Jubiläum:
30 Jahre F. C. Entorsa Schäßburg
„Olympischer Traum“ und Faschingszeitung zum Jubiläum

Jubiläumsfeier F.C. Entorsa in Siebenbürgen -
Foto: A. Lingner
Ich bin sicher, dass der eine oder andere von uns mit F. C. Entorsa etwas
anfangen kann. Ja, natürlich. Das sind diese Lehrer aus der „Dreier“
gewesen (Allgemeinschule Nr.3 in Schäßburg) – aber nicht
nur diese, die 1974 –1975 einen, sagen wir mal, Sportverein gründeten,
in Anlehnung an frühere, in Schäßburg existierende Männer-
und Frauen-Turnvereine.
Dieses dreißigste Jubiläum wurde nun in der ersten Hälfte
des Monats Mai durch einen „Ausflug“ nach Schäßburg
beziehungsweise durch ein reichhaltiges Programm gebührend gefeiert.
Der Initiator der Jubiläumsfahrt war der Musiklehrer Uwe Horwath.
An Christi Himmelfahrt haben sich 48 Personen, F.-C.-Entorsa-Mitglieder
und F.-C.-E.-Fans, per Bus auf den Weg nach Schäßburg gemacht.
Begonnen wurde die Fahrt frühmorgens um vier Uhr in Flein.
Ein Finale nach Maß
Erste Station in Budapest, wo wir auf einer zweistündigen Stadtrundfahrt
einige Sehenswürdigkeiten der ungarischen Hauptstadt kennen lernen
konnten. Nach einer ersten Übernachtung in Ungarn ging es tags darauf
weiter, über die Grenze, bis etwa 10 Kilometer vor die Tore Mühlbachs,
wo wir bei „Lutsch 2000“ erstmals mit der siebenbürgischen
Küche, aber auch mit einheimischem Schnaps und Wein „Wiedersehen“
feierten. Entsprechend aufgeräumt und sangesfreudig ging es dann
über Hermannstadt und Mediasch nach Schäßburg weiter,
wo wir zu vorgerückter Stunde schon von unseren Gastgebern erwartet
wurden. Die meisten der F.-C.-Entorsa-Reisegruppe bezogen auf der Burg,
in den Hotels „Sighioara“ und „Haus mit dem Hirschgeweih“
Quartier.
An dieser Stelle soll auch erwähnt werden, dass von den 48 Busreisenden
rund die Hälfte F.-C.-E.-Mitglieder waren, während zu den Sympathisanten
außer weiteren Schäßburgern bzw. Siebenbürgern auch
fünf „echte“ Schwaben aus dem Ländle sowie ein Schweizer
zählten.
Tags darauf in Schäßburg eine Burgbesichtigung, die von dem
kundigen Bergschullehrer Hermann Baier geführt wurde. Leider ist
wegen Regens aus dem Ausflug auf die Breite nichts geworden, übrigens
der einzige Programmpunkt, der nicht umgesetzt wurde.
Ein einmaliges Erlebnis war die Fahrt zum Bulea, in die „Fogarascher“.
Mit der Gondel ging es hoch zum Bulea-See, wo uns eine einmalige Winterlandschaft
empfing, denn als es in Schäßburg tags zuvor regnete, schneite
es in den Karpaten. Bei strahlendem Sonnenschein verbrachten wir einige
wunderschöne Stunden in der Umgebung der neuen See-Hütte.
Das nächste Erlebnis, eine Tour mit dem Pferdewagen. In Dunnesdorf
wurde mit sechs Gespannen gestartet und zunächst nach Kreisch gefahren,
wo das Schloss „Bethlen“ besichtigt wurde, das zur Zeit eher
einer Bauruine denn einem Baudenkmal gleicht. Weiter ging es über
Peschendorf zum „Hanul Dracul“ im „Bagendorfer“
Grund, wo es wieder ein gemeinsames Essen gab. Von Dunnesdorf brachte
uns der Bus zurück nach Schäßburg.

Gruppenfoto von Unterwegs - Foto: A. Lingner
Der nächste Programmpunkt lautete einfach: Rundfahrt Neumarkt (Tg.Mure)
– Sovata – Praid – Corund – Schäßburg.
Am 12. Mai fuhren wir nach Kronstadt, wo unter anderem die Schwarze Kirche
besichtigt wurde, anschließend dann die Schulerau und die Törzburg.
Birthälm war unser nächstes Reiseziel, wo unsere Aufmerksamkeit
vor allem der Kirchenburg galt. Von da ging es über Mediasch nach
Bogeschdorf, wo unter anderem eine Weinprobe anstand.
Am zehnten Tag dann das Jubiläumsmatch bzw. die Jubiläumsfeier
„30 Jahre F. C. Entorsa“ mit einem gemeinsamen Abendessen
im „Haus Wagner“ auf dem Burgplatz. Das Jubiläumsspiel
wurde in der Sporthalle der einstigen Allgemeinschule Nr. 4 ausgetragen
(weil die neue Turnhalle in der “Dreier“ belegt war) und bestand
in mehreren Volleyballspielen. Es gewann die Mannschaft mit Kurt Ungar,
Renate Schulleri, Nikolaus Ruppert, Elwine Zackel, Albert Lingner und
Wilhelm Dörner. Den Pokal erhielt durch das Los Elwine. Zweiter wurde
das Team mit Horst Wolff, Kurt Schulleri, Anne und Fritz Bloos, Uwe Horwath
und Gertrud Schnell.
„Olympischer Traum“ in der WG Flein - Talheim
Das Jubiläumsjahr von F. C. Entorsa begann schon am 5. Februar in
Flein, in dem ganz neuen Festsaal der Fleiner – Talheimer Winzergenossenschaft,
mit einem Fasching, an dem knapp 80 Personen (F.-C.-E.-Mitglieder und
Sympathisanten) teilnahmen und der unter dem Motto „F. C. Entorsas
Olympischer Traum“ lief. Es war dieses der 30. Fasching und wie
alle Vorgänger mit einem reichhaltigen Kulturprogramm, Maskenprämierung,
Herzeltanz usw. ausstaffiert. Und auch dieses Mal fand tags darauf ein
Volleyballspiel in der Sporthalle der Waldorfschule statt.
Nach bald 30 Jahren F.-C.-Entorsa-Geschichte in Schäß-burg
/ Siebenbürgen und gegenwärtig in Deutschland ist von dem ganzen
Gebilde des Vereins lediglich dieses einmalige Jahrestreffen geblieben,
der Fasching am letzten Samstag vor Aschermittwoch sowie am Sonntag darauf
in einer Turnhalle das Volleyball-Tournier.
Aber dieses einmalige Treffen im Jahr, in den letzten Jahren immer in
Flein, hat es in sich und kann und darf nicht fehlen. Und dabei fing alles
viel bescheidener an,
vor dreißig Jahren in Schäßburg.
Also, da waren die Musiklehrer Werner Schwarz und Uwe Horwath, Gründungsmitglieder
des F. C. Entorsa und für mich die „Informationsquellen“
für diesen Bericht, die ihren Sport-Kollegen Nikolaus Ruppert 1974
fragten, ob in der Turnhalle der „Dreier“ einmal wöchentlich
Basket- und Volleyball gespielt werden könne. Es konnte!
Von Anfang an dabei waren noch die Lehrer Gert Lingner, Wilhelm Fabini,
Wolfgang Deppner, Kurt Ungar und der Nichtlehrer Horst Mergler. Und es
sollten in den nächstfolgenden Jahren noch einige Dutzend Männlein
und Weiblein mehr werden, die nun aus den verschiedensten Berufe herkamen.
Bei den Männern waren es unter anderen Albert Lingner, Viorel Rusu,
Jürgen Baier, Fritz Bloos, Herbert Roth, Kurt Sander, Mihaly Török,
ferner Horst Wolff, Willi Wielk, Misch Zinz, Kurt Schulleri, Heinrich
Weber, Hannes Polder, Helwig Schumann, Günther Schotsch und Hans
Hügel. Bei den Frauen nebst Justina Horwath, Brigitte Lingner und
Edda Schwarz waren das Anne Bloos, Ilse Böhm, Uschi Herbert, Doris
Mergler, Heide Polder, Hedwig Mathias-Ruppert, Rita Ungar, Elwine Zackel,
sodann Trudi Sander, Renate Schulleri, Detti Wielk, Ursula Zinz, Christa
Török, Adele Weber, Hildegard Schumann, Dorina Hügel u.
a.
(Bei der eingehend geschilderten Jubiläumsfahrt nach Schäßburg
waren von den Gründungsmitgliedern Uwe Horwath, Nikolaus Ruppert,
Kurt Ungar und Horst Mergler dabei.)
Aber noch hatte das „Kind“ keinen Namen, und eine Satzung
musste desgleichen her. Diese wurde an einem Dienstag im Oktober 1974
nach dem Turnen bei einem Glas Bier im „Stern“ verfasst. Sie
war in rumänischer Sprache in humorvoller Art geschrieben, ist heute
aber leider nicht mehr vorfindbar. Sie trat ab Januar 1975 in Kraft und
enthielt u. a. das Turnreglement, die Regelung für Beitragszahlungen
und Strafgebühren, z.B. bei unentschuldigtem Fehlen von den „Turnstunden“.
