HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

 

Schäßburg ist ein Schmuckkästchen!

Unsere Stadt lebt / Konzerte von europäischem Niveau / Eine Menge Touristen von überall

Wie schon seit Jahren fahre ich in jedem Jahr einmal „nach Hause“. Nach zwei Wochen komme ich dann zurück, nach Hause in meine Wohnung. Diesmal dauerte mein Besuch in der alten Heimat von Anfang bis Mitte August. Es war ein ganz besonderer Urlaub.
Da ich jedes Jahr hinfahre, wie übrigens andere wenige auch, bin ich dort auf Anhieb wieder zu Hause. Ich weiß, vor welches Haus ich zu fahren habe, erkenne die Umgebung, weiß, wo mein Bett steht. In den ersten Tagen heißt es, die Stadt in Augenschein zu nehmen. Die erste Feststellung: Noch immer tut sich was, und es ist gut, das festzuhalten. Die Quantität der Eindrücke spielt die kleinere Rolle. Die direkte, begehbare Feststellung: Das Trottoire links und rechts in der Baiergasse wurde erneuert. Die zweite Feststellung: Von Samstag bis Donnerstag war ich nicht weiter als bis zum Misselbacherischen Haus gekommen, ich war noch nicht einmal auf der Burg gewesen. Der Kaffee oder das Bier auf der Terrasse oberhalb des städtischen Klos verleiteten mich dazu, zu meditieren; seelenruhiges Sitzen und auf das Treiben ringsum gucken. Ein erholsames Gucken.
Am Donnerstag gelangte ich dann bis zum Kino, hinten herum, auf der „Kokel-Promenade“, bis zur Poliklinik und über die Stiegen bis zur katholischen Kirche, zum Burgplatz und wieder zur Stadt hinunter.


Die belebte Schulgasse während des mittelalterlichen Festivals - Foto: M. Kirschner

Ich wiederhole mich, wenn ich wie vor Jahren, als ich meine Eindrücke aus Schäßburg niederschrieb, feststelle: Man trifft weniger den Misch oder Hans, aber immer noch den Mihai oder Ion oder Janos.
Unser Problem ist und bleibt: Was täten wir noch dort, wo würden wir uns einbringen? Warten wir auf die EU, dann wird einiges leichter werden (fürs Herz).
Die Stadt lebt, ist sauber, kämpft um Erneuerung, wird von einer Unmenge Touristen besucht. Was wird geschehen, wenn die gesamte Burg, besonders der Stundturm zu einer neuen Frische kommt? Gar nicht auszudenken! Nostalgiker sollten nicht nach Schäßburg reisen, denn das, was sie dort zu finden hoffen, ist nicht mehr da. Und dennoch: Schäßburg ist ein Schmuckkästchen.

Meine Erlebnisse diesmal. Ich fuhr am Samstag, über Groswardein – Klausenburg kommend, am späten Nachmittag in Schäßburg ein. Als alter Schäßburger dachte ich, nach Hause kommt man durch die Baiergasse. Das war ein kapitaler Fehler. Ab „Sigma“ kam ich nur im Schritttempo bis Zilinski. Jugendliche, Auto neben Auto. Es fanden gerade die „mittel¬alterlichen Tage“ statt. Erst am nächsten Tag machte ich mich zur Burg auf. Ich musste mich regelrecht durch die Menschenmassen durchwurschteln. Auf der Burg durften keine alkoholischen Getränke ausgeschenkt werden. (Bravo! Vor einem Jahr soll das Bier unter dem Stundturm wie ein Bach hinunter geflossen sein.) Jugendliche aus allen Regionen des Landes, froh, begeis¬tert, ein Herz erfrischender Anblick. Geschlafen wurde in Zelten und vor allem in den Autos. Unwillkürlich stellte ich mir Dinkelsbühl vor, wie diese Stadt in jedem Jahr den Ansturm der Siebenbürger Sachen verkraften muss. Nach einem mich stark wurmenden Gang über den Burgplatz schickte ich mich schnell zum Heimgang an.

Während meines diesjährigen Aufenthalts fand auch das „akademische Musikfestival“, zum 11. Mal, statt. Es wurden acht Konzerte veranstaltet, bei sechs war ich dabei. Musiker aus der Schweiz und Deutschland bieten Meisterkurse für Konservatoriumsstudenten aus dem In- und Ausland an. Die „Meister“ bekommen keinen Leu für ihre Kurse, und sie kommen immer wieder, seit Jahren, also muss dieses Festival was Besonderes sein. Die Meister bestritten die meisten Konzerte, zwei boten die Kursanten. Das Niveau war absolut EU-konform. Um nur einige Meister-Namen zu nennen: Alexandru Gavrilovici (Hauptinitiator des Festivals), Cordelia Höfer, Vladimir Lakatos, Andrea Kollé, Cipriana Gavrisiu und Götz Teutsch (Kronstädter). Ihnen allen kann nicht genug gedankt werden für ihren selbstlosen Einsatz. Es tut gut, so etwas in Schäßburg zu erleben. Wie sagte ich? Die Stadt lebt!

In den Tagen las ich Dieter Schlesaks „Transsilvanische Reise“. Er schreibt mir aus der Seele, ich dankte ihm mit einer großen Schäßburger Ansichtskarte.
Nicht zustande gekommen sind meine Treffen mit den Kollegen in Kronstadt und Rosenau, mit den Sangesfreunden aus dem städtischen und orthodoxen Kirchenchor in Schäßburg. Es wird alles nachgeholt, einmal.

Diesmal habe ich das „Pro-Etnica“-Festival nicht erlebt, das Festival aller in Rumänien lebenden nationalen Minderheiten. Am meisten bedauere ich, die Blasmusik aus dem Dorf Zece Prajini, „Fanfara Ciocirlia“, nicht live gehört zu haben. Eine absolut erstklassige Formation mit Weltruf.
Es freut mich jedes Mal – nicht jeder muss meiner Meinung sein – zu lesen, zu hören, was sich in dieser wunderbaren Stadt tut. Dass die noch dort lebenden Sachsen vieles anders sehen, kann ich verstehen. Kommt her und seht, wie ihr mit dieser Welt zurecht kommt.

Gernot Wagner (Schweikheim)


 

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Letztes Update: 2005-02-09 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg