| HOG-Schäßburg / Siebenbürgen |
Anno Domini 1905Ortsgruppe des Sebastian-Hann-Vereins gegründet / Schülerveranstaltungen im Schiller-Jahr / Was die Schäßburger vor 100 Jahren im „Groß-Kokler Boten“ lasen In unserem „Bildband Schäßburg“ haben wir der Schmalspurbahn Schäßburg – Agnetheln ein ganzes Kapitel gewidmet und ihm den Titel „Besonderes“ gegeben. Die „Wusch“, wie diese Bahn auch genannt wurde, war tatsächlich etwas Besonderes, sie war neben dem Stundturm fast 70 Jahre lang (von 1898 bis 1965) ein zweites Wahrzeichen der Stadt. Die Bewohner der Häuser, an denen sie vorbeidampfte, hatten sich so sehr an sie gewöhnt, dass sie durch ihr Pfeifen bei Nacht nicht mehr aus dem Schlaf gerissen wurden. Vor 100 Jahren erregte eine öffentliche Diskussion über den Lärm der Schmalspurbahn die Gemüter der Schäßburger. In einem längeren Bericht des „Groß-Kokler Boten“ vom 5. Februar 1905 über eine Sitzung des Direktionsrates „der Schäßburg-Agnethler Vizinal-Eisenbahn“ heißt es: „Wer in der Nähe der Bahnlinie wohnt wird es längst unangenehm empfunden haben, daß bei Annäherung des Zuges die Fensterscheiben klirren und das ganze Gebäude erzittert. Abgesehen von dem unangenehmen Empfinden der Bewohner leiden die Häuser durch solche Erschütterungen, die sich täglich mehrere Male wiederholen ungemein, indem das Bindemittel des Mauerwerks gelockert wird ...“
„Ernennung. Se. Majestät hat unsern Landsmann Regierungsrat Universitätsprofessor Dr. Friedrich Berwerth aus Schäßburg zum Direktor der mineralogisch-petrographischen Abteilung am k. k. naturhistorischen Hofmuseum in Wien ernannt.“ (1. Jan.)
„Gewerbevereinswahl. In der am 26. Dezember 1904 im neuen Vereinshause abgehaltenen konstituierenden Generalversammlung des neuen Schäßburger Bürger- und Gewerbevereins wurden nachstehende Herren gewählt: Vorstand: Friedrich Melzer; Vorst.-Stellvertreter: Alfred Pomarius; Schriftführer: Dr. Hans Wolff; Kassier: Michael Gutt; Wirtschafter: M. A. Zikeli. ...“ (1. Jan.) „Gewölbsbrand. Am 4. d. M. mittags 1 Uhr brach in der hiesigen Galanterie- und Porzellanwarenhandlung der Firma J. B. Misselbacher sen. Feuer aus. Der Brand wurde durch das Personal und die Feuerwehr im Verlauf einer Stunde gedämpft und alsbald vollständig gelöscht. Der Schaden ist bedeutend.“ (8. Jan.) „Volksbewegung“. Die evangelische Kirchengemeinde Schäßburg gibt unter diesem Titel die aktuelle Seelenzahl und die Zahl der geistlichen Handlungen im Jahr 1904 bekannt: Die Seelenzahl belief sich auf 5260, um 16 mehr als im Jahr zuvor, u. zw. waren 2553 Personen männlichen und 2707 weiblichen Geschlechts. Geboren wurden 65 Jungen und 69 Mädchen. Es starben 52 Personen männlichen und 66 weiblichen Geschlechts. Kirchlich getraut wurden 33 Paare, um 3 