Auch der Name stand nun fest: F. für Fußball C. für Club
und Entorsa (lat.) für „Verstauchung/Verrenkung“. 1976
wurde die Satzung überarbeitet und ergänzt. Sie liegt heute
als wertvolles Dokument zur Einsicht vor.
Wegen des ständigen Anwachsens der Mitgliederzahl in den 70er Jahren
wurde eine größere Turnhalle gesucht und diese im Herbst 1979
in der einstigen Schäßburger Knabenschule, heute auch als „Agricola“-Schule
bekannt, gefunden.
Durch die Auswanderungswelle Anfang der 80er bedingt, schrumpfte die Mitgliederzahl
wieder, und 1984 wurden die sportlichen Aktivitäten des Vereins in
Schäßburg eingestellt.
Multikulti dort und hier
Der Verein hatte auch eine zweite, zwar weniger sportliche, aber durchaus
wichtige Seite, und das war das gesellige Beisammensein. Werner Schwarz
sagte es so: „In den Jahren der Not war diese Gemeinschaft den meisten
eine Quelle der Kraft, der Freude und Zuversicht. Man brauchte einander,
half sich in allen Lebenslagen, konnte loslassen, sich aussprechen.“
Geselliges Beisammensein also. Es waren dieses die Silvesterpartys, Faschinge,
Gartenfeste und Ausflüge auf die „Breite“, „Villa
Franka“, an die Kokel usw., usf.

Siegermannschaft: K. Ungar, R. Schulleri, N. Ruppert, E.
Zakel,
A. Lingner, W. Dörner - Foto: H. Schumann
2. Platz: U. Horvath, Fr. Bloos, G. Schnell, K. Schulleri,
A. Bloos, H. Wolff - Foto: H. Schumann
Silvester 1975/76 beispielsweise wurde bei den Horwaths gefeiert, und
der erste „offizielle“ F.-C.-E.-Fasching desgleichen bei dieser
Familie.
Uwe und Justina Horwath zählen auch hier in Deutschland zu den wichtigsten
Stützen des Vereins, denn Uwe wohnt in Flein, und da finden auch
seit über zehn Jahren die alljährlichen F.-C.-Entorsa-Faschinge
statt. Und die Gäste kommen aus ganz Deutschland.
Es beginnt mit einer Einladung. Diese ist in Versform abgefasst und wird
mit lustigen Zeichnungen garniert. Hier wird auch das Faschingsmotto angeführt.
In den verflossenen drei Jahrzehnten waren das unter anderem: Im wilden
Westen, Opern und Operetten, Im Märchenland, Auf dem Mond, Karneval
in Venedig bzw. Karneval in Rio, Auf den Bergen usw. In Schäßburg
zeichneten und malten Werner Schwarz und Kurt Schulleri die Dekorationen.
In Flein macht ein „echter“ Ulmer Schwabe, Berd Nüsseler
mit Namen, die Innenausstattungen der Säle. Zusammen mit seiner Frau
Gisela sind sie schon seit 20 Jahren dabei.
In Stichworten,
was auf einem solchen Fasching alles abläuft:
Bewertung und Prämierung der schönsten oder lustigsten Masken/Kostüme,
Polonaise, kulturelles Programm, bestehend aus Tänzen, Sketchs oder
turnerischen Darbietungen,Marionettenvorführungen, Gedichtvorträgen
usw. Tanz zu „live“-Musik – in Flein zu der Musik einer
fünfköpfigen Combo-Band (alles Siebenbürger Sachsen) –
in Schäßburg seinerzeit außer Tonbandmusik noch die Hausmusikanten:
Werner (Trompete), Uwe (Akkordeon) und Gert (Tuba).
Symbolisch, und um das F. C. Entorsa in unserem Vereinsnamen zu rechtfertigen,
wird nun hier in Deutschland am Sonntag nach dem Fasching ein Volleyball-Turnier
in der Sporthalle einer Schule ausgetragen. Anlässlich des 10-jährigen
Bestehens beim Fasching in Ulm (1985) wurde erstmals ein Pokal unter der
Siegermannschaft verlost. Den gab es dann jedes Jahr aufs Neue. Seit zwei
Jahren nun macht ein Wanderpokal die Runde.
Anlässlich des 20-jährigen Bestehens (1995) wurde erstmals eine
„hauseigene“ Zeitung, die F. C. Entorsa Zeitung, herausgebracht.
Sie wird in Ulm bei und von Nüßelers gemacht, von Jens, dem
Sohn der Familie am Rechner. Nun können diese „echten“
Schwaben gar kein Siebenbürgisch- Sächsisch sprechen, aber sie
verstehen unseren Dialekt schon immer besser: Auch eine Form von Multikulti.
Helwig Schumann (Untergruppenbach)

Letztes Update:
2005-10-16
- Adresse dieser Seite: http://www.hog-schaessburg.de
/ http://www.schaessburg-net.de
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