seines Lebensrückblicks,
Waltraut Zoppelt (Schuster) und Hans Kraus (Duo mit Gitarrenbegleitung)
sangen sächsische Lieder, Irmgard Ziegler hatte eine humorvolle gereimte
Charakterbild-Folge „Die zwölf Seminaristen der B-Klasse“
verfasst und uns vorgelesen.
Michael Wikete griff zum Akkordeon, das er schon in jungen Jahren mitreißend
spielte, Susi Weber (Fleischer) las eines ihrer nachdenklichen Gedichte
„Meng Blomengartchen“ vor, wir sangen ein Lied von Michael
Fredel und dann kündigte sich der von allen erwartete Höhepunkt
an: die Einführung und Übergabe unseres Buches, Titel: „Werden
und Wirken“.
Erst knüpfte Hans Orendi an das Titelbild – es zeigt den Burgberg
mit der Bergkirche, davor im Tal die Stadt eingebettet – tiefsinnige
Gedanken. Er sprach von den drei spinnenden Nornen Urd, Werdanda und Skuld
und schloss damit: „Eure Schicksalsfäden sind in diesem Buch
aufgefangen.“ Michael Fabi, der vor fünf Jahren angeregt hatte,
dass jeder einen Beitrag über sein Leben und seinen Werdegang aufschreiben
sollte, gestand, ihm sei zumute wie einer Mutter, die sich auf ihr noch
nicht geborenes Kind freut. Für jeden von uns fand sich im Buch die
postkartengroße Reproduktion eines Gemäldes von Hildegard Böhm
(Wachsmann) mit Stundturm, Bergschule und Zinngießerturm.
Mit Tanz und Singen im großen Kreis beschlossen wir weit nach Mitternacht
diesen Festtag.
Am Sonntag, dem 20. Juni, fuhren uns mehrere Busse nach Nürnberg
in das Museum für Moderne Kunst und Design. Erstaunliches war da
zu sehen. Katharina Unberath (Müll) und Hans Orendi haben uns gute
Hinweise zum Verständnis der Exponate gegeben. Vielleicht hat Euch
unser zuweilen schnodderiger Ton verletzt, den uns die ungewohnte Kunstart
entlockte. Bitte seht uns dies nach!
Mit einem gemeinsamen Mittagessen in Herpersdorf ließen wir dieses
unser Jubiläum dank¬baren Herzens ausklingen. Spuren der Liebe
habt Ihr durch das Zustandekommen des Festes und des Buches gelegt, Ihr
alle.
Lilli Pelger (Leverkusen)

Letztes Update:
2005-03-05
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