mehr als im Vorjahr, und konfirmiert wurden 67 Jungen und 58 Mädchen, zusammen 125, um 3 mehr als im Vorjahr. (8. Jan.) Der russisch-japanische Krieg, der 1904 begonnen hatte, ist das wichtigste internationale Ereignis jener Zeit, über das die Schäßburger laufend informiert wurden. Am 8. Januar steht die Schlagzeile „Port Arthur gefallen“ über einem längeren Bericht. „Die Russen haben nach einem Widerstande, der fast elf Monate gedauert hat, Port Arthur aufgegeben und ziehen unter den ehrenvollsten Bedingungen ab. Ein heroischer Kampf ist zu Ende, ein Kampf, in dem Sieger wie dem Besiegten unverwerklicher Ruhm erwachsen ist ...“ „Komitatsbeamten-Ball. Am letzten Samstag, 7. d. M., veranstalteten die hies. Komitatsbeamten unter dem Protektorate Sr. Hochgeboren des Obergespans Dr. v. Beldi im Prunksaale des Komitatsgebäudes einen Wohltätigkeitsball zu Gunsten des hies. Komitatsspitals. ... Die sächsischen Familien waren diesmal außerordentlich zahlreich vertreten, während die vielen ungar. Herren und Damen, die hingehört hätten, waren, wie es schien, teilweise ostentativ fern geblieben; dessen ungeachtet kann dieser Ball als ein feiner und vornehmer bezeichnet werden.“ (15. Jan.) In der konstituierenden Sitzung des städtischen Vertretungskörpers am 7. Januar wurden die 28 Neugewählten von Bürgermeister Friedrich Walbaum begrüßt. Der „Groß-Kokler Bote“ veröffentlichte am 15. Januar die Liste der „Mitglieder des Schäßburger städt. Vertretungskörpers für das Jahr 1905“. Der Vertretungskörper bestand aus 108 Mitgliedern, u. zw. zur einen Hälfte aus den die meisten Steuern zahlenden Stadtbewohnern und zur andern aus den von den Reichstagswählern der Stadt gewählten Vertretern; von den Letzteren waren 26 im Jahr 1901 und 28 im Jahr zuvor gewählt worden. Die Verwaltungsbehörde und das Exekutivorgan der Stadt war der Magistrat, bestehend aus 12 Beamten. Die Schäßburger Ortsgruppe des „Sebastian-Hann-Vereins für heimische Kunstbestrebungen“ wurde am 11. Januar 1905 gegründet. Im „Groß-Kokler Boten“ vom 8. Januar hatten Dr. Josef Bacon, Hans Letz, Gottfried Orendi und Dr. Viktor Roth „zu möglichst zahlreichem Beitritt zu diesem Verein“, der sich vor einigen Wochen in Hermannstadt gebildet hatte, aufgerufen. Als Zweck des Vereins, dessen Gründung in Schäßburg angeregt worden war, wurde ausgeführt: „Der Verein erstrebt die Wiederbelebung und Hebung der künstlerischen Kultur (Kunsterziehung, bildende Kunst und Kunstgewerbe) in den siebenbürgischen Landesteilen Ungarns.“ Zu Mitgliedern des Ausschusses der Ortsgruppe Schäßburg wurden „durch Zuruf“ gewählt: Dr. Bacon, Gottfried Orendi, Dr. Melzer, Dr. V. Roth und Hans Letz. Die Zahl der Mitglieder betrug anfangs 40. Vierteljahresbeitrag: 1 Krone. (22. Jan.)
„Eine seltene Himmelserscheinung wurde am Dienstag, 17. d. M., abends 8 Uhr 22 Min. vom Schäßburger Marktplatze aus beobachtet. Aus einer Höhe von ungefähr 50 vom Horizont fiel eine Feuerkugel genau in der Richtung nach Osten. Ihre Bewegung war auffallend langsam. Es dauerte ungefähr 5 Sek. bis sie ein Bogenstück von 15 durchlief. Beim Eintritt des Meteoriten in die Erdatmosphäre zeigte sich am Himmel nur ein schmaler Lichtstreif wie bei einer Sternschnuppe ...“ (22. Jan.) Auf einer Wählerversammlung des Schäßburger Wahlkreises am 22. Januar las der Reichstagsabgeordnete Wilhelm Melzer einen Rechenschaftsbericht vor; anschließend wurde er „neuerdings zum Abgeordneten für die neue Reichstagsperiode per Acclamation gewählt“. Für Aufregung unter den Versammlungsteilnehmern sorgte ein „Volkschulgesetzentwurf“, der nach Ansicht von Stadtpfarrer und Dechant Johann Teutsch „unsere Schulanstalten bedrohe“. Der Entwurf würde, zum Gesetz erhoben, „unser konfessionelles Schulwesen auf das tiefste schädigen und durch mehrere seiner Bestimmungen das durch zahlreiche grundlegende Gesetze gewährleistete Selbstbestimmungsrecht unserer Landeskirche als Schulerhalterin zum großen Teile aufheben“. (29. Jan.) „Prüfung. Herr Eugen Schotsch, Probecandidat am hiesigen ev. Gymnasium, hat am 25. d. M. an der Klausenburger Universität die Fachprüfung mit vorzüglichem Erfolge bestanden. Wir gratulieren.“ (29. Jan.) Der „mangelhafte“ Zustand der Orgel in der Klosterkirche u. a. Themen standen auf der Tagesordnung einer Sitzung des evangelischen Presbyteriums. Der Gottesdienst werde dadurch oft in erheblicher Weise gestört und selbst eine gründliche Ausbesserung würde keinen bleibenden Erfolg haben, „da die Orgel in den 200 Jahren ihres Bestandes ihre Pflicht und Schuldigkeit getan hat“. Das Presbyterium beschloss den Neubau der Orgel und bestimmte eine Kommission, bestehend aus den Herren Stadtpfarrer Johann Teutsch, Kurator Friedrich Melzer, Kirchenmeister Julius Balthes, J. B. Teutsch, Friedr. Schuster, Friedr. Markus, Gottfried Orendi und Gustav Fleischer, die „diese wichtige Frage beraten und dann die betreffenden Anträge dem Prebyterium vorlegen soll“. (5. Febr.) Die Kommission konnte am 9. April „erfreulicher Weise berichten“, dass dem Bau einer neuen Orgel nichts im Wege stehe: Die erforderlichen Geldmittel seien vorhanden, und mit der Firma Gebrüder Rieger in Jägerndorf österr. Schl. (heute Tschechien) sei die Geschäftsverbindung aufgenommen worden. (16. Apr.) „Richttagsbälle. Die vereinigte Burgnachbarschaft hält ihren diesjährigen Richttagsball im alten Gewerbevereinssaale am 25. d. M. ab. Maskenkarten sind á 60 Heller in der Spezereihandlung der Frau E. Fischer, Burgplatz, und am Ballabend zu haben. – Die Klein-(Hüll-)gässer Nachbarschaft hält heuer ihren Richttagsball Sonnabend, den 4. März, im alten Gewerbevereinssale ab. Maskenkarten á 80 h. sind im Vorverkauf bei Herrn Karl Schneider, Friseur, Marktplatz, zu haben.“ (19. Febr.) „Ein neuer Eilzug. Die Direktion der ungar. Staatsbahnen pflegt dermalen Unterhandlungen wegen der Einführung eines neuen Eilzuges von Bukarest über Budapest nach Wien. Dieser Zug, welcher bisher den Weg in 25 Stunden zurücklegte, soll in 20 Stunden sein Ziel erreichen.“ (26. Febr.) „Eislaufverein. Nachdem die Eislauf-Saison am 25. d. M. geschlossen wurde, geben wir bekannt, dass die im Pavillon aufbewahrten Schlittschuhe bis längstens 5. März l. J. heimzuholen sind ... Der Ausschuss.“ (26. Febr.) „Diplom. Wie uns aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt wird, hat Frau Charlotte Wolff, geb. Schuster, ihr vor kurzem in Hermannstadt erworbenes Hebammen-Diplom in den letzten Tagen hier beim Komitatsamte behufs Publizierung eingereicht.“ (5. März) „Neues romänisches Geldinstitut. Unter dem Namen „Târnveana“ ist hier unlängst ein neues romänisches Geldinstitut, dessen Leitung der hiesige Advokat Dr. Thomas Cornea innehat, gegründet worden, und hat die neue Sparkasse mit ihrer Tätigkeit bereits begonnen.“ (12. März) „Jahrmarkt. Sehr schwach verlief der hier am 16. d. M. abgehaltene Frühjahrsmarkt. Käufer waren spärlich, der Geldmangel allenthalben fühlbarer denn sonst. Handel und Gewerbe lagen unter dem Drucke der gegenwärtigen schlechten Verhältnisse, unter der Verteuerung der Lebensmittel, und die Landwirtschaft infolge der vorjährigen schwachen Ernte schwer darnieder.“ (19. März)
„Schäßburger Hopfenmarkt 1904. Aus dem jüngst erschienenen Jahresbericht der Schäßburger Hopfenbaugenossenschaft geht die erfreuliche Tatsache hervor, daß es nach 8-jährigem Bestreben endlich gelungen ist, Schäßburg zur Zentrale des Hopfenbaus für Siebenbürgen auszugestalten.“ In der Nachricht werden Zahlen genannt, die über die Ausmaße der Hopfenernte und des Exports der Genossenschaft, zu der 15 Gemeinden gehörten, Aufschluss geben. So erfahren die Leser z. B., dass vom 26. September bis Ende Oktober 1199 Säcke Hopfen im Wert von ca. 335 000 K „in die Welt“ gingen. (26. März)
„Feuerwehr-Generalversammlung. Bei reger Beteiligung seitens der Mitglieder der hies. Feuerwehr fand am 25. v. M. nachmittags im alten Gewerbevereinssaale die Generalversammlung dieses Instituts statt.“ Nach dem Verlesen des Rechenschaftsberichtes fanden Wahlen statt. Es wurden gewählt: zum Obmann Mich. A. Zikeli, Mädchenschullehrer; zum Obmannstellvertreter H. Letz, Architekt; zum Kassier Johann Schuller, Mädchenschullehrer ... (2. Apr.) Dem 70. Geburtstag von Stadtpfarrer Johann Teutsch am 4. April war eine schlichte Feier gewidmet, „entsprechend dem Charakter des Mannes, dem sie galt und dessen Gediegenheit keinen Gefallen findet an prunkenden Formen“. Stadtpfarrer Johann Teutsch stand zu dieser Zeit 48 Jahre im Dienste der Kirche und Schule, davon „nur 14 Jahre nicht im speziellen Dienste seiner Vaterstadt“. Es gratulierten: die Mitglieder des Presbyteriums und der Gemeindevertretung, die Lehrkörper der Schulanstalten, das Bezirkskonsistorium, die Pfarrer des Kirchenbezirks, die beiden ev. Frauenvereine. In seiner Ansprache würdigte Kirchenkurator Friedrich Melzer die Verdienste dieses Stadtpfarrers, während dessen Amtszeit die Knabenschule gebaut, die Mädchenschule erweitert, das Internat errichtet, das Gymnasialgebäude neu gebaut und die Lehrerinnenbildungsanstalt eröffnet wurde. „In aufrichtiger Verehrung und Bewunderung werden unsere späteren Nachkommen den Namen des Mannes nennen, dem es möglich war, in so kurzer Zeit so vieles in unserer Kirchengemeinde zu schaffen,“ versicherte der Redner. (9. Apr.) „In Agnetheln beschloss am 5. d. M. Mühlenbesitzer und Spiritusfabrikant Christian Hager sein unermüdet tätiges Leben im Alter von 80 Jahren ... Die erste Dampfmühle in Siebenbürgen verdankt ihm ihre Einführung, indem er im Jahre 1870 in Agnetheln mit seinen Brüdern die erste Dampfmühle erbaute und in Betrieb setzte. Seither soll er noch 16 Dampfmühlen und einige Spiritusfabriken in unserem und dem Nachbarkomitate gebaut haben.“ (9. Apr.) „Gasfabrik in Mediasch. Für die Kosten einer in Mediasch zu erbauenden Gasfabrik votierte der dortige Magistrat den Betrag von 250 000 K. Die Gasfabrik soll nicht nur zur Straßenbeleuchtung, sondern für die eventuell auf Gaslicht reflektierenden Hauseigentümer behufs Beleuchtung ihrer Wohnräumne das erforderliche Gas zu liefern berufen sein.“ (9. Apr.) Die Vortragskünstlerin Friederike Stritt aus Dresden, Tocher der berühmten Frauenrechtlerin Marie Stritt und Enkelin von Therese Bacon, unternahm im April eine Rezitationstournee durch Siebenbürgen, die Heimat ihrer Mutter. Auf ihrem Programm standen Gedichte von Schiller, Goethe, Heine, Eichendorff, Möricke, Hebbel, Fontane, Liliencron, Arno Holz u. a. Über den Rezitationsabend im Sternsaal in Schäßburg schreibt die Zeitung: „Der am Mittwoch, den 12. d. M. hier im Sternsaale von Frl. Friederike Stritt veranstaltete Rezitationsabend, dem wir – als die jugendliche Vortragskünstlerin mütterlicherseits mit unserer Stadt durch engere Beziehungen verknüpft ist, umsomehr mit größerem Interesse entgegensahen, – war über alle Maßen prächtig gewesen. ... Das Publikum, entzückt von ihrer herrlichen Kunst, spendete nach jeder Programmnummer unaufhörlich Beifall.“ (16. Apr.) Friederike Stritt spendete die Hälfte des Reingewinns ihres Vortragabends „im Betrage von 152 K 20 h. dem Verein für Frauenbildung“. (30. Apr.) Schiller-Feiern. Zum 100. Todestags Friedrich Schillers fanden in Schäßburg mehrere Schüler-Veranstaltungen statt. Im Programm des ersten Abends am 8. April standen ein Vortrag von Direktor Samuel Both sowie „Deklamationen und Chorgesänge“. (2. Apr.) Am 16. April luden die evangelischen Schulen „in dankbarer Erkenntnis dessen, was Schiller ihnen, aber auch unserer ganzen Bevölkerung ist,“ zur zweiten Feier ein. „Zum Vortrag gelangt außer einigen Liedern, Epigrammen und Sentenzen als Hauptnummer ‚Die Glocke‘ für Solostimmen, vierstimm. gem Chor u. Klavierbegl.“. (16. Apr.) Am 9. Mai veranstalteten die Schulen in der Bergkirche die Hauptfeier anlässlich des Todestages Schillers „in erhebender Weise“. „Am Vorabend war zur Vorbereitung dieser Feier das Gymnasialgebäude festlich beleuchtet ... In Verehrung des großen Dichters wurde oben auf dem Schulberge in der Nähe des evang. Gymnasiums eine ‚Schiller-Linde‘ zur Erinnerung an diesen Festtag gesetzt.“ Während der Feier in der Bergkirche hielt Prof. Dr. Hans Wolff „eine ebenso umfang- wie geistreiche „Rede auf Schiller“. Am Abend führten Schüler Schillers „Wilhelm Tell“ im Stadthaussaal auf. „Ihr Spiel zeigte von äußerst verständnisvoller Auffassung und hohen Begeisterung für das Darzustellende.“ In derselben Ausgabe des „Groß-Kokler Boten“ vom 14. Mai wurde in einem längeren Bericht an die Schiller-Feier im Jahre 1859 in Schäßburg erinnert. „Ausstellung. Dank dem freundlichen Entgegenkommen und der werktätigen Unterstützung der Familie wird die hies. Ortsgruppe des Sebastian-Hann-Vereins‘ eine Ausstellung fast sämtlicher Bilder unserer allzufrüh verstorbenen Künstlerin Betty Schuller zu veranstalten in der Lage sein. Die Ausstellung findet in der ev. Mädchenschule statt und ist von Donnerstag, den 20., bis Mittwoch, den 26. d. M., von 10–12 Uhr und nachmittags von 2–4 Uhr bei einem Eintritt von 30 Heller zu sehen.“ (16. Apr.)
