HOG-Schäßburg / Siebenbürgen

Sternheim-Treffen
Ein Familienname wird 200 Jahre alt


Begrüßung durch Brigitte von Sternheim - Foto: Astrid von Sternheim

Alfred Leonhardt, geboren 1924 in Schäßburg, selbst aktiver Familienforscher und ältester Teilnehmer des Sternheim-Treffens am 16. Oktober in Eschborn, sah man wiederholt und mit anerkennenden Worten vor den Tafeln mit Bildern, Ahnenreihen, Urkunden, Daten und Episoden aus der Familiengeschichte. „Allerhand, was die alles zusammengetragen haben“, war immer wieder von den über 50 Teilnehmern zu hören. Naum Gheorghiu, Enkel von Brigitte von Sternheim und mit 10 Monaten jüngster „Teilnehmer“, konnte sich nur bedingt an den Gesprächen beteiligen. Andere tauschten Erinnerungen an Siebenbürgen und Familienerlebnisse aus. Einige waren bisher noch nie dort, wie Hannes Keller, Urururenkel von Dr. Josef Bacon, dem Begründer des Museums im Schäßburger Stundturm, der seinerseits wieder ein Urururenkel jenes an diesem Tage „gefeierten“ Martin Gottlieb Csech von Sternheim gewesen ist. Warum sagt man eigentlich „Siebenbürger Sachsen“?, wollte der in Weißenfels/Sachsen-Anhalt geborene und in Mittweida/Sachsen studierende 19jährige Hannes wissen. In Reinhold Schullerus, seinerzeit Schüler der Schäßburger Bergschule und von der Herkunft ein Siebenbürger „Ursachse“, fand er einen versierten Erklärer.
Martin Gottlieb Schech, geboren 1724 in Schäßburg, wurde nach 62jähriger Beamtenzeit 1804 von Kaiser Franz II. geadelt – seitdem Csech von Sternheim. Dazu hatte es mehrere Anläufe gegeben. Bereits 1784 auf einer Anwärterliste, 1796 die ausgesprochene Nobilitierung nicht beurkundet, weil er die Taxe nicht bezahlen konnte. 1804 dann hat der Kaiser dem 80jährigen die Adelstaxe „aus Gnade“ erlassen.
62 Jahre Beamter und dann erst in Pension! Die meiste Zeit in Schäßburg, als Sekretarius, Notarius, Senator und schließlich Königsrichter, dann drei Jahre dienstlos und zum Schluss noch Administrator des Brooser Stuhls.
Allerlei aus seiner Tätigkeit ist inzwischen erforscht und manches kam an diesem Tag auch zur Sprache, so zum Beispiel, dass seit Beginn seiner Tätigkeit als Notarius im Jahr 1756 die Schäßburger Magistratsprotokolle vorbildlich geführt wurden. Für Forscher eine wahre Fundgrube und interessante Lektüre.
Sternheims sind noch lange in Schäßburg in führenden Positionen tätig gewesen. Sohn Martin Gottlieb (1752–1811) und Enkel Karl Leopold (1786–1870) u.a. als Bürgermeister. Aus den nächsten Generationen Friedrich Wilhelm (1826–1876) als Senator, Georg Eduard (1868–1946) als Kreisarzt. Dessen Schwester Hermine war übrigens mit dem letzten Schäßburger Vizegespan Dr. Julius Schaser verheiratet.
Und nun weitere Nachkommen. Man findet sie in den verschiedenen Linien auf inzwischen zehn, zum Teil noch unvollkommenen Nachfahrentafeln. Hier einige der darin vorkommenden Schäßburger Namen: Schenker, Simonis, Wächter, Mätz, Teutsch, Kauntz, Markus, Capesius, Schuller. Sieben der Nachfahrenlinien waren auf dem Treffen vertreten, und sei es mit einem oder zwei „Delegierten“ – und mit inzwischen ganz anderen Namen.
Noch bleibt viel zu forschen. Nach Namen, aber auch nach Dokumenten. Wo zum Beispiel ist Martin Csech von Sternheims „Geschichte von Siebenbürgen – von den urältesten Zeiten bis 1780“ in 36 Folio-Heften, wozu der Autor erklärt, er habe „nicht sowohl für Gelehrte, als vielmehr für die liebe Jugend und seine Mitbürger geschrieben“. Und wo finden wir noch die Memoiren des Friedrich Csech von Sternheim „Die Ereignisse des Jahres 1848“, dessen Nachlass sich im Besitz der Familie Misselbacher in Schäßburg befindet?
Ein gelungenes Treffen mit dem Ansporn, in vielen Dingen weiter zu machen. Mit Forschen, mit Kontaktpflege, aber auch mit dem folgenden: Eine Spendensammlung für die „Stiftung Siebenbürgische Bibliothek“ ergab 630 Euro.

Richard Ackner (Neubrandenburg)

 

 

 

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Letztes Update: 2005-03-11 - Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de http://www.schaessburg-net.de © 2000 by kdg