„Konfirmandenunterricht. Der diesjährige Konfirmandenunterricht für die städtische Jugend beginnt Montag, den 1. Mai, und endigt mit der Freitag, am 2. Juni, stattfindenden Prüfung.“ (23. Apr.) „Turntag und Schauturnen. Zu dem vom hies. Männerturnverein am 1. und 2. Ostertag hier veranstalteten Turntag und Schauturnen waren recht viele Vertreter unserer heimischen Turnvereine erschienen. Der Empfang der auswärtigen Gäste war ein äußerts herzlicher ... Der Vormittag des folgenden Tages galt dem Vorturner-Turnen in der Turnhalle unter Ausschluss der Öffetnlichkeit ... Abends fand im Stadthaussaale das Schauturnen statt. Der Saal war vom Publikum dicht besetzt. Die Produktionen der strammen Turner und Turnerinnen waren mit überraschendem Elan ausgeführt und wurden vom Publikum mit regem Interesse verfolgt und applaudiert... Den Sieg trug der Vorturner Herr Dr. jur. Dahinten (Bistritz) davon ...“ (30. Apr.)
„Deutsches Theater. Am Freitag, den 28. April d. J., eröffnete Theaterdirektor Leo Bauer im Stadthaussaal mit dem Schauspiel Der Meister‘ bei einem guten Besuch die hier zu gebenden 12 Theatervorstellungen, welchem am Samstag das Schillersche Trauerspiel Kabale und Liebe‘ folgte. Das Gesamtspiel der Akteure ist ein ausgezeichnetes ...“ (30. Apr.) Im Repertoire des Hermannstädter Ensembles standen in diesem Schillerjahr auch „Maria Stuart“ und „Die Räuber“. (7. Mai) Der Zylinderhut wurde am 18. April 1905 100 Jahre alt: Ein „kühner Engländer“ zeigte sich in London zum ersten Mal mit einem Zylinder auf dem Kopf, dem es damals allerdings gar nicht gut erging, wie die Zeitung weiß; „in noch nicht einer Stunde war sein Hut von der Menge zerrissen, die die alten Traditionen heilig halten wollten. Ein Polizeiverbot von damals untersagte dann auch das Tragen hoher Hüte ...“ Später setzte sich der Zylinder durch und erlebte viele Formen. (30. Apr.)
„Aus Innsbruck wird vom 5. d. M. geschrieben: Gestern Früh
ist die neue Probebatterie von Maschinengewehren „Glockenspiel in München. Wie berichtet wird, erhält die Stadt München in kurzer Zeit ein Glockenspiel. Dasselbe wird in dem hohen Turme des neuen Rathauses angebracht werden ...“ (21. Mai)
Ein reichsdeutsches Mitglied des Guttemplerordens, Redakteur Heinz Gerken,
Linde- „Konzert des Musikvereins. Das am Donnerstag, den 15. d. M. im Stadthaussaale stattgefundene Konzert, welches uns unser Musikverein bot, bestand aus einer Fülle vornehmer Tonstücke. Insbesondere Schumanns Lieder, wiedergegeben durch die angenehme Sopranstimme des Frl. Josefine Roth, und die Lieder des Frauenchors fanden im Publikum ein großes Wohlgefallen ...“ (18. Juni) „Maturitätsprüfung. Am 22. und 23. Juni d. J. fand hier die Maturitätsprüfung im Beisein des Herrn Prüfungskommissärs Sr. Hochw. Bischofvikar Dr. Fr. Teutsch und des Herrn Regierungsvertreters Univers.-Prof. Dr. Isidor Fröhlich statt.“ Zur Prüfung waren sämtliche 15 Oktavaner zugelassen; alle bestanden die Prüfung. (25. Juni) Anmerkung: Eine Auswahl interessanter Nachrichten aus den Ausgaben der
zweiten Jahreshälfte 1905 des „Groß-Kokler Boten“
bringen wir in unserer nächsten Folge im Dezember. Aus Spargründen
hatten wir keine Kopien der „Schäßburger Zeitung“,
Jahrgang 1905, machen lassen und haben uns hier auf eine Auswahl von Nachrichten
bloß aus dem „Groß-Kokler“ beschränkt.
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